Einmal durch die Hölle und zurück von Josh Bazell

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Wild thing, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Fischer.

  • New York: Reagan Arthur Books, 2012 unter dem Titel Wild thing. 240 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011. Übersetzt von Thomas Gunkel. ISBN: 978-3-10-003913-2. 400 Seiten.

'Einmal durch die Hölle und zurück' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Peter Brown alias Pietro Brwna ist wieder da! Der Arzt und ehemalige Mafiakiller arbeitet unter neuem Decknamen auf einem Kreuzfahrtschiff, als er einen Auftrag erhält: Für einen mysteriösen Milliardär soll er überprüfen, ob dieser einem Schwindler aufgesessen ist. Zusammen mit der überaus attraktiven Paläontologin Violet macht sich Peter auf die Suche nach der Wahrheit – und landet mitten zwischen Drogen mixenden Rednecks, Geschäftemachern, Neureichen, Politikern, Abenteurern und einer menschenfressenden Bestie. Willkommen in Minnesota.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Arzt, der Killer, die Schöne und das Biest« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Pietro Brnwa, diesmal alias Dr. Lionel Azimuth, hat Krankenhäusern (siehe: Scheller als der Tod) den Rücken gekehrt und arbeitet als stellvertretender Bordarzt auf einem Kreuzfahrtschiff. Zumindest zu Beginn seiner Odyssee Einmal durch die Hölle und zurück. Denn alsbald (und für 85 000 Dollar) findet er sich als Bodyguard für die höchst anziehende Paläontologin Violet Hurst auf einer Expedition ins Hinterland Minnesotas wieder. Auftraggeber: Rec Bill, der vierzehntreichste Mann der USA. Auftrag: Hurst beschützen, während er gleichzeitig herausfinden soll, ob die kostspielige Suche nach »Willliam«, dem Monster vom White Lake, ein mehr oder minder klug aufgezogener Schwindel ist.

Zwischen mehrfachen, unaufgeklärten gewaltsamen Todesfällen, Neureichen der unterschiedlichsten Art, Drogenküchen betreibenden Hinterwäldler(innen) und Sarah Palin begibt sich Pietro/Lionel auf seine ureigene Reise ins Herz der Finsternis. Dass irgendwo auch noch rachsüchtige Mafiaschergen lauern, die es auf den Kopf des abtrünnigen Profikillers abgesehen haben, kommt noch erschwerend hinzu.

50 Seiten Anhang, Fußnoten en masse; dass es sich bei Einmal durch die Hölle und zurück nicht um einen Standardthriller handelt ist von Anfang – und besonders dem Ende her – klar. Josh Bazell entfacht einen ausufernden Kleinkrieg gegen Kreationismus, dumpfe Politiker, die Ausbeutung der Erde und ihrer Bewohner und sagt – besonders in Gestalt von Violet Hurst – dem von Menschen beeinflussten Klimawandel den Kampf an. Das ist meist brillant formuliert, sprüht über vor scharfzüngigem Witz und genauen Beobachtungen. Bazell liefert eine Nummernrevue, die sich gewaschen hat, der das redundante Geplapper eines Quentin-Tarantino-Films (der ja gerne als Vergleich angeführt wird) aber völlig abgeht. Wer behauptet Wut sei ein schlechter Ratgeber, der hat noch keinen Roman Josh Bazells gelesen. Er prangert nichts weniger als die Welt an, einen Ort, in dem die Opfer nicht einmal merken, wenn sie zu Opfern werden, oder denen es schlicht egal ist:

[Es handelt sich um] verblendete Rassisten […], die jedem plutokratischen Kandidaten zuliebe, der bereitwillig den Namen Jesu in seine Reden einfließen lässt, gegen ihre eigenen Rechte stimmen.

Das ist ein Gottesdienst für angehende Agnostiker und Zyniker, ein Verbündeter gegen die Dummdreistigkeit, die bestimmte Personen antreibt, jede Vernunft wider besseres Wissens fahren zu lassen. Sei es aus Profitgier, unerschütterlichem Glauben an irgendwas, zwischen großem Mann mit langem, wallendem Bart, bemütztem Mann mit kürzerem Bart, der einem angeblich eine Vielzahl von willigen Jungfrauen verspricht, wenn man sich seinem (von verblendeten Fanatikern formulierten) Willen aufopfert, und dem fliegenden Spaghetti-Monster.

Hat den Nachteil, dass die eigentliche Handlung ein wenig ins Hintertreffen gerät. »William«, die menschenfressende Monstrosität des White Lake ist schon harter Stoff als Aufhänger, unseren gebenedeiten Arzt und Killer auf’s Tapet zu bringen. Aber im Kampf gegen die Verdummung ist jedes Mittel recht, und ganz so weit von der Realität ist die Auflösung des Romans nicht (s.u.). Doch natürlich muss angemerkt werden, dass besonders die Vielzahl an launigen (und informativen) Fußnoten natürlich eine Heraus/Überforderung des an stringentem Spannungsaufbau und wohlkalkulierter Verbrechensausführung und –bekämpfung interessierten Lesers (nachzulesen auf diversen Internet-Seiten, auf denen sich Betroffene über vorab verteilte Leseproben austauschen), darstellt.

Auch dass der Roman sich weit vom Setting des Debüts entfernt hat, darf nicht unerwähnt bleiben. Die Kreuzfahrtpassagen spielen eine völlig untergeordnete Rolle, ebenso Pietros angelerntes medizinisches Wissen, das bei der Suche nach »William« kaum von Bedeutung ist. Einmal durch die Hölle und zurück ist ein cleveres, ungeheuer unterhaltsames Buch; klug, witzig und gelegentlich sogar spannend, das an manchen Stellen allerdings an seiner eigenen Cleverness leidet. Trotzdem ein Genuss.

PS: Wie schon der Vorgänger erscheint Einmal durch die Hölle und zurück zuerst in der deutschen Übersetzung, bevor es Anfang 2012 in der Originalsprache veröffentlicht wird! Um möglichen Eventualitäten vorzubeugen, heißt es deshalb zu Beginn:

Die vorliegende Textfassung weicht inhaltlich geringfügig von der amerikanischen Originalfassung ab und wurde vom Autor für den deutschsprachigen Raum freigegeben.

Vorsicht Satire: Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass irgendein Amerikaner Änderungs- oder gar Streichungswünsche hegen könnte; schon gar nicht Anhänger der Republikaner und der Vorstellung, dass die Menschheit von Adam & Eva abstammt. Da wäre eher Verbrennen eine Alternative.

PPS: Hier der Beleg. »William« ist tatsächlich im Süßwasser zu finden. Anschauen bitte erst nach der Auflösung. Einmal durch die Hölle und zurück ist gar nicht so abwegig: Neulich auf dem Golfplatz.

Jochen König, Dezember 2011

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Karol K. zu »Josh Bazell: Einmal durch die Hölle und zurück« 17.02.2012
Nach ,,Schneller als der Tod" habe ich das neue Buch mit großer Spannung erwartet. Leider wurde ich enttäuscht. Die eigentliche Geschichte ist sehr dünn, doch gelegentlich baut sich Spannung auf, die leider nicht konseqent fortgesponnen wird. Es sind viele Geschichten eingearbeitet, die zum Teil schwer zu verstehen sind und die ich versucht habe, in den Zusammenhang der Geschichte einzubauen (oft habe ich mich gefragt, was sie eigentlich sollen?).
Ich glaube, dass Bazell die Absicht hatte, ein gesellschaftskritisches Buch zu schreiben und dadurch, dass es als Krimi verkauft wird einfach mehr Leser erreichen wollte. Ich als typischer Krimifan muss zugeben, dass er das schlau eingefedelt hat.
Übrigens glaube ich auch, dass Tarrantino der Mann wäre, der sowohl aus ,,Schneller als der Tod" als auch aus ,,Einmall durch die Hölle und zurück`` gute Filme machen könnte, denn er versteht es, die Fantasie mit der Wirklichkeit auf eine spannende, plastische und temporeiche Art zu verbinden.
Auch wenn dieses Buch mir nicht so gut gefallen hat, schätze ich die Art und das vielseitige Wissen von J. Bazell und werde das nächste Buch ebenfalls lesen.
housemeister71 zu »Josh Bazell: Einmal durch die Hölle und zurück« 15.01.2012
Ich muss gestehen, dass ich "Schneller als der Tod" innerhalb weniger Tage mit großer Spannung gelesen habe. Super cool.

Jetzt bin ich offen gesagt etwas enttäuscht. Teilweise ist dieser Roman eine Art politische Lehrstunde, ohne das man diese
bestellt, bzw. gekauft hat. Auch stören aus meiner Sicht die vielen Fussnoten. Die tollen Dialoge des Erstlings werden nur
bedingt aufgegriffen oder überhaupt annähernd erreicht. Generell hat man den Eindruck, dass der Autor entweder schnell
einen weiteren Roman auf den Markt bringen wollte oder aber die Übersetzung (inkl. 2 wechselnder Übersetzer) teilweise
nicht richtig funktioniert hat. Der Eindruck verfestigt sich bei dem Plot an sich, der komplett an den Haaren herbeigezogen
erscheint und wenige Elemente enthält, die an das Flair von "Schneller als der Tod" erinnern.

Manchmal ist weniger mehr und etwas mehr Zeit bei der Umsetzung eines neuen Romans (inkl. der dazugehörigen Story)
durchaus angebracht. Man muss ja schließlich nicht jedes Jahr einen Roman herausbringen!
ryanmalloy zu »Josh Bazell: Einmal durch die Hölle und zurück« 25.12.2011
Pietro Brwna, der Ex-Auftragskiller aus Josh Bazells „Schneller als der Tod“ ist zurück.
Sein neues Abenteuer ist allerdings nicht so schwungvoll, der Erzählton nicht ganz so lakonisch, der Grund für seine Beteiligung am Geschehen etwas zu konstruiert. Was im ersten Band durch Speed (= Geschwindigkeit und Drogen) und schwarzen Humor gefesselt hat, ist hier eine eher laue Brise, die auch durch einzelne stärkere Passagen nicht völlig gerettet werden kann.
„Einmal durch die Hölle und zurück“ kann m.E. zwar nicht als Schnellschuss nach dem vielleicht überraschenden Erfolg des Vorgängers betrachtet werden, aber es ist bei weitem nicht so ausgefeilt in seiner Art wie der Erstling. Einige detailreiche Erläuterungen in Fußnoten oder separaten Kapiteln verwirren dann doch sehr; insbesondere des ca. 50-seitigen Anhangs hätte es eher nicht bedurft.
Dazu kommt, dass die Story selbst mich nicht überzeugt, und auch der Gastauftritt einer bekannten amerikanischen Politikerin war für meine Begriffe in dieser Form überflüssig.
Alles in allem kein ganz schlechtes Buch, aber wer von „Schneller als der Tod“ begeistert war, wird eher enttäuscht sein.
Altmaier zu »Josh Bazell: Einmal durch die Hölle und zurück« 20.12.2011
Habe begonnen zu lesen, in der Erwartung eines spannenden Thrillers. Stattdessen quäle ich mich durch schnoddrig wiedergegebene Dialoge, bei denen man Mühe hat sich zu orienteieren und zu erkennen wer ist wer. Man weiß nie genau, redet jetz der Autor oder seine Partnerin oder irgend sonst jemand. Ich lese nur weiter, weil ich hoffe, dass doch noch aus dem Ganzen eine zusammenhängende Story wird mit einer Auflösung. Im übrigen ist die Story so weit weg von aller Realität, dass man sich fragt, will der Autor den Leser nur veräppeln.
Ich kann auch nicht verstehen, was Rezensenten in dieses Buch hineininterpretieren. Woher weiß ich an Hand des Textes, dass es sich bei der Hauptperson um einen Mafiakiller handelt. Oder, dass siene Partnerin sehr attraktiv ist. Im Übrigen, die Dialoge, das sind hingeworfene Sprachfragmente, die vemutlich jemand über 60 nicht mehr versteht.
Moehrchen zu »Josh Bazell: Einmal durch die Hölle und zurück« 08.12.2011
Das Seeungeheuer aus dem White Lake

Der Ex-Auftragkiller Pietro Brwna, der als Arzt unter dem Namen falschen Namen Lionel Azimuth auf einem Kreuzfahrtschiff arbeitet und unter dem Decknamen Ismael im Zeugenschutzprogramm war, wird von einem Millionär angeheuert. Zusammen mit der Paläontologien Violet Hurst soll er herausfinden ob es im White Lake wirklich, wie behauptet, ein Seeungeheuer gibt. Doch nicht nur der White Lake scheint gefährlich zu sein...

Das Buch wird aus der Sicht des interessanten und außergewöhnlichen Helden Lionel bzw. Pietro erzählt. Immer wieder sind auch Kapitel aus Sicht einer anderen Person eingestreut, die aber, wie die Fußnoten einem verraten, von Pietro nacherzählt werden. Irgendwie erinnert die äußere Form einen etwas an einen Untersuchungsbericht. Es wird auch sehr viel mit Fußnoten gearbeitet, in denen Pietro einzelne Begriffe erklärt oder genauere Angaben zu dem gelesenen macht. Die Fußnoten fand ich anfangs etwas befremdlich aber irgendwie passen sie zu dem eher lockeren und durchaus auch zynischen Ton des Buches.

Ich fand das Buch zwar etwas seltsam und manchmal auch etwas wirr aber im Großen und Ganzen doch recht unterhaltsam, bis ich zum Anhang kam, der mich fragen lässt, was der Autor mit seinem Buch genau bezwecken wollte. Wollte er den Leser wirklich unterhalten oder hatte er die Absicht Propaganda damit zu betreiben. Zudem ist mir nach dem Anhang klar, dass ich wohl viele Seitenhiebe - die USA und seine Gesellschaft und real existierende Personen betreffend - des Autors nicht verstanden habe. Um diese vollständig mitzubekommen müsste man wohl US-Amerikaner sein. Mich wundert nach der Lektüre nicht mehr, warum an Anfang "...weicht inhaltlich geringfügig von der am Originalfassung ab..." steht.

Leider nicht das Buch, das ich erwartet habe. Es handelt sich zwar um einen humorvollen, manchmal durchgeknallten Abenteuer-Krimi aber die Seitenhiebe auf die USA - da man sie einfach nicht mitbekommt - verleiten einem das Buch schon etwas. Da wollte ein Autor mal wieder zu viel...
anyways zu »Josh Bazell: Einmal durch die Hölle und zurück« 01.12.2011
Ein Wiedersehen mit dem Ex-Auftagskiller und Arzt Pietro der unter dem Deckmantel Dr. Azimuth auf einem Kreuzfahrtschiff sein Dasein fristet. Einzig und allein da hier die Mafia höchst selten ihre Finger im Spiel hat und ihm nach seinem schnöden Leben trachtet. Erlöst wird er zum Glück von seinem Verbindungsmann, der ihm einen Auftrag an Land verschafft. Für einen Multimillionär soll er an einer Expedition, zusammen mit einer überaus attraktiven Paläontogin, zum White Lake teilnehmen, denn in diesem überaus trüben See gibt es höchstwahrscheinlich einen überaus aggressiven und blutrünstigen Verwandten von Nessie.



Josh Bazells Schreibstil ist einfach unverkennbar. Laut, schnoddrig, gossenhaft aber mit Fachwissen nicht nur in medizinischer Hinsicht gespickt. Er ist m.E. auch einer der wenigen Autoren der sich in einem Roman fortwährend der Einfügung von Fußnoten bedient. Ein Gemisch aus Krimi, Thriller, Roman und wissenschaftlicher Abhandlung in einem Tempo und Zusammenhang der wirklich , wäre es ein Film, an Tarantino erinnert.

Ganz so überzeugt war ich diesmal allerdings nicht. Mir fehlte irgendwie der richtige Biss und einige Fußnoten fand ich deplatziert. Bei wissenschaftlichen Erklärungen sind sie ja ganz hilfreich aber diesmal übertreibt es Bazell ein wenig. Auch den Epilog mit seinen 50 Seiten finde ich zwar interessant aber von seinem Umfang her übertrieben. Trotzdem ein Buch das durch seine Machart überzeugt und das man schwer aus den Händen legen kann.
Banon zu »Josh Bazell: Einmal durch die Hölle und zurück« 12.11.2011
Zweiter Band um einen ehemaligen Mafia-Killer, der ausstieg und fortan unter neuer Identität als Arzt arbeitete. Ich will das Buch nicht weiter inhaltlich nacherzählen, da die Geschichte eher dünn ist. Mir hat die erste Hälfte des Buches sehr gut gefallen. Die Geschichte baut sich gut auf und weckt Hoffnung; der Tonfall des Ich-Erzählers ist witzig. Doch dann gingen Bazell offenbar die Ideen aus und die vielen Fußnoten machen das Ganze auch nicht besser. Am Ende des Buches findet sich ein sehr umfangreicher Anhang, der viele der politischen, historischen und naturwissenschaftlichen Fakten des Buches erläutert. Nicht uninteressant, aber ich habe mich gefragt, was Bazell denn nun mit dem Buch wollte. Einen Thriller, eine Liebesgeschichte und ein gesellschaftskritisches Buch schreiben? Das muß wohl jeder für sich selbst herausfinden!
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