Schneller als der Tod von Josh Bazell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Beat The Reaper, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: New York, 1990 - 2009.
Folge 1 der Peter-Brown-alias-Pietro-Brnwa-Serie.

  • New York: Little, Brown and Co, 2009 unter dem Titel Beat The Reaper. 310 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2010. Übersetzt von Malte Krutzsch. ISBN: 978-3-10-003912-5. 300 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011. Übersetzt von Malte Krutzsch. ISBN: 978-3-596-18416-3. 318 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2010. Gesprochen von Christoph Maria Herbst. ISBN: 978-3867175401. 6 CDs.

'Schneller als der Tod' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Pietro ist clever und smart und war Killer für die New Yorker Mafia. Er stieg aus und glaubt sich sicher – er ist erstens im Zeugenschutzprogramm und zweitens Arzt in einem Krankenhaus. Bis einer der alten Feinde eingeliefert wird. Diagnose: Krebs im Endstadium. Wenn er stirbt, ist Pietro geliefert. Die nächsten acht Stunden im Tollhaus der Klinik werden zum atemlosen Wettkampf um sein Leben.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wunderbar böse und zärtlich zugleich« 83°

Krimi-Rezension von Georg Patzer

Arzt zu werden, war immer sein größter Traum. Endlich konnte Peter Brown ihn sich erfüllen. Und arbeitet jetzt als Assistenzarzt in der Inneren im großen Manhattan Catholic Krankenhaus in New York. Und kennt sich aus mit der menschlichen Anatomie. Zum Beispiel weiß er, was passiert, wenn er dem Dödel, der ihn ausrauben will, auf die Kehle schlägt: »Trifft sie, wird sie die empfindlichen Knorpelspangen zerstören, die die Wand der Luftröhre versteifen. Wenn er dann das nächste Mal einatmet, verschließt sich die Luftröhre wie ein After,, und ihm verbleiben vielleicht noch sechs Minuten, bis ihn der Schnitter holt. Selbst, wenn ich bei dem Versuch, ihm einen Luftröhrenschnitt zu machen, meinen Propulsatilkuli ruiniere.« Also haut er ihm auf die Nase. »Die gibt nach wie nasser Lehm. Nasser Lehm mit Zweigen drin. Der Dödel knallt bewusstlos auf den Gehsteig.« Und dann, er ist ja schließlich Arzt, versorgt er ihn: »Ich drehe den Dödel auf die Seite, damit er nicht erstickt, und lege ihm den nicht gebrochenen Arm unter den Kopf, damit sein Gesicht vor dem eisigen Pflaster geschützt ist. Dann prüfe ich, ob er noch atmet. Er blubbert direkt vor Lebensfreude.«

So flott und witzig, mit einem zynischen Einschlag beginnt der Roman von Josh Bazell. Da sprüht es nur so von komischen Kommentaren über Pharmavertreterinnen und Assistenzärzte: »’Die Station ist der reinste Albtraum’, sagte Akfal, der andere Assi in meinem Team, als ich ihn endlich ablösen komme. Was den Zivilisten ihr ´Hallo’, ist den Assistenzärzten ihr ’Die Station ist der reinste Albtraum.’«

Aber dann erlebt der Ich-Erzähler Dr. Peter Brown seinen eigenen Alptraum. Als er nämlich in das Zimmer eines Patienten kommt, der ihn von früher her kennt: als Mafia-Killer Pietro Brnwa. Der sich mit einem Zeugenschutzprogramm von seiner Vergangenheit entfernt hat. So etwas hat natürlich die »Familie« nicht gerne. Und also ist die Jagd eröffnet. Und zwar schnell. Denn die modernen Kommunikationsmittel sind nicht nur ein Segen, sondern sie lassen auch den Tod schneller kommen.

Das ist fast schon eine normale Geschichte. Aber wie Bazell sie erzählt, ist alles andere als normal. Das beginnt bei den vielen Fußnoten, in denen er manche Sachverhalte erklärt. Zum Beispiel Tibia und Fibula, die beiden Unterschenkelknochen. Oder en Unterschied zwischen dem geflügelten Stab mit zwei Schlangen (steht für Hermes und damit für den Handel) und dem ungeflügelten Stab mit nur einer Schlange (steht für Äskulap: »Hätten Sie’s gewusst?«). Oder warum er sich Peter Brown nennt (nach dem Song »The Ballad of John and Yoko«, in der die Zeilen vorkommen: »Peter Brown called to say / You can make it O.K. / You can get married in Gibraltar near Spain.« Denn Peter Brown war der »am längsten für die Band aktive Roadie der Beatles«).

Sein Sarkasmus macht vor nichts halt. Auch nicht vor den Moribunden: »Mr. LoBrutto? Anruf für Sie auf Leitung eins. Gesagt hat er’s nicht, aber es hat sich angehört, als wär’s der Schnitter.« Selbst nicht, als er quer durch’s Krankenhaus gejagt wird, denn er hat ja noch seine Patienten. Und er ist gerne Arzt. Und vor allem ist da diese junge Frau, der ein Bein amputiert werden soll. Und als sich Brown fast gerettet hat, fällt ihm noch eine andere Diagnose ein, mit der ihr das Bein erhalten bleiben kann. Und deswegen kehrt er noch mal um.

 Es ist ein wunderbar böses und zärtliches Buch, brutal und liebevoll, sachlich und kitschig, ernst und satirisch, realistisch und parodistisch gleichzeitig.

Georg Patzer, April 2010

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Pascal zu »Josh Bazell: Schneller als der Tod« 08.04.2015
Action, Sex, Rache, Gewalt, alles was das Männer-Lese-Herz begehrt möchte man meinen und es war bei mir auch so. Ein so rabiates Buch habe ich noch nie gelesen. Der offene Umgang und bis ins Detail beschriebene Gewalt und Erotik haben mich angesprochen, es mich einsaugen lassen. Habe mir sofort den zweiten Teil bestellt und hoffe nicht entäuscht zu werden. Schreibstil und Handlung ist sehr abwechslungsreich, aber nie austauschbar. Zu hundert Prozent empfehlenswert. Ich werde es bstimmt wieder lessen.
Charlotte Eisner zu »Josh Bazell: Schneller als der Tod« 10.06.2014
Ich habe schon lange kein so spannendes und actionreiches Buch gelesen. Der Krimi reißt einen mit, im wahrsten Wortsinne. Intelligente und spannende Unterhaltung, und ich muss sagen, die letzten Kapitel haben mich umgehauen, so etwas habe ich noch NIE ZUVOR gelesen. Und ich habe schon viele Krimis gelesen. Das Buch ist einfach GROSSARTIG!!!
Titus zu »Josh Bazell: Schneller als der Tod« 05.11.2013
Gerade fertig gelesen und mir hat es jetzt am Schluss komplett die Sicherungen rausgehauen! Ich bekomme mich noch immer nicht ein!
Ich liebe diese aufgeteilten Kapitel denn man freut sich immer wieder auf das nächste weil man wissen will es weitergeht! es macht Spaß es zu lesen und ich kann es nur jedem empfehlen der auf Krimis steht ;)
Fazit ich bin begeistert!
crimetime zu »Josh Bazell: Schneller als der Tod« 26.08.2013
Sorry! Nach rund 75 Seiten hatte ich genug von diesem "Humor" genossen, ging mir die Brutalität auf die Nerven, waren mir die Zeitsprünge zu anstrengend und die Figuren zu stereotyp. Meines Erachtens war es weder ein Krimi noch ein Thriller. Ich hatte mehr erwartet, insbesondere, da das Buch den deutschen Krimipreis bekommen hat.
DDD zu »Josh Bazell: Schneller als der Tod« 05.07.2013
Diese vielen Rückblenden machen das Buch ja aus und interessant. Man switch vor und zurück, Präsens und Vergangenheit. Man könnte davon ausgehen bzw. behaupten, dass dieses Buch ein "Männer Buch" ist. Mir, als Frau, gefielen die Ausschmückungen der "Gewalt" und machen meiner Meinung nach das Buch und das Know-How als "Killer" aus. Bei den medizinischen Ausdrücken war ich etwas überfordert, die Schilderungen machten das wieder wett. Der Schreibstil ist gewandt, spannend und vielfältig.

Die deutsche Übersetzung ist jedoch mit einigen Fehlern bzw. falschen Satzzusammenstellungen verseht. Aber darüber kann man wegschauen.

FAZIT: Wer einen Mix von Action, Gewalt, Humor, Mafiabezug und einen hauch von Romantik sucht, Tipp: Lies das Buch!!!
kianan zu »Josh Bazell: Schneller als der Tod« 14.01.2012
Das Buch wurde gelobt für die neue Idee für ein Krimi und seinem Humor. Neue Idee - ja. Für mich persönlich waren die Schilderungen jedoch viel zu brutal (die sich über das ganze Buch erstrecken) und davon war ich auch regelrecht genervt. Witzig war es auch, aber - wenn man es so formulieren kann - Witze, die Männer lieben?! Was auch zeigt, dass mein Mann das Buch sehr gut fand, ich eigentlich nur genervt war.
koepper zu »Josh Bazell: Schneller als der Tod« 02.10.2011
Absolute Klasse. Eine ganz ungewöhnliche Geschichte erzählt Bazell. Zu einem besticht die aus dem Rahmen fallende Geschichte, die überhaupt nicht dem Mainstream folgt. Darüberhinaus hat Josh Bazell auch sprachlich viel zu beiten. Zum einen bedient er sich eines sehr flapsigen Stils. Und dann streut er Fußnoten ein, die ganz sachlich medizinische, rechtliche und andere Fakten erläuterten. Ich fand das überhaupt nicht störend, sondern sehr informativ. Das Buch ist hart, vor allem der Schluss ist schon sehr heftig. Aber es ist auch sehr emotional und letztendlich auch eine Liebesgeschichte. Hoffentlich hält Bazell diese Qualität, für mich eine echte Entdeckung.
schredder66 zu »Josh Bazell: Schneller als der Tod« 09.08.2011
Ich kann mich im Großen und Ganzen der KC-Rezi anschliessen - meine Bewertung liegt irgendwo zwischen 80° und 85°.

Störend, und da gebe ich allen Rezensenten recht, sind die den Lesefluss störenden Fußnoten. Sie sind für die Geschichte nicht relevant, aber interessant - und meistens humorvoll.

Die kritisierten vielen Rückblenden stören mich keineswegs - im Gegenteil: Ich erfahre etwas über Peter Brown und sein Vorleben. Dass die ganze Geschichte etwas zu unrealistisch erscheint, mag stören - ist aber dem Schreibstil angemessen.

Das Buch ist ein Pageturner, durchaus in ein paar Stunden zu lesen. Bazell´s Schreibstil gefällt mir - spätestens seit Charlie Huston´s "Clean Team" gehören solche Romane zu meinen Favoriten.

Ich freuen mich auf den zweiten Roman mit Peter Brown. Wenn Bazell seine Art zu schreiben und Geschichten zu erzählen beibehält, dann habe ich (für mich) einen neuen Autor entdeckt bzw. auf meine Top-Liste gesetzt.
MrNice2011 zu »Josh Bazell: Schneller als der Tod« 08.08.2011
Ich gebe zu, ich wurde durch den ungewöhnlich großen Werbeinsatz auf diese Buch aufmerksam. Die Erfahrung zeigt mir, dass eine intensive Werbung nichts über die Qualität des Buches aussagt. Der Autor hat sicherlich versucht im Stile von Filmemacher Tarantino ein Buch zu schreiben, dass von Aktion, Sarkasmus und der entsprechenden Blutmenge lebt. Leider wurde das Ziel verfehlt und Quentin Tarantino würde diesen Roman mit Sicherheit nie verfilmen. Ich war enttäuscht von der Handlung und musste mich regelrecht zwingen das Buch zu Ende zu lesen. Nichts war von der reißerischen Werbung übrig geblieben. Eine Empfehlung würde ich nicht unbedingt aussprechen, aber vielleicht waren meine Erwartungen auch einfach zu hoch.
Torsten zu »Josh Bazell: Schneller als der Tod« 03.08.2011
Eigentlich ist das gar kein Krimi - jedenfalls wenn man ganz grob ein Verbrechen und dessen Aufklärung erwartet.
Bleibt also eine Geschichte über das Auffliegen eines Ex-Killers im Zeugenschutzprogramm samt darin eingewobener Lebensgeschichte im Rückblick, immer hübsch im Wechsel.
Zweifellos sehr gut lesbar, in einem sehr speziellen flapsigen, lakonischen, teils arg makabren Stil.
Ob das ganze realistisch ist, vom allgemeinen Klinikbetrieb bis zum doch sehr gewagten Abschluss, darf man ruhig vernachlässigen - unterhaltsam ist das allemal.
Gestört haben mich ein wenig die Fussnoten - teils werden (medizinische) Fakten erläutert, teils rein fiktive Details erwähnt. Ersteres könnte man in einen Anhang verbannen und letzteres im Text unterbringen, das fände ich persönlich sinnvoller.
Ausserdem war die Geschichte an sich letztlich merkwürdig in der Luft hängend - wenn man im Rückblick darüber nachdenkt, ist - in der Gegenwart - verblüffend wenig passiert. Da die Lebensgeschichte als Rückblick nur einmal erzählt werden kann, muss sich Bazell für das nächste Buch schon etwas mehr Inhalt ausdenken. Eine kleine Vorschau auf den im Herbst erscheinenden Folgeband findet sich am Ende - insgesamt ist Idee und vor allem aber der Schreibstil so gelungen, dass ich auf jeden Fall auch den folgenden Band lesen werde.

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