Das Einstein-Projekt von José Carlos Somoza

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel ZigZag, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Claasen.

  • Barcelona: Plaza & Janés, 2006 unter dem Titel ZigZag. 560 Seiten.
  • Berlin: Claasen, 2006. Übersetzt von Elisabeth Müller. ISBN: 978-3-546-00406-0. 560 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2008. Übersetzt von Elisabeth Müller. ISBN: 978-3-548-26835-4. 560 Seiten.

'Das Einstein-Projekt' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Auf einer unbewohnten Insel, abgeschottet von der Öffentlichkeit, gelingt einer jungen Forschergruppe um den Physiker David Blanes eine Sensation: Sie durchbrechen das Raum-Zeit-Kontinuum. Fasziniert unternehmen sie Reisen in die Vergangenheit – bis in die Zeit Jesus von Nazareths. Doch eines Tages werden einige Wissenschaftler grässlich entstellt aufgefunden. Der Versuch wird abgebrochen und Stillschweigen vereinbart. Zehn Jahre später alarmiert die Nachricht von der Ermordung zweier Wissenschaftler die brillante junge Physikerin Elisa Robledo. Fast alle Teilnehmer des Einstein-Projekts sind inzwischen eines unnatürlichen Todes gestorben. Elisa spürt, dass auch ihr Leben in Gefahr ist, und macht sich auf die Suche nach dem Mörder …Sie ahnt nicht, in welch tiefen Abgrund sie blicken wird.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Wissenschaftsthriller von beachtlichem Format« 75°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Elisa Robledo und ihr Kommilitone Ricardo Valente sind die Absolventen der Studienrichtung Theoretische Physik an der Universität von Madrid. Nach einem Seminar bei Professor Blanes werden die beiden zu einem Studienprojekt nach Zürich eingeladen. Doch Zürich ist nur eine Zwischenstation zu einem geheimnisvollen Forschungslabor auf der tropischen Insel New Nelson.

In den spartanischen Unterkünften auf New Nelson geht den Mitgliedern der Forschungsgruppe jegliches Privatleben verloren. Ständig unter Beobachtung experimentieren die Wissenschaften mit Zeit-Strings. Zeit-Strings sind mehrdimensionale Lichtteilchen, gemessen im kleinstmöglichen Zeitintervall. Durch Beschuss in einem Miniatur-Teilchenbeschleuniger, praktisch die Taschenausgabe von CERN in Genf, könnten ihnen Informationen aus der Zeit ihrer Entstehung entlockt und in Bilder umgewandelt werden. So gelingt es dem Team auch, sowohl Bilder einer unbekannten Dinosaurierart sichtbar zu machen, als auch zur Zeit von Jesus Christus eine Frau in Nazareth auf die Monitore zu holen.

Doch das Eintauchen in die Vergangenheit hat auch nachteilige Auswirken auf Elisa Robledo, Ricardo Valente und die anderen Mitarbeiter. Durch das Betrachten der Bilder entsteht beim Betrachter eine psychische Veränderung, die als Impact bezeichnet wird und unterschiedlichste Auswirkungen haben kann. Einer der Wissenschaftler, möglicherweise der plötzlich verschwundene Ric Valente, wird vom Impact so stark getroffen, dass er auf unmenschliche Art und Weise zu morden beginnt und dabei das Forschungslabor fast vollständig zerstört, so dass die Überlebenden ihren Aufenthalt abbrechen müssen.

In ihren realen Wachträumen wird Elisa Robledo über Jahre von einem geheimnisvollen Mann mit weißen Augen drangsaliert. Aber auch die anderen Mitglieder des Teams machen ähnliche Erfahrungen und als zehn Jahre nach dem Vorfall zwei der Forscher auf grausamste Art und Weise verstümmelt werden, ist es an der Zeit im Jahr 2015 den Folgen des Impacts und dem unmenschlichen Treiben ein Ende zu setzen …

José Carlos Somoza, vielfach für sein literarisches Schaffen mit Preisen ausgezeichnet, hat bei Claasen in der Übersetzung von Elisabeth Müller Zigzag als Das Einstein-Projekt für den Liebhaber von futuristischen Wissenschaftsthrillern veröffentlicht und auf 564 Seiten behauptet: »Hinter den Grenzen der Physik lauert der Abgrund.«

Allerdings dauert es reichlich lange, bis der Leser erkennt, worum es sich bei diesem Abgrund handelt. Denn Somoza vollendet die ersten Kapitel fast immer nur mit einem Hinweis, dass es doch immer noch viel schlimmer kommen wird und hüllt sich in Andeutungen, speziell wenn es um das Leben und die Angstzustände der Physikerin Elisa Robledo handelt. Der Leser begleitet die junge Frau in Rückblenden über einen Zeitraum von zehn Jahren bis ins Jahr 2015 und kann sich dabei einen guten Überblick über die gelungene Charakterisierung der Hauptperson aneignen. Vorausgesetzt man bringt ein gewisses Grundmaß an physikalischem Verständnis auf, um dem Geschehen rund um die Forscher und ihre Arbeit, sowie die Wandlung deren Psyche und die Lösung des Falles richtig verstehen zu können.

Am Spannungsaufbau der Geschichte gibt es nichts auszusetzen. Die Story lebt von den zunehmenden Perversitäten, die ER den Mitgliedern des Forschungsteams antut und die allesamt in kleineren und größeren Katastrophen enden. Wobei ER bis zum Ende der Geschichte nicht erkennbar wird und auch das Warum bis zum Schluss erklärungsbedürftig bleibt, aber im Endeffekt überraschend und wenig befriedigend ausfällt.

Damit die Erzählung über die fast sechshundert Seiten nicht einbricht, bedient sich der Autor konsequent der Darstellung von körperlicher Gewalt und Psychoterror, sät Misstrauen unter den Mitgliedern der Forschungsgesellschaft und lässt sie unter permanenter Beobachtung hantieren. Wenn das Denken und Tun der einzelnen Forscher und der gewaltsame Tod einzelner Wissenschafter auch nicht immer ausreichend logisch begründet werden, sondern einfach als gegebene Fiktion aus den Beeinträchtigungen des Impact zu akzeptieren sind, so hat der Leser doch hin und wieder das Gefühl, dass die Schlussfolgerungen an den Haaren herbei gezogen sind.

Grundsätzlich muss man dieses Buch als nicht ganz einfache, aber gelungene Lektüre klassifizieren. Von einem Krimi ist der Stoff weit entfernt, aber als Wissenschaftsthriller ist er von beachtlichem Format. Dass dabei die Leichtigkeit beim Lesen ähnlicher Genrereißer aus dem Amerikanischen nicht erreicht wird, schränkt den Leserkreis allerdings auf Grund des höheren Anspruch deutlich ein.

Wolfgang Weninger, April 2007

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Bio-Fan zu »José Carlos Somoza: Das Einstein-Projekt« 16.10.2008
Als Fan von Wissenschaftsthrillern, welcher Couleur auch immer, fühlte ich mich von dem Titel "Das Einstein -Projekt" sofort angezogen und da ich schon ein Buch (Clara) von Somoza gelesen hatte, war dieser Roman schon fast ein "Muss" für mich.
Leider habe ich mich durch diese 560 kleingedruckten Seiten quälen müssen. Das lag nicht am Thema, obwohl Theoretische Physik - hier die Dimension der Zeit- nicht unbedingt der Stoff meiner Träume ist. Somoza erklärt die Problematik recht verständlich und ausführlich und wenn ich mal etwas nicht gecheckt hatte, wirkte sich das nicht auf das Verständnis der Geschichte aus.
Was ich bemängele, ist das Fehlen von direkten Aktionen (ich meine damit nicht "action"-Szenen). Es wird ständig angedeutet, daß etwas "Schreckliches". "Unerklärliches" geschehen wird oder geschehen ist, aber darauf habe ich die ganze Zeit gewartet. Nichts passiert direkt vor unseren Augen, meistens wird Rückschau gehalten auf die Taten und Opfer von "IHM" (ZigZag).
Da stellt uns Somoza anfänglich so eindrucksvolle Figuren wie die attraktive Dozentin Elisa Robledo, ihren perversen Kollegen Ric Valente, den genialen Prof. Blanes oder die geheimnisvolle Paläontologin Jacqueline Clissot vor, schraubt die Spannung hoch- was mag ihnen passieren bei der Teilnahme am "Einstein-Projekt"? Aber mit Betreten der Insel, auf der das Experiment stattfindet, ist die Spannung weg. Ab hier merkt man, daß Somoza eben kein Thrillerautor ist, sondern Romancier. Das ganze Instrumentarium, das Spannung erzeugt oder den Thrill gibt, läßt er ungenutzt. Es wird langweilig und man hangelt sich so durch, um zu erfahren, was es mit dem "Er" so auf sich hat.
70 Grad
Sminty zu »José Carlos Somoza: Das Einstein-Projekt« 25.08.2008
Grossartig, wie Somoza die Spannung aufbaut, über 500 Seiten lang aufrecht hält und bis ins unheimliche steigert.
Stilistisch wären aus meiner Sicht einige unnötige Wiederholungen und vor allem unsinnige, teils fast schon lächerliche Vergleiche absolut verzichtbar gewesen.
Aber der Spannungs-Sog führt dazu, dass man solche Schwächen in Windeseile überliest.
Die Auflösung ist keineswegs billig oder effekthascherisch, sondern intelligent und befriedigt vollständig.
Kein Meisterwerk und nicht Somozas bestes Buch, aber allemal sehr gute und lesenswerte Unterhaltung, die für etliche Stunden erhöhten Pulsschlags sorgt.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
koepper zu »José Carlos Somoza: Das Einstein-Projekt« 21.04.2008
Das Buch beginnt sehr spannend und machte mich wirklich neugierig. Die Geschichte ist außergewöhnlich und trotz des sehr komplexen Themas gut verständlich und nachvollziehbar.
Leider zieht der Autor das Thema sehr in die Länge; auf mich wirkte das dann doch ermüdend.
100 Seiten weniger und eine etwas flottere und dichtere Darstellung hätten dem Buch gut getan.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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