Jagdhunde von Jørn Lier Horst

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Jakthundene, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Grafit.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, 2010 - heute.

  • Stockholm: Gyldendal, 2012 unter dem Titel Jakthundene. 358 Seiten.
  • Dortmund: Grafit, 2013. Übersetzt von Andreas Brunstermann. ISBN: 978-3-89425-670-8. 352 Seiten.

'Jagdhunde' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Ungemütliche Zeiten für Hauptkommissar William Wisting: Wegen des Vorwurfs, Beweise manipuliert zu haben, wird er vom Dienst suspendiert. Der Fall, um den es geht, liegt schon siebzehn Jahre zurück, gilt aber bis heute als einer der aufsehenerregendsten der Kriminalgeschichte Norwegens. Damals war die junge Cecilia Linde erst verschwunden und wurde dann ermordet aufgefunden. Wisting hatte den Täter überführen können, doch nun stellt sich heraus, dass die Beweise gefälscht waren eine Topstory für die Medien. Plötzlich ist der Hauptkommissar in der Rolle des Gejagten. Seine Kollegen drehen jeden Stein um, den er je angefasst hat, und die Journalistenmeute heftet sich unerbittlich an seine Fersen. Ihm bleibt nur ein einziger Weg: selbst herauszufinden, was damals wirklich geschah. Trotz tatkräftiger Unterstützung seiner Tochter Line, einer Kriminalreporterin, entwickelt sich die Geschichte schnell zu einem nervenzerreißenden Wettlauf gegen die Zeit. Denn wieder verschwindet eine junge Frau und die Parallelen zu Cecilia Linde sind offensichtlich.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Polizist- hartnäckig wie ein Terrier« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Ein Straftäter, der 17 Jahre wegen Entführung und Mord im Gefängnis gesessen hat, fährt nach seiner Entlassung schweres Geschütz gegen Hauptkommissar William Wisting auf – es soll einen neuen Entlastungszeugen geben. Der Polizist wird suspendiert, sucht aber privat nach neuen Fakten in dem Fall. Seine Tochter Line, eine erfolgreiche Journalistin, ist derweil mit einem neuen Mord beschäftigt. Wisting ist klar, dass er auf sich alleine gestellt ist, wenn er herausfinden will, was vor 17 Jahren tatsächlich passiert ist. Er stellt schnell fest, dass es Parallelen zu einem aktuellen Entführungsfall und dem Mord gibt, über den seine Tochter berichtet und recherchiert. Ein pensionierter Kollege aus der Spurensicherung hilft Wisting beim Nachweis, dass seinerzeit Beweise manipuliert wurden – und der erfahrene Polizist muss in eine Richtung ermittelt, die ihm gar nicht gefällt.

Ruhige und zielstrebige Ermittlungen

Jørn Lier Horst zeigt mit seinem neuen Roman Jagdhunde einmal mehr, dass er ein hervorragender Geschichtenerzähler ist. Sein Protagonist William Wisting ist ein erfahrener Ermittler, und der alte Fall macht ihm enorm zu schaffen. Die Art und Weise, wie er damit umgeht, fesselt den Leser von Beginn an. Aber auch der Parallel-Fall, an dem seine Tochter arbeitet, übt einige Faszination aus. Man ahnt als routinierter Krimi-Leser, dass es da Zusammenhänge geben dürfte. Aber der Autor lässt die Fäden sehr geschickt und behutsam zusammen laufen. Wisting igelt sich in einem Landhaus ein, und dort wird mit großer Akribie nochmals genauer in die Fallakten geschaut. Ein interessanter Ansatz, und hier kommt die gute alte Polizeiarbeit zu ihrem Recht, Kommissar Zufall muss nur sporadisch bemüht werden. Das macht diesen Roman mehr als lesenswert, denn die ruhige und doch zielstrebige Art, wie der lange zurück liegende Mord erneut aufgerollt wird, wirkt – für mich jedenfalls – überzeugend.

Wichtige Akteure mit Profil

Ganz anders agiert Wistings Tochter Line. Sie ist eine überaus ehrgeizige Journalistin, die auch bei riskanten Recherchen nicht vor Gefahren zurückschreckt. Während ihr Vater mit großer Ruhe und Bedachtsamkeit vorgeht, ist Line ziemlich impulsiv und ermittelt in »ihrem« Mordfall weitaus aktiver als die zuständigen Polizisten. Vater und Tochter arbeiten schließlich zusammen, wenn auch zunächst auf ganz unterschiedlichen Wegen. Als echte Herausforderung erweist sich im Laufe der Handlung Rudolf Haglund, der entlassene Straftäter. Mit seinem Anwalt macht er Wisting und später auch dessen Tochter enorm zu schaffen. Für den Leser bleibt diese wichtige Figur ebenfalls lange ein Rätsel, zumal Wisting die neu gefundenen Spuren in eine ganz merkwürdige Richtung führen. Dieses Duell mit dem gerissenen Täter und seinem Anwalt macht den großen Reiz des Romans aus, der aber noch weitere spannende Wendungen zu bieten hat.

Ein kurzweiliges Lesevergnügen

Die Alleingänge von Wisting ermöglicht der Autor durch einen geschickten dramaturgischen Kniff. Ungewöhnlich schnell wird er vom Dienst suspendiert. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die allerdings erst sehr viel später komplett aufgedeckt werden. Von seiner ganzen Art her ist der Kommissar für den Leser eine derart integre Erscheinung, dass im Grunde klar ist, dass er eine weiße Weste in dem alten Fall hat. Die vielen möglichen Spuren und Vermutungen – befeuert auch durch die hartnäckigen Recherchen von Line – führen allerdings zu einem kurzweiligen Lesevergnügen. Jørn Lier Horst kultiviert einen angenehmen Schreibstil, der mir schon bei Winterfest ausgezeichnet gefallen hat. Man kann seine Romane flüssig lesen, und ist ständig gefesselt, weil der Autor seine Leser miträtseln lässt. Bei der Lektüre zeigt sich, dass diese Geschichte deutlich mehr Tiefe hat, als man am Beginn des Buches erwartet. Jørn Lier Horst erarbeitet sich in meinen Augen immer mehr einen festen Platz in der Riege ausgezeichneter norwegischer Autoren.

Andreas Kurth, März 2015

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Darix zu »Jørn Lier Horst: Jagdhunde« 14.05.2014
Stimmung und Tempo fesseln am Beginn. Sofort ist man als Leser im Geschehen eingebunden. Ein Kommissar dem Manipulation bei den Ermittlungen vorgeworfen werden, in einem vor 17 Jahre zurück liegenden Fall. Wisting wird vom Dienst suspendiert, mit dem „Alleinstellungsmerkmal“ versehen ermittelt er selbständig weiter. Reflektiert den Fall vor 17 Jahren als im selben Moment seiner Suspendierung ein weiteres junges Mädchen verschwindet.
Seine Tochter, Reporterin, recherchiert im nächsten Todesfall. Sie kontaktiert ihren Vater bei der medialen Hexenjagd, hilft ihm auch beim Aufrollen des alten Falls, zeigt erheblichen kriminalistischen Scharfsinn .
Leider hält Jagdhunde nicht das Anfangsniveau, sondern leidet in der Folge an Überlängen, Banalitäten und erzeugt etwas Langeweile beim Lesen. Die Fallentwicklung erscheint berechenbar, vergleichbar mit ähnlichen Fällen. Das Geschehen erhält erst im Finale erneut Spannung und einige interessante Wendungen. Schade, dass das hohe Anfangsniveau nicht gehalten werden konnte, so sind auch die „Jagdhunde“ eher durchschnitlich.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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