Das Opfer von John Katzenbach

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel The Wrong Man, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Droemer.

  • New York: Ballantine Books, 2006 unter dem Titel The Wrong Man. 688 Seiten.
  • München: Droemer, 2007. Übersetzt von Anke Kreutzer. ISBN: 978-3-426-19756-1. 688 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2008. Übersetzt von Anke Kreutzner. ISBN: 978-3-426-63757-9. 656 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2007. Gesprochen von Simon Jäger. ISBN: 3866102763. 6 CDs.

'Das Opfer' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Die attraktive Studentin Ashley Freeman begeht einen folgenschweren Fehler. Angeheitert verbringt sie eine Nacht mit Michael O´Connell, einem Computerfreak und geschickten Hacker. Was sie nicht ahnt: Michael ist ein Psychopath, und er hat beschlossen, dass Ashley die Frau seines Lebens ist. Nichts und niemand wird ihn davon abbringen – schon gar nicht Ashley. Michael lässt sich nicht abschütteln, Ashleys Zurückweisungen stacheln ihn nur noch mehr an. Unerbittlich stellt er ihr nach, zwingt sie unter seinen Psychoterror. Und er kennt keine Gnade: Einen Kommilitonen, der ein Date mit Ashley hat, prügelt er in den Rollstuhl, Ashleys beste Freundin wird bei einem mysteriösen Autounfall verletzt. Und auch die 5000 Dollar, mit denen Ashleys Eltern ihn sich vom Hals schaffen wollen, bewirken nichts. In ihrer Verzweiflung setzt Ashleys Familie den Ex-Cop Murphy auf den Stalker an. Wenig später ist der Privatdetektiv tot. Immer schneller dreht sich eine Spirale des Schreckens, die schließlich Ashleys gesamte Familie in die Tiefe reißt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Im zügigen Tempo durch emotionale Höhen und Tiefen« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Sylvia Rucker

Ganz gegen ihre Gewohnheit nimmt die junge Ashley Freemont nach einem beschwingten Abend ahnungslos den gutaussehenden Michael O’Connell, einen Computerfreak und gerissenen Kleinkriminellen, mit zu sich nach Hause. Hätte sie zu diesem Zeitpunkt schon geahnt, welche verheerenden Folgen diese eine Nacht für ihr Leben haben wird, hätte sie sich sicherlich anders entschieden. Denn was für sie lediglich ein harmloser One-Night-Stand war, entpuppt sich bei Michael zu einer krankhaften Obsession. Für ihn ist sie die Frau seines Lebens, seine große Liebe und nichts und niemand soll sie ihm abspenstig machen. Gnadenlos räumt er jedes Hindernis aus dem Weg, dass ihn von diesem Ziel abhält.

Ashleys Bemühungen, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, verlaufen völlig ergebnislos im Sand. Schlimmer noch, je mehr sie versucht, ihm das Ende und die Aussichtslosigkeit der Beziehung klar zu machen, um so subtiler beginnt er, ihr seine ständige Präsenz und Allmacht vor Augen zu führen und versetzt sie mit diesem Psychoterror langsam aber sicher in Angst und Schrecken. Als ihr die ganze Sache schließlich über den Kopf wächst, vertraut sie sich endlich ihrer Familie an. Ihr Vater Scott, seine Ex-Frau Sally und deren Lebensgefährtin Hope versuchen nun gemeinsam zum Schutz von Ashley, Michael in seine Schranken zu verweisen.

Aber sie unterschätzen dabei seine Gerissenheit und seine Gefährlichkeit für Ashley und sie alle selbst. Denn weder Gesprächsversuche noch ein finanzielles Angebot führen zum gewünschten Ergebnis. Vielmehr holt Michael nun zum großen Gegenschlag aus und arbeitet systematisch daran, jedes der Familienmitglieder zu diskreditieren und zu ruinieren, wobei ihm seine speziellen Kenntnisse als Computerfreak sehr nützlich sind.

Die Familie sieht jetzt nur noch einen Ausweg: Ashley muss die Stadt verlassen und irgendwo anders ein neues Leben beginnen. Sie engagieren einen Privatdetektiv, den Sally von ihrer Arbeit als Anwältin her kennt, der Michael eindrucksvoll und nachhaltig davon überzeugen soll, dass es besser ist, Ashley zu vergessen und sie in Ruhe zu lassen. Und fast sieht es so aus, als hätten sie es endlich geschafft. Doch der Schein trügt und zwingt die Familie, einen neuen, dramatischen Plan zu entwerfen.

Der Autor John Katzenbach verwendet sehr viel Mühe und Sorgfalt darauf, die einzelnen Charaktere des Buches klar und deutlich zu beschreiben, was zu ausführlich und zu langatmig erscheinen mag. Doch man lernt dadurch die Protagonisten sehr gut kennen; sie sind einem vertraut, man fühlt sich ihnen verbunden und man kann ihre Gedanken und Gefühle sehr gut nachvollziehen. Gerade bei der Figur Michael lässt einen diese Genauigkeit über sein krankes Denken nahezu erschauern. Zu Beginn dauert es etwas, bis so richtig Fahrt aufgenommen wird, doch bei einem Buch mit rd. 650 Seiten ist dieser längere Anfang auch gut zu verzeihen, denn schließlich birgt der Rest des Buches wirklich sehr viel explosive Spannung.

Neben der gegenwärtigen Geschichte um Ashley und Michael wird in einem zweiten zeitlich versetzten Handlungsstrang noch eine Art Rückschau dazu gehalten. Eine Frau trifft sich immer wieder mit einem Schriftsteller, der die Geschichte recherchieren und aufschreiben soll. Im Rahmen dieser Gespräche erfährt der Leser heutige Erkenntnisse zu den früheren Geschehnissen und somit schon dezente Ausblicke auf den zukünftigen Verlauf der eigentlichen Handlung.

Katzenbach macht nachdrücklich klar, dass man als Opfer gegen einen solchen gerissenen und kranken Stalker kaum eine Chance hat. Denn leider können Polizei und Justiz erst dann wirklich tätig werden, wenn es eigentlich schon zu spät ist. Und vor dem Hintergrund, dass Stalking ein Ausdruck einer gestörten Persönlichkeit ist, sind deren Reaktionen auf entsprechende juristische Maßnahme auch nicht unbedingt vorhersehbar. D.h., möglicherweise wird durch eine Anzeige bzw. eine juristische Verfügung, an die sich der Täter halten kann oder auch nicht, für das Opfer in Zukunft alles nur noch schlimmer.

Mit einem sehr angenehmen und unkomplizierten Schreibstil, führt Katzenbach den Leser im zügigen Tempo durch die emotionalen Höhen und Tiefen, die alle Figuren für sich allein und gemeinsam durch diese Ausnahmesituation durchleben. Dabei beschreibt er einfühlsam und gut nachvollziehbar, wie sehr Michael das Leben der gesamten Familie beherrscht und einschränkt. Erst als langsam der Plan der Familie zu reifen beginnt, durch den die Geschichte eine unerwartete Wendung nimmt, wird das Tempo durch die moralischen Betrachtungen dieses Plans vorübergehend ein wenig gedrosselt, um dann aber wieder mit voller Fahrt auf das Finale zuzusteuern.

Mit Das Opfer ist Katzenbach ein packender und spannender Psychothriller über ein immer aktueller werdendes Thema gelungen, der dieser Bezeichnung absolut gerecht wird.

Sylvia Rucker, April 2007

Ihre Meinung zu »John Katzenbach: Das Opfer«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Bettina748 zu »John Katzenbach: Das Opfer« 21.09.2014
Das Opfer ist eine nette Lektüre für zwischendurch. Die unkomplizierte Syntax und konstant gehaltene Spannungskurve fesseln den Leser an das Buch und somit schmökert man(n)/frau sich in wenigen Tagen durch den 654-Seiten-Wälzer. Kurzweiliges Lesevergnügen, das nur leider mit dem Titel "Psychothriller" etwas überbewertet ist.
herbert7 zu »John Katzenbach: Das Opfer« 23.08.2014
DAS OPFER ist eine brillante Geschichte mit vielen Facetten und gleichzeitig eine tiefgehende Parabel über die Liebe. Wie geht es einem Stalker und wie seinem Opfer? Was können Betroffene unternehmen, solange sie keine Hilfe von der Polizei bekommen? Katzenbach erzählt eine packende Geschichte, die fast schon harmlos beginnt, dann aber immer mehr an Spannung gewinnt. Wie glauibwürdig werden all die Charaktere beschrieben, wie ungeheuerlich sind die Details, die einem einen Blick in die Tiefen der menschlichen Seele erlauben!
Dieser Roman hat mich begeistert und da ich Katzenbach noch nicht kannte, kann ich noch einiges nachholen und erwarte mir dabei großes Lesevergnügen.
Klaus Alofs zu »John Katzenbach: Das Opfer« 09.05.2013
Das Opfer durfte ich als Hörbuch geniessen.
Simon Jäger,der Sprecher, begeisterte mich schon bei "Der Patient"."Das Opfer" ist gut, kommt aber nicht an das das brilliante "Der Patient" heran.Eine interessante Geschichte, die ganz schön bedrohlich wirkt.Da fragt man sich...kann mir das auch passieren ? Die Moral der Geschichte ist etwas fragwürdig, jedoch zeigt es die unglaubliche Verzweiflung in der sich die Hauptakteuere befinden. Gut ist, daß es keinen eigentlichen Helden gibt.Der Privatdetektiv sollte wohl einer werden...aber... ?
Zusammenfassend ist das Opfer doch sehr zu empfehlen.Viel Spass :-)
Chaos zu »John Katzenbach: Das Opfer« 24.02.2013
Habe schon mehrere Bücher besagten Schriftstellers gelesen. Waren meistens absolut spannend. Habe "Das Opfer" aber nur bis zur Hälfte geschafft und dann beiseite gelegt. War zu langatmig. Kommt z. B. an "Der Patient" bei Weitem nicht dran.
Wieso gibt es dieses Buch in 2 verschiedenen Ausgaben?
Bei dem Buch "Das mörderische Paradies" handelt es sich um den absolut identischen Inhalt!?
Chris zu »John Katzenbach: Das Opfer« 04.01.2013
Nach "die Anstalt" und "der Patient" bin ich von diesem Werk Katzenbachs sehr enttäuscht. Die Charaktere sind allesamt neurotisch veranlagt und ihre Handlungen erscheinen schwer nachvollziehbar. man kann sich mit keiner der handelnden Personen identifizieren. Die Beweggründe des Stalkers sind unzureichend beschrieben. Der Handlungsverlauf ist zäh, ständig möchte man rufen: "Mach doch endlich." Die moral des Buches empfinde ich als höchst fragwürdig.
Kasia zu »John Katzenbach: Das Opfer« 02.08.2011
"Das Opfer" von John Katzenbach ist für mich eine perfekte Geschichte.
Sie ist perfekt erzählt und es gibt keine Längen und keine Übertreibungen in ihr.
In manchen Momenten habe ich gedacht: "Weshalb gehen die nicht endlich zur Polizei?!" und habe dann eine schlüssige und logische Erklärung des Autors auf diese Frage bekommen.
John Katzenbach beschreibt einen Stalker und sein Opfer und eine sich anschleichende, nahende Katastrophe, die im absoluten Showdown endet, der an den Fingernägeln knabbern lässt.
Er ist und bleibt für mich einer der wenigen Autoren, deren Bücher von vorne bis hinten spannend bleiben. Drei habe ich bereits von ihm gelesen und dieses hier war eine perfekte Urlaubslektüre bei 36°C im Schatten ...
madlen zu »John Katzenbach: Das Opfer« 07.03.2011
fängt sehr langatmig an wird aber von seite zu seite bzw. von kapitel zu kapitel immer spannender großartig geschrieben mit john katzenbach habe ich noch keine große erfahrung ich lese auch sehr gern lisa jackson , bei katzenbach steht nur die tat an sich im vordergrund , bei jackson auch was drum herum passiert
eggi zu »John Katzenbach: Das Opfer« 17.02.2011
eine hammer harte geschichte brilliant erzählt. ich habe selten in einem buch einen derart detaillierten überblick über die personen gewonnen wie in diesem. die erzählweise ist sehr gut und spannend. die geschichte ist sehr gut aufgebaut und die einzelnen handlungssträne (vor allem die Beziehungn der personen untereinander) sehr gut aufgebaut.
der schluss ist (in sich logischerweise) etwas zu kurz geraten. die "erzählerin" ist anfangs etwas verwirrend, zum schluss aber logisch eingebunden.
ich freu mich auf die nächsten bücher von katzenbach...
koepper zu »John Katzenbach: Das Opfer« 24.12.2009
"Das Opfer" behandelt ein interessantes Thema. Es geht um Stalking. Katzenbach führt die wenigen handelnden Personen ausführich ein, für meinen Geschmack etwas zu ausführlich. Die Geschichte hätte er auch auf 400 Seiten erzählen können, statt 600 zu beschreiben. So wird der Plot mit Fortdauer der Geschichte etwas zäh. Darunter leidet die Spannung etwas und letztendlich wartete ich ungeduldig auf die Auflösung der Geschichte. Dennoch hat das Buch auch starke Momente. Es gelingt Katzenbach gut darzustellen, welchen Schaden Stalking an der Person und an der Familie des Opfers anrichtet . Das beschreibt er subtil und gut nachvollziehbar. Etwas was weniger wäre bei diesem Buch mehr gewesen´. Insofern kann ich " Das Opfer" nur eingeschränt empfehlen.
Clemens zu »John Katzenbach: Das Opfer« 26.10.2009
Im Gegensatz zu meinem ersten Katzenbach "Der Patient" (Hörbuch, gekürzt), von dem ich richtig begeistert war, bin ich von "Das Opfer" etwas enttäuscht. Eine eigentlich spannende Geschichte nervt durch endlose Wiederholungen der immer gleichen emotionalen Befindlichkeiten der handelnden Personen. Aufgrund dessen fand ich auch den Schreibstil ("abgehackt", unprosaisch) reichlich nervig. Auch die Lösung des Stalkerproblems war eigenartig und in keiner Weise zwingend.
Vielleicht sollte man bei Katzenbach Kurzfassungen bevorzugen.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 53.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Das Opfer

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: