TaxiBar von Jörg Juretzka

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei BEBUG.
Folge 11 der Kristof-Kryszinski-Serie.

  • Berlin: BEBUG, 2014. ISBN: 978-3867891974. 192 Seiten.

'TaxiBar' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Kryszinski hat genug. Er hat die Detektei dichtgemacht und die TaxiBar übernommen, eine 24-Stunden-Kneipe in Eppinghofen, Mülheims verrufenem Bahnhofsviertel. Doch eigentlich will er nur auf einen Trip, einen endlos langen Trip. Die Mittel dazu soll ihm ein Paket bringen, das er an einem einsamen Atlantikstrand gefunden und zu Hause dem Hehler »Geronimo« in Kommission gegeben hat. Doch dann wird Geronimo erschossen, die ursprünglichen Adressaten des Pakets stehen plötzlich auf der Matte, die örtliche Biker-Mafia mischt sich ein, Kryszinskis Todfeind wird ermordet aufgefunden, drei Roma-Mädchen verschwinden spurlos, Kommissar Hufschmidt ermittelt penetrant, und Kryszinski wird bewusst, dass er sich schon längst auf einem Trip befindet, einem Horrortrip. Und das, ohne auch nur das Haus verlassen zu haben.

Das meint Krimi-Couch.de: »Bar jeden Humors« 79°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Bereits seit 16 Jahren schreibt Jörg Juretzka an seiner Reihe um den Ruhrpott-Marlowe. TaxiBar ist bereits der elfte Roman, doch nach seinen letzten Abenteuern mit Drogen, Mafias, Rockerbanden, Menschenhändlern und Kleinkriminellen hat Kristof Kryszinski die Segel gestrichen. Schluss mit dem Detektiv spielen, er fühlt sich rundum – naja: recht – wohl als Betreiber der TaxiBar, einer Kneipe, die rund um die Uhr geöffnet hat.

Und eigentlich könnte es Kryszinski richtig gut gehen, hat ihm doch der Zufall einen vermeintlichen Lottogewinn beschert. Ein kiloschweres Paket voll mit Heroin findet man schließlich nicht alle Tage an der französischen Atlantikküste. Nur wie macht man das H zu Geld? Juretzkas Protagonist wäre nicht derjenige, der Kultstatus genießt, wüsste er nicht auf die recht ungewöhnliche Fragestellung eine Antwort. Und damit gehen die Probleme los. Sein potentieller Abnehmer wird vor seiner Kneipe mit mehreren Schüssen niedergemäht. Belgische Drogenbosse und heimische Auftragskiller sind da fast Kryszinskis kleinste Herausforderungen.

Wenn man bereits so lange an einer Krimiserie schreibt, wie es Jörg Juretzka tut, muss die Frage gestellt werden, ob dem Autor noch etwas Neues einfällt. Oh ja, und das tut es erfreulicherweise. Der Kniff, seine Hauptfigur aus dem klassischen Krimiberuf herauszuziehen, ist durchaus gelungen, eröffnet dieser doch neue Perspektiven. Wenngleich: Kryszinski bleibt wie eh und je der sarkastisch zynische Lonesome Rider aus der Ruhrmetropole.

Das übrige Personal Juretzkas ist teils bereits bekannt, oft beliebt und manchmal auch neu, wie die skurrilen Gäste am Tresen der TaxiBar. Was aber schon in den letzten Romanen Juretzkas, insbesondere Freakshow und Rotzig & Rotzig, aufgefallen ist – das mag man gut oder schlecht finden: Der Autor hat mehr und mehr eine Ernsthaftigkeit in seinen Texten entdeckt, die weit entfernt ist von der Leichtigkeit und dem Slapstick seiner Werke der späten Neunziger.

Juretzka behandelt immer häufiger relevante Themen der heutigen Gesellschaft, wobei der Witz auch hie und da auf der Strecke bleibt und mancher Lacher – so abgefahren er auch sein mag – dem Leser doch im Halse stecken bleibt.

In TaxiBar geht es vor allem um den Niedergang der Ruhrgebietsstädte mit ihren Problemvierteln und Submilieus, so wie beispielsweise die Dortmunder Nordstadt oder Duisburg-Marxloh mittlerweile über die Regionsgrenzen hinaus durch die Medien zu wenig schmeichelhaftem Ruhm gelangt sind. Dies bezieht sich insbesondere auf Ghettos vollgestopft mit zugezogenen Südost-Europäern, oder um es politisch inkorrekt auszudrücken: Zigeunern.

Dass es diese Viertel tatsächlich gibt, und dass es bestimmt nicht besser darum bestellt ist, als Juretzka schreibt, sei unbestritten. Der schonungslose Blick, den der Autor darauf wirft, macht klar: Jörg Jureztka hat eine Message und die verheißt wenig Gutes.

Damit wird der Schriftsteller letztendlich doch zu dem, was ihm eigentlich unangemesserweise schon zu seinen ersten Kryszinski-Krimis attestiert wurde: Ein Ruhrpott-Chandler, »walking down those mean streets«, irgendwo zwischen den schäbigen Hochhäusern von Oberhausen bis Lünen. Actionreich, lakonisch, bittersüß, ein Schuster der bei seinen Leisten bleibt, aber doch etwas zu routiniert, zu gewollt, und in eine neue Richtung driftend, die noch nicht bestimmt ist.

Lars Schafft, Mai 2014

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Janko zu »Jörg Juretzka: TaxiBar« 21.04.2015
Ich liebe diesen trockenen Humor, diese Schlagfertigkeit, diese spritzigen Satzverschachtelungen, die Jörg Juretzka seinem Protagonisten Kristof Kryszinski (Krüschel) in den Mund oder die Hirnwindungen legt. Gosse meats academic style! In seinem mittlerweile elften Fall geht es allerdings etwas rauer und ruppiger zu Sache und der ehemalige Privatdetektiv muss körperlich ganz schön was einstecken, was ihn wohl verbal etwas seltener dazu kommen lässt auszuteilen. Neben der immer wiederkehrenden, unabdingbaren Situationskomik, fließt dieses mal viel Tristesse mit in den Plot. Immer nah dran ist er, der Jörg Juretzka, am harten Alltag im Ruhrpott, dem Schmelztiegel der Verdammten. Der zum Alltag gewordene moralische Verfall auf dem Präsentierteller in und rund um die TaxiBar. Harte Worte, harter Tobak! Die, wie im Vollgasmodus vorgetragene Handlung ist teilweise etwas arg dick aufgetragen. Eine Aktion jagt hier die nächste. Auf knapp 220 Seiten passiert so viel, wie in manchem dicken Wälzer nicht. Zu Anfang wechseln sich zwei Erzählstränge ab, die sich nach und nach aufklären und wieder vereinen. Auch ein paar alte Bekannte sind hier wieder mit von der Partie. Alles in allem liest sich „TaxiBar“ mal wieder locker, lässig durch die Hose! Meine Wertung: 80/100.
bookman007 zu »Jörg Juretzka: TaxiBar« 25.05.2014
TaxiBar lässt zwar den früheren Kryszinski wenigstens wieder erahnen, aber ich kann dem Kommentar von Lars Schafft "etwas zu routiniert, zu gewollt, und in eine neue Richtung driftend, die noch nicht bestimmt ist" nur beipflichten. Die manchmal doch viel zu heftige "Message" der letzten Titel ist etwas in den Hintergrund getreten, so dass mehr Raum bleibt für Kryszinski und sein neues Umfeld, in dem er wenigstens ansatzweise in altbekannter Manier agiert. Fortsetzung folgt?
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