Verräter wie wir von John Le Carré

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Our Kind of Traitor, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Ullstein.

  • New York: Viking, 2010 unter dem Titel Our Kind of Traitor. 416 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2010. Übersetzt von Sabine Roth. ISBN: 978-3-550-08833-9. 416 Seiten.

'Verräter wie wir' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Dima ist die Seele der russischen Mafia. Seit seiner Zeit als Gefangener im Gulag hat er sich an ihre Spitze hochgearbeitet. Sein Spezialgebiet: die Geldwäsche. Doch seine Tage sind gezählt. Er hat Feinde unter den mächtigen Weggefährten. Um das Überleben seiner Familie zu sichern, geht er einen Pakt mit dem Westen ein. Er bietet sein Wissen im Tausch gegen ein Leben in England. Eine Sensation für den britischen Geheimdienst, der einwilligt. Aber die Agenten stoßen auf einen bedrohlichen Widerstand. Der lange Arm der Mafia reicht bis weit in den Westen. Wie lange wird Dima seine russischen Freunde täuschen können? Verräter wie wir ist ein leidenschaftlicher Roman über die Korrumpierbarkeit des Westens und über die Zerbrechlichkeit der Demokratie.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Guten sind wir« 66°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

Roger Federer wird in John le Carrés neuem Buch ein literarisches Denkmal gesetzt. Das Warmspielen im Finale von Roland Garros gegen Robin Söderling wird zum Ereignis. Der Beifall brandet los und Federer betritt bescheiden gekleidet wie ein Gott den Platz. Überhaupt wird in Verräter wie wir viel Tennis gespielt. Für jemanden, der Das Russlandhaus oder Der Spion, der aus der Kälte kommt kennt, mag so viel Tennis auf die Dauer langweilen.

Mit seinem 23. Roman legt John le Carré eine altbekannte Geschichte vor. An manchen Stellen lugt in der Person des Agenten Hector der gute alte George Smiley hervor. Elder Statesmen im Auftrage des Geheimdienstes, die verschwörerische Konspirationen aufdecken und verhindern sollen, sind Le Carrés Markenzeichen. Auch wenn er sich in seinem neuen Roman eines jungen Paares bedient, das dem Geldwäscher und Mitglied der Russenmafia Dima helfen soll, die Seite zu wechseln und Verrat an der Mafia zu üben. Immerhin treibt Dima die Angst um, liquidiert zu werden, wenn er nicht mehr gebraucht wird. Er will nur das Beste für sich und seine Kinder, die nach Eton und Kricket spielen sollen. Seine Frau Tamara hingegen erscheint als blasses Geschöpf am Rande, eine Mutter, mit der man nun mal verheiratet ist, und die über eine kunterbunte Familie wacht.

Perry Makepiece, der einer langen Reihe aufrichtiger Engländer entstammt, die sich einzumischen verstanden, und seine Freundin Gail Perkins lernen ihn auf Antigua kennen, woanders als beim Tennis. Eine harmlose Urlaubsbekanntschaft so scheints. Dass ausgerechnet ein Tennismatch, dazu dienen soll, Dima davon zu überzeugen in dem jungen Paar das richtige Mittel zum Zweck zu finden, ist ein Konstrukt, das schwer verdaulich ist. Der Russe findet also Gefallen an seinem Professor, wie er Perry nennt, und die Juristin Gail knüpft gleich eine Freundschaft zur dessen sechszehnjähriger Tochter Natasha , die schwanger ist. Was der Vater nicht zu wissen braucht.

Während das Paar nun die britische Seite von Dimas Qualitäten als Verräter zu überzeugen sucht, macht sich Le Carré einmal mehr daran den Geheimdienst als einen Hort zu demaskieren, der sich selber im Wege steht. Doch Le Carré steckt in demselben Dilemma wie Graham Greene. Beides Literaten, die sich einem Genre verschrieben haben. In manchen Büchern bedienen sie dieses perfekt , in anderen wagen sie eher einen Spagat zwischen ihrer literarischen Ader und den Suspense-Ansprüchen eines Thrillers.

In einigen Passagen fühlt man sich an frühere Romane erinnert. Das Liebespaar, das in Bedrängnis gerät. Der Außenseiter im Amt, der es besser als alle anderen weiß. Das politische Ränkespiel, das bis hoch in die Regierung reicht. Diesmal sind es Blair und sein New Labour. Es ist durchaus anerkennend, dass Le Carré uns unbeirrt keine Helden vorführt, die unschlagbar die Welt mit einem Augenzwinkern retten. Doch diesmal verschleppt sich das Tempo in den Dialogen allzu sehr.

Das Buch nimmt einen langen Anlauf, um zum Kern  der Geldwäsche – vorzupreschen. Dass ihm sein ureigenstes Terrain, der Kalte Krieg, abhanden gekommen ist, hat er in den letzten Jahren dadurch aufzuwiegen versucht, dass er sich den Gefahren der globalen Welt zuwandte. Ob nun in Der ewigen Gärtner, die Verbrechen der Pharmaindustrie an der Bevölkerung Kenias, in Der Nacht-Manager, der Waffenhandel oder in seinem letzten Roman Marionetten den Gefahren des islamitischen Terrors Le Carré spiegelt die Verwerfungen der Politik an Menschen, die gar nicht in diesen Dunstkreis gehören.

Was bei anderen Autoren des Genres dazu führen würde, das Buch gelangweilt zur Seite zu legen, besticht bei ihm durch die unterschwellige Erkenntnis, dass das Gute nicht scheut, sich des Bösen zu bedienen, wenn es glaubt, im Recht zu sein.

Allerdings hat sich die Camouflage von Le Carrés Verbrechen seit Der Spion, der aus der Kälte kam geändert. Die Kälte des Eisernen Vorhangs ist zum schillernden Protzen, dem schnellen Aufstieg der Neureichen in einer globalisierten Welt geronnen. Aus Beton wurden Perlenschnüre. Die Gier nach Macht dahinter hat sich nicht geändert.

Wolfgang Franßen, Dezember 2010

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wampy zu »John Le Carré: Verräter wie wir« 25.10.2015
Buchmeinung zu John le Carre – Verräter wie wir

„Verräter wie wir“ ist ein Spionageroman von John le Carre, der 2010 bei Ullstein erschienen ist. Die gekürzte Hörbuchfassung, die von Johannes Steck gesprochen wird, ist 2010 bei Hörbuch Hamburg erschienen.

Klappentext:
Dima ist die Seele der russischen Mafia. Seit seiner Zeit als Gefangener im Gulag hat er sich an ihre Spitze hochgearbeitet. Sein Spezialgebiet: die Geldwäsche. Doch seine Tage sind gezählt. Er hat Feinde unter den mächtigen Weggefährten. Um das Überleben seiner Familie zu sichern, geht er einen Pakt mit dem Westen ein. Er bietet sein Wissen im Tausch gegen ein Leben in England. Eine Sensation für den britischen Geheimdienst, der einwilligt. Aber die Agenten stoßen auf einen bedrohlichen Widerstand. Der lange Arm der Mafia reicht bis weit in den Westen.


Meine Meinung:
Dimas bester Freund ist einem Attentat zum Opfer gefallen. Deshalb möchte er die Seiten wechseln, weiß aber das dies lebensbedrohlich ist. Auf Antigua kontaktiert er einen englischen Professor und dessen Freundin, die als Anwältin arbeitet. Wie erwartet bemerkt dies der britische Geheimdienst und die Geschichte nimmt ihren Lauf. Der Autor erzeugt von Beginn an eine Atmosphäre permanenten Misstrauens und unterschwelliger Gefahr. Die beiden Hobbyspione haben von den Absichten beider Seiten kaum eine Vorstellung und versuchen sich anständig und vernünftig zu verhalten. Ihnen zur Seite wird der Berufsagent Hector gestellt, der sich auch sehr undurchsichtig verhält. Er ist Fachmann auf dem Gebiet der globalen Finanzflüsse und der Geldwäsche und bringt dieses Wissen den Amateurspionen und damit auch dem Leser näher. Lange Zeit dümpelt die Geschichte sehr gemächlich vor sich hin. Erst als der Seitenwechsel konkret durchgeführt wird, kommt Schwung in die Handlung.

Zum Sprecher:
Johannes Steck ist eine sehr gute Wahl für die Sprecherrolle. Er gibt jeder Figur eine unverwechselbare Stimme und bleibt dabei jederzeit gut zu verstehen.

Fazit:
Die Geschichte ist lange Zeit recht spannungsarm, wirkt dadurch aber auch realitätsnah. Auch das Ende könnte so geschehen. Einen Teil der Spannung bezieht die Story aus der Undurchsichtigkeit der beteiligten Profis. Welche Ziele verfolgen sie? Sind ihre Ziele die Ziele ihrer Chefs? Haben sie eigene Interessen? Ist der Geheimdienst tatsächlich so bürokratisch? All dies sorgt auch dafür, dass bei mir keine Bindung zu den Figuren entstanden ist. Zusammen mit der lange Zeit fehlenden Spannung führt dies zu einer Wertung von zwei Sternen.
Jossele zu »John Le Carré: Verräter wie wir« 28.11.2014
Mit diesem Werk legt le Carré eine Geschichte vor, die ich als halbgelungen bezeichnen möchte. Gelungen ist der größte Teil des Romans, in dem der Uni-Dozent Perry und seine Frau, die Juristin Gail in ein Drama um den Ausstieg des größten Geldwäschers der russischen Mafia (ein Mann namens Dima) geraten. Wie sie darin verwickelt werden, warum Dima aussteigen will, wie ein Außenseiter des britischen Geheimdienstes die Fäden spinnt, das alles ist brillant erdacht und erzählt. Vielen Dank an dieser Stelle an die Übersetzerin Sabine Roth, die es meisterhaft versteht, die Feinheiten von le Carrés Stil ins die deutsche Sprache zu übertragen. Dann aber reißt le Carré am Ende alles wieder ein, indem er den Schluss offen lässt und einige Handlungsstränge gar nicht auflöst: die Agentin Yvonne z.B., die am Anfang mitmischt und dann unerklärt von der Bildfläche verschwindet, was passiert weiter mit der Familie und wer war denn nun am Ende verantwortlich? Die russische Mafia, der britische Geheimdienst oder Teile davon, die britischen Politiker oder alles zusammen? Es wirkt fast so, als hätte sich le Carré um ein plausibles Ende gedrückt, weil ihm keines einfiel. Deshalb diesmal nur 40°. Schade drum.
Dima zu »John Le Carré: Verräter wie wir« 27.10.2013
Was war denn das für ein Schluss?? Ein Buch voller Spannung, Männerfreundschaft, Ehre und zwischengeschlechtlicher Beziehungen und dann so etwas!!! "Was ist das für ein scheißdrecks Mafia-Aparatischks-Stück? Und was ist die verdammte Botschaft dahinter. He? Ist das man nicht verraten soll Wory Bruderschaft und sich nicht anlegen mit verfickte demokrkatische und aristokratische und vorallem korrupte Politiker?`Oder was!" (O-Ton, Dima)
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Wolfgang Matthes zu »John Le Carré: Verräter wie wir« 25.08.2012
Auch ich bin von dem Buch total enttäuscht. Es ist langweilig und man muss sich richtig zwingen, weiter zu lesen.
Ich habe jetzt genug und das Buch nach 150 Seiten weggelegt. Offenbar sind andere Leser der gleichen Meinung wie ich. Wie dieses Buch auf die Spiegel-Bestsellerliste kommen konnte, ist mir ein Rätsel. Wahrscheinlich wird alles, was von diesem Autor kommt, so bewertet. Eigentlich Schade, dass man sich auf diese "Bewertung" auch nicht mehr verlassen kann.
0 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Arno Nym zu »John Le Carré: Verräter wie wir« 22.09.2011
Danke für die Warnung!

Zitat:
"Also ich kann diese ganze Lobhudelei nicht verstehen. Das ist ein absolutes Scheiss-Buch! Es passiert verdammt noch mal auf 400 seiten rein garnichts, nur damit dauf der letzten seite dann (...) . Ich hab mich selten so sehr über ein Buch geärgert. Weiss der Geier warum ich mich solange mit diesem Mist rumgeschlagen habe. Ich dachte die ganze Zeit "da muss doch irgendwann mal was passieren", aber weit gefehlt - Absolute Zeitverschwendung. Jeder der dieses Buch liest, ist wirklich selber schuld."
0 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Mettmurderer zu »John Le Carré: Verräter wie wir« 25.04.2011
Also ich kann diese ganze Lobhudelei nicht verstehen. Das ist ein absolutes Scheiss-Buch! Es passiert verdammt noch mal auf 400 seiten rein garnichts, nur damit dauf der letzten seite dann (...) . Ich hab mich selten so sehr über ein Buch geärgert. Weiss der Geier warum ich mich solange mit diesem Mist rumgeschlagen habe. Ich dachte die ganze Zeit "da muss doch irgendwann mal was passieren", aber weit gefehlt - Absolute Zeitverschwendung. Jeder der dieses Buch liest, ist wirklich selber schuld.

Das Leben ist zu kurz für dieses Buch!
0 von 5 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
anyways zu »John Le Carré: Verräter wie wir« 04.02.2011
Gail und Perry ahnen nicht, in welche Abenteuer ihr Tennisurlaub auf der Karibikinsel Antigua enden soll. Abenteuer haben sie indes aber bitter nötig. Perry ist 30 und mit seinem Leben als Dozent am Oxforder College sehr unzufrieden. Gail hingegen ist als Juristin beruflich völlig ausgelastet. Sie stellt sich lediglich die Frage nach der Zukunft ihrer Beziehung zu Perry. Trennen sie sich oder wird geheiratet?

Gleich am ersten Tag auf der Sonneninsel lernen sie den Russen Dima kennen. Er arrangiert ein Herrenmatch für sich und Perry, Gail hat indes viel Zeit sich Dimas Familie näher anzusehen. Da gibt es die etwas deplaziert wirkende Tamara, die derzeitige Ehefrau, sie sieht verhärmt aus und ist sehr gottesfürchtig. Natascha ist Dimas Tochter aus erster Ehe, sie ist bildschön und klug. Seine Zwillingssöhne sind hellauf begeisterte Sportfans und die beiden kleinen Nichten umgibt eine Aura der Trostlosigkeit. Gail entdeckt sofort Muttergefühle und Perry reift zum Beschützer, erst recht als die Wahrheit über das Vermögen des Russen an Licht kommt. Dima ist der Geldwäscher Nr. 1 für ein russisches Syndikat und er will Aussteigen. Was liegt da näher, sich mit Perry und Gail, den beiden Engländern, anzufreunden, und sie um diesen winzigen Gefallen des Überlaufens zu bitten?



Perry lässt sich auch nicht lange bitten, winkt doch ein Agentenposten, ehrenhalber.

Kaum in London angekommen, schaltet er auch sofort den britischen Geheimdienst ein…





John le Carré in Reinkultur.

Der Roman wird größtenteils von den beiden Hauptprotagonisten wie im Verhörstil, sachlich, nüchtern und manchmal sehr distanziert erzählt.

Minutiös, so scheint es, schildern sie ihren Urlaub, die Ankunft in London, die Kontaktaufnahme mit dem Geheimdienst und die Planung zur Befreiung Dimas Familie aus den Klauen der russischen Mafia.

Mit Spannung verfolgt der Leser der ganzen Vorbereitung, immer auf der Hut vor eventuellen Rückschlägen. Viel zu spät wird ihm die Manipulation durch den Autor bewusst, denn die Zusammenhänge dieses komplexen Romans erschließen sich erst viel später, lange nach dem Lesen. Umso treffender finde ich die Wahl der deutschen Übersetzung des Buches- „Verräter wie wir“.
3 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
MaMa zu »John Le Carré: Verräter wie wir« 19.01.2011
Kann mich den bisherigen, gut gemeinten Kommentaren nicht in Gänze anschließen, aber wenn ich die Haben-Seite zusammenfasse kommt bei mir folgendes heraus:
1. Le Carré hat wie gewohnt sehr gut recherchiert um Schauplätze, Personen und Befindlichkeiten äußerst präzise darzustellen.
2. Den Roman durchzieht eine latente Spannung, die den Leser immer weiter vorwärts treibt.
3. Alles bleibt völlig vorstellbar, realistisch und könnte jederzeit, jederorts so passieren
4. Man merkt dem Autor einfach seine jahrzehntelang geübten Bestseller-Qualitäten mit jeder Seite an.
Auf der Soll-Seite ist mir dagegen folgendes aufgefallen:
1. An manchen Stellen verliert sich m. E. die Detailliebe in Weitschweifigkeit, die ein wenig straffer gefasst hätte werden können, aber durch großes erzählerisches Talent schon irgendwie gerechtfertigt wird.
2. Das Ende, etwa beginnend ab dem letzten Drittel ist ziemlich vorhersehbar. 3.1. Ein wenig mehr Action hätte mir gut getan (wobei ich mir nicht sicher bin, ob mehr Action auch dem Roman gut getan hätte).
3.2. Das Thema, auch auf der Klappe groß angekündigt, hatte für mich nichts neues: an dieser Stelle blieb mir der Plot zu vorstellbar.
4. Ich finde John le Carré hat´s schon besser hingebracht - es ist nicht sein größter WurfFazit: Brauchbarer Lesestoff, aber ich war ein wenig enttäuscht. 65° habe ich vergeben.
0 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
lenchen_196 zu »John Le Carré: Verräter wie wir« 08.01.2011
Verräter im Osten und Westen


Das neue Buch vom Bestsellerautor John le Carre wirkt schon bei der Aufmachung sehr solide und verspricht gute Unterhaltung.
Das goldene Cover sieht edel aus, das Papier ist dick und wirkt teuer, was den allgemeinen Eindruck von dem Buch noch mehr steigen lässt.
Inhaltlich ist der neue Roman von John le Carre eben ein Roman und kein Action-Krimi. Mann muss genau aufpassen, wer was sagt und wer was macht, um alle Stränge richtig zu zuordnen. Denn nur diejenigen, die aufmerksam der Geschichte folgen, können die Intrige letztendlich verstehen. Alle Kleinigkeiten und Untertöne spielen auch große Rollen im Plot. Das ist typisch für den Autor, genau so wie sein Stil, sarkastisch und detaillästig. Die Handlung entwickelt sich nicht rasant, wie man vielleicht von einem Spionage-Thriller erwarten kann. Dafür mangelt es nicht an Dialogen, inneren Zweifeln und Überlegungen, Verhörsberichten und Familienszenen.

Dima, einer der Hauptfiguren der russischen Mafia, Spezialist für Geldwäscherei, wird langsam in den höheren Kreisen des organisierten Verbrechens immer mehr unerwünscht. Es geht jetzt um sein Leben. Um seine Familie und sich selbst zu schützen, hofft er auf die Rettung im Westen. Er knüpft Kontakte zu einem englischen Urlauber-Pärchen und mit dessen Hilfe zu den Agenten in London. Sein ganzes kriminelles Wissen bietet er für die Möglichkeit friedlich in England leben zu können an. Der britische Geheimdienst freut sich darüber, aber er freut sich zu früh. So einfach lässt die Mafia seinen Feind nicht gehen. Und auch in England gibt es Leute, die kein Interesse daran haben, Dimas geheime Informationen lüften zu lassen. Die Intrige ist also mehrschichtig, viele Fäden ziehen sich dorthin, wo keiner sie erwartet…
Die Handlung wechselt ständig zwischen Gegenwart und Vergangenheit, die Spannung wächst von Seite zu Seite. Das Ende kommt aber eher erwartet vor, ich zumindest hatte schon nach der Hälfte der Geschichte eine böse Ahnung, dass es genau so enden wird.

Wie alle seine „Auslands“-Romane, ist dieser auch gut von le Carre recherchiert, es gibt fast nichts auszusetzen. Das einzige, was mir negativ aufgefallen ist, ist dass der Autor „Dimas“ als Bezeichnung für die ganze Familie verwendet, was immerhin falsch ist, weil Dima nur ein Vorname ist und nach einem Vornamen (wenn auch des Oberhauptes) nennt man in Russland nie eine Familie. Allerdings stammt der Klappentext an dem Cover bestimmt nicht von dem Autor selber, mit der Erwähnung des Gulags, wo Dima sich angeblich an die Spitze der Mafia hochgearbeitet hat. Ist Gulag für den Schreiber dieses Textes der russische Knast im Allgemeinen? Gulag existierte seit 1960 nicht mehr, und in dieser Zeit hatte Dima bestimmt noch einen Schnuller in der Hand und kein schmutziges Geld zum Waschen. Nun ja, das sind nur Kleinigkeiten, die das Interesse am Buch nicht schmälern.
Der Roman regt zum Nachdenken an und ist empfehlenswert für alle, die in einem Spionage-Thriller nicht unbedingt nur Action sehen wollen.
June zu »John Le Carré: Verräter wie wir« 08.12.2010
Wie ein Faustschlag in den Magen ist das Ende dieses Thrillers, der wirklich bis zur letzten Seite spannend und informativ ist. Man sitzt da und erkennt - wieder mal - dass die Welt voller Korruption ist. Und dass die Skrupellosigkeit keine Grenzen kennt, wenn es um Geld und Macht geht.Was so harmlos mit dem Liebesurlaubnis des Londoner Pärchens Gail und Perry beginnt, bekommt eine rasante Wendung, als Dima auf den Plan tritt.Dima, russischer Mafioso und internationaler Geldwäscher Nr. 1.Dima, der mit etwa 16 Jahren als Kleinkrimineller im Gulag in Kolyma gelandet ist, der dort schnell ein anerkanntes Mitglied der gefürchteten Wory wurde und innerhalb dieser strengen Gemeinschaft Karriere gemacht hat.Doch so gnadenlos brutal Dima einerseits sein kann, so ist er mit seiner von russischem Akzent gezeichneten Aussprache auch gleichzeitg ein rührender Charakter, ein Kumpel-Typ und leidenschaftlich liebender Vater von vier Kindern. Diese zu beschützen und nach Großbritannien zu retten ist sein einziger Wunsch und dafür bietet er dem britischen Geheimdienst brisante Informationen an. Und er braucht dafür die Hilfe des unauffälligen britischen Liebespaares Gail und Perry.
Beide stimmen zu. Ahnungslos, welche Welt sie betreten. Eine Welt voller Verwicklungen, Scheinheiligkeit und Verrat.

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