Tod im April von José Luis Correa

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Muerte en abril, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Unionsverlag.
Ort & Zeit der Handlung: Spanien / Kanaren / Gran Canaria, 1990 - 2009.
Folge 2 der Ricardo-Blanco-Serie.

  • Barcelona: Alba, 2004 unter dem Titel Muerte en abril. 256 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2007. Übersetzt von Verena Kilchling. UT metro; Bd. 382. ISBN: 978-3293203822. 256 Seiten.

'Tod im April' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Als Mario Bermúdez, ein mäßig erfolgreicher Vertreter für Elektrogeräte, eines Tages im April tot in der Badewanne in seiner Wohnung entdeckt wird, wundert sich die Polizei: Der Tote trägt rostrote Spitzendessous und Strapse, dabei war er doch ein ganz unauffälliger Zeitgenosse. Eine Woche später wird eine zweite Leiche in Las Palmas gefunden – wieder ein alleinstehender Mann in Frauenkleidern, auch er wurde erwürgt. Allmählich wird die Öffentlichkeit nervös.
Dass auch er selbst in Gefahr gerät, kann Privatdetektiv Ricardo Blanco allerdings nicht ahnen, als er aus reiner Menschenfreundlichkeit den Fall übernimmt. Zu seiner geliebten Musik und zu seinen alten Filmen kommt er kaum noch, denn die Beziehung zwischen den Geschlechtern wird immer explosiver. Dabei könnte der kanarische Frühling doch so schön sein.

Das meint Krimi-Couch.de: »Leicht und flott und belanglos« 50°

Krimi-Rezension von Wolfgang Reuter

José Luis Correa ist ein Professor der Universität Las Palmas, mit einigen Spanischen Literaturpreisen ausgezeichnet. Gran Canaria – Las Palmas: Was für klingende Namen! Wie geschaffen für die Metro-Reihe des Unionsverlages, die seit längerer Zeit literarische Krimi-Schätze aus allen noch so entlegenen Regionen der Welt birgt. Doch der erste Krimi aus der Reihe mit dem Detektiven Ricardo Blanco – Drei Wochen im November – erfüllte nicht alle Erwartungen, wie auch in der Rezension von Thomas Kürten zu lesen ist. Einem hohen sprachlichen Niveau steht dort eine eher blasse Hauptfigur gegenüber.

Jetzt Tod im April – kann Correa in seinem zweiten Buch mit Ricardo Blanco mehr überzeugen? Zumindest versucht er es inhaltlich: Die halbverweste Leiche eines Handelsvertreters liegt in der Badewanne seiner Wohnung, erdrosselt, bekleidet mit Damenreizwäsche und Strapsen. Eine Woche später taucht eine zweite Leiche auf, ein Krankenpfleger, in einem bestickten Damennachthemd. Zwischen den Opfern gibt es keine erkennbaren Zusammenhänge, außer, dass die Morde jeweils an einem Freitag geschehen sind.

Wer jetzt eine spannende Entwicklung im Sinne eines Serienmörder – Krimis mit extravaganter Kulisse erwartet, wird leider enttäuscht. Denn das Problem der ganzen Geschichte ist die Hauptfigur Ricardo Blanco. Farblos, lustlos stolpert er durch die Geschichte, auch wenn Correa immer wieder versucht, ihn durch seine Liebhabereien und Kenntnisse auf dem Gebiet der Musik und des Films interessant zu machen. Auch die wiederholt eingeschobenen Begegnungen mit seinem Großvater wirken wie Fremdkörper. Und wenn eine blasse, farblose Figur ständig über sich selbst räsoniert, passiert das, was eigentlich nicht geschehen sollte: Man blättert weiter, bis der Faden der Handlung wieder auftaucht. Da gibt es bei anderen Autoren wesentlich prägnantere Figuren mit höherem Wiedererkennungswert.

Oder ist es vielleicht ein Krimi mit dem doch zu erwartenden Lokalkolorit? Ein Camilleri oder Izzo aus Gran Canaria? Mitnichten, diese Geschichte könnte überall auf der Welt spielen. Zweifellos ist alles leicht und flott erzählt, mit ironischem Unterton, aber eben immer an der Oberfläche, in gewisser Weise belanglos. Erst gegen Schluss setzt Correa plötzlich zu einer vehementen feministischen Tirade an, und irgendwie fragt der Leser sich: wieso? Das Finale ist recht brav actionreich und spektakulär inszeniert, aber insgesamt bleibt alles Stückwerk.

In der großartigen Metro-Reihe würde ich dieses Buch als Leichtgewicht bezeichnen.

Wolfgang Reuter, März 2007

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