Todbringer von John Connolly

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel The reapers, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 2010 - heute.
Folge 7 der Charlie-\"Bird\"-Parker-Serie.

  • New York: Atria Books, 2008 unter dem Titel The reapers. 16777215 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2011. Übersetzt von Georg Schmidt. ISBN: 978-3-548-28247-3. 480 Seiten.

'Todbringer' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Berufskiller Louis muss um sein Leben fürchten. Expartner Bliss und ein auf Rache sinnender Vater wollen ihn tot sehen. Doch dann erhält Louis den Auftrag, seinen schärfsten Gegner auszuschalten. Fast zu spät merkt er, dass er in die Falle getappt ist – Bliss der Henker erwartet ihn bereits …

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Rache in ihren endlosen Dimensionen« 65°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Der rachsüchtige Vater eines eliminierten Serienmörders schickt dem Killer-Duo Louis und Angel einen Attentäter hinterher, der mit dem Paar selbst ein Hühnchen zu rupfen hat … – Charlie Parker bleibt in dieser düsteren Geschichte von Rache, Schuld und Vergeltung Nebenfigur; seine Gefährten Louis und Angel erleben eine gewaltreiche Odyssee, die durch zu viele Rückblenden gebremst wird: Todbringer bietet nur Variationen bekannter Motive und ist der schwächste Teil der »Parker«-Serie.

Während Privatdetektiv Charlie »Bird« Parker eine Auszeit von den kriminellen und übernatürlichen Heimsuchungen, mit denen er sich plagen muss, genießen kann, sind es dieses Mal seine Freunde und Mitstreiter Louis und Angel, die den Groll der Unterwelt auf sich gezogen haben. Die beiden Killer kommen nicht nur in die Jahre, sondern morden nur noch im Dienst der Gerechtigkeit.

Gleichwohl bewahrt sie dies nicht vor den Folgen vergangener Taten. Vor einigen Jahren haben sie den sadistischen Serienkiller Luther Berger aus dem Verkehr gezogen. Zurück blieb dessen untröstlicher Vater Arthur Leehagen, der die Schreckenstaten des missratenen Sprösslings ausblendet und seither auf Rache sinnt. Endlich hat Leehagen herausgefunden, wo Louis und Angel leben. Er will sie nicht einfach töten, sondern zuvor ihre Welt mit allen Freunden zerstören. Deshalb lässt Leehagen ihre wenigen Freunde terrorisieren und hetzt ihnen das FBI auf den Hals.

Für diese Mission konnte Leehagen den psychopathischen Killer Glueck rekrutieren. Dieser hasst Louis sogar noch stärker als der wütende Vater, denn vor vielen Jahren hat Louis versucht, ihn umzubringen. Beinahe wäre es ihm gelungen, und noch heute leidet Glueck schmerzhaft an den Folgen des Anschlags, was seinen Zorn steigert.

Louis und Angel finden zwar schnell heraus, dass Glück sich an ihre Fersen geheftet hat. Dem schieren Irrwitz seines Racheplans sind selbst die beiden Profis jedoch nicht gewachsen. In der Not muss Louis alte Kontakte reaktivieren. Lehrmeister Gabriel und seine »Schnitter« gewähren nur unwillig Unterstützung. Louis und Angel geraten in eine diabolische Falle, aber ihre Feinde triumphieren ein wenig zu früh …

Helden aus der zweiten Reihe

Der siebte Band der »Charlie-Parker«-Serie bietet eine Überraschung: Der Titelheld glänzt durch Abwesenheit bzw. lässt sich erst gegen Ende blicken. Stattdessen dreht sich die Handlung um das Killer-Duo Louis und Angel, die Parker buchstäblich den Rücken decken, wenn dieser gegen Serienkiller und Teufel antritt.

Wer sind Louis und Angel, und wie sieht ihr Leben aus, wenn sie nicht als Parkers Schatten aktiv werden? Parker legt derzeit eine Fahndungspause ein, was seinen beiden Freunden die Muße lässt, sich um eigene Probleme zu kümmern. Dass ein Killer-Leben auch für Vollprofis kein Zuckerschlecken ist, hat Autor Connolly schon in frühere Bände einfließen lassen. Louis und Angel sind »gute« Mörder, die der Umgang mit Parker geläutert hat. Gekillt werden seither nur noch die richtig üblen Strolche, denen das Gesetz nicht beikommen kann, weil es durch Regeln gebunden ist oder genannte Strolche Dämonen sind und reinkarniert auf die Erde zurückkehren, was in keinem Diensthandbuch vorgesehen ist.

Charlie Parker und damit auch Louis und Angel stehen mit je einem Bein in der »realen« Welt und in einem Zwischenreich, dessen übernatürlichen und unheimlichen Bewohner nur von jenen Zeitgenossen registriert werden, die über das berühmt-berüchtigte »zweite Gesicht« verfügen. Bisher blieb es Parker vorbehalten. Nun erfahren wir, dass auch Louis über Erfahrungen mit dem Jenseits verfügt.

Nochmal zurück auf Anfang?

Wollen wir das wissen? Können wir das glauben? »Nicht unbedingt« und »Nicht wirklich« lauten die Antworten. Louis und Angel waren bisher Nebenfiguren in einem düsteren Epos, das Charlie Parker in den Mittelpunkt stellte und gut daran tat. Ein von den Mächten des Jenseits Gezeichneter reicht vollauf. In sechs Bänden (und einer Novelle) hat John Connelly seinem Parker immer neue Seiten abgewonnen. Schon dabei musste er feststellen, sich in eine Sackgasse manövriert zu haben, als er Parker in Der brennende Engel als Wiedergeburt eines Engels »outete«, der einst half, Luzifers abtrünnige Horden in den Abgrund der Hölle zu stürzen. Im nächsten Band war davon keine Rede mehr. Connolly bemühte sich, möglichst unauffällig in etwas irdischere Gefilde zurück zu rudern.

In diesem Zusammenhang ist es kontraproduktiv, Louis in eine Art Parker 2.0 zu verwandeln. Plötzlich hat auch er eine an (recht unwahrscheinlichen) Tragödien reiche Vergangenheit und sogar einen wahrlich heißen Draht ins Jenseits; er wird vom »brennenden Mann« heimgesucht. Das Muster ist bekannt, denn obwohl Parker und Louis kaum etwas gemein zu haben scheinen, wirken ihre Biografien viel zu ähnlich, um jeweils spannend zu sein. Damit bestätigt sich, dass Louis und Angel sparsam eingesetzte und bei der Leserschaft beliebte Nebenfiguren hätten bleiben sollen: Mythentiefe bekommt ihnen nicht, und ihre »menschliche« Seite kennen wir. Neues erfahren wir nicht. Stattdessen wird Bekanntes aufgerührt und mit künstlicher Tragik dargeboten.

Action-Thriller mit ständiger Ladehemmung

Dieses Manko schlägt sich negativ auf den Geschichtsfluss nieder. Todbringer ist ein Roman der ständigen Rückblenden. In kursiver Schrift erzählt Connelly ausgewählte Episoden aus Louis’ abenteuerlichen und nunmehr künstlich dramatisierten Leben. Dabei schwelgt er in Südstaaten-Klischees der besonders ausgelaugten Art und raunt von bitterbösen weißen Rassisten und stolzen Schwarzen, die einander möglichst niederträchtig zu Tode bringen.

Zudem weitet Connelly das Feld der Nebenfiguren aus. Louis und Angel erhalten ihre eigenen Sidekicks: Willy und Arno, zwei philosophische Automechaniker. Auch Willys Biografie wird vor uns ausgebreitet; beschrieben mit der Geschmeidigkeit, die (auch dem übersetzten) Connolly eigen ist, aber trotzdem nicht unbedingt interessant.

Die eigentliche Story muss dagegen immer wieder pausieren. Bis Louis und Angel und ihre kleine Killer-Armee endlich aufbrechen, um es mit dem vor Rachsucht wahnsinnig geworden Leehagen und dem dämonischen Glueck aufzunehmen, sind knapp zwei Drittel der Seiten durchgelesen. Jetzt endlich nimmt die Geschichte Fahrt auf, auch wenn sie nur bedingt originell in einer Killer-Schlacht à la »The Tournament« mündet.

An ihrem Aussehen sollt ihr sie erkennen

Wie üblich symbolisiert Connelly das Böse zusätzlich, indem er es in bizarre Gestalten zwängt. Arthur Leehagen ist ein vom Krebs zerstörter lebender Leichnam, den nur die pure Rachsucht am Leben hält, während er an tausend Schläuchen hängt und künstlich beatmet werden muss. Killer Glueck – schon der Name ist reine Ironie – überlebte eine brutale, eigentlich tödliche Mordattacke, die ihn nicht nur entstellte, sondern seine psychotische Bosheit noch einmal steigerte. Auch hier erreicht Connolly nicht die alte Form. Man hat den Eindruck, er spare die wirklich exotischen Schurken für die »echten« Parker-Romane auf. Zu denen kehrt John Connolly hoffentlich möglichst bald zurück.

Anscheinend traut der deutsche Verlag dem Verkaufserfolg von Todbringer nicht so recht. Die letzten Parker-Romane erschienen zunächst fest gebunden und hochpreisig. Todbringer ist eine Taschenbuch-Erstausgabe – ein kluger Entschluss, denn mit diesem Buch tut Connolly weder seiner Serie noch deren Lesern einen Gefallen. Das Experiment eines literarischen Spin-off ist zwar aufgrund Connollys ungebrochen suggestiver und bildreicher Schreibe nicht gescheitert aber auf keinen Fall gelungen.

Michael Drewniok, Juli 2011

Ihre Meinung zu »John Connolly: Todbringer«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Stefan83 zu »John Connolly: Todbringer« 03.06.2015
Nachdem John Connolly zuletzt mit „Der Kollektor“ seine Reihe um Charlie „Bird“ Parker wieder in qualitativ hochwertigere Bahnen gelenkt und die Formkurve – im Vergleich zu den doch eher mäßigen Vorgängern „Die weiße Straße“ und „Der brennende Engel – endlich wieder nach oben gedeutet hat, hält der irische Autor mit „Todbringer“ eine Überraschung für die Leser parat.

Obwohl das Buch zeitlich nach den Ereignissen um Merrick und den titelgebenden „Kollektor“ einsetzt, führt es nicht die Geschichte von Parker weiter, sondern konzentriert sich stattdessen auf seine Freunde, das homosexuelle Killer-Paar Louis und Angel, welches ihm sonst im Kampf gegen finstere Serienkiller und andere dämonische Gestalten treffsicheren Feuerschutz gibt. Ergo haben wir es also mit einem literarischen Spin-Off zu tun, das bereits schon bei der Lektüre des Klappentexts beträchtlich nach Fan-Service riecht und sich leider dann auch im weiteren Verlauf eben genau so liest. Keine Frage: Parkers gnadenlose Sidekicks sind in der Vergangenheit oftmals das nachtschwarz-komische Sahnehäubchen der Romane gewesen, haben die ohnehin meist beklemmend-spannenden Plots mit ihren Auftritten gewürzt. Sobald sie auf der Bildfläche erschienen sind, war klar: Jetzt geht es wieder ans Eingemachte. Aber worin lag die Faszination an diesen beiden nun nicht gerade freundlichen Zeitgenossen? Meines Erachtens in ihrer unheimlichen Aura, in ihrer unbekannten Vergangenheit, in eben genau dem, was wir (bisher) nicht wussten. „Todbringer“ gibt darüber nun näher Aufschluss, entmystifiziert die zwei Figuren – und versalzt dadurch unnötigerweise ein Erfolgsrezept der Reihe, das dadurch bei zukünftiger Einnahme nicht mehr so gut schmecken wird.

Kurz zur Handlung: Eigentlich haben sich Louis und Angel in den Ruhestand (von ein paar Morden für die „gute Sache“ mal abgesehen) zurückgezogen, den vor allem letzterer – auch körperlich von den Auseinandersetzungen der Vergangenheit gezeichnet – weitestgehend begrüßt. Gemeinsam führen sie ein vergleichsweise ruhiges und nach außen hin bürgerlich-normales Leben, so weit das für einen schwarzen Hünen und seinen weit kleineren weißen Lebensgefährten im Staat New York derzeitig überhaupt möglich ist. Ihr Freundeskreis beschränkt sich auf Charlie Parker – der seine Lizenz als Privatdetektiv verloren hat und sich nun hoch im Norden in der Gastronomie versucht – und die Automechaniker Willie und Arno, denen Louis einst mit einem Darlehen für ihren Betrieb unter die Arme gegriffen hat. Doch Louis ist es auch, der mit dieser ruhigen Idylle nur wenig anfangen kann. Bereits in jungen Jahren von seinem ungewollten Lehrmeister Gabriel zur Waffe geschmiedet und als Killer trainiert, fehlen ihm die Gelegenheiten seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen bzw. zu trainieren, weswegen ihm ein auf ihn und Angel verübtes Attentat gerade genau recht kommt.

In seiner langjährigen Karriere als Schnitter (engl. „Reaper“) hat Louis einige Leichen zurückgelassen – und nun holt die Vergangenheit ihn ein. Arthur Leehagen, ein reicher Unternehmer, der einen ganzen Landstrich in Maine unter seiner eisernen Knute hält, fordert Rache für seinen Sohn, den Louis einst in Ausübung seiner kriminellen Pflicht aus dem Verkehr gezogen hat. Und dafür ist ihm jedes Mittel Recht. Als auch Willie und Arno ins Visier Leehagens geraten und sich zudem die Gerüchte mehren, dass auch der soziopathische Profikiller Glueck in dessen Diensten steht, greifen Louis und Angel abermals zu ihren Waffen. Gemeinsam mit ein paar alten „Kollegen“ ziehen ins Gefecht. Nichts ahnend, dass sie direkt in eine für sie vorbereitete Falle laufen …

Soweit zur Rahmenhandlung, welche John Connolly in „Todbringer“ immer wieder mit Rückblicken in Louis' Vergangenheit unterbricht, um nicht nur die Ursprünge von seiner Beziehung zu Gabriel, sondern auch sein Verhältnis zum Killer Glueck näher zu beleuchten. Woher er kommt, wie er aufgewachsen ist, warum er zum Killer wurde und warum er so gut darin ist. All diese Fragen beantwortet der vorliegende Roman, lüftet quasi also den mysteriösen Vorhang, der über dem schwarzen Vollstrecker mit dem eiskalten Blick bisher lag – und tut sich damit leider überhaupt keinen Gefallen. Nicht nur dass seine Herkunftsgeschichte so ziemlich jegliches Südstaaten-Klischee bedient – sie riecht viel zu sehr nach Parker (dazu weiter unten mehr), um eigenständig funktionieren zu können. Und eben dieser Parker war, trotz seiner Taten und den Dämonen, mit denen er wortwörtlich kämpft, das menschliche Element der Serie. Das flackernde, aber helle Licht in all der Finsternis, welche nicht nur von seinen Widersachern, sondern halt auch von Louis und Angel verkörpert wurde. Letztere zwei nun „menschlich“ darstellen zu wollen, ist allein schon aufgrund ihres „Berufs“ eine Herkules-Aufgabe und zudem auch noch vollkommen überflüssig. Sie sind die Rückendeckung von Parker, seine treuen Gefährten. Die Kavallerie, die anrückt, wenn die Kacke mal wieder am Dampfen ist. Das letzte, was ich wissen wollte, ist, wie sie nachts nebeneinander im Bett einschlafen oder ihre Wohnung eingerichtet haben.

Fast scheint es, als hätte Connolly zwischenzeitlich selbst gemerkt, dass er sich mit der Ausarbeitung dieser zwei Figuren keinen großen Gefallen getan bzw. eigentlich schon alles über sie gesagt hat, was für das Funktionieren der jeweiligen Geschichten notwendig war. Zumindest würde das erklären, warum insbesondere die Zeichnung von Louis derart oberflächlich und halbherzig daherkommt, seine Erfahrungen und Eigenheiten sich plötzlich so mit denen eines Charlie „Bird“ Parker decken. Begegnungen mit Toten nach deren Tod (Heimsuchung durch den „brennenden Mann“). Fälle von Wiederauferstehung. Körperlich beeinträchtigte, hässliche Gegenspieler, die das pure Böse verkörpern. Die Gemeinsamkeiten sind auffällig, alle bekannt und irgendwie auch Beleg dafür, dass nicht jede Nebenfigur Potenzial für die Hauptrolle hat. Auch nicht wenn man ihren Lebenslauf dramatisch inszeniert bzw. mit künstlicher Tragik würzt, um die „menschliche“ Seite hervorzuheben, welche zudem zuvor gerade durch ihre Abwesenheit den Figuren, insbesondere Louis, Tiefe verliehen hat. Seine Momente der Schwäche, seine verwundbaren Stellen, seine partielle Zuneigung zu dem ein oder anderen Menschen – sei nehmen Louis die Einzigartigkeit, das Besondere – und sie ihm geben stattdessen nichts.

Aus Sicht eines Quereinsteigers mögen diese Fehler weniger auffällig sein – dafür wird dieser die Lektüre aber wohl noch kritischer betrachten, zumal er unweigerlich zum Fazit kommen muss, dass es sich hier um einen der typischen, austauschbaren US-Killer-Thriller handelt. Denn Fakt ist tatsächlich: Das Alleinstellungsmerkmal hat Connolly, trotz abermals gefälliger und bildreicher Schreibe, mit „Todbringer“ verloren.. (Da hilft auch der sympathische Autoschrauber Willie nicht). Übrig bleibt eine gefällige, aber auch schwergängige und – aufgrund der vielen Rückblicke – ungewohnt langatmige Story, welche nie die Schärfe und Atmosphäre der Vorgänger erreicht. Viele Dialoge, innere Monologe und vor allem viel zu viele Profis mit Schießeisen auf zu kleinem Raum verhindern, dass die wenig homogene Geschichte Fahrt aufnehmen kann und erweisen Connollys Stärke – Gefühle und Stimmungen zu transportieren – einen Bärendienst.

Bei allem Wohlwollen gegenüber John Connolly: „Todbringer“ ist ein gescheitertes, unnötiges Experiment, ein „useless filler“, den ich als Freund und Kenner der Reihe nur deswegen gnädig bewerte, weil zumindest zwischendurch immer wieder die eigentliche Klasse des Autors durchschimmert. Der Rest ist, wie man so schön sagt, besser Schweigen.
tassieteufel zu »John Connolly: Todbringer« 23.01.2015
Profikiller Louis befindet sich eigentlich im Halbruhestand, doch auch ihn holte die Vergangenheit ein, in Form eines rachsüchtigen Vaters, dessen Sohn Louis einst eliminierte. Arthur Leehagen, selbst todkrank, hat nur noch den einen Wunsch, den Mörder seines Sohnes möglichst effizient aus dem Weg zu räumen. Doch Louis einfach zu töten reicht ihm nicht, alle Freunde und Bekannten aus Louis Umfeld sollen noch vor ihm sterben. Dazu hat er den psychopatischen Killer Glueck angeheuert, der seinerseits noch eine Rechnung mit Louis offen hat. Entgegen seiner Gewohnheit alles genau zu planen, begibt sich Louis in die Höhle des Löwen und muß feststellen, dass er in eine gut geplante Falle getappt ist.

Auch wenn „Todbringer“ nicht wirklich mit den anderen Büchern der Charlie Parker Reihe mithalten kann, so bleibt der Autor doch auch hier seinem melancholischen, bildgewaltigen und sprachlich ausgefeiltem Schreibstil treu. Fans von Charlie Parker werden vielleicht enttäuscht sein, denn der Detektiv, der im Buch auch lediglich „der Detektiv“ genannt wird, bleibt bis auf ein paar sporadische Auftritte eher eine Randfigur. In „Todbringer“ geht es hauptsächlich um Louis und seinen Partner Angel, die eben umgekehrt in den Parker Thrillern ehr die Randfiguren waren und mit ihren flotten und schrägen Sprüchen das oft düstere Geschehen aufgelockert haben. Nun erfährt man mehr über Louis Vergangenheit und wie er zum Profikiller wurde. In Rückblicken zum aktuellen Geschehen werden diese Episoden sporadisch eingefügt und auch wenn sie recht interessant sind, so reißen sie den Leser doch immer ein wenig aus der gerade statt findenden Jagd um Louis und durchbrechen so den Spannungsbogen. Ein wenig haben mir auch die launig schrägen Sprüche zwischen Angel und Louis gefehlt, die diesmal seltsam distanziert miteinander umgehen. Die schrägen Sprüche kommen hier mehr von Willie und Arno, zwei Mechanikern aus dem Umfeld von Louis, so dass zumindest immer mal ein bisschen der gewohnte schräge Humor aufblitzt.
Insgesamt ist die Story nicht schlecht konstruiert, es gibt genug Wendungen um die Geschichte unvorhersehbar zu machen und am Ende werden auch die Erzählstränge aus der Vergangenheit und Gegenwart stimmig zusammengeführt und aufgelöst. Das Problem ist auch gar nicht so sehr, dass Charlie Parker nur sporadisch auftritt, sondern dass der Autor versucht, Louis genauso darzustellen wie Parker. Er bekommt eine düstere und von diversen Tragödien überschattete Vergangenheit und wird ähnlich wie Parker vom „brennenden Mann“ heimgesucht, also ein ähnliches Muster und das kann eigentlich gar nicht funktionieren. Daher ist „Todbringer“ für sich gesehen zwar ein spannender, wendungsreicher Thriller, im Serienkonzept der Charlie Parker Reihe fällt er aber deutlich ab.

FaziT: wer schon immer wissen wollte, wie Louis zum Profikiller wurde, wird hier auf seine Kosten kommen. Sprachlich bleibt sich der Autor treu und schreibt seine Story gewohnt plastisch und ausdrucksstark, aber in punkto Handlung und Spannung kommt „Todbringer“ nicht an die Charlie Parker Bücher heran.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
philipp333 zu »John Connolly: Todbringer« 27.05.2012
Also ich finde JC hat schon bessere...aber auch schlechtere geschrieben! Sicher zieht es sich einwenig aber ich finde den Showdown am Ende der ca. bereits 200 Seiten vor Ende sich andeutet hat es in sich. Sicher kommen reine Parker-fans hier nicht unbedingt auf ihre Kosten aber am Ende glänzen doch wieder alle Hauptakteure wie gewohnt und auch der typisch ironische Schlagabtausch zwischen Louis,Angel und Parker kommt nicht zu kurz.
Marv zu »John Connolly: Todbringer« 22.06.2011
‚Todbringer‘ von John Connolly ist mittlerweile der 7. in deutsch veröffentlichte Band der Charlie Parker - Reihe und dennoch ist es diesmal kein echter Parker - Roman. Er selbst kommt nur am Rande vor. Die eigentliche Handlung dreht sich um die ‚Nebenfiguren‘ des Parker-Kosmos und hier vornehmlich um Louis dem Berufskiller und Gefährte von Parker in vielen Bänden.
Dementsprechend fehlen die übersinnlichen Elemente, die typisch für die Reihe sind, und die bereits im ‚Kollektor‘ heruntergefahren wurden, diesmal gänzlich. Vielmehr wird anhand einer Rahmengeschichte die Vergangenheit von Louis beleuchtet, sein Ursprung, seine Entwicklung bis hin zu zum Wendepunkt in seinem Leben, der ihn zumindest partiell wieder auf den Weg zu einem halbwegs menschlichen, empfindenden Wesen geführt hat. Das Ganze bleibt jedoch sehr oberflächlich und fragmentarisch und vielleicht ist dies auch gut so. Es gibt durchaus genug Beispiele dafür, das Versuche der Erklärung der Hintergründe einer Figur zu ihrer Entmystifizierung und damit auch zur Zerstörung ihre Aura und Strahlkraft beigetragen haben.
Die Geschichte selbst ist schwergängig und teilweise langatmig. Connolly schweift immer wieder in Beschreibungen der jeweiligen Handlungsszenen ab und verlangsamt hierdurch das Tempo. Während in den Vorbänden diese Beschreibungen, insbesondere der Natur, relevant und tragend für die jeweiligen Stimmungen der Szenen waren und zur Schaffung einer entsprechenden, i.d.R. düsteren Atmosphäre dienten, verkommen sie hier zunehmend als Seitenfüller. Da auch, wie bereits erwähnt, Parker selbst nur eine kleine Nebenrolle spielt, und somit auch das charakteristische übersinnliche Element, die gelungene Mischung von Genres fehlt, war der ‚Todbringer‘ für mich eine Enttäuschung. Was bleibt ist ein Andeutung dessen was Connolly kann, insbesondere bei der sehr guten Charakterisierung von Willie Brew und am Ende eine konventioneller Thriller, mit Längen am Anfang, der sich jedoch in der Folge steigert, und die Gewissheit, dass ich diesmal nicht wieder über ein Jahr auf den nächsten Connolly warten muss. ‚Der Pakt der Liebenden‘ ist für den 30.09. angekündigt.
Ihr Kommentar zu Todbringer

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: