In tiefer Finsternis von John Connolly

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2001 unter dem Titel The Killing Kind, deutsche Ausgabe erstmals 2005 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Maine, 1990 - 2009.
Folge 3 der Charlie-\"Bird\"-Parker-Serie.

  • London: Hodder & Stoughton, 2001 unter dem Titel The Killing Kind. 388 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2005. Übersetzt von Georg Schmidt. ISBN: 3-550-08475-7. 446 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2006. Übersetzt von Georg Schmidt. ISBN: 978-3-548-26623-7. 445 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006. Gesprochen von Reinhild Köhncke. ISBN: 3866671288. 10 CDs.

'In tiefer Finsternis' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Ein Privatdetektiv wird zur Klärung eines angeblichen Selbstmords angeheuert. Er stößt auf einen kriminellen Sektenchef, dessen »Kirche« eng mit terroristischen Neo-Nazis und fanatischen Fundamentalisten zusammenarbeitet. Dieser unheilige Bund gedenkt sich nicht in seine selbst auferlegte Mission zur »Reinigung« der sündhaften Gesellschaft pfuschen zu lassen und tritt zum mörderischen Gegenangriff an …

Das meint Krimi-Couch.de: »Wir töten euch und lassen Gott über euch richten!« 80°

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Charlie »Bird« Parker, Privatdetektiv in Scarborough bei Portland im US-Staat Maine, wird vom Konzernmagnaten Jack Mercier für einen ungewöhnlichen Fall angeheuert. Kürzlich wurde die Tochter seines ehemaligen Kompagnons tot im ihrem Wagen aufgefunden; Grace Peltier hat sich offenbar eine Kugel in den Kopf geschossen. Ihr Vater glaubt nicht daran. In der Tat findet Parker rasch Unstimmigkeiten. Grace war weder süchtig noch psychisch labil. Stattdessen hat sie sich anscheinend im Rahmen ihrer Doktorarbeit tödliche Feinde gemacht: Sie forschte über die Aroostook-Baptisten, eine fundamentalistische Sekte, deren zwanzig Mitglieder sich in den 1960er Jahren mit ihrem Führer, dem charismatischen aber diktatorischen Reverend Faulkner, in die tiefen Wälder nahe Eagle Lake zurückzogen und dann spurlos verschwanden.

Kurz nach Grace Peltiers Verschwinden kommen bei Rodungsarbeiten die Gebeine dieser Baptisten ans Tageslicht. Die Menschen wurden ermordet, ein Rätsel, das zunächst »nur« eine historische Tragödie zu sein scheint. Doch die Bluttat liegt erst vierzig Jahre zurück. Es gibt noch Täter und Mitwisser, die es vorziehen, dass die Aroostook-Baptisten weiterhin begraben bleiben, und die Spuren weisen in Richtung »Bruderschaft«, einer Sekte, welcher offiziell der scheinheilige Prediger Carter Paragon vorsteht.

Es wird gemunkelt, die »Bruderschaft« stehe im Bund mit diversen extremistischen religiösen und rechtsgerichteten Gruppen, die für Demonstrationen und Anschläge auf Abtreibungskliniken, Selbsthilfegruppen für Aidskranke, Synagogen und ähnlich »gottlose« Einrichtungen verantwortlich gemacht werden. Möglicherweise ist Grace Peltier bei ihren Forschungen dem düsteren Geheimnis ein wenig zu nahe gekommen. Zu denken gibt, dass sie vor ihrem »Selbstmord« ein Interview mit Paragon führen wollte.

Dessen Reaktion auf Parkers Beharren auf eine Unterhaltung belegt dessen schlechtes Gewissen: Der Detektiv wird hingehalten, bedroht und schließlich verprügelt. Als er trotzdem nicht lockerlassen will, schicken ihm die »Bruderschaft« und ihre gemeingefährlichen Spießgesellen gleich mehrere Schläger und Attentäter auf den Hals, die sich nur ihrem Glauben aber nicht irdischen Gesetzen verpflichtet fühlen …

Die Krieger, gegen die Gott sich nicht zu wehren vermag

Neben den weiterhin unentbehrlichen Serienkillern erfreuen sich fanatisierte Sekten und wirrsinnige Fundamentalisten derzeit im Krimigenre großer Aufmerksamkeit. Spätestens seit dem 11.09.2001 ist das verständlich aber schon vorher haben diverse Anschläge von »Gotteskriegern« unterschiedlichster (Irr-)Glaubensrichtungen der breiten Öffentlichkeit die Präsenz einer scheinbar neuen, tatsächlich aber uralten Form der Kriminalität vor Augen geführt – den Terror derer, die sich im religiösen Wahn jeglichen Gesetzen, Regeln und sogar jeder Menschlichkeit enthoben fühlen, um im Dienst der »guten Sache«, die stets ausschließlich ihre Sache ist, den Gottlosen und Unmoralischen den Kampf erklären.

Wie gesagt ist das Problem kein aktuelles. John Connolly belegt es am Beispiel des US-Staates Maine, der ihm sowie dem Privatdetektiv Charlie »Bird« Parker Heimat ist. In diesem weiten aber menschenleeren Land suchen und finden sich seit Jahrhunderten Menschen, die dem oben skizzierten Profil entsprechen und sich von der sündhaften Welt absondern wollen, um in stiller Einfalt und ungestört ihren Glauben zu leben sowie ihre obskuren, wahnwitzigen oder mörderischen Kreuzzüge gegen das, was sie hassen, planen zu können. Durch Ausschnitte aus der fiktiven Doktorarbeit der Grace Peltier entwirft der Verfasser sogar eine Geschichte des Sektenwesens in Maine. Deren Kenntnis ist hilfreich, um verstehen zu können, was sich hierzulande erst allmählich als tickende Zeitbombe zu offenbaren beginnt: Es ist denkbar falsch und sogar dumm, die Augen vor dem Treiben solcher unerfreulicher Zeitgenossen zu verschließen.

Selbstverständlich übertreibt es Connelly, wenn er seine »Bruderschaft« im Verbund mit rassistischen Hillbillys, Waffennarren und Terroristen präsentiert. Glücklicherweise bilden diese Gruppen ein Pack, das sich in der Realität nur schwer unter einen Hut bringen lässt: Immer gibt es einen Propheten oder Anführer, der über seine Schäflein und Schafsköpfe bestimmten will. Koalitionsfähig sind sie dagegen nur bedingt oder gar nicht. Als Nährboden für reale Kriminalität und somit als Auslöser für einen spannenden Thriller taugt das Thema indes allemal, zumal John Connelly sein ausgiebig recherchiertes Wissen in eine fesselnde Geschichte umsetzt.

Die Hölle liegt wirklich unterirdisch

Weniger fest verfugt als in den ersten beiden Bänden der Charlie-Parker-Serie hat der Autor dieses Mal den philosophischen Unterbau. Parkers Detektivarbeit ist stets auch eine Reise ins Reich des Bösen. Es ist für ihn eine fassbare Größe, die womöglich unabhängig von den Menschen existiert aber diesen gern als Wirt benutzt. Die unfassbar brutalen und bizarren Morde, mit denen Parker immer wieder konfrontiert wird, können diese Auffassung theoretisch stützen. Connolly verstärkt diesen Eindruck, indem er in einer Einleitung sowie durch in den Text eingeschobene Passagen eine lichtlose Welt tief unter der Erdkruste beschreibt, wo das essenziell Böse lebt und sich in ewiger Gier verfolgt und bekämpft, bis es durch die Dummheit eines oder mehrerer Menschen befreit wird und in die Oberwelt gelangt, wo es sich austobt, bis es endlich bezwungen und in seine Hölle zurückgeschickt werden kann.

Dieses mittelalterlich wirkende Bild wird durch Connollys Hang zum Übernatürlichen unterstrichen. Zwar hat der Verfasser mit »Bad Men« (dt. »Die Insel«) erst zwei Jahre nach »In tiefer Finsternis« einen »richtigen« Geisterthriller verfasst, doch sind schon jetzt die übernatürlichen Elemente deutlicher und zahlreicher als in den ersten beiden Parker-Romanen. Der Detektiv sieht Gespenster und diese sind keine Visionen, sondern »echt«. Parker sieht sich zudem als Anwalt für die Toten, die selbst keine Gerechtigkeit mehr für ihr gewaltsames Ende einfordern können. Für den strengen Krimifan, der seine literarische Kost gern pur und ohne Zusatzstoffe genießt, mag diese zusätzliche Handlungsebene verwirrend wirken oder gar ärgerlich sein. Vielleicht hilft es zu wissen, dass der US-Staat Maine auch die Heimat von Stephen King ist, der noch stärker als Connelly seine Heimat mit allerlei über- und außerirdischen Kreaturen bevölkert.

Der Detektiv, der Geister sieht

Womöglich ist ein Ausweichen ins Phantastische auch deshalb notwendig, weil Charlie Parker in seinem dritten Abenteuer nicht mehr die zutiefst verstörte Person ist, die er noch war, als er den »Fahrenden Mann« jagte, der seine Familie abgeschlachtet hatte. Weiterhin grübelt Charlie zuviel doch der milde Wahnsinn, der ihn lange beherrschte, ist abgeklungen. Inzwischen gibt es sogar wieder eine Frau in seinem Leben. Die Verbindung zum Mordfall Grace Peltier ist kaum noch als persönlich zu bewerten. Die eigentümlich bedrückende Atmosphäre, die einen Charlie-Parker-Krimi auszeichnete, muss deshalb auf andere Weise erzeugt werden, was nicht durchgängig gelingt.

Einerseits übernehmen Geister diesen Job, andererseits weiß Connolly sehr glaubhaft zu machen, dass die Dämonen der Finsternis in den Prediger Paragon und vor allem seine Hintermänner gefahren sind, denn diese kommen gar zu unmenschlich daher. Die tückische Miss Torrance, vor der selbst der schmierige Paragon zittert, der irre Elias Pudd, der Spinnen über alles liebt, als Mordinstrument einsetzt und selbst von einer abstammen könnte, seine zungenlose, wahnsinnige, von Krebsnarben zerfressene Partnerin, der unmenschliche jüdische Rachekiller Golem – sie sind so überzeichnet, dass sie aus einem James-Bond-Film stammen könnten. Dennoch gelingt Connolly das Kunststück sie nicht lächerlich sondern (meist jedenfalls) bedrohlich wirken zu lassen.

»In tiefer Finsternis« ist auch ein Krimi-Familiendrama, ebenfalls ein altehrwürdiges Subgenre, das u. a. Ross MacDonald mit seinen Romanen um den Privatdetektiv Lew Archer zur Vollendung gebracht hat. Der eigentliche Fall tritt hinter tragischen, lange verdrängten und vertuschten Familiengeheimnissen zurück, die schließlich zu neuem Leben erwachen und Tod & Verderben über die mittelbaren oder unmittelbaren Schuldigen bringen. In diesem Fall ist es das Drama der Familien Mercier und Peltier, welche auf quälende Weise miteinander verbunden oder besser aneinander gefesselt sind. Dieser Teilplot ist indes nicht so eindrucksvoll gelungen wie die Beschreibung von Parkers Sturz unter die von Bösartigkeit & Wahnsinn gezeichneten Fanatiker.

So kann »In tiefer Finsternis« die Intensität der ersten beiden Charlie-Parker-Romane nicht mehr erreichen. Das heißt allerdings nicht, dass John Connolly hier schlechte Arbeit abliefert: Auch dieser Thriller fesselt und fasziniert mehr als das Gros der immer gleichen Psychopathen-Reißer.

Michael Drewniok, Oktober 2005

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tassieteufel zu »John Connolly: In tiefer Finsternis« 21.03.2012
Charlie Parker ist in Maine etwas zu Ruhe gekommen, die schlimmen Ereignisse um den fahrenden Mann haben natürlich ihre Spuren hinterlassen, doch Parker ist inzwischen kein von blindem Hass und Wut Getriebener mehr, vielmehr sehnt er sich nach Ruhe und Geborgenheit. Mit Freundin Rachel führt er mittler Weile eine Art Wochenendbeziehung mit Tendenz zu "mehr" und auch so brutale Fälle wie um den Schlächter Caleb Kyle will Parker nicht mehr bearbeiten, doch wie meist im Leben kommt es anders als man denkt u. so gerät Bird schon bald wieder in einen abgründigen Fall. Jack Mercier, ein reicher Firmenmagnat will Parker anheuern um den Tod der Tochter eines alten Freundes und ehemaligen Firmenpartners aufzuklären. Während die Polizei von Selbstmord ausgeht, kann der Vater des Mädchens, ebenso wie Mercier nicht so recht daran glauben. Schon bald nachdem Bird in den Fall reingeschnuppert hat, stößt er auf die Bruderschaft, eine recht
radikale christliche Sekte und er erhält einen ersten Besuch von dem unheimlichen Mr. Pud.

Mit seinem dritten Parker Thriller läßt John Connolly sich ein wenig Zeit bis das Geschehen wirklich in Gang kommt, es beginnt gemächlich, nimmt dann an Fahrt zu und steuert (typisch Connolly) auf
ein furioses Finale zu.Im Gegensatz zu den beiden grandiosen Vorgängern hat die Story ein wenig an Intensität verloren, was hauptsächlich damit zu tun hat, das Bird ruhiger und besonnener geworden ist, sein Tanz am Abrgrund der ihn oft genug in einen Strudel aus Gewalt und Selbstjustiz getrieben hat, ist der Gewissheit gewichen,das Gewalt stets nur das allerletzte Mittel sein sollte. Bird sieht sich nun eher als Anwalt der Toten, dessen Hauptziel nicht die Rache ist, sondern die Aufklärung des Verbrechens, er sieht Geister, deren Erscheinen ihn oft auch auf eine weitere Spur führen. Normaler Weise mag ich soetwas nicht bei einem Thriller, es sei denn es ist direkt als
Mysterie ausgewiesen, aber bei Connolly verstärkt es nur die düstere Atmosphäre und unterstützt die Story und da diese Szenen auch eher selten sind, kann ich gut damit leben.
Die Bösen sehen bei Connolly nicht nur abartig aus, sie sind auch immer richtig fies! Und im vorliegenden Fall sind der Sektenführer und sein Werkzeug Mr. Pud auch wieder Fieslinge erster Güte! Wie kein anderer versteht es der Autor eine abgründige, bösartige Welt aufzuzeigen, die scheinbar von unserer so weit weg ist und doch leider so real. Die ekligen Spinnenmorde sind mir wirklich unter die Haut gegangen. Alles was schwarzbehaart und achtbeinig ist, sollte sowieso nicht
in meiner Nähe sein, von daher gab es für mich im Buch diverse Schock- und Gruselmomente. Doch auch hier gelingt es dem Autor, immer die richtige Mischung zu finden, es wird nie zu reißerisch oder gar platt und als Gegenpart zu den brutalen Morden und Gewaltorgien gibt es dann wieder sehr launige Szenen mit Angel und Louis. Gut gefallen haben mir auch die Auszüge aus Grace Peltiers Doktorarbeit. Diese Kapitel, die die Geschichte der Aroostook-Baptisten erzählen, untermalen die Geschichte in der Gegenwart und bauen gleichzeitig eine bedrückende Stimmung auf, weil man ja weiß, das die Geschichte nicht gut ausgegangen ist.
Wie in den Vorgängern beeindruckt auch hier wieder John Connollys Sprachgewalt, seine Schilderungen von Land und Leuten, vom Bösen und auch vom Guten im Leben sind einfach überragend und heben das Buch weit aus der Masse heraus.

Fazit:auch wenn der dritte Parker Roman in seiner Intensität nicht ganz mit den beiden Vorgängern mithalten kann, so ist John Connolly doch wieder ein düsterer, atmosphärisch dichter Thriller gelungen, der durchweg fesselnd ist und wie üblich in einem furiosen Finale gipfelt.
frodo11111 zu »John Connolly: In tiefer Finsternis« 16.05.2011
Mein 1. Roman von Connelly. Eine interessante Geschichte, interessante Charaktere/Typen. Habe den Roman in gut zwei Tagen gelesen, da die Geschichte halt interessant war. Von der Schreibweise hat er mich allerdings leider nicht so "mitgenommen", wie einige andere Schriftsteller.
Der "kleine Abstecher" ins Mystische passt nicht wirklich, es sei denn, man kennt die beiden vorherigen Romane.
Samoa zu »John Connolly: In tiefer Finsternis« 13.04.2010
Für sich betrachtet – ein sehr gutes Buch.
Im Vergleich zu den beiden Vorgängern fällt es jedoch leicht ab, denn die berührende Eindringlichkeit, diese niederdrückende Wucht und die abgründige Zerrissenheit des Protagonisten sind in den Hintergrund getreten.

Dafür hat sich nun der "Riss" verbreitert, durch den Bird nicht nur in die Welt der Toten sehen kann – erstmals spricht er mit einem getöteten Jungen und glaubt, ihn zu berühren.
Der übersinnlich-mystische Anteil nimmt in diesem Band beträchtlich
zu – gleichzeitig wird Birds Neigung zur blindwütigen Selbstjustiz, die bislang in fragwürdiger Weise als späte, aber immerhin als Gerechtigkeit für die vielen Toten verargumentiert wurde, zurückgefahren. So sterben diesmal durch seine Hand nur zwei "Bösewichte" – erstaunlich wenig.

Die Geschichte baut sich hier fast schon gemächlich auf, wird jedoch immer wieder gespickt mit schockierenden Beschreibungen von unfassbarer Gewalt, religiös verbrämter Tyrannei, Psychoterror, Folter sowie unvermeidlich qualvollem Tod durch: Spinnen!
Sobald Mr. Pudd die Bühne betritt, dessen äusseres Erscheinungsbild sich seinem Lieblingstier, der Spinne, angeglichen zu haben scheint, stellen sich einem unweigerlich die Nackenhaare auf!

Sprachlich ist "In tiefer Finsternis" wiederum in der oberen Liga anzusiedeln, bereichert durch die Analogie einer Erdkruste, unter der verborgene Labyrinthe lauern – im Vergleich zu einer Seele, die ebenfalls verschlungene Abgründigkeiten beherbergt, nur durch eine dünne (Schutz-)Schicht von der Oberfläche (dem Bewusstsein) getrennt, beide 'Hüllen' jedoch gleichermaßen brüchig und fragil…

Durch diese aufgetretenen "Risse" - zum einen in den weltlichen Abgründen, in denen das finstere Böse lauert und dem Riss, der die seelische Empfindsamkeit Birds hervorruft, die ihn auch längst Verstorbene sehen lässt - wird er zu einem Wanderer zwischen den Welten: der Welt der Lebenden und der (Unter-)Welt der Toten.

Ein letztlich spannendes, packendes, Grusel erzeugendes Buch, in dem die Hauptfigur wiederum in sich stimmig weiterentwickelt wurde! 90°
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Krimi-Tina zu »John Connolly: In tiefer Finsternis« 21.09.2009
Nach langer, wie sich beim Lesen herausstellte zu langer, Pause hatte ich mir den nächsten Band der Bird Parker Serie von John Connolly vorgenommen.

Auch in diesem Buch erwartetet einen wieder eine dichte, düsterschwarze Story. Parker wird engagiert, den angeblichen Selbstmord einer jungen Frau zu klären, die sich zu Zeitpunkt ihres Ablebens mit dem Verschwinden aller Mitglieder einer Sekte in den 60er Jahren befasst hat. Deren Leichen zufällig gerade entdeckt wurden.
Nicht unerwartet für den, der die Vorgänger kennt, wird Parker von diesen Toten verfolgt. In den ersten zwei Bänden hat mich dieses übersinnliche Element ziemlich gestört, in diesen Buch nicht mehr. Ob es nun daran lag, dass ich mich dran gewöhnt hatte oder ob es einfach besser in die Geschichte integriert wurde, kann ich nicht sagen.
Natürlich sind wieder Angel und Louis, das schwule Verbrecherduo, einige äußerst unerfreuliche Zeitgenossen mit einem Hang zu achtbeinigen Tieren, sowie eine gerüttelte Portion trockener und makaberer Humor von der Partie
Der Connolly Effekt, eine zwar bedrückenden und verstörenden Atmosphäre und Stimmung, die andererseits einen völlig in den Bann zieht, hatte mich sofort wieder. Connolly versteht sich darauf wie kaum ein anderer. Das ist die ganz große Stärke seiner Bücher.
Natürlich hängen auch wieder alle Geschehnisse Connolly-Typisch in einem Großen und Ganzen zusammen. Auch mit den Ereignissen der Bände vorher. Womit ich leichte Schwierigkeiten hatte, da es zu lange her war dass ich sie gelesen hatte.
Muss ich also schneller lesen. Was sich bei John Connolly auf jeden Fall lohnt
PS: Im Gegensatz zu einer meiner Vorschreiber bin ich nicht der Meinung, das Buch sei nichts für Arachnophobiker. Im Gegenteil, das erhöht den Schauer nur.
Sehr empfehlenswert.
3 von 6 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stefan83 zu »John Connolly: In tiefer Finsternis« 19.08.2009
Nicht selten sind die Titel der deutschen Bücher schlecht gewählt, sehr oft sogar ein Griff ins Klo, der nichts mit dem Original zu tun hat. In diesem Fall hat man allerdings eine gute Entscheidung getroffen, denn John Connolly führt uns mit dem dritten Band der Charlie "Bird" Parker-Reihe erneut an Orte, wo tiefste Finsternis herrscht.

Während die Konkurrenz solch düstere Plots in erster Linie mit viel Blut, viel Gedärmen und viel billigem Sex unterfüttert, zeigt Connolly einmal mehr, welch erstklassiger Schreiberling er ist. Geschickt mischt er Thriller-, Schock- und Mystery-Elemente miteinander und bringt ein Werk auf Papier, das sowohl sprachlich als auch dramaturgisch zur ersten Liga zählt. Und wer nach dem fulminanten Vorgänger "Das dunkle Vermächtnis" dachte, der Autor könne diesen hohen Level nicht halten, sieht sich schon nach wenigen Seiten eines Besseren belehrt.

Nach dem gewaltsamen Zusammentreffen mit Caleb Kyle, wollte sich Charlie Parker, Ex-Cop und mittlerweile Privatdetektiv, ein wenig Ruhe gönnen. Ein paar Fälle in Sachen Wirtschaftskriminalität hier und da, ein wenig Fitnesstraining, die Einsamkeit in seinem Haus in Scarborough genießen. Doch irgendwie scheint das Böse den Weg zu ihm stets zu finden und er findet sich schon bald mit einem verzwickten Fall konfrontiert. Als man bei Waldarbeiten im Norden des Bundesstaates Maine ein Massengrab entdeckt, wird Parker von dem Millionär Jack Mercier angeheuert, um nicht etwa die Hintergründe der aufgefundenen Toten zu erklären, sondern weil seine alte Jugendfreundin Grace Peltier fast zeitgleich mit Auffinden des Grabes angeblich Selbstmord begangen hat. Der Vater der Toten glaubt dies nicht und bittet Charlie darum Nachforschungen anzustellen. "Was kann das schon schaden?"

"Bird" soll schon kurz darauf eine Antwort auf die Frage des sorgenvollen Vaters erhalten. Über die verschwundene Doktorarbeit von Grace, in welcher sie über das Verschwinden der Aroostook-Baptisten referiert, stößt er auf eine eigenartige Sekte, welche sich "Die Bruderschaft" nennt. Hier findet er verschlossene Türen für seine Fragen vor und wird "dezent" darauf hingewiesen, seine Ermittlungen einzustellen. Als die Drohungen zunehmen, der Mob aus Boston sich einschaltet und ein mysteriöser Killer namens "Golem" die Gegend unsicher macht, spielt Charlie wieder mal seine Trumpfkarte aus... Louis und Angel, das schwule Pärchen und die beste Unterstützung im Kugelhagel, eilt zur Hilfe, die der Privatdetektiv nun auch braucht, denn er hat nicht nur in ein Spinnennest gestochen, sondern gleichzeitig sich und seine Freunde in höchste Gefahr gebracht.

Was hat das alles mit dem Massengrab zu tun? Wer ist der schauderhafte Spinnenliebhaber Mr. Pudd? Und was hat es mit dem kleinen Jungen auf sich, der Charlie immer wieder begegnet? Fragen, die John Connolly gewohnt gekonnt und dennoch auf meisterhafte Art und Weise beantwortet. Wo Kollegen früh ins Reißerische verfallen, der Plot schnell unrealistisch wirkt, findet der irische Autor stets das richtige Maß und kreiert eine Geschichte, die von Kapitel zu Kapitel Fahrt aufnimmt und Spannung gewinnt, um sich schließlich in einem beeindruckenden Showdown zu entladen. Dabei sind es besonders die bösen Gegenspieler, die derart finster und dreckig sind, dass sie nur noch entfernt menschlich wirken, welche die Faszination ausmachen und für wohligen Schauer und Nackenhaarsträuben sorgen. In diesem Fall ist es Mr. Pudd, der allein schon in seiner Beschreibung beeindruckt und seinen Vorgängern, dem "Fahrenden Mann" und "Caleb Kyle", in Nichts nachsteht.

Gewalt wird hier nicht eingebaut, sie wird zelebriert, denn einem Racheengel gleich marschiert Parker voran, um seine Art der Gerechtigkeit für all diejenigen walten zu lassen, die selbst hilflos sind. Selbstjustiz ist nicht nur ein Mittel zum Zweck, sondern eine Notwendigkeit, welche angewandt wird, wann immer die Justiz versagt. Und in diesem Fall ist sie nicht mal ansatzweise in Sicht, wodurch das Buch einen Ton erhält, der noch einen Tick dunkler ist als der der beiden Vorgängerromane. Wuchtig und brachial zeigt uns Connolly die hässlichste Seite der Welt, die Fratze des Grauens, welche der Leser gewachsen sein muss. Wer sich vor brutalster Gewalt und Blut ekelt, nichts über verstümmelte Leichen, Folter und ähnliche Perversitäten lesen möchte oder gar unter Arachnophobie leidet, sollte von diesem Buch die Finger lassen. Alle anderen bekommen ein Hardboiled-Werk kredenzt, das für Dauerspannung und ordentlich Unterhaltung garantiert.

Insgesamt ist "In tiefer Finsternis" wieder mal ein echter Hit aus der Feder des Iren, der allen Freunden dieses Genres ans Herz gelegt werden muss. Ein Buch das unter und streckenweise über die Haut geht und bei mir für Stunden für packende Unterhaltung gesorgt hat.
23 von 29 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Rolf.P zu »John Connolly: In tiefer Finsternis« 19.10.2008
Auch im dritten Thriller um den Ex-Polizisten Charlie Bird Parker hat John Connolly nichts von seiner erzählerischen Kraft verloren.
Er mixt geschickt Thriller-, Schock- und ein wenig Mysterie-Elemete und dies alles - verglichen mit so manch anderem Autor, der sich darin versucht - auf sprachlich und dramaturgisch hohem Niveau.
Wuchtig und brachial zeigt Connolly wieder eine dunkle und düstere Welt, in der ein Menschenleben nicht viel zählt. Die bösen Charaktere seiner Bücher sind echte Bestien in Menschengestalt. War es im ersten Buch der fahrende Mann, so ist es hier Mr. Pudd, bei dem sich dem Leser wahrlich die Nackenhaare sträuben.
Wie ein Racheengel geht Parker seinen Weg und sucht Wahrheit und Gerechtigkeit für alle jene Menschen und Opfer, die sich selbst nicht mehr helfen können. Damit findet er Erlösung und Hoffnung für Andere, aber kaum für sich selbst. Letztendlich ist und tut er das, was der Leser nicht sein kann und darf.
Selbstjustiz und jede Art von Gewalt muss sicher immer kritisch betrachtet werden, aber welcher Leser wünscht sich nicht, dass Charlie Parker alle Bösen dahin bringt, wo sie hingehören.
Die Sories wirken bei Connolly nie überkonstruiert und entwickeln sich von Kapitel zu Kapitel ohne große Durchhänger weiter, sodass man durch den Spannungsaufbau fast in die Geschichte reingezogen wird.
Wer knallharte Thriller mag, ist mit diesem Buch bestens bedient. Wer sich vor Spinnen und Blut ekelt, nicht gerne gruselt, nichts über übel zugerichtete Leichen, Folter und sonstige Perversitäten zu denen Menschen fähig sind lesen möchte, sollte die Finger von diesem Buch lassen.

Der Roman In tiefer Finsternis ist ein Klassethriller ohne Abstriche. Dauerspannung bis zum furiosen Showdown ist garantiert.
Noch eins - wenn jemand an ausgeprägter Arachnophobie leidet - Finger weg...
sue82 zu »John Connolly: In tiefer Finsternis« 17.08.2008
Auch wieder ein sehr gutes Buch von John Connolly. Die Story ist sehr gut, fesselnd und spannend geschrieben. Übernatürtlich und düster. Auch dieses Mal schweift der Autor ziemlich aus, was mich hier wieder, wie auch in den beiden Vorgängern, störte.
Ich, mit meiner Phobie gegen Spinnen, fand den Ekelfaktor sehr hoch. Wirklich widerlich diese Viecher.

Auf jedenfall wieder zu empfehlen, trotz dieser widerlichen Viecher. :-)
Sonny zu »John Connolly: In tiefer Finsternis« 06.08.2008
Ich finde es jedes Mal bewundernswert, wie Connolly es schafft Krimi, Humor und Mystik sinnvoll zu vereinen. Den Humor hat er hier m.E. erhöht, dafür empfand ich diesen Teil als nicht so düster, wie die Vorherigen. Ist schade, tut dem Lesevergnügen aber keinen Abbruch. Und wie mase so trefflich formulierte: Die Bösen sind hier richtig böse.
Dafür erweisen sich Louis und Angel mal wieder als richtige Buddys. Die Beiden machen einen Großteil der Geschichten aus.
Für mich wieder eine absolute Empfehlung. Außer für Arachnophobiker ;-)
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
philipp333 zu »John Connolly: In tiefer Finsternis« 24.06.2008
dieses buch finde ich als das beste aus der reihe wobei die andren ja nicht viel gegen dieses abfallen. "pudd" als bösewicht ist der hammer,schock und gruselfaktor eminent hoch,nichts für schwache nerven. ich finde JC findet auch hier eine sehr gute balance zwischen thrill,horror und romantik zwischen bird und rachel. der zunehmende mystische touch der ja auch in "die weisse straße" seine fortsetzung findet hat mich allerdings noch nicht gänzlich überzeugt,ich denke da muss/sollte JC doch aufpassen das er es damit nicht übertreibt aber im grossen und ganzen passt es hier recht gut dazu.
Kallisto73 zu »John Connolly: In tiefer Finsternis« 30.05.2008
Vom 3. Teil war ich nach den brillianten ersten beiden Teilen enttäuscht. Zwar bleibt die Anzahl der Leichen hoch (und die Brutalität nimmt immer mehr zu, was wohl zum Genre gehört). Aber das Buch berührt nicht. Es läßt den Leser kalt. Und am Schluß wird es sogar recht langweilig. Denn der Showdown ist dem aus Teil 1 zu ähnlich. Und es ist erschreckend, wenn man sagen muß, daß einen das Leid, das beschrieben wird, kalt läßt.
White Road ist besser.

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