Der Kollektor von John Connolly

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel The Unquiet, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei List.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Maine, 1990 - 2009.
Folge 6 der Charlie-\"Bird\"-Parker-Serie.

  • London: Hodder & Stoughton, 2007 unter dem Titel The Unquiet. 474 Seiten.
  • New York: Atria Books, 2007. 418 Seiten.
  • Berlin: List, 2009. Übersetzt von Georg Schmidt. 447 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2010. Übersetzt von Georg Schmidt. ISBN: 978-3-548-28273-2. 477 Seiten.

'Der Kollektor' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Vor Jahren verschwand Rebecca Clays Vater. Es hieß, der berühmte Kinderpsychologe habe sich umgebracht. Als ein unbekannter Mann Rebecca anspricht und nach Clay fragt, werden die alten Wunden wieder aufgerissen. In ihrer Verzweiflung wendet sich Rebecca an Charlie Parker. Eine fatale Entscheidung, denn die Wahrheit ist grauenvoll, die Gerechtigkeit blutig. John Connollys neuer Grusel-Thriller erzählt von einem Horror, dem jeder von uns jederzeit ausgeliefert sein kann.

Das meint Krimi-Couch.de: »Im Zentrum des schwer zu beschreibenden Bösen« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Von den Geistern seiner unbewältigten Vergangenheit buchstäblich verfolgt, lebt Privatdetektiv Charlie »Bird« Parker seit neun Monaten von Frau und Kind getrennt in Portland, einer Küstenstadt des US-Staates Maine. Seine aktuelle Klientin ist Rebecca Clay, die von einem unbekannten Mann bedrängt wird, der Auskunft über den Verbleib ihres Vaters fordert.
Daniel Clay, einst ein bekannter und geachteter Kinderpsychiater, hatte als Gutachter in einem Prozess wegen Kindesmissbrauchs schwere Fehler begangen, die ihn erst seine Reputation und dann seinen Lebenswillen kosteten; im Jahre 1999 tauchte Clay unter und wurde inzwischen gesetzlich für tot erklärt

Doch Frank Merrick – so der Name von Rebeccas Verfolger – glaubt nicht an dieses Ende. Der ehemalige Berufskiller will Clay stellen, weil er ihn für das Verschwinden seiner minderjährigen Tochter verantwortlich macht. Um Clay zu finden und zur Verantwortung zu ziehen, ist ihm jedes Mittel recht, wie auch Parker bald feststellen muss.
Merrick ist ein gefährlicher Gegner, aber er ist nur verlängerter Arm einer dunklen Macht, mit der Parker schon in der Vergangenheit konfrontiert wurde: Der »Sammler«, selbsternannter Henker verderbter Zeitgenossen und möglicherweise nicht einmal menschlicher Herkunft, kreuzt erneut seinen Weg.
Worum handelte es sich bei dem mysteriösen »Projekt«, in dem ihr Clay eine prominente Rolle spielte? Wer sind die »hohlen Männer«, vor denen seine ermordete Tochter Parker eindringlich warnt? Die Spuren führen in die Geisterstadt Gilead, in der sich einst Gräuel ereigneten, die nunmehr neu aufleben …

 Odyssee ins Herz der Finsternis

 Zum sechsten Mal begibt sich Charlie »Bird« Parker auf einen Feldzug gegen das Böse und jene, die es verkörpern. So muss man seine Aktivitäten wohl umschreiben, die nur vorgeblich den Versuch darstellen, dem geschriebenen Gesetz Genüge zu verschaffen. Parkers Vorstellung von Gerechtigkeit wurzelt in einer archaischen Welt, die definitiv mehr als die derzeit wissenschaftlich belegten Dimensionen aufweist.

Lassen wir die phantastischen Elemente, die Verfasser Connolly dieses Mal ohnehin zurück nimmt, erst einmal beiseite, stellt Der Kollektor eine Rückkehr zum Ursprung der Parker-Serie dar. Das schwarze Herz und Das dunkle Vermächtnis stellten ihn in den Mittelpunkt eines Geschehens, das als Irrfahrt durch die Abgründe der menschlichen Seele angelegt war. Der übernatürliche Aspekt deutete sich schon an, kam in aller Deutlichkeit jedoch erst später; er erweiterte die Serie um ein unerwartetes sowie überzeugend umgesetztes Element, nahm ihr aber gleichzeitig viel von ihrer ursprünglichen Wucht: Kein Höllendämon kann so realistisch ängstigen wie der banal böse Mensch.

 Rückkehr zu den Wurzeln

 Nachdem Connolly es in Der brennende Engel nicht nur mit dem Mystery-Faktor sicherlich übertrieb, ist Der Kollektor beinahe ein Kammerspiel; die Zahl der handelnden Figuren ist klein, und die Schauplätze beschränken sich auf wenige Orte im US-Staat Maine. Spektakuläre Action gibt es nicht, Connolly beschreibt vor allem die Arbeit eines Privatdetektivs. Parker folgt mühsam und oft vergeblich gut verwischten Spuren und wertet Indizien aus.

 Dabei beschäftigt sich Connolly ausgiebig mit der Frage dem Ursprung des Bösen. Dies liegt nahe, denn er gibt ihm ein besonders hässliches Gesicht: Charlie Parker deckt die Taten einer professionell organisierten Kinderschänder-Bande auf. Das Thema ist heikel, und das gilt erst recht, weil es zum Element eines Unterhaltungsromans wird. Der Missbrauch von Kindern löst beim gesunden Menschen bereits in der Vorstellung Entsetzen und Ablehnung aus, die sich ein skrupelloser Autor, der womöglich noch in entsprechenden Details schwelgt, leicht zunutze machen könnte. Connolly ist sich dieser Gefahr bewusst; oft spürt man sogar in der Übersetzung, wie vorsichtig er ist. Er hat sich mit dem Thema beschäftigt, schreibt er im Nachwort zum »Kollektor«, und möchte allen Aspekten gerecht werden. Darüber gleitet er mehrfach ins Didaktische ab, statt sich den Gegenstand seines Plots tatsächlich zueigen zu machen

Das bemerkt man im Kontrast mit jenen Passagen, in denen der Verfasser sich auf ungefährlicherem Terrain bewegt. ´Normale´ Übeltaten wie Mord und Totschlag sowie Gefühle wie Trauer und der Schrecken, die nicht nur die Opfer, sondern auch und vor allem die Überlebenden bzw. die zurückbleibenden Familien und Freunde peinigen, weiß Connolly mit manchmal bedrückender Intensität zu verdeutlichen. In diesem Punkt schwingt er sich zu unbehaglich stimmenden Höhen auf, während die Story selbst dieses Mal nicht so fesselnd geraten ist. Der Plot ist dermaßen komplex, dass er sich mit seinen zahlreichen Zufällen vermutlich nur im wirklichen Leben so ereignen könnte. Darüber hinaus wird deutlich, dass Connolly den »Kollektor« auch als Gelegenheit sieht, die Flut der in fünf Bänden angehäuften, meist privaten Verwicklungen abzuarbeiten.

 Das Jenseits hält sich zurück

 Es wurde bereits erwähnt: Niemand vermag den Menschen so furchtbar zu quälen wie der Mensch selbst. Kriminologischer oder psychologischer Realismus steht für den Verfasser allerdings nicht allein im Vordergrund. Die Charlie-Parker-Serie ist ein seltsamer Zwitter, der neben den Krimi die Phantastik stellt; nicht selten arbeitet Connolly mit echten Horror-Elementen.
Obwohl er in beiden Genres das Rad nicht neu erfindet, ist sein Einfallsreichtum beeindruckend. Connolly variiert die bekannten Schrecken und kleidet sie in Gestalten, die ihnen ein Auftreten gestatten, das sie nicht der Lächerlichkeit preisgibt. Das wirkt in diesem Buch besonders harmonisch, weil sich Realität und Phantastik in etwa die Waage halten. Die »hohlen Männer« erschrecken, aber sie bleiben passiv. Einzige ´echte´ Kreatur der Finsternis bleibt dieses Mal der »Sammler«.Der ist keine für den »Kollektor« geschaffene Figur.

Parker trifft erstmals im Kurzroman »The Reflecting Eye« (dt. »Das spiegelnde Auge«, in: »Nocturnes«, Ullstein-TB Nr. 26412) auf ihn bzw. prallt mit ihm zusammen. Der »Sammler« ist connollytypisch keine reine Horrorgestalt, sondern symbolstark aufgeladen: Er ist Parkers dunkles Spiegelbild, stellt womöglich dessen Zukunft dar, sieht sich als Mitstreiter und Konkurrent, nicht zwangsläufig als Feind. Ähnliche und beunruhigende Parallelen gibt es auch zwischen Parker und Frank Merrick.

 Alte Bekannte im Schnelldurchlauf

  Der Kollektor ist ein auf Charlie Parker zentrierter Roman. Meist nur kurz treten bekannte Randfiguren auf; das finstere Schutzengel-Paar Angel und Louis scheint beispielsweise nur mitzumischen, weil es ihre Fans unter den Lesern fordern. Für rare Momente handfesten Humors sorgen Schlagetot Jackie Garner und die irren Fulci-Brüder. Natürlich thematisiert Connolly außerdem die schwierige Beziehung zwischen Parker und Rachel, deren weitgehende Abwesenheit freilich die Schmalzschmierung der Handlung auf ein erträgliches Maß minimiert.

 Mit Der Kollektor möchte Connolly sich, seiner Hauptfigur und seinen Lesern entweder eine Atempause gönnen oder die reihenübergreifende Rahmenhandlung neu ausrichten. Nachdem im Brennenden Engel Luzifers Himmelssturz als reales Geschehen und Parker als Inkarnation eines gefallenen Engels enttarnt wurde, war dieser Schritt ratsam, denn wie hätte Connolly diesen Effekt noch steigern sollen?

  Der Kollektor ist ein spannender, mit überraschenden Wendungen nicht geizender Roman. Der finale Cliffhanger bleibt dieses Mal aus. Oder liegt es daran, dass Connolly Parker ein mildes Happy-End gönnt? Solcher Frieden passt nicht zu dieser Figur. Immerhin darf man sicher sein, dass er nur von kurzer Dauer sein wird, bevor die Dunkelheit Charlie Parker erneut auf den Leib rückt.

Michael Drewniok, November 2009

Ihre Meinung zu »John Connolly: Der Kollektor«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

tassieteufel zu »John Connolly: Der Kollektor« 23.07.2013
Vor Jahren verschwand Rebecca Clays Vater, ein bekannter Kinderpsychologe und sie ließ ihn für tot erklären, nun wird sie plötzlich von einem Mann verfolgt, der nicht daran glaubt, dass Daniel Clay wirklich tot ist. Rebecca beauftragt Charlie Parker damit, sie zu beschützen. Doch der zunächst so einfach aussehende Auftrag entpuppt sich bald als fatal. Denn bei seinen Nachforschungen stößt Charlie „Bird“ Parker auf ein wahres Nest aus Kindesmissbrauch, Einschüchterung und Mord.

Der inzwischen 6. Band der Charlie Parker Reihe ist wieder mehr Krimi und weniger Mysterie und Horrorroman, wobei natürlich auch diese Elemente wieder vertreten sind, wenn auch nicht so ausgeprägt. Die Thematik des Falles, Kindesmissbrauch und psychischer Terror geht wirklich an die Nieren, weiblichen Lesern sicher noch mehr als männlichen, von daher war dieser 6. Band für mich eigentlich der eindringlichste und berührendste überhaupt, da die Problematik vermutlich sehr nah an der Realität ist und vom Autor zwar sensibel und mitfühlend geschildert wird, aber in seiner Detailgetreue auch schonungslos offen ist. Hinter jeder noch so normal erscheinenden Familienidylle kann das Grauen lauern und tut es in vielen Fällen auch unentdeckt, das Leid und der Schmerz der Opfer wird oftmals nie gelindert.
Wie immer hat mich John Connollys Schreibstil von Anfang an begeistert, seine fast schon poetischen Beschreibungen von Orten, Land und Leuten bilden wie immer einen krassen Gegensatz zu seinen Protagonisten, die die ganze Bandbreite menschlicher Abgründe wiederspiegeln. Im Gegensatz zu den Vorgängern sind die Bösewichte, wenn man mal von den „hohlen Männern“ absieht, rein menschlicher Natur, die fast schon mystischen oder biblischen Schurken der anderen Bände findet man hier nicht. Frank Merrick, zwar ein Killer und kein sehr angenehmer Zeitgenosse, ist auf einem Rachefeldzug um sein getötetes Kind zu rächen. Wie Parker stellt auch bald der Leser fest, dass es zwischen beiden Parallelen gibt. Beide können die Geister der Vergangenheit nicht ruhen lassen und Merricks Wunsch die Mörder und Vergewaltiger seiner Tochter zur Rechenschaft zu ziehen, auch abseits des Gesetztes, läßt ihn menschlich erscheinen, seine Handlungen nachvollziehbar und verleiht ihm einige Sympathiepunkte. Auch den mehr im Hintergrund agierenden Kollektor, eine Gestalt, die wirklich Gänsehaut verursacht, war für mich nicht der seelenlose, bösartige Killer, wie z.B. Mr. Pud oder Prediger Faulkner, da er nur Jagd auf miese Bösewichte macht, die sonst dem Arm des Gesetzes entschlüpfen würden. Bei der Durchsetzung seiner Ziele ist er alles andere als zimperlich und sehr rücksichtslos, läßt sich nicht aufhalten und wirkt dabei fast wie ein dunkles Spiegelbild von Charlie Parker, der auch sehr häufig die Grenze zum Legalen überschreitet.
Angel und Louis sind ab der zweiten Buchhälfte auch wieder mit von der Partie, lockern das oft bedrückende Geschehen mit ihrer coolen Art und flotten Sprüchen auf und halten Charlie Parker wie immer den Rücken frei.
Wie bei allen Parker Thrillern ist die Story recht komplex, Zusammenhänge sind zunächst nicht erkennbar und die Verbindungen ergeben sich erst nach und nach, doch gerade dadurch baut sich ein Spannungsbogen auf, der bis zum Ende hin gehalten wird und durch immer neue Wendungen verblüfft. Zwar gibt es diesmal nicht den großen Showdown, trotzdem ist der Schluß ein durchaus runde Sache, wenn auch für Connollys Verhältnisse recht zahm.
Parkers Privatleben bleibt diesmal eher Randgeschehen, die Beziehung zu Rachel hängt nach wie vor in der Schwebe und hier bleibt auch einiges offen, so dass man da wohl auf die Folgebände gespannt sein darf.

FaziT: der 6. Parker Band ist eine eindringliche und berührende Geschichte von Schuld und Sühne, von unschuldigen, gebrochenen Opfern, von Rache die man sehr gut nachvollziehen und Mördern deren Taten man nicht wirklich verurteilen kann. Insgesamt ein unheimlich guter Thriller und für mich einer besten Parker Bände überhaupt!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Stefan83 zu »John Connolly: Der Kollektor« 02.09.2012
Nachdem es in den letzten beiden Bänden fast so aussah, als würde Connolly seine Serie um den Anti-Helden Charlie "Bird" Parker im Dan-Brownschen-Mystery-Stil mit Vollgas an die Wand fahren, hat er nun kurz vorm Aufprall an eben dieser anscheinend doch nochmal die Kurve bekommen. Und es wirkt ganz so, als wäre es eine 180° Wende, denn mit "Der Kollektor" geht es eindeutig wieder "Back to the Roots".

Connolly blendet das Übernatürliche weitgehend aus, verzichtet auf mystifizierte Bösewichte wie im Stile z.B. Brightwells und orientiert sich wieder mehr am klassischen Detective-Eye-Novel. Wie schon zu Beginn in "Das schwarze Herz" oder in "In tiefer Finsternis" nimmt sich der Ire wieder die Zeit, um die mühsamen Ermittlungen Parkers zu schildern, der diesmal bei einem auf den ersten Blick so simplen Fall in einen Sumpf aus Lügen und Verbrechen gerät, welcher mit jedem Schritt dicker und abgründiger zu werden droht. Mit der Thematik "Kindesmissbrauch" fasst Connolly hier ein heißes und heikles Eisen an, ohne dabei jedoch, wie so viele seiner Kollegen, ins Pietätlose abzugleiten oder es lediglich als Mittel zum Zweck fungieren zu lassen.

Mit viel Einfühlsamkeit und Bedacht, aber auch gleichzeitig mit schonungsloser Härte, zieht er den Leser in diese düstere Geschichte, die von einer Melancholie durchdrungen ist, welcher man sich nicht zu entziehen vermag. Das liegt nicht zuletzt daran, dass das Böse hier wieder greifbar und nachvollziehbar präsentiert wird. Die finsteren Gegenspieler sind weder dunkle Engel noch seelenlose Killer, sondern unscheinbare Familienmenschen, Wohltäter und gutbetuchte Bürger, deren wohlgestaltete Fassaden lediglich eine Hülle darstellen, die das faulige Innere verbirgt. In ihrer nach außen vorgetragenen "Normalität" sind sie widerlicher, als es abstoßende Finsterlinge wie Mr. Pudd oder eben bereits oben genannter Brightwell, je sein könnten.

"Der Kollektor" ist der bis hierhin traurigste und hoffnungsloseste Roman der Reihe - auch weil sich Connolly, des schmalen Grats zwischen Unterhaltung für den Leser und Verantwortung gegenüber einem sensiblen Thema bewusst, mit dem sonst so knackigen, tiefschwarzen Humor doch stark zurückhält. Zwar sind erneut Louis und Angel mit von der Partie. Sie stehen jedoch eindeutig im Schatten der von Parker Gejagten, die man teils verabscheut, teils fürchtet und teils sogar achten muss. Besonders mit Frank Merrick ist ihm eine Figur gelungen, die nicht nur als eine weitere Variante eines vom Weg abgekommenen Parkers taugt, sondern auch als verbindendes Glied zwischen Schwarz und Weiß, Gut und Böse zu verstehen ist.

Vom titelgebenden Sammler (engl. Kollektor), der bereits in "Das schwarze Herz" und in der Parker-Geschichte des Sammelbands "Nocturnes" einen Kurzauftritt hatte, liest man vergleichsweise wenig. Diese raren Auftritte sind dafür aber umso beeindruckender (Gänsehaut und offener Mund garantiert) und lassen uns für die Zukunft einiges erahnen und erhoffen.

Insgesamt ist "Der Kollektor" wieder ein richtig starker Charlie "Bird" Parker-Roman, mit dem John Connolly zurück in die Spur findet. Ein vergleichsweise actionarmes, dafür aber umso nachhaltiger wirkendes, berührendes Buch, das mich in Punkto Sprachgewalt nicht selten an die großen Werke Stephen Kings erinnert hat.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Jenny zu »John Connolly: Der Kollektor« 02.06.2011
Habe das Buch innerhalb von 2 Tagen verschlungen. Etwas enttäuscht war ich nur davon, dass am Schluss einiges ungeklärt blieb (etwa frage ich mich noch immer was es mit den "hohlen Männern" auf sich hat). Aber zugleich macht dies auch den Reiz des Buches aus, dass Raum für eigene Phantasie bleibt und einem nicht für alles fixe Erklärungen geliefert werden.
mase zu »John Connolly: Der Kollektor« 28.10.2009
Eine Frau wird von einem unbekannten Mann beobachtet und verfolgt. Er will von ihr den Aufenthaltsort ihres Vaters wissen. Nun wird aber der Vater seit mehreren Jahren vermisst und wurde folglich als tot erklärt. Der Vater, ehemaliger Kinderpsychologe verschwand damals aufgrund pädophiler Vorwürfe, die jedoch niemals bewiesen wurden. Die Frau beauftragt Parker, doch der möchte sie nicht nur vor dem Stalker beschützen, sondern geht der Sache auf den Grund. Nach und nach kommen schreckliche Details vergangener Jahrzehnte ans Licht und ein Katz und Maus Spiel beginnt, bei dem nicht immer ganz klar ist, wer gut und wer böse ist

Gibt es eigentlich das Genre Grusel-Thriller? Connolly hat einen unvergleichlichen Schreibstil. Beschreibt er das Wetter, wird es bedrohlich, beschreibt er Häuserzeilen wird es unheimlich und wenn er die Bösen beschreibt, bekommt der Leser eine Gänsehaut. Obwohl Connolly sensationell schreiben und beschreiben kann, sind ihm scheinbar im Mittelteil, nach sehr starkem Beginn, die Ideen ausgegangen. Vielleicht lag es auch an meiner Form, aber mir fielen streckenweise ständig die Augen zu. Das ändert sich dann erst wieder als Connolly endlich Parkers Kumpels mitwirken lässt. Mit Angel und Louis kommt auch wieder Schwung in den Plot.

Das 1. und das 3. Drittel hat den Connolly Fan in mir nicht enttäuscht. Ein Grusel-Thriller vom Feinsten. Stets bedrohlich und unheimlich, mit Personen, denen man niemals über den Weg laufen möchte und den gewohnten lockeren Sprüchen, die diese beklemmende Geschichte auch bitter nötig hat. Den Mittelteil fand ich dafür grausig langweilig.

Die paranormalen Erscheinungen, die Connolly in Verbindung mit Parker einbringt, sind mir im „Kollektor“ fast ein bisschen zu dominant und ich kann nach Beendigung des Buches nicht behaupten, alles in diesem Zusammenhang verstanden zu haben.

Darum ist „Der Kollektor“ nicht der beste Teil dieser Reihe, liegt aber trotzdem weit über dem Thriller-Durchschnitt
4 von 6 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Ihr Kommentar zu Der Kollektor

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: