Mitgegangen von Jürgen Ehlers

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei KBV.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Düsseldorf, 1910 - 1929.

  • Hillesheim: KBV, 2005. ISBN: 3937001506. 360 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006. Gesprochen von Peter Woy. ISBN: 3866672519. 9 CDs.

'Mitgegangen' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Düsseldorf, Februar 1929. Am Zaun einer Großbaustelle wird die Leiche eines kleinen Mädchens gefunden. Gewürgt, missbraucht, erstochen, mit Petroleum übergossen und angezündet. »Wer tut so etwas?”, fragt einer der Polizisten erschüttert. Die zynische Antwort lautet: «Meistens der Vater. Oder der Onkel.”Doch dieser Fall ist anders.Kommissar Wilhelm Berger sieht sich rasch mit einer ganzen Reihe brutaler Überfälle auf Männer, Frauen und Kinder konfrontiert. Ist hier ein Wahnsinniger am Werk? Ein Verdächtiger wird schließlich gefasst und gesteht alles. Doch die grausamen Morde gehen weiter ...Dieser Fall hat sich tatsächlich zugetragen, wenngleich die Namen der Opfer abgeändert wurden. Jürgen Ehlers zeichnet das bizarre Bild des triebhaften Serientäters Peter Kürten, der mit seinen grausamen Verbrechen die Düsseldorfer Bevölkerung monatelang in Furcht und Schrecken versetzt und unter dem Namen "Der Vampir von Düsseldorf” in die Kriminalgeschichte einging..

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine dunkle Zeit in der Geschichte Düsseldorfs« 72°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Vorbemerkung: Der Verfasser der nachstehenden Buchbesprechung distanziert sich von allen Vermutungen, er könne aufgrund der auffälligen Namensgleichheit mit dem Vampir von Düsseldorf verwandt oder verschwägert sein. Auch die Tatsache, dass er in Düsseldorf wohnt, dem Tatort der blutigen Ereignisse vor über 75 Jahren, ist Zufall und nichts anderes als purer Zufall. Es gibt viele Kürtens in dieser Stadt, mit denen er nicht verwandt ist und das ist ja schließlich auch nichts ungewöhnliches.

Im späten Winter des Jahres 1929 beginnt in Düsseldorf eine der grausamsten Mordserien der deutschen Kriminalgeschichte. Erstes Opfer ist ein kleines Mädchen, es folgen junge Frauen, Prostituierte, aber auch ein Mann wird angegriffen. Der junge Kommissar Berger, der wegen seiner Liebe zu einer Studentin aus reichem Hause an die Stadt am Rhein gekommen ist, arbeitet mit einem ganzen Team unter Hochdruck an der Aufklärung der Morde, doch der Mörder scheint keine Spuren zu hinterlassen. Auch hinzugerufene Spezialisten aus der Reichshauptstadt Berlin können den Kriminalisten nicht zum erhofften Durchbruch verhelfen.

Irgendwann entdecken die Polizisten in der Nähe eines Tatorts Erbrochenes. Hier erst wird der Grund klar, warum man an den Fundorten der Leichen so wenig Blut gefunden hatte: Der Mörder hatte es getrunken. Das bringt ihm in der Bevölkerung den Namen »Vampir von Düsseldorf« ein.

Auf der Suche nach dem Motiv

Jürgen Ehlers schildert mit einem großen Maß an Ortskenntnis die Geschehnisse von damals, wobei er den meisten in Erscheinung tretenden Personen (außer »Vampir« Peter Kürten) neue Namen gab. Über 80% der Handlung beschreiben die Ermittlungen der Polizei, Schnappschüsse aus Bergers scheiternder Liebe zu der jungen Studentin sind nahezu die einzige Nebenhandlung, die der Autor zulässt. Dennoch versteht er es, den einzelnen Polizisten unverwechselbare Wesenszüge zu verpassen, ohne dabei plumpe Klischees zu bedienen.

Im Nachhinein erschreckt es, wie viele Fahrlässigkeiten der Polizei damals unterliefen und was man alles an potenziellen Spuren und Zusammenhängen nicht erkennen konnte. Ehlers berücksichtigt aber auch die gegebenen Möglichkeiten der damaligen Zeit. Eine Zeit, in der unter den verletzt, aber lebend entkommenen Opfern Kürtens viel Angst und Scham eine zweckdienliche Aussage kaputt machte und die Spuren des Mörders immer wieder verwischten. Eine große Leichtsinnigkeit oder besser Dummheit des Vampirs bringt nach anderthalb Jahren endlich die Polizei auf die richtige Spur.

Durchaus spannend und unterhaltsam ist dieser Roman aufgebaut. An einem mangelt es ihm jedoch am Ende: Warum hat Kürten so grausam gemordet? Der Roman bleibt die Antwort auf die Frage nach einem Motiv schuldig. Man darf den Eindruck gewinnen, Peter Kürten ist der nette, unscheinbare, gebildete und höfliche Mann von nebenan. Aber wieso er diesen unstillbaren Durst nach Gewalt hatte, wird auch nicht im Ansatz erklärt. Zugestanden, es gibt Sekundärliteratur, die sich mit dem Leben und der Psyche Kürtens auseinander gesetzt haben. Hier kann man die Antworten finden. Warum Ehlers diese Antworten unerwähnt lässt, bleibt dem Leser leider ein Rätsel, das nicht ungelöst bleibt.

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K. B. zu »Jürgen Ehlers: Mitgegangen« 18.11.2005
Dieses Buch ist einer der interessantesten Krimis, die ich in letzter Zeit gelesen habe! Jürgen Ehlers beschreibt mit großem Hintergrundwissen Örtlichkeiten und das Leben Ende der 1920er-Jahre in der Rhein-Metropole Düsseldorf. Gekonnt fängt er die bedrückende Atmosphäre ein, die zur damaligen Zeit auf den Straßen geherrscht haben muss und von dem blutrünstigen Serienmörder Peter Kürten ("Dem Vampir von Düsseldorf") ausgegangen ist.

Die Protagonisten - allen voran - Kriminalkommissar Wilhelm Berger und sein Chef, Kriminalpolizeirat Erich Mombach, sowie die anderen Mitarbeiter der "Mordkommission A" der Düsseldorfer Kriminalpolizei sind dem Autor vortrefflich gelungen. Facettenreiche Charaktere und grundverschiedenes Verständnis von der Ermittlungsarbeit zeichnen die Beamten aus - dabei bedient sich Ehlers keiner typischen Detektiv-Klischees.

Mein (persönliches) Highlight ist die Ankunft des berühmten Berliner "Mord-Kommissars", Kriminalpolizeirat Ernst Gennat; und später dann die Ankunft des bekannten "Wilderer-Jägers" aus Berlin, Kriminalkommissar Otto Busdorf.

Ehlers hat diesen Krimi sprachlich einfach und somit leicht verständlich gehalten. Der wörtlichen Rede folgen direkt die Gedankengängen der einzelnen interagierenden Personen, was anfangs ein wenig ungewohnt war, sich aber im fortwährenden Leseprozess sehr schnell gibt.

Allerdings - mein einziger Kritikpunkt - sind viele Personen und Gegenstände undetailliert geschildert. Man braucht also schon eine gehörige Portion Phantasie, wenn man sich in das Geschehen hineinversetzen möchte. Daher würde ich das Buch auch nur jemanden empfehlen, der Ahnung von den 1920er-Jahren im Deutschen Reich hat, sich also ein "Bild" von der damaligen Zeit machen kann, und nicht gerade zart besaitet ist. Der Autor hat bei seinen Schilderungen anscheinend mehr Wert auf den Charakter der einzelnen Personen gelegt, als auf ihr Aussehen. In meinen Augen sollten beide Attribute mehr ausbalanciert sein.

Abschließend kann ich dieses Buch jedem empfehlen, der sich für die "dunkle Seite" der sonst so goldenen 1920er-Jahre interessiert, wirklich guten Krimis, Peter Kürten, die damalige Arbeit der (Kriminal-) Polizei und für die Rhein-Metropole Düsseldorf.

Wie Thomas Kürten in seiner oben stehenden Kritik bereits festgestellt hat, wartet man vergeblich auf das Motiv der Serienmorde. Wer sich am Ende trotzdem für das "Warum?" interessiert, der sollte die Fachliteratur zu Rate ziehen. (Meine Empfehlung: Karl Berg: Der Sadist. Gerichtsärztliches und Kriminalpsychologisches zu den Taten des Düsseldorfer Mörders Peter Kürten. Mit zwei Artikelserien des Kriminalpolizeirats Ernst Gennat und der Verteidigungsrede von Dr. Alex Wehner, hg. von Michael Farin. München: belleville 2004. 251 S. 39 Abb. Broschiert. EUR 20,00. ISBN: 3-923646-12-7) - K. B.
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