Ciao Papá von Juan Damonte

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1997 unter dem Titel Chau Papá, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Lateinamerikaverlag.

  • Barcelona: Virus, 1997 unter dem Titel Chau Papá. 188 Seiten.
  • Solothurn: Lateinamerikaverlag, 2007. Übersetzt von Peter Tremp. 188 Seiten.

'Ciao Papá' ist erschienen als

In Kürze:

Es sind die Zeiten der Militärdiktatur in Argentinien. Wie ein Roadmovie führt die rasante Geschichte durch den Dschungel der Großstadt Buenos Aires. Der dreißigjährige Carlitos Tomassini wird aus dem Gefängnis entlassen. Seine Onkel, Bosse der italienischen Mafia in Buenos Aires, wollen mit ihm ein Geschäft lancieren, vorausgesetzt er arrangiert sich mit ihnen und führt ein unauffälliges Leben. Doch daraus wird nichts. Zusammen mit seinem Freund, dem Dicken, macht er sich auf die Suche nach seinem verschwundenen linksextremen Cousin. Aufgedreht durch ihren Kokainkonsum, hinterlassen die beiden im Kampf gegen die Folterknechte der Diktatur eine blutige Spur durch die Hauptstadt, die auf die Mülldeponie führt und in einer blutigen Schießerei in einem hoffnungslosen Quartier der Hauptstadt endet.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ungemein kraftvoll zu Papier gebracht« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Aus Müll zusammengesetzt und vergriffen – mit diesem Vermerk hat der Schweizer Verleger Peter Tremp den Roman Ciao Papá von einer argentinischen Bekannten in die Hand gedrückt bekommen. Und erfreulicherweise genug Mut aufgebracht, diese überaus harte novela negra auf Deutsch herauszubringen.

Die Nacht, in der wir meinen dreißigsten Geburtstag feierten in diesem Tränental, war etwas leichter zu vergessen als weitere, die folgten.

Und es gibt wahrlich leichter zu verdauende Kriminalromane als Ciao Papá. Dieser Satz, der Einstieg in eine knapp 190 Seiten lange, bombastische Erzählorgie aus Koks, Blut, Folter und Gewalt, deutet nur ganz schwach an, was den Leser erwartet. Alles andere als ein Zuckerschlecken. Ein im Hirn haftender Kriminalroman, eine streckenweise brilliant geschriebende Abrechnung mit der Militärjunta in Argentinien.

Carlitos Tomassini, Klein-Mafiosi, wird pünktlich zu seinem dreißigsten Geburtstag aus der Haft entlassen. Über das, was er dort erleben musste, spricht er lieber nicht. Ertränkt seine Erinnerungen in Whisky, betäubt seine Sinne mit Koks. Seine Familia, durch die Bank unglaublich »nette« Mafia-Bosse italienischer Abstammung, will sich rührend um ihn kümmern, ihm eine ganz legale  Autowerkstatt aufbauen und en passant so ein paar schmutzige Pesos sauber waschen. Einzige Bedingung: kein Schnaps, keine Drogen, keine Exzesse, keine Verbrechen mehr. So unauffällig wie möglich, so legal wie nötig, soll Carlitos eine kleinbürgerliche Existenz aufgebaut bekommen.

Doch Carlitos´ Onkel – bei ihnen nicht an Marlon Brando und Al Pacino zu denken, ist nicht ganz leicht – haben die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Denn Carlitos muss sich per Telefon anhören, wie seine Lieblingstante von den Schergen der Junta vergewaltigt wird, muss erfahren, dass sie fast zu Tode geprügelt wurde und dass sein Cousin, einer der politisch ganz linken Sorte, entführt worden ist. Gemeinsam mit dem »Dicken«, seinem besten Kumpel, macht er sich wider allen Ermahnungen auf einen orgiastischen Rachefeldzug in einer unheimlichen wie unwirklichen Stadt.

»Du bist erledigt, Carlitos«, sagte er. »Erst dreißig und schon am Ende. Klar, du dröhnst dich mit Drogen zu. Was zum Teufel schert es dich, was mit diesem Scheißjuden passiert ist? Bist du nun vollkommen verrückt geworden? Ist dir klar, mit wem du es da zu tun hast? Verglichen mit diesen Leuten ist Caputo ein Milchgesicht! Nein, nein, nein, du bist ein toter Mann! Verlass das Land, solange du noch kannst, wenn es nicht schon zu spät ist.« [...]
»Grüße deine Frau und deinen Sohn von mir«, sagte ich und verschwand. 

Ciao Papá ist ein blutiges Roadmovie, ein schwarzer Metropolenroman, ein unverklärter Blick auf brutale Zeiten – drastisch, deutlich, desillusionierend. Ein ganz starkes Stück Kriminalliteratur, ungemein kraftvoll zu Papier gebracht. Schade, dass wir von diesem Autor nicht weitere Romane erwarten dürfen. Das Manuskript für einen weiteren Krimi vergaß er schusseligerweise in einem Taxi in Mexiko-Stadt. Damonte verstarb vor zwei Jahren.

Lars Schafft, September 2007

Ihre Meinung zu »Juan Damonte: Ciao Papá«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

kuerten zu »Juan Damonte: Ciao Papá« 25.09.2007
Das Büchlein kommt so unscheinbar daher... und dann trieft es nur so vor Gewalt und Verbrechen.
Der Roman zeichnet eine Sackgasse, das Leben eines 30-jährigen Kleinkriminellen, der nicht aus seiner Haut kann. Dramaturgisch konsequent zu Ende gebracht.
Es ist erstaunlich, wie oft dem Protagonisten die Auswege vor Augen geführt werden: Hör mit dem Koksen auf, geh ins Ausland, führ ein ruhiges und bürgerliches Leben. Aber Carlitos kann nicht und steigert sich zwischen Rachefeldzug, Bandenkriminalität und den Schergen eines Schreckensregimes in ein brachiales Ende.
Eine ganz positive Überraschung...
achim zu »Juan Damonte: Ciao Papá« 13.09.2007
Ciao Papá, ein Roman, erzählt wie eine Kokslinie gezogen. Gradlinig, weder rechts noch links erscheint wichtig.
Der Autor hat mit diesem Roman sicherlich eine Abrechnung mit der damaligen Militärdiktatur vollzogen, Menschen sind in seinem Roman wertloses Fleisch. Anständigkeit und Rechtschaffenheit wird der Leser vergebens suchen. Lügen und betrügen, Kälte, Einsamkeit und sinnloses Handeln der Hauptperson bestimmen den Ablauf des Romans. Der Leser taucht ein in eine Welt des Scheins und extremer Gefühlskälte. Leider versäumt der Autor dem Leser die Protagonisten des Romans näher zu bringen. Ich fühlte mich ausgestossen aus dieser Welt der Korruption der Regierung und der verbrecherischen Taten der Mafia. Ich war ein unbeteiligter Leser, dem es egal ist, was mit der oder den Hauptpersonen letztendlich passiert. Weder Hass noch Freude konnte ich empfinden, so weit war Carlitos Tomassini mir entfernt. Egal ob ihn das Koks, Kugeln oder staatliche Folter zur Strecke bringen würden, mir war es egal, diese Person blieb mir gleichgültig. Auch das Geständnis seines Freundes am Ende des Romans wirkte irgendwie farblos und uninteressant. Dafür gebe ich einige Punkte Abzug. Ansonsten konnte das Büchlein gut unterhalten und hebt sich etwas vom allgemeinen Krimikosmos ab.
Ihr Kommentar zu Ciao Papá

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: