Der Sohn des Teufels von Jonathan Nasaw

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel The boys from Santa Cruz, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Heyne.

  • New York: Atria Books, 2010 unter dem Titel The boys from Santa Cruz. 306 Seiten.
  • München: Heyne, 2010. Übersetzt von Jochen Stremmel . ISBN: 978-3-453-40512-7. 493 Seiten.

'Der Sohn des Teufels' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Der coolste aller Serienkillerjäger: FBI-Mann E. L. Pender. Seit er zusehen musste, wie seine Stiefmutter nach ihrem Tod von Aasgeiern nahezu aufgefressen wurde, wird Luke dieses Bild nicht mehr los. Er kommt in psychiatrische Behandlung und fühlt sich dort unschuldig eingesperrt. Er entschließt sich, eine Liste von Personen aufzustellen, mit denen er nach seiner Entlassung abrechnen will. Ganz oben steht ein Mann, der ihn in die Anstalt gebracht hat: der FBI-Beamte E. L. Pender.

Das meint Krimi-Couch.de: »Neustart  nicht geglückt!« 40°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Bis in die erste Garde der Thriller-Autoren hat es der Kalifornier Jonathan Nasaw nie geschafft. In Deutschland debütierte er Ende der 1990er Jahre mit zwei Vampirromanen (Blutdurst und Reich der Schatten), die leider eher schlecht als recht waren. Zumindest konnte man über Blutdurst wegen seines unfreiwilligen Humors und seines unverwüstlichen Charmes der Hippie-Generation trefflich schmunzeln. 2003 gelang ihm mit Die Geduld der Spinne (The Girls He Adored, 2001) ein Achtungserfolg im Thrillersektor. Drei Fortsetzungen mit seinem Serienhelden E. L. Pender führten Band um Band ins schriftstellerische Aus. Ein Aufguss vom Aufguss vom Aufguss; was dabei herauskommt, wissen wir: Eine ungenießbare Plörre. Einen unbeholfenen, peinlichen Serienhelden kann man zur Not gerade eben tolerieren, aber viermal mit demselben Täter konfrontiert zu werden, ist unerträglich.

Nun war mit Der Sohn des Teufels der fünfte Thriller um Nasaws Top-Ermittler Ed Pender angekündigt. Das Schlimmste stand zu befürchten. Um so erstaunter ist man, wenn man mit der Lektüre von Der Sohn des Teufels beginnt, einen ganz anderen Nasaw zu erleben. Während die Pender-Reihe zuletzt nur noch ein szenisches Nebeneinander im Stile eines Richard Laymon war, erzählt er hier eine richtige Geschichte mit Sinn und Verstand, ja phasenweise sogar mit emotionaler Tiefe. Es sieht alles nach einem Neubeginn aus. Selbst der Heyne-Verlag drückt dies mit einem ansprechenden Cover aus, welches sogar einen Bezug zum Inhalt hat.

Luke Sweet lebt nach dem Tod seiner leiblichen Mutter in einem Wohnwagen im selben Trailer-Park, in dem sein Vater und seine neue Stiefmutter nicht nur hausen, sondern auch ihren verbrecherischen Geschäften nachgehen  der Herstellung und dem Vertrieb von Hardcore-Pornos. Zu Anfang der Geschichte ist eine Sondereinheit des FBI unter Mitwirkung von Special Agent Ed Pender den beiden schon dicht auf den Fersen. Als Lukes Vater nach einer Observierung gestellt wird, kann er seine Frau Teddy gerade noch warnen, bevor er sich erschießt. Teddy gerät in Panik, weiß sie doch, dass es nicht allein um Pornos geht, sondern um Mord, denn sie haben auch Snuff-Videos gedreht. Luke, von allem nichts ahnend, beobachtet wie seine Stiefmutter die kompromittierenden Videos verbrennen will. Als aus der Ferne die ersten Polizeisirenen zu hören sind, erschießt sich auch Teddy. Luke ergreift die Flucht und beschließt erst mal bei seinen Großeltern unterzutauchen. Während Luke noch unterwegs ist, sichten die Cops das gefundene Material. Auf einem der Snuff-Videos glauben sie Luke als Kameramann identifizieren zu können. Sie kontaktieren auch die Großeltern. Diese geben Luke preis. Er wird verhaftet und einem Untersuchungsrichter vorgeführt. Aufgrund eines Ermittlungsfehlers wird die Anklage zunächst fallengelassen, aber anstatt in Freiheit zu gelangen, wird Luke in ein obskures Resozialisierungsprojekt für auffällige Jugendliche gesteckt. Auch von dort flieht er. Seine Flucht geht noch über mehrere Stationen bis er in der geschlossenen Psychiatrie landet.

Dies sind die Ereignisse aus dem Jahre 1985  d.h. sie spielen 10 Jahre vor der aktuellen Handlung und werden rückschauend aus der Ich-Perspektive von Luke erzählt. Agent Pender hat da so ein Heftchen in die Hand bekommen, in dem Luke seine Leidensgeschichte festgehalten hat.

Wir erleben wie ein unschuldiger 15-Jähriger nach und nach kriminalisiert wird  Taten beschuldigt wird, die er nicht – oder nicht so – begangen hat, der Opfer anwaltlicher und gerichtlicher Machenschaften wird, der am Ende aufgrund falscher Fürsorglichkeit in einer Irrenanstalt landet. Wer will es ihm verübeln, dass er auf Rache sinnt. Zehn Jahre Aufenthalt in einer Geschlossenen unter Dauermedikation mit Sedativa und Psychopharmaka haben Luke verändert.

An diesem Punkt macht Jonathan Nasaw in seiner Geschichte eine deutliche Zäsur. Die Ich-Erzählung ist beendet. Ein Mensch betritt die Bühne, der sich Asmador nennt, der mit den gefallenen Engeln Samael und Azrael Zwiesprache hält und der nach dem Plan eines dämonischen Rates, des Concilium Infernalis, genau die Personen verfolgt, die Luke Leid angetan haben. Auch wenn diese Dämonenerscheinungen sich nur im Kopf einer Person abspielen, die ansonsten in der realen Welt agiert, nimmt dieser Ausflug ins Phantastische einen viel zu breiten Raum ein, so dass auch ein toleranter Thrillerleser verständnislos den Kopf schütteln wird. Auch der Grundton der Geschichte ändert sich. Es wird mehr herumgeflachst. Humoristische, hippieske Sketcheinlagen rauben die letzte Ernsthaftigkeit. Pender summt und singt seine Oldiehits aus den 60er Jahren. Mit dem Privatdetektiv Skip Epstein hat Pender eine ideale Ergänzung gefunden. Gemeinsam folgen sie der Spur ihres dämonischen Widersachers, bis es in einem spiritistischen Zentrum zum Showdown kommt. Das Ganze endet in einem kollektiven LSD-Rausch.

Schade eigentlich! Man hätte Nasaw ein wenig mehr Konstanz gewünscht. Er fing so gut an und alles sah nach einem gelungenen Neubeginn aus. Durch die zeitliche Rückversetzung in die 80/90er Jahre hat er seinem abgehalfterten Serienhelden quasi eine zweite Chance eingeräumt. Special Agent E.L. Pender in seinem schreiend bunten Outfit, nicht jung, aber dynamisch, zelebriert eine Art Wiedergeburt.

Nur sein Autor gerät in alte Fahrwässer und sinkt auf das niedrige Niveau seiner beiden Vampirromane.

Gibt es für den neuen Pender eine Zielgruppe? Nicht wirklich! Denjenigen, die die vier Vorgängerromane verfolgt haben, wird der fünfte Pender-Band nicht abartig genug sein und Neueinsteiger werden wegen der Inhomogenität der Geschichte wenig Freude haben. Doch der überdimensionierte Titel, das ansprechende Cover und reichlich Werbung werden etliche zum Kauf verführen. Die meisten werden sich ärgern.

Ihre Meinung zu »Jonathan Nasaw: Der Sohn des Teufels«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Sarah zu »Jonathan Nasaw: Der Sohn des Teufels« 11.01.2014
Also das war mein erstes Buch von ihm und es war eines der besten Bücher die ich je gelesen habe. Es muss ja nicht immer blutrünstig sein.
Die Story hat mich sehr fasziniert und ich fand es super spannend geschrieben, konnte gar nicht mehr aufhören zu lesen!
Das Ende hat mich sehr erschüttert und wie das Leben des armen Luke gelaufen ist. Es war halt mal ein ganz anderes Buch wie die sonstigen Thriller wo es immer einen Mörder und Polizist gibt!
Die Kritik kann ich deshalb überhaupt nicht nachvollziehen. Habe mir ein paar weitere Bücher von ihm bestellt und ich werde sehen wie die sind...
NeverTooooooLate zu »Jonathan Nasaw: Der Sohn des Teufels« 28.01.2013
Die Story an sich wäre sehr spannend, ich bin der Meinung, man hätte viel mehr daraus machen können.

Leider ist der Schreibstil sehr einfach und dadurch ein bisschen langweilig zum Lesen.

Ich hatte als erste Buch von Nasaw "Angstpiel" gelesen und unterdessen musste ich feststellen, dass leider keines von ihm sonst mithalten kann.

Mir fehlt die Psychologie hinter den Charaktern der Protagonisten. Um mehr Spannung aufzubauen wäre es gut, wenn auch unwichtig erscheinende Szenen dargestellt würden und nicht ein satter Handlungsstrang, der aber eben genau dadurch sehr schwerfällig ist.

Da ich nicht mehr erwartet habe wurde ich nicht enttäuscht. Doch freute ich mich, nachdem ich den letzten Punkt gelesen hatte, auf ein Buch eines anderen Autorens, um nicht nur Freude an der Story, sondern an jedem einzelnen Satz zu habne.
Caliban zu »Jonathan Nasaw: Der Sohn des Teufels« 26.10.2011
Ich muss sagen, dass ich das Buch noch nicht ganz zu Ende gelesen habe, jedoch bin ich stark beeindruckt, wie Nasaw die Gedanken eines Menschens über die Realität so einbringt, wie er es tut. Man sieht die Welt durch die Augen eines 'Kranken', die ich persönlich wesentlich spannender finde, als die Sicht von Pender, der jedoch auch ganz amüsant sein kann.
Auf jeden Fall ist es ein empfehlenswertes Buch für Leute, die nicht nach 0815 Werken suchen, bei denen man schon am Anfang weiß, was am Ende passiert.
JaneM. zu »Jonathan Nasaw: Der Sohn des Teufels« 26.03.2011
Die Grundstory ist an sich sehr gut durchdacht: Luke Sweet, ein 15jähriger aus katastrophalen Verhältnissen gerät scheinbar unschuldig in Situationen, die in zum Verdächtigen und Gejagten machen. Verschiedene Personen versuchen sein Vetrauen zu gewinnen, verraten ihn jedoch letztendlich und sehen seine Psychopathenkarriere als naturgegeben hat. In einer psychiatrischen Klinik wird er nur sediert. Es kommt, wie es kommen muss: die sich selbst erfüllende Prophezeiung tritt ein. 10 Jahre später ist Luke ein kaltblütiger junger Mann, der Rache nehmen will. An seiner Familie und den Personen, die ihn in die Klinik gebracht haben. Pender und Epstein stehen auch auf seiner Liste.
Mit dem Auftreten des psychotischen Racheengels Asmador wird die Story zunächst etwas schräg, gewinnt jedoch später an Logik.
Ich kann mir nicht helfen: ich mag den exzentrischen, angetrottelten, unangepassten Pender. Nasaws Krimis haben in ihrer schrillen, manchmal abartigen Art einen besonderen Reiz. Ich schwanke immer zwischen Kopfschütteln und Faszination. Nasaw lesen ist wie einen trashigen Horrorfilm aus den 70igern sehen. Aber sicher nicht jedermanns und- fraus Sache.
bamberger zu »Jonathan Nasaw: Der Sohn des Teufels« 20.11.2010
Wie seine Vorgänger auch ist dieser Band von Nassaw nichts für zartbesaitete Zeitgenossen. Eine anfangs klug durchdachte, spannende Story versinkt zum Ende hin in einem blutrünstigen, schockierenden und jederzeit detailreich beschriebenen Gewaltrausch.
Ein etwas Unspektakulärer Schluss und viel aufkommende Sympathie für Luke… mehr kann ich dazu eigentlich nicht schreiben… leider.
Alexi1000 zu »Jonathan Nasaw: Der Sohn des Teufels« 02.09.2010
Mann war das lahm! Vorweg habe ich allerdings nicht gewusst, das es eine Fortsetzung der "Pender" - Reihe ist. Da sind die letzten schon stark abgefallen, aber dieses markiert für mich den Tiefpunkt!

Hört sich die Story vorweg noch halbwegs passabel an, spult Nasaw das ganze so emotionslos runter, das ich mich manchmal veräppelt gefühlt habe; vor allem wenn ich mir den als Papagei ausstaffierten Pender vorstelle, ist es eigentlich nur noch eine Witzfigur...Nasaw lacht sich wahrscheinlich ins Fäustchen, das Nasen wie ich Ihm die Rente finanzieren.

ich für meinen Teil bin durch mit Ihm, und werde auch keine weiteren (egal ob Pender oder sonstwas) von diesem Autor kaufen...

weil zumindest hin und wieder mal eine nette Szene drin war drück ich beide Augen zu:

40°.
C.H. zu »Jonathan Nasaw: Der Sohn des Teufels« 25.08.2010
Ich fand das Buch nicht schlecht. Die vorherigen Bücher waren allerdings viel spannender. Das Ende war dann aber doch noch überraschend und gut. Pender im Drogenrausch . naja. Die Geschichte war ein wenig dünn. Bei den Vorgängern habe ich beim Lesen gelegentlich die Luft angehalten (vor Spannung). Bei diesem Buch leider nicht.
Ihr Kommentar zu Der Sohn des Teufels

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: