Die schottische Selbstmord-Serie von John Dickson Carr

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1941 unter dem Titel The Case of Constant Suicides, deutsche Ausgabe erstmals 1944 bei A. Müller.
Ort & Zeit der Handlung: , 1930 - 1949.
Folge 13 der Dr.-Gideon-Fell-Serie.

  • New York: Harper, 1941 unter dem Titel The Case of Constant Suicides. 296 Seiten.
  • Zürich: A. Müller, 1944 Verwirrung auf Schloss Shira. Übersetzt von Ursula von Wiese. 192 Seiten.
  • Gütersloh: Signum, 1962 Verwirrung auf Schloss Shira. Übersetzt von Ursula von Wiese. 189 Seiten.
  • Köln: DuMont, 1989. Übersetzt von Hans Bangerter. ISBN: 3-7701-2031-0. 203 Seiten.
  • Köln: DuMont, 2000. Übersetzt von Hans Bangerter. ISBN: 3-7701-5388-X. 203 Seiten.

'Die schottische Selbstmord-Serie' ist erschienen als Taschenbuch

Deutsche Erstausgabe unter dem Titel »Verwirrung auf Schloß Shira«: 1944 (Albert Müller Verlag, Reihe »Auswahl«, Bd. 51). Übersetzung: Ursula von Wiese

In Kürze:

Alan Campbell, Professor für Geschichte, will in der friedlichen Abgeschiedenheit der schottischen Burg Shira am Loch Fyne seine innere Ruhe wiederfinden. Dort war jedoch Angus Campbell nachts vom Turm seiner Burg in den Tod gestürzt: Selbstmord – Unfall oder Mord? Noch weiß niemand, dass sein tragisches Ableben erst der Beginn äußerst mysteriöser Ereignisse ist. Damit wieder Frieden in die Halbverfallenen Burg einkehren kann, bedarf es schon des detektivischen Genies von Dr. Gideon Fell. Alan Campbell und den anderen Gästen stehen jedenfalls schlaflose Nächte bevor.

Das meint Krimi-Couch.de: »Spukig, spannend, witzig – Krimi-Klassik vom Feinsten« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Eine seltsame Einladung ruft den jungen Historiker Dr. Alan Campbell ins Land seiner Ahnen. In der Burg Shira, einsam gelegen am Loch Fyne in den schottischen Highlands, ist der Hausherr verstorben. Nun soll Angus Campbells Testament verlesen werden.

Da gibt es freilich eine Schwierigkeit: Angus hat kurz vor seinem Ende mindestens vier Lebensversicherungen abgeschlossen. Alle enthalten sie eine Klausel, die jede Gesellschaft bei Selbstmord von der Zahlung befreit. Doch Angus’ Leiche fand sich unterhalb des Turmes, in dessen Spitze er sich sein Schlaf- und Arbeitszimmer eingerichtet hatte. Ist er gesprungen, wie der Vertreter der Versicherung behauptet, oder wurde er ermordet, was die Meinung des für den Campbell-Clan tätigen Rechtsanwalts Duncan ist?

Oder sollte wahr sein, was im nahen Dorf Inveraray gemunkelt wird: Auf Burg Shira soll es umgehen, ein Geist den alten Angus zum Sprung gezwungen haben. Man hat ihn sogar schon spuken sehen. Alles Unsinn, poltert Colin, Angus’ Bruder. Er verdächtigt den zwielichtigen Alec Forbes, einen Geschäftspartner von Angus, mit dem er sich böse zerstritten hat und seit dessen Tod er spurlos verschwunden ist.

Die alte Elspat, Angus’ heimliche Lebensgefährtin, spinnt derweil ihre eigenen Intrigen. Ohne Wissen der empörten Familie hat sie den Journalisten Charles Swan eingeladen, sich um in der Burg umzuschauen. Colin reißt der ohnehin dünne Geduldsfaden. Er ruft einen alten Freund zu sich, den Gelehrten und bekannten Amateurdetektiv Dr. Gideon Fell. Außerdem plant der alte Starrkopf eine Übernachtung im Turmzimmer, um womöglich auf diese Weise herauszufinden, ob dort etwas nicht stimmt. Er erhält seine Antwort, aber sie erfreut ihn nicht, denn auch ihn findet man zerschmettert auf dem harten Pflaster …

Wo immer es auf dieser Welt einen abgeschiedenen Winkel gab, in dem die Zeit stehen geblieben zu sein schien und das Verbrechen ausschließlich in bizarrer Gestalt und fest verschlossenen Räumen auftrat, war zwischen 1933 und 1967 Dr. Gideon Fell nie fern. Alte Burgen, in denen es (scheinbar) tüchtig spukte, waren ihm besonders lieb. Shira liegt auch noch an einem nebelverhangenen See und wird von traditionsstolzen Schotten bevölkert – die perfekte Kulisse für einen typischen John Dickson Carr-Thriller.

Die Realität lässt sich nur in den Anfangskapiteln kurz sehen: Wir schreiben das Jahr 1941. England wird des Nachts von deutschen Bombern heimgesucht, die es aber nicht bis hinauf nach Schottland schaffen. Am Loch Fyne herrscht definitiv das 18. Jahrhundert; nicht nur für das Gespenst von Burg Shira ist das so.

Auch das Mordrätsel ist ganz Carr: Er hat den möglichst unmöglichen Mord im verschlossenen Raum zur Kunstform erhoben. Immer absurdere Konstellationen ersann er in diesem Zusammenhang, um dann doch den gesunden Menschenverstand (von Gideon Fell) triumphieren zu lassen: Alles ist machbar, wenn man nur weiß wie.

Hier ist es ein verriegeltes und verrammeltes Zimmer in der Spitze eines hohen, unzugänglichen Turms, das zur Stätte eines raffinierten Verbrechens wird. Die Fakten liegen offen (s. u.), man ahnt, wie die Tat realisiert werden konnte – und wird doch wieder einmal vom Verfasser unterhaltsam hereingelegt.

Und wie weiht man den Leser in die Geheimnisse eines exotischen Landes ein? John Dickson Carr löst das Problem ebenso elegant wie witzig: Er stellt uns Alan Campbell vor – einen Schotten, der noch nie in Schottland war. Auf Schritt und Tritt stechen ihm als Vertreter besagten Lesers folglich Absonderlichkeiten ins Auge, die dem Einheimischen nie aufgefallen wären.

Als junger Held in dieser Geschichte hält Alan ansonsten die Handlung in Gang, bis endlich Gideon Fell auf der Bildfläche erscheint. Anschließend geht er dem klugen, aber nicht gerade beweglichen Detektiv zur Hand. Außerdem wird für die obligatorische Liebesgeschichte ein stattliches Mannsbild gebraucht.

Auch hier fällt Carr etwas ein, das alte Er-findet-sie-und-umgekehrt-Spielchen zu variieren: Alan und Kathryn heißen beide mit Nachnamen Campbell, sind berufliche Konkurrenten und haben dasselbe Reiseziel, was insgesamt für einige durchaus komische Verwirrungen sorgt. Ansonsten ist besagte Kathryn natürlich hübsch, sogar (maßvoll) emanzipiert – weibliche Wissenschaftler waren 1941 noch keine Selbstverständlichkeit. Aber natürlich sorgt spätestens die alte Elspat dafür, dass Kathryn ein braves Mädchen bleibt.

Wobei dieser Elspat in ihrer Zeit wohl nur im fernen Schottland der Status als »Ehefrau aus Gewohnheitsrecht« zugebilligt wird. Im Klartext: Mit dem alten Angus hat sie in wilder Ehe gelebt, was sie zu einer bigotten Moralapostelin werden ließ. Ansonsten hält sie mit Köpfchen und messerscharfer Zunge das Heft fest in der Hand – ein interessanter Charakter, dem Carr sichtlich seine Zuneigung angedeihen ließ.

Wir treffen sonst das schon erwartete Figurenarsenal exzentrischer Schotten, die selbstverständlich stolz, geizig und dem Whisky zugetan sind. Daraus bastelt Carr nicht die üblichen plumpen Witzchen – wir lachen stets mit den Figuren, nicht über sie.

Gideon Fell – der ist wie in 22 anderen Kriminalfällen einfach überwältigend. Damit ist nicht nur sein Intellekt gemeint, sondern auch sein falstaffgleicher Körper und vor allem sein Selbstbewusstsein. Dr. Fell ist weise, aber er liebt es, dies seinen Mitmenschen unter die Nase zu reiben. Gern hüllt er sich in kryptische Andeutungen, denkt zwar laut über den jeweiligen Fall nach, bricht aber an entscheidender Stelle ab und lässt seine Zuhörer hilflos zurück, bis er erneut den Zeitpunkt gekommen sieht sich in Szene zu setzen. Dabei hält Fell auf seine Art keine Fakten zurück, sondern präsentiert sie uns, gern auch in Listenform. Leider verfügen wir nicht über seine Erfahrung, so dass wir im großen Finale doch wieder (aber immer gern) von der Auflösung überrascht werden.

Ihre Meinung zu »John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie«

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krimifan24 zu »John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie« 06.03.2008
Einer der humorvollsten Carr-Romane. Gespickt mit allen Schotten-Klischees, die man sich nur vorstellen kann, aber trotzdem - oder deshalb? - auf eine wirklich unterhaltsame und spannende Weise erzählt.
Hila zu »John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie« 20.12.2007
Hab es vor längerer Zeit gelesen^^
Aber ich weiß dass ich es absolut klasse fand!
Die Auflösung war das beste, so was ist mal
noch echt originell, das hat man nicht bei
jedem Krimi!
andrea2208 zu »John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie« 20.12.2007
Was für ein Buch! Lesevergnügen pur. Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich dieses amüsant geschriebene Buch gut unterhalten.

Zwar mein erstes Buch von Carr, jedoch definitiv nicht mein letztes!
Shellingford zu »John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie« 16.01.2007
Man kann von Carr einfach nicht enttäuscht werden! Eine spannende Handlung, interessante Charaktere und eine Verwirrung, die den Leser erkennen lässt, dass er fast gar nichts weiß.
Unbedingt lesen!
Pascal zu »John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie« 17.11.2006
Das hat Spass gemacht. Eine gelungene Abwechslung zu Psycho, Serienmörder-Jagden, und Schwedenkrimis.
Witzig, clever und beschaulich. Habe Lust auf mehr bekommen. Schade, dass solche Bücher nicht mehr geschrieben werden (?).
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
pipesmoker zu »John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie« 04.12.2005
Ein Buch, bestens geeignet
für kalte stürmische Winterabende
an denen man entspannt in seinem Lieblingssessel mit einer guten Tasse Tee sitzt.
Die Atmosphäre des Buches schlägt einen sofort in den Bann
Dieter Köckeritz zu »John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie« 13.10.2005
Romantisches Ambiente mit überraschender Lösung! Klassischer who-dun-it Krimi. Carr besitzt die Gabe, den zuerst unmöglich (sic!)erscheinenden Tathergang, schlüssig durch seinen Protagonisten beweisen zu lassen und den Täter zu überführen. Wer allerdings zu den Spezies der Krimileser gehört, die blutrünstige und sexuelle Abartigkeiten, eingebettet im Kontext einer zeitgenössischen Kritik an den herrschenden Umstände bevorzugt, sollte besser zu einer anderen Art von Krimilektüre greifen.
Skurrile Personen mit ihrem typischen britischen Humor, versetzt uns der Autor in eine schottische Landschaft, die so geheimnisvoll und bizarr ist, wie seine Bewohner.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Elmar zu »John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie« 17.08.2004
Großartig, einer der witzigsten Kriminalromane, die ich je gelsen habe - außerdem wie immer bei Carr zwar etwas weit hergeholt, aber logisch durchdacht und stringent. Sympathische Figurenzeichnungen, Dr. Fell ist wie immer genial.
RolfWamers zu »John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie« 14.02.2004
Einer der besten Dr. Fell-Romane aus Carrs großer Zeit.Wenn doch nur DuMont die Neuübersetzungen in einem zügigeren Tempo herausgäbe!! Und auch in der Merryvale-Reihe gibt es einige Schätze (Zehn Teetassen, Mörder an Bord), die das deutsche Publikumwieder entdecken sollte.
Marion zu »John Dickson Carr: Die schottische Selbstmord-Serie« 04.12.2003
was für ein lesevergnügen! schrullig, lustig, abwechslungsreich, übertrieben, fantasievoll, zum schmunzeln und zum herausprusten. super als leichte unterhaltung zum amüsieren.
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