Die Rache von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 1989 unter dem Titel Day of Reckoning, deutsche Ausgabe erstmals 1990 bei Bastei Lübbe.
- New York: Putnam, 1989 unter dem Titel Day of Reckoning. 368 Seiten.
-
Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1990.
Übersetzt von Ari Grosskopf und Dirk Muelder.
ISBN:
3-7857-0594-8. 413 Seiten.
'Die Rache' ist erschienen als
![]()
![]()
In Kürze:
Das Familienidyll der Richards endet jäh, als der kleine Tommy nicht nach Hause kommt. Dann meldet sich der Entführer, mit einer Stimme, die ihnen nur zu gut bekannt ist. Plötzlich ist die Vergangenheit wieder lebendig …
Das Leben von Megan und Duncan Richard könnte so schön sein. Beide sind erfolgreich in ihren Berufen, haben zwei wohlgeratene Zwillingstöchter, einen – naja – etwas problematischeren Sohn, ein schönes Haus, das sie mehr oder weniger aus einer Bruchbude aufgebaut haben und insgesamt läuft alles rund. In diese amerikanische Heile-Welt-Szenario platzt der Schatten der nicht bewältigten Vergangenheit: Besagter Schatten personifiziert sich in der charismatischen Oliva Barrow, mit der sei einst als studentische Wirrköpfe einen Banküberfall planten, um ein Zeichen gegen das System zu setzen. Natürlich ging dieser Überfall – lapidar bezeichnet – in die Hose, mehrere Mitglieder der Überfall-Gang wurden getötet und allein Olivia musste eine langjährige Haftstrafe verbüßen, in deren Verlauf sie Megan und Duncan bittere Rache schwor.
Grundsätzlich wäre diese Haltung schon nachvollziehbar, denn den beiden Protagonisten gelang seinerzeit die unerkannte Flucht vom Tatort nebst der bereits erwähnten gelungenen Wiedereingliederung in die Gesellschaft mit all ihren angenehmen Folgen: Kinder, Karriere und Kohle. Natürlich muss Oliva diese Konstellation ein Dorn im Auge sein und so entführt sie den jüngsten Spross der Familie – inklusive begleitendem Großvater – und fordert finanzielle Wiedergutmachung, welche die Mittel der Richards völlig übersteigen und somit die Idee des Banküberfalls bzw. des Bankraubes wieder als »eigentlich gar nicht mal so schlecht« erscheinen lässt.
Grundsätzlich hätte sich aus diesem Stoff sicherlich ein interessanter, dichter Krimi stricken lassen, wenn nicht die Helden und auch die Bösewichter gnadenlos überzeichnet wären. Da ist auf der einen Seite das treusorgende Ehepaar, das sich vollständig von seinen damaligen gewalttätigen und revolutionären Ideen abgewandt hat und nun mit seinen Kindern das Musterbild der amerikanischen Familie bildet. Man versteht sich blendend mit den beiden 17-jährigen Töchtern, an denen die Pubertät nebst elterlichen Konflikten offensichtlich spurlos vorbei gegangen ist, auch wenn das Verhältnis zu dem kleinen Tommy nicht ganz unbelastet ist. Tommy scheint autistische Züge an den Tag zu legen, aber da das ja in der Ideal-Familie eigentlich nicht wünschenswert wäre, könnte man ihn laut Darstellung im Buch als »ein bisschen autistisch aber sonst eigentlich ganz in Ordnung« bezeichnen.
Soweit zu den Darstellern mit den »weißen Hüten« (um die amerikanischen Western-Clichès zu bemühen), nun zu der klassischen schönen aber abgrundtief bösen Hexe Olivia: Offensichtlich wurde sie von der Natur insoweit begünstigt, dass sie mit genügend Charisma, um andere für ihre Ideen zu begeistern sowie mit einer ausreichenden Menge weiblicher Reize, um sowohl Männlein wie Weiblein bei der Stange zu halten, ausgestattet wurde. Diese Reize und ihren Willen zur Führung setzt sie dann auch gnadenlos ein, um ihren Racheplan umzusetzen. Hier muss sich der Leser aber auch fragen, warum eine so intelligente und auch berechnende Person seinerzeit nicht einfach ihre Komplizen verpfiff, um ihre Haftstrafe zu reduzieren und mit Megan und Richard abzurechnen. Warum greift sie auf ein so aufwändiges Verfahren, wie die Entführung des Sohnes und des Großvaters zurück, anstelle sich der guten alten Erpressung zu bedienen? Warum vertraut sie darauf, dass sich das gutbürgerliche Ehepaar tatsächlich ihren Anweisungen beugt und sich auf den Pfad der Kriminalität begibt?
Diese Fragen kann John Katzenbach nicht beantworten. Vielmehr zeichnet er das Bild des gebeutelten Ehepaares, das sicherlich einmal auf Abwege geriet, aber nun zum unschuldigen Spielball der Rachgelüste einer kaltherzigen Furie wird. In diesem ganzen Konstrukt ist allein die Lösung dann wieder stimmig. Denn so wie der amerikanische Coca-Cola Hersteller seinerzeit in dem Film Eins, zwei drei den Satz »Eine Familie die zusammen hält, spielt auch zusammen Golf« prägte, so bereinigt hier die vereinte Familie das Problem auf die gute alte amerikanische Art. Das danach dann sowieso die ganze Vorgeschichte ans Licht gezerrt werden und das was man so mühsam zu verbergen suchte, enthüllt werden muss, naja, das wäre dann eine andere Geschichte. Aber diese Geschichte wird nicht mehr erzählt.
Als Fazit dieses Buches bleibt zu sagen: Langweilig ist es sicherlich nicht und wenn sie eine nette Sommerlektüre für den Schwimmbadbesuch suchen, dann sind Sie mit diesem Buch ganz gut versorgt. Aber andererseits – mit diesem Buch gönnt man sich dann ein Wassereis (um bei dem Schwimmbad-Vergleich zu bleiben) und dabei könnte man sich auch ein Magnum leisten. …
Sabine Bongenberg, Juli 2009
Ihre Meinung zu »John Katzenbach: Die Rache«
Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!
| Stephan zu »John Katzenbach: Die Rache« | 13.03.2010 |
|---|---|
| amy zu »John Katzenbach: Die Rache« | 09.11.2009 |
| Aaargh! zu »John Katzenbach: Die Rache« | 04.10.2009 |
| Lisa zu »John Katzenbach: Die Rache« | 04.09.2009 |
| AMGaida zu »John Katzenbach: Die Rache« | 01.09.2009 |
| Simone zu »John Katzenbach: Die Rache« | 13.07.2009 |
| JaneM. zu »John Katzenbach: Die Rache« | 29.06.2009 |
| Chris zu »John Katzenbach: Die Rache« | 11.05.2009 |


