Endstation Färöer von Jogvan Isaksen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1990 unter dem Titel Blið er summarnátt á Føroyalandi , deutsche Ausgabe erstmals 1995 bei Pettersson.
Ort & Zeit der Handlung: Färöer, 1990 - 2009.

  • Tórshavn: Mentunargrunnur Studentafelagsins, 1990 unter dem Titel Blið er summarnátt á Føroyalandi . 263 Seiten.
  • Münster: Pettersson, 1995 Mild ist die färöische Sommernacht . Übersetzt von Christel Hildebrandt. ISBN: 3930704005. 237 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2006. Übersetzt von Christel Hildebrandt. ISBN: 978-3-89425-549-7. 252 Seiten.

'Endstation Färöer' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Während einer Mittsommerfeier in den färöischen Bergen stürzt die Journalistin Sonja Pætursdóttir vom Rande des Plateaus. Ein Unfall, laut Polizeibericht.
Für Hannis Martinsson ist der Tod seiner Freundin aus früherer Zeit ein Grund, in seine Heimat zurückzukehren. In einem Bierclub trifft er Sonjas Lebensgefährten Hugo, der sich damit brüstet, etwas über die Umstände ihres Todes zu wissen. Was das ist, erfährt Hannis jedoch nicht mehr, denn am nächsten Tag bricht sich Hugo beim Sturz auf der Kellertreppe das Genick. Dies sind zu viele Unfälle für den Journalisten, der eine große Story wittert. Denn Sonja wurde mehrmals an Bord eines Schoners aus Paraguay gesehen, der seit einigen Wochen im Hafen von Tórshavn liegt – und dessen Besatzung benimmt sich höchst merkwürdig ...
Die färöische Landschaft, das Leben auf der rauen Inselgruppe im Nordatlantik und immer wieder der Tanz ums Goldene Kalb Fischereirechte bilden den Hintergrund für diesen Krimi der Extraklasse.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der letzte Winkel Skandinaviens« 76°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Zuerst kamen die Schweden, dann die Norweger, Finnen und auch einige Dänen. Im Kielwasser eines Henning Mankell ließ sich in den letzten Jahren sehr gut mitschwimmen. Teilweise musste man auf dem deutschen Buchmarkt den Eindruck gewinnen, dass auch jeder viertklassige skandinavische Autor in Deutschland einen Verleger findet, solange sich sein Name nur schön nordisch anhört. Zuletzt wurden die Isländer entdeckt, womit nun die gesamte Palette skandinavischer Staaten abgedeckt schien – Die ganze Palette? Nein! Denn ein kleines Inselreich, das zwar zu Dänemark gehört, aber eigentlich nichts mit Dänen am Hut haben will, pocht auch noch auf das Recht, wahrgenommen zu werden.

Die Färöer Inseln sind besonders den österreichischen Fußballfans bekannt. Hat die Inselnationalmannschaft eigentlich jemals gegen irgendeinen anderen Gegner ein Spiel gewonnen? Aber keine Bange, liebe Freunde des runden Leders, in »Endstation Färöer« geht es keineswegs um die Qualitäten der lokalen Fußballmannschaft. Es ist vielmehr ein Kriminalroman um verborgene Machenschaften deutscher Nazis in der Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg.

Der Tod wartet auf den Inseln

Journalist Hannis kehrt nach längerem Auslandsaufenthalt zurück in seine färöische Heimat. Im gleichen Flieger sitzt sein alter Bekannter Hugo, der ihm abends im Thorshavner Bierclub vom angeblichen Unfalltod ihrer gemeinsamen Freundin Sonja berichtet. Hugo glaubt jedoch nicht an einen Unfall – bevor er Hannis weiteres anvertrauen kann, stirbt er selber auf mysteriöse. Argwohn und journalistische Neugierde sind bei Hannis geweckt. Sonja hatte zuletzt für die Zeitung in Thorshavn eine Serie über den Zweiten Weltkrieg geschrieben, war außerdem wiederholt an Bord eines unter der Flagge von Paraguay segelnden Schoners gegangen. Die Mannschaft des Schoners verhält sich ausgesprochen ablehnend gegenüber jedem, der sich in Dunstkreis des Anlegeplatzes begibt. Was hatte Sonja mit den blonden und blauäugigen Südamerikanern zu schaffen?

Raue Atmosphäre

Die Einsicht, dass der Roman nicht mehr ganz taufrisch ist, begegnet dem Leser unterwegs gleich mehrfach. Besonders an den Stellen, wo Hannis Nachforschungen am Computer tätigt, fällt die antiquierte Bedienung auf. Und tatsächlich datiert der Roman aus dem Jahr 1990. Es gab sogar mal eine deutsche Übersetzung, erschienen 1995 in einem kleinen Verlag unter dem Titel »Mild ist die färöische Sommernacht«. Kein Wunder, dass das nicht wirklich durchschlagend erfolgreich war …

Dies tut jedoch der insgesamt spannenden Handlung keinen Abbruch. Die schroffen und zerklüfteten Klippen der Inseln im Nordmeer bilden eine ausgezeichnete Kulisse für ein Abenteuer. Das erlebt Hannis schließlich auch bei seinen Nachforschungen in den Grotten der Nordküste. Autor Jogvan Isaksen peitscht seinen Lesern Wind und Regen um die Nase, dass es einfach nur eine Freude ist.

Es gibt jedoch auch Passagen, an denen der Autor seine Erzählfreude gegen einen schlichten Aufsatzstil eingetauscht hat. Die seitenlangen Erklärungen zu den Naziverbrechen im Zweiten Weltkrieg sind betont nüchtern gehalten und eignen sich in diesem Roman auch gewiss nicht, um Unterhaltung oder gar Stimmung beim Leser zu bewirken. Warum ist das nötig? Ist den Färingern das Schreckensregime des Dritten Reiches nicht ausreichend bekannt gewesen, dass der Autor sich zu einer Nachhilfestunde in seinem Roman veranlasst sah? Gerade in der geneigten deutschen Leserschaft dürfte ob dieser Passagen Befremden geweckt werden.

Obwohl es sich so langsam »ausgeMankellt« haben dürfte, ist »Endstation Färöer« eine Bereicherung auf dem deutschen Buchmarkt und eine positive Ergänzung der skandinavischen Krimilandschaft. Die Story ist über weite Strecken spannend und unterhaltsam geschrieben, wobei es der Autor blendend versteht, die Natur der Färöer Inseln als Kulisse einzusetzen. Wer von den doch etwas langatmigen Aufsätzen über das Dritte Reich absieht, wird zudem mit einem dramatischen, beinahe filmreifen Finale belohnt. 1:0 für Färöer …

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Jaques zu »Jogvan Isaksen: Endstation Färöer« 11.06.2010
Meiner Meinung nach ist "Endstation Färöer" ein Buch, das sich schön lesen lässt.
So schlecht wie manche das Buch machen, finde ich es überhaupt nicht. Ich habe mir auf jeden Fall "Option Färöer" schon bestellt und werde auch dieses Buch verschlingen, weil mir die Art und Weise von Isaksen sehr gefällt...
jeb zu »Jogvan Isaksen: Endstation Färöer« 22.05.2006
Schöne atmosphärische Schilderung der Faröer, aber leider in der zweiten Hälfte sehr vorhersehbar. Der Held findet etwas und man weiß sofort was passiert. Die Bösen sind ganz brutal und konsequent nur natürlich nicht gegenüber dem Helden. Das Ende ist letztlich gänzlich unglaubwürdig.

Aber immerhin erfährt man einiges über die Faröer...
Matthias Wiegner zu »Jogvan Isaksen: Endstation Färöer« 18.04.2006
Nach der Lektüre zahlreicher Island-Krimis war ich auf einen
"Färöer"-Krimi gespannt. Um es gleich vorwegzunehmen: ich wurde sehr
enttäuscht.

Der Handlungsverlauf von Jogvan Isaksen's "Endstation Färöer" ist
ziemlich schnell vorhersehbar, insbesondere ab der Mitte des Buches,
wenn der Nazi-Hintergrund deutlich wird, birgt die Story keinerlei
Überraschungen mehr. Durch die Wahl der Erzählform wird sogar noch der
letzte Hauch von Spannung zerstört. Die Handlung ist in weiten Teilen
unglaubwürdig, aber im Gegensatz zu Indridasons's "Geltschergrab" ist
die Sache noch nicht mal besonders spannend. Während es Indridasson
nämlich gelingt, dass man mit den Protagonisten des Romans mitfühlt und somit
Anteil nimmt, gelingt dieses Isaksen nicht.

Über die Qualität der Regierung der Färöer-Inseln kann ich mir kein
Urteil erlauben, aber dass die Politiker dermaßen dämlich sind, dass sie
auf die Lüge (auf der die ganze Story beruht) hereinfallen, kann ich mir
nun wirklich nicht vorstellen. Das Ende ist haarsträubend, die wenigen
humorigen Passagen sind mitunter etwas deplaziert.

Das einzige, was positiv anzumerken ist, sind die Abschnitte, in denen
sich der Autor mit der inkonsequenten Haltung der Färöer mit dem
dänischen Mutterland befaßt und die Zusammenfassung der Nazi-Verbrechen, auf
die man nicht oft genug hinweisen kann.

Insgesamt halte ich das Buch für einen 08/15-Krimi ohne Highlights und
Orginalität und kann es somit nicht unbedingt empfehlen.
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