Vergiftete Seelen von John Connor

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel The Playroom, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Goldmann.
Folge 2 der Karen-Sharpe-Serie.

  • London: Orion, 2004 unter dem Titel The Playroom. 474 Seiten.
  • München: Goldmann, 2007. Übersetzt von The Playroom. ISBN: 978-3-442-46033-5. 474 Seiten.

'Vergiftete Seelen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Als Sophie Kenyon, die Tochter eines Richters, gekidnappt wird, herrscht bei der Polizei von West Yorkshire sofort Großalarm. Mit einem gewaltigen Aufgebot beginnt die fieberhafte Suche nach dem Mädchen und ihren Entführern. Gleichzeitig geht Detective Karen Sharpe einem alten Fall von Kindesmissbrauch nach, in den vor zehn Jahren angeblich ein hochrangiger Politiker verwickelt war. Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf Verbindungen zu Sophies Entführung und auf Verbrechen, die ihr das Blut in den Adern gefrieren lassen ... 

Das meint Krimi-Couch.de: »Gute Fortsetzung des Debütromans mit übertriebenem Finale« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

An ihrem 13. Geburtstag wird Sophie Kenyon, die Tochter eines bekannten Richters, entführt. Umgehend wird unter dem Namen »Operation Shade« eine Sondereinheit unter Leitung von Detective Chief Superintendent John Munro eingerichtet. Nachdem der Fall in der Presse publik gemacht wird, werden die Ermittler mit Hinweisen aus der Bevölkerung förmlich erschlagen. Zudem gerät der Fall John Munro zunehmend außer Kontrolle.

Zeitgleich ermittelt DC Karen Sharpe vom CPT, das für Kindesmisshandlungen und häusliche Gewalt zuständig ist, in einem anderen Fall. Die 23-jährige Pamela Mathews behauptet, kürzlich im Fernsehen einen Mann wieder erkannt zu haben, der sie vor zehn Jahren sexuell misshandelt hat. Besagter Mann ist der dienstälteste Unterhausabgeordnete von Bradford, Geoff Reed. Sharpe setzt den Abgeordneten unter Druck, doch stellt sich schnell heraus, dass es in der Geschichte von Mathews Unstimmigkeiten gibt. In einem weiteren Gespräch gibt Mathews an, dass sie damals zusammen mit zwei weiteren Mädchen in einer Grube gefangen gehalten wurde. Die beiden Mädchen verhungerten angeblich. Bei ihren Recherchen stellt Sharpe fest, dass es einen derartigen Fall tatsächlich gab. Lange nach dem Tod der Mädchen wurde die Leiche des bekannten Immobilienmaklers Eric Pardoes gefunden, der bei lebendigem Leib neben den Mädchen vergraben wurde.

Schon bald fallen Sharpe gewisse Parallelen zwischen den beiden Fällen auf. Als die beiden Mädchen ermordet wurden, war einer der Hauptverdächtigen Eric Pardoe, dessen Verfahren von dem damals zuständigen Richter Kenyon eingestellt wurde, nachdem ein Polizist versucht hatte, Pardoe unter Androhung körperlicher Gewalt den Aufenthaltsort der Mädchen zu entlocken. Zudem waren Pardoe, Kenyon und der Abgeordnete Reed eng miteinander befreundet. Offenbar treibt ein Pädophilenring sein Unwesen, doch welche Rolle spielt hierbei der Polizeivizepräsident ACC Mark Harrison, der damals die (erfolglosen) Ermittlungen gegen Pardoe leitete …

Der Debütroman Gejagt sollte bekannt sein.

Eine wichtige Anmerkung vorab: Sofern noch nicht geschehen, lesen Sie unbedingt zunächst den Debütroman von John Connor (Gejagt), da – abgesehen davon, dass dieser Roman ganz hervorragend ist – dieser hier seine Fortsetzung findet. Sollten Sie dies noch nicht getan haben, ist dringend zu empfehlen, an dieser Stelle mit dem Lesen der Rezension abzubrechen, da im Folgenden zwangsläufig auf Gejagt näher eingegangen wird.

Gut ein Jahr ist es nun her, dass der Drogenfahnder Phil Leech ermordet wurde und Sharpes früherer Lebensgefährte Martin wegen Mordes (u. a. an Leech) im Gefängnis sitzt. Mairead, die inzwischen neunjährige Tochter, lebt bei ihrer »Tante Karen«, die es nicht fertig bringt, Mairead die Wahrheit zu sagen, nachdem sie kurz nach deren Geburt von Freund und Tochter geflüchtet ist. Aufgrund von Sharpes Vergangenheit verhielt diese sich bei den Ermittlungen im Mordfall Leech aus verständlichen Gründen alles andere als vorschriftsmäßig und so hat der leitende Ermittler der »Operation Shade« John Munro (er leitete damals auch die Ermittlungen im Fall Leech) keinerlei Interesse, mit Sharpe erneut zusammen zu arbeiten. Zu tief sitzt seine Verbitterung.

Erneut gute Charakterdarstellungen und detaillierte Polizeiarbeit.

Einmal mehr brilliert John Connor mit sehr gelungenen Charakterdarstellungen seiner mitunter außergewöhnlichen Protagonisten. Allen voran die ehemalige Undercover-Agentin Sharpe. Eigenwillig und störrisch geht sie mit einem selten voluminösen Dickschädel an ihre Ermittlungen heran. Teamarbeit ist für sie das Fremdwort des Jahrhunderts. Auch John Munro wird einmal mehr trefflich gezeichnet, wenngleich im vorliegenden Roman nur für kurze Zeit, da ihm die Ermittlungen mehr und mehr außer Kontrolle geraten und er sich selber letztendlich auch, was zu seiner frühzeitigen Suspendierung führt. Einige neue Figuren werden in die Karen-Sharpe-Serie eingeführt, was für die Zukunft weitere Spannung erwarten lässt, ebenso wie der private Kosmos von Sharpe, in dem sich ein neuer Mann allzu sehr in die Vaterrolle von Mairead drängt.

Wieder punktet Connor mit der detaillierten Darstellung der polizeilichen Ermittlungsarbeit und all jene Leserinnen und Leser, die mit DC, DI und ACC (von HOLMES ganz zu schweigen) nichts anzufangen wissen, können beruhigt durchatmen. Connor ist ein großartiger Erzähler und nimmt sich Zeit, auch derartige Punkte sauber abzuarbeiten. Dass es inhaltlich um die sexuelle Misshandlung von Jugendlichen geht, mag manche Leser, die womöglich Kinder im entsprechenden Alter haben, abschrecken. Inwieweit man sich dieser Thematik emotional stellen möchte, muss daher jede/r für sich entscheiden. Meines Erachtens hat der Autor aber eine Mischung gefunden, die einerseits die Schrecken derartiger perverser Handlungen eindringlich aufzeigt, andererseits aber vertretbar (natürlich in diesem Zusammenhang ein unkorrektes Wort) ist.

Ein überzogenes Finale trübt geringfügig den positiven Gesamteindruck

Schwachpunkt dieses insgesamt gelungenen Buches sind dessen letzte rund 100 Seiten, bei denen dem Autor ein wenig die berühmten Gäule durchgehen. Hier wird doch ein wenig zu dick aufgetragen, etwas arg übertrieben insbesondere bei der »unkaputtbaren« Heldenfigur Karen Sharpe, die …aber lesen Sie selber.

Nicht zuletzt aufgrund der privaten Geschichte von Sharpe, darf man sich auf die Fortsetzung der Serie (Teil 3 – Feuertod) freuen.

Jörg Kijanski, Dezember 2007

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