Hollywood Station von Joseph Wambaugh

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Hollywood Station, bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Kalfornien / Los Angeles, 1990 - 2009.

  • New York: Little, Brown, 2006 unter dem Titel Hollywood Station. 430 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, . Übersetzt von Michael Kubiak. ISBN: 3-404-15836-9. 430 Seiten.
  • [Hörbuch] Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2008. Gesprochen von Simon Jäger. ISBN: 978-3-7857-3447-6. 4 CDs.

'Hollywood Station' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein Raubüberfall auf einen Juwelier macht der Polizei von Los Angeles zu schaffen. Die eine Spur führt zu einem russischen Nachtclub, die andere zu einer misslungenen Undercover-Aktion der Kollegen. Die ermittelnden Cops unter Leitung des Sergeants, den alle nur das Orakel nennen, stehen unter Erfolgsdruck. Und es zeigt sich bald, dass es im glamourösen L.A. nur an der Oberflache funkelt, die Schattenseite darunter jedoch umso verderbter und dunkler ist …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die blauen Ritter von Fort Hollywood« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Alltag im Los Angeles Police Department. Auf den Straßen regiert das Chaos, das nur noch verwaltet aber nicht mehr bekämpft werden kann: Seit das LAPD aufgrund einer Serie dokumentierter Polizeibrutalitäten unter staatliche Aufsicht gestellt wurde und die Medien auf weitere Verstöße förmlich lauern, sind den Beamten nicht nur die Schlagstöcke, sondern auch die Hände weitgehend gebunden. Generell herrscht aufgrund permanenter Unterbesetzung und Überlastung Frustration. Der ständige Druck fordert seine Opfer. Dienstmoral und Arbeitsleistung leiden erheblich. Viele Beamte haben quasi innerlich gekündigt. Auf den Straßen wissen die Kriminellen natürlich von den Beschränkungen und nutzen die Gelegenheit weidlich aus.

Unbemerkt können die drogensüchtigen Kleinkriminellen Farley und Olive Ramsdale eine ganze Kette von Gewalttaten in Gang setzen. Sie haben dem Nachwuchs-Gangster Cosmo Betrossian Informationen über ein anstehendes Diamantengeschäft verkauft. Cosmo überfiel den Händler und will die Beute dem Bandenboss Dmitri verkaufen, was gleichzeitig sein Einstieg ins organisierte Verbrechen von Los Angeles sein soll. Kein Wunder, dass er heftig reagiert, als Farley und Olive ihn plötzlich mit ihrem Wissen erpressen. Dmitri soll Cosmo nicht für den Dilettanten halten, der er freilich ist, weshalb kurz darauf der Überfall auf einen Geldtransporter zwar erfolgreich aber blutig ausgeht. In seiner Panik versteckt Cosmo die Beute ausgerechnet im Haus von Farley und Olive, deren Ermordung er gleichzeitig plant. Das wiederum ist gar nicht einfach, denn die Drogen haben das Paar so paranoid werden lassen, dass sie sich nicht in die Falle locken lassen.

Immer verzweifelter werden Cosmos Versuche, sich der Erpresser zu entledigen, die Beute wieder an sich zu bringen und den zunehmend misstrauischer werdenden Dmitri zu vertrösten. Um das Chaos perfekt zu machen, bekommt endlich auch die Polizei Wind von den Vorgängen. In einer ganz besonderen Nacht werden sich die Spuren aller Beteiligten kreuzen, und nicht alle werden dies überleben …

Chaos und Krieg als Berufsalltag

Lange Jahre hat er sich rar gemacht: Joseph Wambaugh, tausendfach nachgeahmter Meister des modernen Polizei-Romans. Endgültig hatte er in den 1970er Jahren mit den Klischees des Genres aufgeräumt. Uniformierte Gutmenschen, die ohne Fehl und Tadel ihrem Beruf = ihrer Berufung nachgingen, zeigten plötzlich nicht nur Schwächen, sondern seelische Abgründe. Wambaughs Kunstgriff bestand darin, dass er den Pol nicht einfach springen ließ und »Blaue Ritter« in Schurken verwandelte. Er legte die Wurzeln dessen offen, was Beamte resignieren und in den milden Irrwitz abgleiten ließ. Von »unten« kritisiert, von »oben« gedeckelt und von den Medien überwacht, blieb Wambaughs Polizisten zum Überleben gar keine andere Möglichkeit als sich in einer privaten Cop-Welt mit eigenen Regeln, eigenen Stammesritualen, eigenen 'Kriegernamen’ und sogar einer eigenen 'Sprache’ einzuigeln.

Daran hat sich im 21. Jahrhundert aus Sicht des Verfassers rein gar nichts geändert, weshalb er keine Veranlassung sieht, von bewährten Mustern abzuweichen. Wambaugh ist Partei, und daraus macht er keinen Hehl. Der Fortschritt kommt aus seiner Sicht vor allem den Falschen zu Gute. Die Verbrecher ignorieren das Gesetz, drehen ihm dank Hightech eine lange Nase und bewaffnen sich mit allem, was ihre schwarzen Herzen begehren; der globalisierte Markt gibt es her. Die Polizei arbeitet dagegen buchstäblich mit einem auf den Rücken gebundenen Arm. Als ihren wahren Feind betrachtet Wambaugh die Gängelung durch Institutionen, die von der Arbeit an der 'Front’ keine Ahnung haben.

Druck statt Hilfe?

Konkret gemeint und immer wieder angesprochen ist der »consent decree«, jene staatliche Vereinbarung, durch die das LAPD seit 2001 der direkten Aufsicht des US-Justizministeriums und der Stadt Los Angeles – repräsentiert durch die »Consent Decree Task Force« – untersteht. Anlass war eine Welle von Polizeibrutalität, Korruption und Drogensucht, die innerhalb des Departments bis in die höchsten Ränge schwappte.

Aus gegebenem Anlass beschlossen, ist der »consent decree« Wambaugh ein Dorn im Auge. Er hält die einst festgestellten Missstände für Einzelfälle und längst überwunden. Der »consent decree« blieb indes in Kraft und wurde sogar verlängert. Für Wambaugh ist das Pendel zur falschen Seite ausgeschlagen, und »Hollywood Station« ist die Darstellung der daraus resultierenden Situation. Die Polizei ist für ihn das Opfer politischer Ränken und der »consent decree« für die Stadtverwaltung das ideale Instrument, einen Konkurrenten mit eigener Hausmacht in Schach zu halten.

Episodisches Erzählen mit Galgenhumor

Literarisch bleibt Wambaugh bei seiner erprobten Zersplitterung des Plots. Er erzählt keine chronologisch durchkomponierte Geschichte, sondern reiht Episoden aneinander. Damit wirft er eindrucksvolle Schlaglichter auf das Geschehen, das auf diese Weise auch das Chaos widerspiegelt, in das sich der Alltag in Los Angeles verwandelt hat. Die Episoden sind kunstvoll miteinander verflochten, sodass sich allmählich bestimmte Erzählstränge herauskristallisieren. Diese Technik erinnert an Filme wie Pulp Fiction, in denen die Einheit der Story ebenfalls aufgebrochen wird. Joseph Wambaugh bedient sich ihrer freilich schon länger als Quentin Tarantino und beherrscht sie meisterhaft.

Berühmt wurde Wambaugh für den beißenden Witz, mit dem er seine Romane bis zum Bersten auflädt. Er hört sehr genau zu, wenn Polizisten sich unterhalten, und da er selbst Polizist war und seine Werke deutlich machen, auf welcher Seite er steht, erzählen sie ihm mehr als einem Außenseiter. Cop-Humor ist drastisch und schwarz; er hilft bei der Bewältigung des brutalen Arbeitsalltags, und was den betrifft, kennt Wambaugh keine Rücksicht, wenn er ihn in blutigen, schmutzigen Details beschreibt.

Schockieren kann er damit im 21. Jahrhundert nicht mehr. Zu viele neue Autoren sind seinen Spuren gefolgt. Sie gehen sehr viel weiter als er, und sie erzielen auch mehr Wirkung. Wambaugh hat in den Jahren seiner Abwesenheit den Anschluss verloren. Während Die Chorknaben vor mehr als einem Vierteljahrhundert einen Vitaminstoß für das Genre brachte, ist Hollywood Station Routine. Wer den »alten« Joseph Wambaugh nicht kennt, wird dennoch gut unterhalten.

Menschen unter Druck machen »Fehler«

Gewalt und Sittenverfall jenseits der Grenze zum Grotesken, Leichen in Zuständen, vor denen sogar die CSI-Spezialisten flüchten würden, und vor allem die zermürbende Last der ewigen Wiederkehr des Verbrechens prägen die Polizisten, für die Wambaugh – so muss man es wohl sehen – Privilegien fordert. Wir verstehen, warum er so denkt, aber wir werden auch manipuliert: Wambaughs Strolche sind nie unschuldig, sie »verdienen« den Schlagstock, und wenn dieses Argument nicht greift, dann versucht es der Verfasser mit der Bitte um Verständnis für Beamte, denen im Eifer des Gefechts die Nerven durchgehen. Ein Außenstehender wird, kann und darf dieses »Auge um Auge« nie verstehen oder gar akzeptieren. Wambaugh mag dennoch nicht von dem Versuch ablassen.

Dem LAPD wurde nicht erst in den späten 1990er Jahren außer Brutalität auch Rassismus und Chauvinismus vorgeworfen. Wiederum drückt sich Wambaugh nicht um das heikle Thema. Er geht von der Tatsache einer deutlich höheren Kriminalitätsrate unter den hispanischen Einwohnern von Los Angeles aus. Der deutsche Leser, der mit den örtlichen Tatsachen nicht vertraut ist, muss entscheiden, ob er Wambaugh dies glaubt oder eine Verdrehung der Tatsachen annimmt.

Für Wambaugh steht fest, was er, die Realität sicherlich vereinfachend, wie folgt darstellt: Statt Geld in soziale Schulungs- und Versorgungsprogramme zu investieren, begnügt sich ein auf Wiederwahl hoffendes und publicitysüchtiges politisches Establishment mit dem Erlass härterer Strafen. Deren Umsetzung obliegt am Ende einer langen Befehlskette erneut den Polizisten auf den Straßen. Diese sind keine Sozialarbeiter, sondern Ordnungshüter. Wie befohlen greifen sie härter durch, wobei ihre 'Kunden’ vor allem aus den genannten Bevölkerungsschichten stammen. Das wird von den Medien und von den Politikern verdammt und dem LAPD angelastet.

Damit schließt sich nach Wambaugh der Teufelskreis. Für die einmal mehr unter direktem Beschuss – und das nicht selten buchstäblich – stehenden Beamten ist die Erfahrung des Alltags die Hauptursache für rassistische Übergriffe. Das klingt einleuchtend, aber darf man es deshalb etwa dulden? Als eine Polizistin des Departments von einem schwarzen Zuhälter schwer verletzt und dieser daraufhin von ihren Kollegen übel zusammengeschlagen wird, lässt Wambaugh eine sehr plakative Szene folgen, in der ein ebenfalls schwarzer Beamten erklärt, er hätte auf jeden Fall mitgeprügelt: Nicht Rassismus, sondern Stress ist die Ursache für polizeiliche Exzesse, so Wambaughs These.

Wo gehobelt wird …

Auch der Verfasser ist kein Sozialarbeiter. Mit seinen Schilderungen diverser Gangstertypen unterstreicht er das anschaulich. Der Verbrecher ist ein Phänomen der Gegenwart, als solches tritt er der Polizei gegenüber. Wie er auf die schiefe Bahn gekommen ist, bleibt nebensächlich. Kaum einer der von Wambaugh beschriebenen Kriminellen verschwendet einen Gedanken an ein Leben im Rahmen der Gesetze. Ob es diesen Weg überhaupt gibt, ist keine Frage, die Wambaugh stellt. Die Gegenwart zählt: Jetzt ist der Verbrecher gefährlich, weil bewaffnet und durch Drogen enthemmt. Du musst ihn verhaften, dabei möglichst unverletzt bleiben und ihn wegsperren – so läuft die Denkkette eines Polizisten nach Wambaugh ab. Ein zusätzlicher Schlag oder Schuss gilt dabei als Vorsichtsmaßnahme. Das ist eine geradezu reaktionäre Betrachtungsweise, die indes viele Anhänger finden dürfte.

Viel Mühe gibt sich der Autor mit dem Versuch, das zwiespältige Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Beamten zu erläutern. Polizistinnen sind heute theoretisch gleichberechtigt, doch faktisch werden sie nicht gleichrangig behandelt. Von ihren Kollegen werden die Beamtinnen nicht mehr offen gemobbt und mit Sexismen traktiert, sondern geschätzt und geschützt – als Gruppe des Stamms, der besondere Aufmerksamkeit gebührt. »Gute« Polizistinnen revanchieren sich, indem sie dies zu schätzen wissen, über nicht allzu grobe Anzüglichkeiten großzügig hinweggehen oder die in ihnen enthaltene Wertschätzung entschlüsseln: Der Chauvinismus ist subtiler geworden. Glaubt Wambaugh, das Problem sei damit vom Tisch?

Elegant und unbequem nicht-liberal

Wambaughs politisch weniger unkorrekte als undiplomatische Schwarz-Weiß-Sicht ist ungewöhnlich in einem Genre, das heute von Mainstream-Thrillern dominiert wird. Innovation scheint allein im Hinblick auf die Erfindung abwegiger Mordmethoden gefragt zu sein, Ecken und Kanten werden sorgfältig abgeschliffen. Wambaugh polarisiert und provoziert erfreulicherweise noch. Manchmal gibt man ihm recht, oft widerspricht man ihm entschieden.

Hollywood Station ist ein Buch, das von seinem deutschen Verlag stiefmütterlich behandelt wird, der es durch ein Bildstock-Cover anonymisiert und in einem Meer ebenso gesichtslos präsentierter Taschenbuch-Krimis quasi verschwinden lässt. Parallel dazu wird Hollywood Station aber auch als Hörbuch produziert; ein merkwürdiger Widerspruch …Die Verwunderung wird durch die Freude aufgewogen, dass Hollywood Station überhaupt in Deutschland erscheint.

Joseph Wambaugh ist kein Leitstern des Cop-Thrillers mehr. Das wird ihm von der Kritik manchmal mit einer Vehemenz vorgeworfen, die der Reaktion eines enttäuschten Liebhabers gleicht. Dies wirkt überzogen, denn Hollywood Station ist trotz seiner Schwächen ein Buch, das sich in dem Meer bedruckten Altpapiers, welches heute unter dem Label Krimi verkauft wird, immer noch an der Oberfläche behaupten kann. Deshalb ist es gut zu wissen, dass Wambaugh mit Hollywood Crows 2008 einen neuen Roman vorgelegt hat.

Michael Drewniok, März 2008

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Angelika zu »Joseph Wambaugh: Hollywood Station« 09.11.2010
Ich habe alle "alten" Wambaugh's gelesen und habe mich riesig gefreut, als ich die beiden neuen Bücher "Sunset Boulevard" und "Hollywood Station" im Buchladen entdeckt habe. Beide Bücher habe ich in einem Rutsch gelesen und fand sie wirklich gut. Ganz so, wie ich alle Wambaugh's in Erinnerung habe - gute Geschichten aus dem Polizeialltag. Also, wer die alten Bücher mochte, sollte die neuen auch lesen. Und wer die Polizeiromane von Wambaugh bisher noch nicht kannte, für den ist das sicherlich ein toller Einstieg. Ich hoffe, es erscheinen noch viele weitere Bücher von Joseph Wambaugh.
Krimi-Tina zu »Joseph Wambaugh: Hollywood Station« 21.10.2009
Zwiespältig. Dieses Wort ist wohl am besten geeignet den Eindruck zu beschreiben den dieses Buch bei mir hinterlassen hat.
Bis zur Mitte des Buches war mir ehrlich gesagt nicht klar wohin das alles führen sollte. Alle paar Seiten wurden neue Personen eingeführt, begleitet von durchaus unterhaltsamen und teilweise aberwitzigen Episoden, aber eine Handlung oder auch nur so etwas wie ein roter Faden war nicht erkennbar. Dagegen war eins ab den ersten paar Seiten offensichtlich: Wambaugh hat eine Botschaft. Und die schlägt er einem unentwegt und mit Vehemenz um die Ohren. Inhalt: Politiker tun, aus purer Angst um die Wählerstimmen der Schwarzen und Latinos ihr Allermöglichstes, um der Polizei die Arbeit zu erschweren. Die besagten Wähler hingegen zücken bei jeder nur auftretenden Gelegenheit die Rassistenkarte.
Das ist mir ersten zu platt und zweitens zu einseitig. Sicher ist da auch ein Teil Wahrheit dran, aber es gab auch Gründe dafür die Polizei von L.A. Der Regierung zu unterstellen. Die von Wambaugh recht beiläufig von Tisch gewischt werden. Da schimmert doch eine ziemlich reaktionäre Einstellung durch.
So gestaltete sich die erste Hälfte des Buches etwas mühsam.Bei der Stange gehalten haben mich nur die ausgezeichnet dargestellten Charaktere und wie erwähnt die teils völlig absurden Situationen. Vermutlich leicht überzeichnet, aber ich vermute gar nicht soweit weg von dem alltäglichen Irrsinn des Polizistenalltags.
Ab der Mitte begann sich dann langsam doch so etwas wie eine Story zu entwickeln. Die gegen Ende hin auch ein ziemliches Tempo bekam. Dann trat auch das permanente Gequengel über die ahnungslosen und unfähigen Politiker etwas in den Hintergrund. Aber halt leider sehr spät.
Das „Alles wird gut für fast Alle“ Ende war schlussendlich selbst mir, als bekennendem Happy End Fan, ein bisschen zu überzogen
Fazit: gutes Buch, das mit etwas Straffung am Anfang und vor allem etwas weniger penetranter Botschaft hätte ein sehr gutes Buch werden können
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jochen zu »Joseph Wambaugh: Hollywood Station« 30.03.2008
Naja, m.E. ist "Hollywood Station" nur noch ein matter Abglanz dessen, was Wambaugh zu seinen Hochzeiten mit dem "Delta Stern", dem "Hollywood Mord" und seinen "Chorknaben" (um nur einige zu nennen) zu Papier gebracht hat . Besser zwar als die unsäglichen "Flucht in die Nacht" oder "Wasserpatrouille", aber letztlich nicht mehr als der müde Abgesang eines reaktionären Geistes, der zumindest in seiner Verbindlichkeit einmal groß war. Davon ist bei "Hollywood Station" nur wenig zu spüren. Klar lässt sich das Buch gut runter lesen, es hat einige witzige Anmerkungen zur weiblichen "Okkupation" der Polzei und zur Mediengeschichte des letzten Jahrzehnts zu bieten; aber insgesamt bleibt es blass. Die meisten Figuren könnten einer dezent kritischen Cop-Serie entsprungen sein, der Plot um das drogensüchtige Kleinganovenpärchen ist auch nicht wirklich tragend, dazu gesellt sich eine unangenehme Weinerlichkeit, die ständig beklagt, dass den aufrechten Cops doch tatsächlich Kontrollen vor die Nase gesetzt wurden, die rassistische Diskriminierung und Gewalt, sowie die ausufernde Korruption innerhalb des Polizeiapparates eindämmen sollten. Ist das wirklich so schlimm und vermessen wie Wambaugh schreibt?
Aufatmen einerseits: Joseph Wambaugh ist nach den letzten Komplettkatastrophen anscheinend wieder auf dem Weg nach oben; Entsetzen andererseits: er ist dabei in einer bemitleidenswerten Mittelmäßigkeit stecken geblieben.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kissace zu »Joseph Wambaugh: Hollywood Station« 08.03.2008
Gott sei Dank.. Er ist zurück.. nach sehr langer Zeit ein neues Buch von Wambaugh.. UND... er hat nix verlernt...
Wer bei amerikanischen Detectives und Polizisten nicht nur Superhelden erwartet die einem Spatz aus 3km Entfernung zwischen die Augen schiessen kann, sondern die reale oftmals zermürbenden und desillusionirende Arbeit ebensolcher interessiert ist HIER genau richtig.
91 Grad
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