Splitterndes Glas von John Harvey

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Gone to the ground, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Will-Grayson-&-Helen-Walker-Serie.

  • London: William Heinemann, 2007 unter dem Titel Gone to the ground. 388 Seiten.
  • München: dtv, 2011. Übersetzt von Sophie Kreutzfeld. ISBN: 978-3423213226. 496 Seiten.

'Splitterndes Glas' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Sein Gesicht ist bis zur Unkenntlichkeit entstellt: Stephen Bryan wird in seiner Wohnung brutal ermordet aufgefunden. Mord im Affekt, wie Detective Inspector Will Grayson und Detective Sergeant Helen Walker zunächst vermuten? Oder musste der Filmhistoriker sterben, weil der Täter die Herausgabe seiner Biographie über den 50er-Jahre-Filmstar Stella Leonard vereiteln wollte, die auf mysteriöse Weise zu Tode kam? Lesley, die Schwester des Toten, glaubt, dass er brisante Details über Leonards mächtige Familie entdeckt hat. Hinter dem Rücken der Polizei beginnt sie zu ermitteln und gerät dabei in große Gefahr.

Das meint Krimi-Couch.de: »Bieder ist der Tod« 80°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

John Harvey ist seit einigen Jahren auch in Deutschland nicht mehr nur Insidern als Meister des britischen Kriminalromans bekannt. Nach der famosen Frank-Elder-Trilogie aus den Jahren 2004 – 2006 erschienen in Deutschland zunächst die meisten Romane der ebenso lesenswerten Charlie-Resnick-Reihe, die größtenteils zwischen 1989 und 1998 entstanden ist. Mit dem nun in deutscher Fassung vorliegenden Splitterndes Glas aus dem Jahr 2007 eröffnet Harvey eine neue Reihe um den DI Will Grayson und DS Helen Walker, die in und um Cambridge ermitteln.

Ihr erster Fall führt sie in das Schlafzimmer eines Universitätsdozenten. Eines ehemaligen Dozenten, denn Stephen Bryan liegt ermordet vor den Ermittlern. Die Brutalität, mit der er erschlagen wurde, weist auf eine Beziehungstat hin, doch es sind auch Gegenstände aus dem Haus des Filmwissenschaftlers gestohlen worden, die andere Vermutungen zulassen. Seit einigen Wochen war er von seinem Lebensgefährten getrennt und besuchte seitdem die schwulen Szenebars in Cambridge. Lernte er hier seinen Mörder kennen? Außerdem arbeitete Bryan an einem Buch über eine englische Schauspielerin, Stella Leonard, die in den 50er-Jahren als junge Schauspielerin für Furore sorgte, sich dann überraschend aus dem Geschäft zurückzog und erst in den 80er-Jahren wieder in einer Fernsehserie auftrat. Ihr Leben endete in einem mysteriösen Verkehrsunfall.

Wühlte Bryan als Autor zu tief im Privatleben der Stella Leonard? War er auf ein Familiengeheimnis gestoßen, das Stellas Neffe Howard Prince, ein Baulöwe, mit allen Mitteln hüten wollte? Schreckte der rabiate Manager eventuell auch davor nicht zurück, den Tod des vehement nachforschenden Biographen in Auftrag zu geben? Zu bieder scheint das Leben und letztlich auch der Tod des Dozenten gewesen zu sein, als dass er nicht doch mit seinen Rechercheergebnissen eventuell irgendjemandem zu nahe gekommen ist.

Als Krimi kann auch Splitterndes Glas überzeugen, die Figuren haben jedoch noch nicht die Strahlkraft früherer Charaktere aus der Feder John Harveys. Aber während eine Figur wie Will Grayson vielleicht auch gar nicht mal das Potenzial dafür mitbringt, in Zukunft unter Umständen einmal interessant zu werden (zu normal sein Leben, zu gering seine Probleme), hat sich Harvey für die zweite Hauptrolle der Helen Walker einen weitaus tiefgründigeren Charakter ausgedacht. Eine attraktive, aber alleinstehende Frau im besten Alter, die von einem ehemaligen Liebhaber verfolgt wird. Echten Thrill verbreitet der Autor an den Stellen, wo Helen oder auch die Schwester des Ermordeten spätabends von Männern offenbar verfolgt werden. Wer ist das, der sich da an die Frauen, die beide auf ihre Art Licht ins Dunkel bringen wollen.

Mit fiktiven Drehbuchpassagen des fiktiven Films Splitterndes Glas lockert Harvey den Gang der Handlung auf. So erreicht er zwei Sachen: er weckt das Interesse für die Figur der verstorbenen Schauspielerin und kann die Haupthandlung damit auflockern. Mit jeder Szene, die zitiert wird, wächst so die Spannung, ob Motive für den Mord bereits in der über 50 Jahre alten Filmhandlung haben können.

Ob diese künstlich geschöpfte Erwartungshaltung letztlich dem Spannungsbogen gerecht wird oder nicht, das ist eine der Fragen, die nicht in dieser Rezension geklärt werden. Harvey präsentiert hier letztendlich einen routinierten, aber ausbaufähigen Auftaktroman zu seiner neuen Reihe. Der Nachfolger Far Cry erschien in England bereits 2009 und wird in Deutschland unter dem Titel Schrei aus der Ferne im Frühjahr 2012 erwartet. Dieser Roman wird dann schon Antworten auf die offenen Fragen bezüglich der Serientauglichkeit der Ermittler Grayson und Walker geben können.

Thomas Kürten, Februar 2012

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British crime fan zu »John Harvey: Splitterndes Glas« 08.03.2013
Dieses Buch ist wirklich flott geschrieben, es machte Spaß es zu lesen, aber das Ende, worauf ich gespannt wartete, ist dann einfach enttäuschend. Da hätte ich von einem so hoch gelobten Autor mehr erwartet. Werde aber trotzdem den zweiten Band der Reihe lesen, mal schauen, ob sich das noch steigert.
Krimitante zu »John Harvey: Splitterndes Glas« 20.02.2012
ein viel zu routiniert heruntergeschriebener plot. zu viel privatleben der ermittler (liegt das daran, dass das der erste band einer reihe ist?). kein wirklicher spannungsbogen und eine etwas fade auflösung. ein nicht wirklich guter einstieg in eine reihe, der bei mir nicht das interesse weckt den nachfolgeband zu lesen. keine ahnung ob die vorausgegangenen bücher von j. harvey besser sind. dies war mein erstes und wird wohl auch mein letztes sein.
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