Der buddhistische Mönch von John Burdett

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Bangkok Haunts, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Thailand / Bangkok, 1990 - 2009.
Folge 3 der Sonchai-Jitpleecheep-Serie.

  • London: Bantam, 2007 unter dem Titel Bangkok Haunts. 384 Seiten.
  • New York: Alfred A. Knopf, 2007. 384 Seiten.
  • München: Piper, 2008. Übersetzt von Sonja Hauser. 384 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2010. Übersetzt von Sonja Hauser. ISBN: 978-3-492-25756-5. 398 Seiten.

'Der buddhistische Mönch' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kein Verbrechen hat ihn je so weit gebracht, an der Existenz der menschlichen Spezies zu verzweifeln. Doch Sonchai spürt, dass er in diesem Augenblick ein solches Verbrechen mit ansieht: Im abgedunkelten Raum der Polizeistation im berüchtigten 8. Bezirk von Bangkok läuft ein Snuff-Video. Und die junge Frau, die in diesem mörderischen Pornofilm vor seinen Augen getötet wird, ist niemand anderes als Damrong, die magischste, begehrteste Prostituierte Bangkoks – und Sonchais ehemalige Geliebte. Er war einmal besessen von ihr, und noch immer verfolgt sie ihn in seinen Träumen. Jetzt, mit ihrem qualvollen Tod, treibt ihn nur noch eines: das Verlangen, ihre Mörder zu finden.

Das meint Krimi-Couch.de: »Von korrupten Bullen und kopulierenden Geistern« 15°

Krimi-Rezension von Thorsten Sauer

Manchmal trügt der Schein sogar bei Büchern. Da spendiert der geschätzte Piper-Verlag dem neuen Roman von John Burdett nicht nur ein Hardcover, sondern sogar ein Lesebändchen – ein untrügliches Qualitätsmerkmal hochstehender Literatur – und dann entpuppt sich Der buddhistische Mönch als der größte Unsinn, der es in den letzter Zeit zwischen zwei Buchdeckel geschafft hat.

Snuff-Movies und Polizistenpornos

Sonchai Jitpleecheep hat schon so ziemlich alles gesehen und glaubt daher durch nichts mehr zu erschüttern zu sein. Doch da irrt er sich gewaltig. In einem verdunkelten Raum im Polizeirevier des berüchtigten 8th District, wird er Zeuge eines abscheulichen Mordes. Ein Snuff-Video, bei dem eine Prostituierte während des Geschlechtsverkehr brutal erwürgt wird, lässt sogar die erfahrene FBI-Agentin Kimberly Jones, die mit in die Ermittlungen einbezogen ist, in Tränen ausbrechen. Doch der Gefühlsstrudel in den Sonchai beim Anblick des Videos gerissen wird ist stärker, er kennt die Tote: Damrong. Sie war nicht nur einfach seine Geliebte, er war von ihr besessen und noch immer verfolgt sie ihn in seinen Träumen.

Ihr qualvoller Tod und die nächtlichen Heimsuchungen treiben ihn, den Mörder schnellstmöglich zu finden. Doch er stößt auf Widerstand bei seinem Vorgesetzten. Nicht etwa, weil der etwas zu verbergen hat, sondern weil alle Bullen des 8th District korrupt sind, besonders Sonchais Vorgesetzter Vikorn. Und der hat es sich nun einmal in den Kopf gesetzt, in das Porno-Geschäft einzusteigen. Dazu braucht er den angeschlagenen Polizisten, der einschlägige Erfahrungen hat, weil er mit seiner Mutter ein mehr schlecht als recht gehendes Bordell betreibt und den aufmüpfigen Regisseur bei der Stange halten soll.

Sonchai lässt sich jedoch nicht von seinem Ziel abbringen und unheilvolle Dinge nehmen seinen Lauf.

Die (un)denkbar unsinnigste Auflösung eines Krimis

Grundsätzlich ist die Ausgangssituation von Der buddhistische Mönch sogar vielversprechend, doch die haarsträubend unsinnige Entwicklung gepaart mit den – höflich ausgedrückt – etwas konstruiert wirkenden Figuren, lässt den Roman schon nach wenigen Seiten ins Lächerliche abgleiten.

»Du, der Sohn einer Nutte, Bordellbetreiber, Beamter in einem der korruptesten Polizeiapparate Asiens, du hast dir deine Unschuld bewahrt.« (S. 144)

Weshalb hat sich Sonchai seine Unschuld bewahrt? Wohl deshalb, weil sein Chef Vikorn ein noch ärgeres Kaliber ist, der Millionen mit Bestechungen macht und jetzt obendrein in der Pornoindustrie mitmischen will. Was bei Der Jadereiter innovativ und bei Bangkok Tattoo immerhin noch einigermaßen unterhaltsam war, verkommt ob der weiteren Steigerung nun ins Lächerliche. Sonchai führt in Der buddhistische Mönch nicht mehr nur gemeinsam mit seiner Mutter ein Bordell, lebt mit einer Ex-Prostituierten zusammen und hat einen Transsexuellen Partner; nein, jetzt darf er auch noch ins Pornogeschäft einsteigen. Zu allem Überfluss verliebt sich die FBI-Agentin Kimberley obendrein noch in den transsexuellen Partner von Sonchai.

Wenigstens kann man Burdett zugute halten, dass sich seine Figuren damit nahtlos in die ebenso unsinnige Geschichte einfügen. Da verwundert es nicht mehr, dass Sonchai selbstverständlich ein Verhältnis mit der Toten hatte und von ihr besessen ist (und das nicht nur im übertragenen Sinne). Folgerichtig gibt sich Burdett auch nicht mit einem »normalen« Mörder zufrieden, ein leibhaftiger Geist muss es da schon sein. Leider ist ihm auch ein »normaler« Geist noch zu wenig und so erfahren wir denn auch Burdetts ganz persönliche Fantasie der sprichwörtlichen Heimsuchung. Schließlich befinden wir uns in Bangkok und dort geht es ausschließlich um Sex (zumindest in Burdetts Vorstellung) also wird den gesamten Roman hindurch munter kopuliert und das – wie angedeutet – nicht nur im Diesseits, sondern auch im Jenseits.

Was lässt sich Gutes sagen über diesen Roman? Abgesehen vom eingangs erwähnten Lesebändchen nur sehr wenig. Einzig vielleicht Burdetts Erzählstil, den er bereits bei seinen vorangegangenen Büchern praktizierte. Sonchai erzählt die Geschichte und er spricht dabei mit dem Leser, nennt ihn Farang, was so viel bedeutet wie »weißer Ausländer«. In der asiatischen Vorstellung können Ausländer aufgrund der kulturellen Unterschiede nur schwer die inneren Zusammenhänge des asiatischen Lebens begreifen.

Vielleicht bin ich genau so ein Farang und Burdett hat es auf eine höhere Bewustseinsebene gebracht, mir droht nun – ob meiner Verständnislosigkeit für diesen Roman – ein derart schlechtes Karma, dass mir mindestens zehntausend Jahre in einem Granitstein blühen, bevor ich als Ameise wieder geboren werde. Vielleicht ist die Sache aber auch so einfach wie sie scheint und Burdett hat schlicht ein schlechtes Buch geschrieben.

Thorsten Sauer, Mai 2008

Ihre Meinung zu »John Burdett: Der buddhistische Mönch«

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Udo Püschel zu »John Burdett: Der buddhistische Mönch« 13.02.2013
Ich habe alle drei Bücher gelesen und sie haben mir ALLE sehr gut gefallen. Vielleicht muß man auch mal in Asien gewesen sein, um Verständnis für diese etwas andere Art des Denkens entwickeln zu können. Thailand ist einerseits ein sehr westliches, kommerzielles Land und andererseits leben die Menschen mit den Göttern in guter Nachbarschaft. Ich habe selbst erlebt, wie Europäer nach einiger Zeit ihre Geisterhäuser vor der Tür stehen hatten und den besten Tag für ihre wichtigen Termine von Mönchen berechnen liessen.
Viele (auch westliche) Krimis wirken auf mich konstruiert, wenn es zur Aufklärung kommt. Nicht jedes Detail ist dann mehr logisch. Das mag bei Burdett auch manchmal so sein. Aber die Bücher sind Thailand pur. Wer da mal etwas länger als 14 Tage in einem Touristenhotel war, der wird das empfinden. Und die Art wie er den westlichen Feminismus behandelt und einbindet, das ist doch kabarettreif und sehr amüsant. Ich mag seine Bücher, auch wenn sie manchmal sehr brutal sind.
liv schindler zu »John Burdett: Der buddhistische Mönch« 22.01.2010
ich habe es soeben auf deutsch gelesen und es war WUNDERBAR - trotz dicker erkältung und fettem schnupfen :)
besonders interessant, wenn man sich auch etwas detaillierter mit buddhismus und thailand auskennt und die unterschiede in der mentalität noch näher kennenlernen will.
allerdings ist john burdett nix für *politisch korrekte* die pauschal von *sextourismus* sprechen und diesen nur aus westlicher politischer oder feminitischer sicht zu betrtachten bereit sind.
Myriam Grandgenet zu »John Burdett: Der buddhistische Mönch« 25.08.2008
Ich fand das dritte Sonchai-Buch auf jeden Fall besser als das zweite, Bangkok Tatoo.
Bei Bangkok Tatoo, wo ein amerikanischer Soldat mehr oder weniger undercover nach Terrorverdächtigen sucht und man auf der Jagd nach japanischen Tatoos ist, kam mir die Handlung konstruierter vor als jetzt bei Bangkok Haunts. Man hatte beim zweiten Buch den Eindruck John Burdett würde in seinem zweiten Bangkok-Buch amerikanischen Vorstellungen gerecht werden wollen. Außerdem habe ich das Tatoo-Thema schon mal irgendwo in einem deutschen Film gesehen und fand es deswegen auch nicht so besonders originell.
Die Geistergeschichte in Bangkok Haunts fand ich da "erfrischender". Interessant find ich auch immer Sonchais phylosphische und soziologische Erläuterungen. Das einzige was mich ein bisschen gestört hat, war die Geschichte von Kimberly, die sich ganz plötzlich in Sonchais transsexuellen Partner verliebt und spontan entscheidet, dass er eigentlich gar nicht transsexuell ist und sie überhaupt alles besser weiß. Dies entsprach nicht ihren bisherigen Handlungs- und Denkweisen und kam so ganz plötzlich aus dem Nichts ins Buch hineingerasselt.Trotzdem sehe ich in Bangkok Haunts ganz klar die Weiterentwicklung von Bangkok Eight. (Jadereiter). Das zweite hätte man aber durchaus weglassen können.Auch ich habe alle drei Bücher auf Englisch gelesen und mir durchaus bewusst, dass Bücher auf Deutsch mancham ganz anders ´rüberkommen. Dazu muss man noch sagen, das die Übersetzer manchmal gute Textpassagen weglassen und durch ihre eigenen, nicht so guten ersetzen. (ja das stimmt wirklich, ich kann es beweisen :D )
Ich weiss nicht ob das in diesem Buch so war, aber zur Not, wenn man es kann, sollte man ein Buch immer in der original verfassten Sprache lesen.
Carmen Marple zu »John Burdett: Der buddhistische Mönch« 27.07.2008
Ich stimme Thorsten Sauer in allen Belangen absolut zu: wenig Spannung, konstruierte Handlung samt Personen und einer der wenigen Krimis , die ich nicht bis zum Ende gelesen habe!
Jemima Stevens zu »John Burdett: Der buddhistische Mönch« 04.07.2008
Ich glaube diesem Thorsten Sauer fehlt einfach die Fantasie mit John Burdett mitzugehen, er will einen Krimi nach dem üblichen westlichen Schema. Und genau das macht die Qualität dieses Buches aus: Warum sich nicht einfach mitnehmen lassen in eine fremde (thailändishe) Welt der Vorstellungskraft, die uns die Option eröffnet die Dinge aus einer anderen Sichtweise zu sehen?
Ein großartiges Buch: Spannend, neu, guter Plott.
Allerdings: Ich habe es auf Englisch gelesen, viellicht kommt es auf Deutsch nicht so gut rüber? Will ich aber nicht unterstellen!
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