Die weiße Straße von John Connolly

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel The White Road, deutsche Ausgabe erstmals 2006 bei Ullstein.
Folge 4 der Charlie-\"Bird\"-Parker-Serie.

  • London: Hodder & Stoughton, 2002 unter dem Titel The White Road. 410 Seiten.
  • New York: Atria Books, 2003. 392 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2006. Übersetzt von Georg Schmidt. 479 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2008. Übersetzt von Georg Schmidt. 479 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2009. Übersetzt von Georg Schmidt. ISBN: 978-3-548-28098-1. 479 Seiten.

'Die weiße Straße' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In South Carolina erwartet einen jungen Schwarzen die Todesstrafe, weil er die Tochter eines der reichsten Männer des Staates vergewaltigt und ermordet haben soll. Niemand möchte etwas mit diesem Fall zu tun haben, einem Fall, der seine Wurzeln in altem Übel hat. Doch altes Übel ist die Spezialität von Privatdetektiv Charlie Parker. Und es steht ihm ein wahrer Alptraum bevor, eine rote fiebrige Welt, in der er vom mörderischen Geist einer Frau mit Kapuze verfolgt wird und von der Komplizenschaft der Freunde und Feinde im Umfeld des Opfers. Dies ist keine normale Ermittlung, sondern ein Hinabsteigen in den Abgrund. Und Charlie Parker fordert damit dunkle Mächte heraus, die alles bedrohen, was Parker heilig ist: Seine Geliebte, sein ungeborenes Kind, ja sogar seine Seele.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mordserien in einem heißen Land kaltherziger Menschenfeinde« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Nachdem vor drei Jahren ein irrer Serienkiller seine kleine Familie auslöschte (nachzulesen in John Connolly: Das schwarze Herz, dem ersten Parker-Roman), versucht Charles »Bird« Parker, einst Polizist in New York und nun Privatdetektiv im US-Staat Maine, einen Neuanfang. Im Städtchen Scarborough hat er sich mit seiner Lebensgefährtin Rachel niedergelassen; ein Kind ist unterwegs. Auch beruflich hat er Fuß gefasst und gerade den Fall einer vor Jahren spurlos verschwundenen jungen Frau übernommen.

Auf keinen Fall will Parker sein neues Glück gefährden. Er sieht es ohnehin durch den mörderischen »Prediger« Faulkner bedroht, den er vor einiger Zeit ins Gefängnis gebracht hat. (vgl. John Connolly: In tiefer Finsternis). Aufgrund der unsicheren Beweislage könnte es jetzt geschehen, dass Faulkner auf freien Fuß gesetzt wird. Er hat bereits gedroht, sich an Parker zu rächen, und spinnt aus seiner Zelle entsprechende Intrigen.

Parker will vor Ort die weitere Entwicklung abwarten. Deshalb gerät er moralisch in die Zwickmühle, als ihn ein alter Freund dringend um Hilfe bittet. Elliot Norton ist als Anwalt in der Südstaatenmetropole Charleston tätig. Sein aktueller Klient ist der neunzehnjährige Atys Jones aus dem kleinen Ort Grace Falls. Er wird beschuldigt, seine Freundin vergewaltigt und erschlagen zu haben, was er heftig bestreitet und Norton ihm glaubt. Doch Jones ist schwarz, und die ermordete Marianne Larousse war nicht nur weiß, sondern die Tochter des Industriemagnaten Earl Larousse. Der zornige Vater will Rache, Lynchjustiz liegt in der Luft. Norton steht allein. Als man ihm sein Haus über dem Kopf anzündet, kann Parker Norton seine Unterstützung nicht mehr verweigern.

Wie er es befürchten musste, gerät er umgehend in einen Hexenkessel. Noch immer ist der weiße Rassismus der Südstaaten lebendig. Wer sich dem Plan, den »Nigger« zu strafen, in den Weg stellt, lebt gefährlich. Parker muss außerdem feststellen, dass Geister umgehen: Das Phantom einer Frau im weißen Mantel mischt sich in den Konflikt ein. Als auch noch Parkers unheimliche Freunde, die Berufskriminellen Louis und Angel, in South Carolina, auftauchen, ist die Lunte des Pulverfasses abgebrannt …

Vom Winde verweht aber nie verschwunden: Südstaaten-Schatten

Die Südstaaten der USA bilden nicht nur aber vor allem in der Kriminalliteratur einen Hort einschlägiger Klischees. Stets ist es heiß und feucht, die Natur wuchert üppig, die menschlichen Gefühle schlagen entsprechend hoch. Meist sind sie unerfreulicher Natur, denn der Süden gilt als Heimat krankhaft stolzer, schwer bewaffneter, notorisch gewalttätiger, geistig unterbelichteter Zeitgenossen, die sich krampfhaft an eine angeblich große Vergangenheit klammern, die auf der gewerbsmäßigen Ausbeutung schwarzhäutiger Mitmenschen basiert.

Der Rassismus der Südstaaten ist eine historische Tatsache. Dass er auch heute existiert, ist leider nicht zu bestreiten. Ob er sich so manifestiert, wie John Connolly ihn uns in seinem hier vorgestellten Roman – dem vierten der »Charlie-Parker-Reihe« – präsentiert, ist freilich fraglich. Allzu plakativ lässt er es in »seinem« Süden zugehen, in dem die Zeit irgendwann in den frühen 1960er Jahren stehengeblieben zu sein scheint. Der Rassismus sei nicht verschwunden, sondern einfach nur älter geworden, lässt er einen seiner Protagonisten bitter sagen – dieser Prämisse ist die Handlung angeglichen. Jedes entsprechende Klischee kommt vor, doch muss man dem Verfasser zugestehen, dass man als Leser vom Strom der außerordentlich spannenden Handlung rasch an ihnen vorbeigetrieben wird. (Wie man die weiterhin aktuelle Rassenproblematik weitaus überzeugender in Worte fassen kann, zeigt James Lee Burke mit seiner großartigen Serie um den Privatermittler Dave Robicheaux.)

Wobei diese Spannung nicht unbedingt aus dem Plot entsteht. Der ist bekannt: Idealistischer Detektiv versucht im Kampf gegen die Zeit und den erdrückenden Widerstand gesetzloser Machtmenschen einen Unschuldigen zu retten, während im Hintergrund der Henker schon den Elektrischen Stuhl ölt. Connolly weiß, was er aus dieser Story herausholen kann, und erzählt sie routiniert und rasant.

Was Die Weiße Straße – im Positiven wie im Negativen – von einem »normalen« (Südstaaten-) Thriller unterscheidet, sind zwei Eigenheiten, die den Schriftsteller Connolly ziemlich einzigartig machen. Da ist zum einen sein enormes Geschick Stimmungen zu erzeugen. Durchaus pathetisch beschwört der Verfasser Gefühle wie Zorn, Verbitterung und Trauer, aber auch Liebe und Freundschaft. Dafür findet er gleichermaßen einfache wie starke Worte. Eine wichtige Rolle spielt dabei stets die Landschaft. Connollys Süden ist eine seltsam belebt oder besser beseelt wirkende Natur, in der sich die Tragödien der Vergangenheit widerzuspiegeln scheinen.

Denn die Vergangenheit ist für Connolly ebenso aktuell wie die Gegenwart. Deshalb stellt für ihn die Präsenz von Geistern kein Problem dar (auch wenn ihr Erscheinen manchen Krimifreund verwirren dürfte). Zwischen dem Einst und Jetzt, dem Jenseits und dem Diesseits kann es in der Welt, wie Connolly sie sieht, zu einem Austausch kommen. Vor allem mächtige Emotionen können Pforten zwischen den Sphären aufreißen, die an manchen magischen Orten ohnehin sehr dicht nebeneinander liegen. Was auf dieser Welt an Konflikten ungelöst bleibt, bleibt in der nächsten eine schwärende Wunde. Die Seelen der Toten kommen zurück, wenn sie nach Sühne oder Erlösung suchen. Mit ihnen kommen manchmal schreckliche Kreaturen aus unmenschlich fremden Regionen der jenseitigen Welt. Sie sind auf Leid und Tod aus, denn daraus ziehen sie ihre Befriedigung.

Gerechtigkeit als Konzept jenseits des Gesetzes

Was als Konzept für einen Thriller recht seltsam klingt, funktioniert besser als befürchtet. Connollys Figuren sind primär gefühlsgesteuert. Charlie Parker versucht es anfänglich mit Logik, als er sich auf seine Rolle als Familienvater besinnt. Doch als ein Freund zu einem Kreuzzug für die Gerechtigkeit aufruft, stürzt er sich sogleich ins gefährliche Getümmel. Er kann nicht anders, und so ergeht es auch den übrigen Personen unseres Dramas – denn ein Drama ist es, das Connolly manchmal übertreibt, wenn er düstere Ahnungen & Visionen allzu sehr mit der realen Handlung verquirlt oder Menschenschicksale wie auf Schienen einem vorherbestimmten Ende entgegensteuert.

Parker selbst ist weniger Kriminalist als Seher. Schon in seinen ersten beiden Abenteuern hat er sich auf seine Intuition gestützt. Ihm fehlt die schützende oder abstumpfende Membran, die uns übrige Menschen vor dem Einfluss des Übernatürlichen bewahrt. In tiefer Finsternis vermag Parker inzwischen Dinge zu sehen, die ihm als Detektiv helfen, ihn aber gleichzeitig erschrecken und belasten. In »Die weiße Straße« drängt ihn Aaron Faulkner endgültig auf die »andere« Seite – er speit ihm in den Mund und öffnet ihm endgültig die Augen für die Präsenz von Geistern und Ungeheuern in der Welt. Parkers Dilemma wird jetzt vor allem, dass er sein auf diese Weise erworbenes Wissen nicht mitteilen kann, ohne von seinen Mitmenschen, seinen Freunden, seiner Frau für verrückt gehalten zu werden.

Das Stichwort »Klischee« ist bereits gefallen. Es lässt sich im Zusammenhang mit der Zeichnung der negativen Figuren oft anwenden. Nehmen Typen wie »Little Tom Rudge«, »Clyde Benson« oder »Willard Hoag« womöglich an einem Wettbewerb teil, in dem der überzeugendste Vertreter dummen, verstockten »weißen Abschaums« gesucht wird? Müssen quasi sämtliche Gegner Parkers von allen guten Geistern verlassen, d. h. »verrückt wie Scheißhausratten« (wie Stephen King es einst so anschaulich ausgedrückt hat) sein?

Immerhin: Atys John ist kein schwarzer Märtyrer, an dem Connolly die Verbrechen des Rassismus’ abarbeitet, sondern ein ganz normaler Mensch – ein Kotzbrocken sogar, wie ihn sein eigener Verteidiger tituliert. Das wirkt glaubhaft und realistisch, wird jedoch umgehend relativiert, indem der Verfasser eine mysteriöse Fehde zwischen den Jones’ und den Larousses inszeniert (in der erneut Geister mitmischen).

Die Handlung von Die weiße Straße schließt unmittelbar an die Geschehnisse von In tiefer Finsternis an. Connolly setzt die Kenntnis dieser Vorgängergeschichte voraus, selten greift er sie erläuternd auf. Das ist wichtig, denn die Motive mancher Figuren erklären sich aus dem, was sie zuvor erlebt oder erlitten haben. Das gilt natürlich für Charlie Parker selbst, aber auch für die wichtigen Nebenfiguren Angel und Louis, die man auch als dunkle Spiegelbilder Parkers bezeichnen könnte. Immer noch sind sie für manchen zynischen Gag gut, doch sie sind nicht länger nur Charlies letzte Rettung, wenn es hart auf hart geht, sondern müssen ihr eigenes Päckchen tragen. Das weckt Interesse an ihren Schicksalen – und es übertüncht die Unwahrscheinlichkeit der Tatsache, dass praktisch sämtliche Ereignisse dieses Buches sich schließlich zu einem Knoten schürzen.

John Connolly hat in Interviews mehrfach betont, dass er an der Kombination von Thriller und Phantastik festhalten wird. Das Konzept ist wie gesagt interessant, doch es relativiert die bedrückende Intensität, mit der Charlie Parker ursprünglich in die verbrecherischen Abgründe der menschlichen Seele hinabgestiegen ist. Geister und Dämonen verwässern diesen Eindruck, denn sie übernehmen quasi die Schuld, die ansonsten die Figuren selbst an ihrem Handeln trugen. Der Mensch benötigt keine übernatürlichen Stellvertreter, die ihn zu grausamen Untaten inspirieren; das schafft er selbst sehr gut. So bleiben die aktuellen Charlie-Parker-Romane des John Connolly vor allem spannende, sehr gut geschriebene, in einzelnen Szenen bemerkenswerte, sogar mit trockenem Humor glänzende Geschichten, die eine Lektüre lohnen, auch wenn sie ihre Eindringlichkeit eingebüßt haben.

Michael Drewniok, Dezember 2006

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tassieteufel zu »John Connolly: Die weiße Straße« 27.04.2012
Charlie Parker hat sich gerade mit Freundin Rachel ein neues Leben eingerichtet, beide sind zusammen in ein neues Haus gezogen und Nachwuchs ist unterwegs. Als dunkler Schatten am Horizont lauert allerdings die eventuelle Freilassung des Predigers Faulker. Da wird Bird von einem alten Freund aus den Südstaaten angerufen und um Hilfe gebeten. Elliot Norton arbeitet als Anwalt in Charleston und vertritt gerade einen jungen Schwarzen, der wegen Mordes an seiner jungen, weißen und aus sehr wohlhabendem u. einflußreichem Hause stammenden Freundin. Norton ist von der Unschuld des jungen Mannes überzeugt, doch niemand außer ihm will mit dem Fall zu tun haben, zudem haben sich rassischtische Gruppierungen zum Ziel gesetzt, den Mann schon vorher zu lynchen. Nun ist Charlie Parker Nortons letzte Chance, seinen Mandanten unbeschadet bis zum Prozess zu bringen und Beweise für seine Unschuld zu finden.

Wie in allen seinen Charlie Parker Romanen setzt sich auch dieser Teil aus verschiedenen Erzählsträngen zusammen, die zunächst nichts miteinander zu tun zu haben scheinen, im Lauf der Geschichte aber miteinander verwoben und am Ende zu einem Ganzen verknüpft werden.
Birds Fälle sind nie einfach und auch dieser entpuppt sich als wahrer Hexenkessel aus Lügen, Verschwörung und Gewalt. Zunächst will Charlie Parker den Fall nicht annehmen, zu groß ist seine Sorge, das Rachel etwas passieren könnte, denn selbst aus dem Gefängnis heraus zieht Faulkner seine üblen Fäden und hat diverse kirchliche und rassistische Gruppierungen in der Hinterhand, die nur darauf warten, das er auf Kaution entlassen wird und dafür schon Unmengen an Geld sammeln. Doch wie üblich kann Bird sich einem solchen Fall nicht entziehen und mit Unterstützung von Louis fährt er in den Süden.
Wieder mal hat mich Connollys Talent Landschaften zu beschreiben und dadurch düstere, eindringliche Stimmungen zu schaffen beeindruckt. Die Südstaaten sind heiß, feucht und dünsten quasi die Gewalt förmlich aus. Das der Rassismus dort fast schon Tradition ist, ist hinreichend bekannt, trotzdem ist es immer wieder erschreckend zu lesen, was da alles im Namen der Rassenüberlegenheit getrieben wurde und John Connolly hat auch wirklich ein Talent dafür, Szenarien heraufzubeschwören, die einem eine Gänsehaut über den Rücken laufen lassen. Was da aus Louis Vergangenheit zu Tage tritt, ist wirklich gruselig und so verwundert es kaum, das Louis diesmal noch eine alte Rechnung zu begleichen hat, die parallel zu Birds akutellem Fall läuft. Angel der von seinen schrecklichen Erlebnissen in Faulkners Folterkeller immer noch schwer gezeichnet ist, hat seinen eigenen Rachefeldzug zu bestreiten. Die witzigen Geplänkel der Beiden habe ich diesmal wirklich vermißt, als Zweiergespann sind die Beiden eindeutig besser als wenn sie einzeln agieren. Immerhin erfährt man etwas mehr aus der Vergangenheit von beiden und das entschädigt ein wenig für die witzig-ironioschen Wortgefechte und läßt von Beiden ein etwas tieferes Bild entstehen.
Mit "Die weiße Straße", der Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten, nur sichtbar für jeden, die entweder verrückt genug oder sehr empfindsam sind, wird auch eindeutig der mystisch-phantastische Anteil in den Büchern größer. Mich stört das nicht so sehr, es paßt immer noch sehr gut zu den Storys drumherum und der Krimianteil ist immer noch groß genug um nicht ganz ins Phantastische abzugleiten. Was mich aber inzwischen doch ein wenig nervt, sind die teilweise krassen Figurenzeichnungen. Die Bösen sind immer wahre Ausgeburten der Hölle, sie sind nicht nur in ihrem Wesen bösartig, sondern sehen auch abartig aus. So ist z.b: Cyrus Nairn nicht nur abartig, sondern auch bucklig und verwachsen oder Kittim, der Handlanger von Bowen, mit einem abstoßenden Äußeren geschlagen. Hier hätte ich mir doch ein wenig mehr Vielschichtigkeit gewünscht, aber das sind nur Kleinigkeiten bei einem ansonsten wieder sehr spannenden und hervorragend geschriebenen Buch.
Das Bird nicht mehr der von blindem Rachedurst Getriebene ist, wirkt sich natürlich schon auf die Atmosphäre des Buches aus und ganz so eindringlich und emphatisch wie in den ersten Büchern geht es hier nicht mehr zu, lediglich gegen Ende, als Bird es gemeinsam mit Louis und Angel in einem fulminanten Ende nocheinmal so richtig krachen läßt, kommt ein Hauch des alten Flairs auf. Allerdings ist das Ende auch ein wenig abrupt, nicht jeder Erzählstrang wird optimal aufgelöst. So wird z.B. nicht wirklich geklärt was mit Cassie Blythe geschah.
Für Quereinsteiger könnte es hier ein wenig schwierig werden, da das Buch nahtlos an den Vorgänger anschließt, aber nur wenig erklärt wird und so beim lesen viel Vorwissen fehlt. Da ich als Seriensüchtling aber eh immer der Reihe nach lese, war das für mich kein Problem.


FaziT: wie immer herausragend geschrieben, die kleinen Schwächen stören nur minimal und auch der vierte Teil der Charlie Parker Reihe ist immer noch wesentlich besser als die meisten anderen Bücher des Genres.
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Katinka zu »John Connolly: Die weiße Straße« 03.11.2011
Es ist mein erstes Buch von Connolly. Zur Zeit bin ich auf S.149 und überlege, ob es sich überhaupt lohnt weiter zu lesen. Deshalb dachte ich, werfe ich mal einen Blick in dies Forum. Die Handlung finde ich sehr verwirrend und die Zeitsprünge finde ich sehr unschön. Besonders abstrus finde ich, dass die Handlung auch mit Fantasy Zügen durchzogen ist. Absolut unpassend in einem Krimi nach meiner Meinung. Na mal sehen ob ich noch die Motivation finde, weiter zu lesen.
Samoa zu »John Connolly: Die weiße Straße« 21.07.2010
Ein gänzlich anderer Grundstimmungstenor beherrscht diesen nunmehr 4. Band der sogenannten Charlie "Bird" Parker-Reihe.

Wo bislang ein in sich abgründig-zerrissener, gewaltbereit-zerstörerischer und dennoch tief empfindsamer Protagonist für nachträgliche, todbringende "Gerechtigkeit" sorgte, stolpert dieser nun, ge-erdet und nahezu unscheinbar-blass wirkend, durch eine zunehmend mystisch-religiös angehauchte Rahmengeschichte - und fischt im trüben Sumpf der Vergangenheit nach Anhalts- und Verbindungspunkten für eine gegenwärtige, zunächst zusammenhanglos erscheinende "Mordserie".

"Der Leib des dunklen Engels war ausgezehrt, die Arme wirkten wie dünne Knochen mit schwarzer, mumifizierter Haut, das Gesicht war langgezogen und lüstern, die Augen dunkel und wissend. Allmählich gesellten sich andere zu ihm (…), aber ich spürte ihre Feindseligkeit, und noch etwas anderes – dass sie das Gefühl hatten, verraten worden zu sein, als ob ich irgendwie einer von ihnen wäre und ihnen den Rücken zugekehrt hätte."

Charlie "Bird" Parker, ein gefallener Engel?

Auf der "Weissen Strasse" wandelnd, die eine immerwährende Verbindung zwischen den Lebenden und den Toten darstellt, sichtbar nur für jene, die empfindsam (oder "verrückt"?) genug sind, den ewigen und unablässig fliessenden Strom schicksalhaft miteinander verknüpfter menschlicher Seelen als unverrückbar wahr anzuerkennen.

Blendet man diese extrem metaphysischen Elemente des Romans aus, so wird man wiederum mit wunderbaren Metaphern, Analogien und bildgewaltigen Beschreibungen belohnt.
Das hier zu Anfang verwendete Stilmittel, ein in der Vergangenheit liegendes Ereignis mit einem noch gar nicht stattgefunden habenden zu verknüpfen ist zwar ungewöhnlich, zugleich aber spannungserhöhend.
Erfreulicherweise hat Connolly mittlerweile davon Abstand genommen, den Leser ständig mit für den Fortgang der Geschichte völlig unerheblichen Einsprengseln zu belästigen. Hier hat jeder Erzählstrang und die darin vorkommenden Personen einen Bezug und somit eine Bedeutung für den fulminanten Ausgang der letztendlich stimmig zusammenfügten Geschehnisse.

Allein, es fehlte etwas.
Zunächst kam der herrlich humorige Wortwitz des sympathisch schwulen Verbrecher-Pärchens Angel & Louis hier leider viel zu kurz.
Weiterhin gelang es Connolly trotz all seiner erzählerischen Qualitäten diesmal nicht, mich zu "berühren" – die in den vorangegangenen Bänden aufgetretene Empathie und das bedingungslose Mitfiebern mit dem Hauptprotagonisten wollten sich hier einfach nicht einstellen.
Denn Bird umgab nur noch ein schwacher Abglanz seiner bisherigen Aura…
Ob es an folgendem lag? :

"Vielleicht ist ihr Freund ein solcher Engel (…), ein Vertreter des Göttlichen – ein Zerstörer, doch zugleich stellt er die Harmonie zwischen den Welten wieder her. Vielleicht bleibt sein wahres Wesen nicht nur uns verborgen, sondern auch ihm selbst."

Mir blieb bei diesem Werk, im Vergleich zu den Vorgängern, ebenfalls einiges "verborgen". Und obgleich Connolly nach wie vor in der obersten Liga mitzuschreiben in der Lage ist, diesmal "nur" 85°.
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frankphilipp zu »John Connolly: Die weiße Straße« 21.06.2010
hat ja lange gedauert bis ich mich dann mal an john connolly ran"gewagt" habe und bin mal wieder schwer enttäuscht worden.
wie befürchtet hat der autor die schlechte masche der alex cross romane von james patterson, wo sich der protagonist inclusive seiner familie mit stoischer geduld über viele jahre und viele bände in die hände von verrückten serienkillern begibt um immer wieder auf die schnauze zu fallen... GÄHN, einfach kopiert.
dann hat er sich wohl von seinem fastnamensvetter michael connelly (ebenfalls polizeireporter, aber ein richtig guter) inspirieren lassen und sein erstwerk auch noch "das schwarze herz" genannt. wie durchsichtig und langweilig ist dass denn?
lieber lese ich alle michael connelly romane ein zweites oder drittes mal bevor mir nochmal ein connolly ins haus kommt.
schade um die zeit die ich mit connolly verschwendet habe.
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Stefan83 zu »John Connolly: Die weiße Straße« 17.05.2010
Es ist schon unglaublich. Da hat man gerade einen John Connolly-Roman zu Ende gelesen und weiß dennoch nicht, was man großartig schreiben soll. Wo sonst in den ersten drei Bänden der Charlie „Bird“ Parker-Reihe die Lobeshymnen nur so aufs Papier gepurzelt sind, herrscht hier plötzlich bei mir nur große Ernüchterung. Warum hat mich das Buch nicht wie die Vorgänger begeistert? Bin ich des rächenden Privatdetektivs mit seinen beiden treffsicheren Freunden Angel und Louis etwa überdrüssig geworden? Fragen, die mir seit Ende der Lektüre des vierten Teils der Reihe durch den Kopf gingen, in dem John Connolly zwar einmal mehr mit seinen schriftstellerischen Fähigkeiten glänzt, aber gleichzeitig eine überraschende Ideenarmut an den Tag legt, welche dazu führt, dass sich das Buch eher wie die zweite Hälfte von „In tiefer Finsternis“ liest, denn wie ein eigenständiges Buch. Eine Tatsache, die nicht nur letztendlich das Leseerlebnis getrübt hat, sondern auch neu hinzugekommenen Lesern den Einstieg fast gänzlich unmöglich macht, da Connolly die Kenntnis der Vorgängerromane einfach voraussetzt und nicht näher erläuternd auf sie eingeht. Ein echtes Manko, klingt doch die im Klappentext angerissene Geschichte mehr als spannend und lässt Großes erwarten:

Gut drei Jahre sind vergangen, seit der ehemalige New Yorker Cop Charles, genannt „Bird“, Parker, seine Frau und Tochter an einen brutalen Serienkiller verloren hat. Nun wagt er, gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Rachel, die mittlerweile schwanger ist, einen Neuanfang. Seine neue Tätigkeit als Privatdetektiv lässt sie beide gut über die Runden kommen, gemeinsam genießt man die Idylle im neuen Heim (das Haus des Großvaters wurde verkauft) samt obligatorischen Hund. Zum ersten Mal seit langer Zeit empfindet Parker so etwas wie Glück und Zufriedenheit. Und doch, wie so oft in seinem Leben, ziehen bereits dunkle Wolken auf. Der sinistre Prediger Faulkner, den er einige Zeit zuvor noch höchstpersönlich hinter Schloss und Riegel gebracht hat, sinnt in seiner Zelle auf Rache. Er will Vergeltung für den Tod seiner Kinder (siehe „In tiefer Finsternis“) und scheint sogar schon in Bälde dafür die Gelegenheit zu bekommen, denn die Beweislage gegen ihn ist alles andere als eindeutig, was sein Verteidiger nun ausnutzen will, um ihn auf Kaution frei zu bekommen. Parker ist klar, dass, wenn man Faulkner auf freien Fuß setzt, dieser sofort abtauchen und seine kleine Familie zur Zielscheibe wird. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, erreicht ihn zur gleichen Zeit auch noch ein Hilferuf.

Elliot Norton, ein Freund aus New Yorker Tagen und Anwalt in der Südstaatenstadt Charleston, bittet Parker um Unterstützung bei seinem derzeitigen Mandat. Atys Jones, ein 19-jähriger schwarzer Junge und sein aktueller Klient, wird beschuldigt seine Freundin, die weiße Marianne Larousse, Tochter des reichen Industriemagnaten Earl Larousse, vergewaltigt und dann erschlagen zu haben. Die Bevölkerung rund um den kleinen Ort Grace Falls fordert den Kopf des Jungen. Elliot Norton fürchtet um das Leben seines Klienten und braucht dringend Hilfe. Parker, der Rachel nicht allein lassen will, steckt in einer moralischen Zwickmühle, zumal er selbst noch einen Fall zu bearbeiten und ein seit langem vermisstes Mädchen zu finden hat. Nach einem Anschlag auf Nortons Leben infolge dessen diesem fast sein Haus abbrennt, reist Parker schließlich doch, wenn auch schweren Herzens, in den Süden.

Schon kurz nach seiner Ankunft wird ihm klar, dass Norton nicht alles preisgegeben hat. Die Bevölkerung kocht vor Zorn und ein Bund skrupelloser Nazis und Rassisten, welche zudem in Kontakt mit dem „Prediger“ zu stehen scheinen, trachtet ihm bald nach dem Leben. Als dann auch noch Louis und Angel, Parkers beste und treffsicherste Freunde auf der Bildfläche erscheinen, droht das hochexplosive Gemisch aus Gewalt und Hass endgültig in die Luft zu gehen …

„Same procedure as last book, Mr. Connolly?“ „Same procedure as every book!“ So oder ähnlich ließe sich gemeinerweise der Grundtenor zusammenfassen, der sich letztendlich aus dem Eindruck von „Die weiße Straße“ ergibt. Und es ist schon was Wahres dran, denn der Autor kopiert viel bei sich selbst, um aus einer unter näherer Betrachtung simplen Grundstory wieder mal ein in sich stimmiges und spannendes Lesevergnügen zu schmieden. Erneut sind die Gegenspieler äußerst hassenswerte Gestalten, erneut tritt das coole schwule Killerpaar auf den Plan, um den Tag zu retten. Und erneut ist das alles gut geschrieben, wäre da nicht dieses gewisse Déjà-vu-Gefühl, das sich spätestens beim Auftauchen des Predigers einstellt. Warum man ihn wieder aus dem Hut gezaubert hat, wird sich wohl erst im weiteren Lauf der Reihe herausstellen. Fakt ist jedoch, dass Connolly ihn als Werkzeug gebraucht, um den langsamen, aber stetigen Wandel der Reihe von der Hardboiled-Detective-Eye-Literatur zum eher mystischen Milieu einzuläuten. Schwarze Engel, welche über den Gefängnistürmen kreisen. Beschuppte Frauen in langen weißen Gewändern. Die Themen „dunkle Welt“ und „weiße Straße“ werden hier jetzt noch expliziter hervorgehoben, was dazu führt, das die gerade so bedrückende und mitfühlende Nähe zur Figur Charlie „Bird“ Parker irgendwie verloren geht.

Meiner Meinung nach ein Fehler, ist Parker doch der Leim der die Connollys Bücher zuvor zusammengehalten bzw. sie einzigartig gemacht hat. Das wird besonders in jenen Passagen deutlich, wo der Autor auf ältere Ereignisse eingeht, um die Figur näher zu beschreiben. Eine Weiterentwicklung oder gar Wandlung macht sie nämlich hier nicht durch, was auch zur Folge hat, dass die Geschichte sich lange Zeit ungewöhnlich zäh und langatmig liest. Wo sonst schon nach wenigen Seiten Adrenalin und Wohlfühlschauerfaktor in die Höhe schossen, blieb ich dieses Mal seltsam ungerührt.

Nun jedoch zum Positiven, denn das kann sich immer noch sehen und lesen lassen. John Connollys Darstellung des immer noch von Fanatismus und Rassismus durchzogenen Südens legt einmal mehr Zeugnis von seinen schriftstellerischen Qualitäten ab und überzeugt mit einer literarischen Akribie und tiefgehender Eindringlichkeit. Besonders die Anfangsszene, in der sich ein Lynchmob für die bevorstehende Verbrennung eines Schwarzen versammelt, hinterlässt beim Leser Spuren, wenngleich sich wohl der ein oder andere an den Film „Die Jury“ erinnert fühlen wird. Zudem betätigt sich Connolly wieder als meisterhafter Landschaftsmaler, der die Natur des Südens bis ins kleinste Detail zum Leben erweckt und den gebannten Beobachter so geistig in selbige Gefilde katapultiert. Wenn Parker durch von Spanischem Moos behangene Bäume stolpert, um im Dickicht Zuflucht vor einem mysteriösen Verfolger zu suchen, packt man die Seiten dieses Buches unwillkürlich fester. Lockern tut man sie meist erst dann, wenn auf der Bildfläche Louis und Angel erscheinen, die natürlich wieder für manchen schwarzhumorigen Gag gut sind, insgesamt aber noch ernster herüberkommen als in den Vorgängerromanen. Connolly geht näher auf ihre bis hierhin eher nebulöse Lebensgeschichte ein, wiewohl ich mir gewünscht hätte, dass er sich für beide noch etwas mehr Zeit genommen bzw. sie stärker in die Geschichte mit eingebaut hätte.

Am Schluss führen viele Fäden, wenngleich auch nicht alle, zusammen, wobei die sich dort überschlagenden Ereignisse irgendwie nicht ganz zum eher ruhigeren Erzählton des ersten Drittels passen wollen. Es scheint ganz so, als wollte da jemand möglichst schnell zum Ende kommen.

Insgesamt ist „Die weiße Straße“ zwar immer noch ein waschechter Connolly, der jedoch nicht an die Vorgänger anknüpfen kann und mit seiner aufgeteilten Erzählweise für ungewohnte Längen sorgt. Wer auf harte, düstere Literatur mit einem Schuss Phantastik steht, wird letztendlich aber immer noch blendend unterhalten.
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-Pie- zu »John Connolly: Die weiße Straße« 27.04.2010
Ich habe das Buch ziemlich günstig in einem Ausverkauf erstanden und fand die Beschreibung im Klappentext eigentlich recht vielversprechend. Ich hatte keine Ahnung, dass dieses Buch das dritte in einer fortlaufenden Reihe war. Dies wurde mir schnell bewusst, na ja, nach ca. 200 Seiten, wo ich immer noch als Ahnungsloser dastand, habe ich dann mal hier nachgeschaut.

Letztendlich denke ich, dass das Buch spannender ist, wenn man die Vorläufer kennt, oder immerhin nicht so verwirrend. Ich werde es nicht weiterlesen, da mich die Fantasy-Komponente in dem Roman stört. Die Vorgänger werde ich mir nicht holen.

Meine Empfehlung: Beide Vorgänger lesen und dann erst "Die weiße Straße". Vielleicht habt ihr dann mehr Spaß damit. Ich hatte irgendwie nicht so recht welchen.
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Krimi-Tina zu »John Connolly: Die weiße Straße« 13.10.2009
Nach dem Fall des verrückten Predigers, der nun hoffentlich sicher hinter Schloss und Riegel sitzt, will Charly „Bird“ Parker eigentlich nur zur Ruhe kommen. Zumal seine Freundin schwanger ist. Da ereilt ihn der Anruf eines alten Freundes, der ihn bittet Beweise für die Unschuld eines jungen Schwarzen zu finden, der angeklagt ist, die Tochter eines reichen, weißen Mannes vergewaltigt und ermordet zu haben, Was auch noch heutzutage in Louisiana fast schon einer Verurteilung gleichkommt.
Parker beginnt nur zögerlich bereit zu unterstützen, nicht zuletzt da ihm die Motive seines Freundes nicht ganz einleuchten.
Das Buch startet furios mit der Darstellung einer Lynchjustizparty in den 60ern.
Und der darauf folgenden Vergeltung in unserer Zeit. Erst dann wendet sich Connolly der eigentlichen Geschichte zu. Die recht gemächlich anfängt. Und auch ziemlich braucht bis sie Fahrt aufnimmt. Im Gegensatz zu den bisherigen Büchern dümpelt das ganze lange zeit vor sich hin. Zum Glück ist die Atmosphäre gut wie gehabt, das hielt mich bei der Stange,
Das Buch schwankt zwischen zwei Welten. Da haben wir zum einen die sehr akribische Darstellung des heute besonders in den Südstaaten verbreiteten noch verbreiteten Rassismus und Fanatismus. Auf der anderen Seite haben wir Connollys dunkle Welt, die andere Seite, die hier noch stärker als in den bisherigen Büchern thematisiert wird. Was bedeutet dass es sich eigentlich nicht mehr um einen Krimi handelt.
Das wäre nicht so schlimm aber dieser starke Konzentration auf das Thema dunkle Welt und gefallene Engel tut dem Buch leider nicht gut. Es nimmt insgesamt zu viel Fahrt raus. Es gab für meinen Geschmack auch zu wenig von Louis und Angel zu lesen, über deren Werdegang man zwar einiges erfährt, deren wunderbare lakonische Dialoge aber zu kurz kommen.
Alles in allem wie schon von einigen Vorschreibern festgestellt, schwächer als die Vorgänger. Aber immer noch ein echter Connolly.
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Sonny zu »John Connolly: Die weiße Straße« 25.06.2009
Ich muss mich da den Vorschreibern anschließen. Dies ist nicht der beste Teil der Serie. Dreiviertel des Buches plätschert die Story eher dahin um dann zum Schluss aufzudrehen, als wäre Connolly irgendwann eingefallen, dass er fertig werden muss. Dazu wieder einige Ausschweifungen, die ich in den Vorgängern schon bemängelt habe.
Das ich das Buch trotzdem zügig gelesen habe und unterm Strich 80° vergebe, liegt am Stil. Connolly bleibt sich und seinen Charakteren treu. Humor, Mystik und eine kleine Geschichtsstunde in Sachen Rassismus machen dieses Buch lesenswert. Nur die Spannung bleibt ein wenig auf der Strecke.
Rolf.P zu »John Connolly: Die weiße Straße« 14.03.2009
John Connolly steigert sich von Buch zu Buch. Der Mix aus Mystik- und Thriller ist wirklich einmalig und nichts für schwache Nerven. Ich hatte damals gemütliche Serienkiller- und Privatdetektiv-Ware erwartet und war nicht ganz vorbereitet, auf das, was der Autor hier darreicht.
Cop Charlie “Bird“ Parker und seine Freunde Angel und Louis sind zurück! Wieder suchen sie Aufklärung für begangene Verbrechen und bringen denen Menschen Gerechtigkeit, die sich selbst nicht helfen können, Lebende wie auch den Toten. Obwohl selbst mit dem Makel der Gewalt behaftet sind sie wie Lichtgestalten in einer Welt aus Hass, fanatischem Rassismus, religiösem Wahn und dunkelster Perversion.
Auch im vierten Buch um den Ex-Cop Charlie Parker geht der Autor aufs Ganze, zeigt wieder eine kalte, gnadenlose und aus der Sicht seines Protagonisten Charlie Parker auch leicht übersinnliche und mystische Welt, in der die Lebenden wie auch die Toten gehört werden wollen und dunkle Engel auf Erden wandeln.
Freunde des schwulen Paares Angel und Louis werden sich über ein Wiedersehen freuen. Interessanterweise gibt der Autor diesmal auch Einblicke in das frühere Leben der beiden Freunde von Parker, Angel und Louis. Überhaupt versteht es der Autor, seine Figuren ehrlich und fühlend zu gestalten. Er lässt den Leser in gekonnter Schreibe an ihrem Innenleben teilhaben und macht sie einzigartig. Auch die Beschreibung der Umgebung und der Atmosphäre gelingt sehr gut.
Alles in allem wieder ein spannender Roman von John Connolly, der tief ins menschliche Inferno hinabsteigt und mit viel Mystik aufgeladen ist.
Neueinsteiger ist zu empfehlen Connollys Romane der Reihe nach zu lesen. Alle Romane aus der Serie mit Charlie Parker kann ich nur als absolut lesenswert empfehlen.

Absolute Kaufempfehlung für Menschen mit einem Faible für wirklich dunkle Literatur.
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Todo zu »John Connolly: Die weiße Straße« 17.02.2009
Dieses Buch ist wieder einmal klasse!
Die Geschichte ist atmosphärisch dicht, wird nie langweilig und die verschiedenen Charaktere sind lebendig beschrieben. Alle Handlungsstränge werden am Ende auch aufgelöst. Als Einsteigerbuch ist "Die weiße Straße" allerdings nicht zu empfehlen, da die Handlung auf die Vorgänger aufbaut.

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