Sense von Jörg Juretzka

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 bei Rotbuch.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Ruhrgebiet, 1990 - 2009.
Folge 2 der Kristof-Kryszinski-Serie.

  • Hamburg: Rotbuch, 2000. ISBN: 3-434-54029-6. 239 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2006. ISBN: 978-3-7466-2161-6.
  • Zürich: Unionsverlag, 2012. ISBN: 978-3293205550.

'Sense' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kristof Kryszinski geht der ehrenwerten Profession eines Privatdetektivs nach, hat jedoch seine guten Jahre bereits weit hinter sich gelassen, wenn er sie denn überhaupt je erlebt hat. Selbst etwas heruntergekommen, liebt er alte japanische Schrottkarren über alles, lehnt kaum einen kräftigen Schluck ab und sucht dringend Aufträge, denn Bargeld hat er seit einiger Zeit nur von weitem gesehen. So nimmt er, wenn auch völlig verkatert, den Auftrag an, den verschwundenen Sascha »Pascha« Sentz zu finden, einen steinreichen Betreiber von Spielautomatenhallen, der nach einem abendlichen Abkassieren seiner Einnahmen nicht zu Heim und Herd zurückgekehrt ist. Kryszinskis Arbeitsmethoden erweisen sich nicht gerade als konventionell. Jeder systematischen Suche abhold, verlässt sich der Detektiv lieber auf seinen »bewährten« Instinkt. Zusammen mit Freund Scuzzi, einem Italiener ohne Italienischkenntnisse, aber äußerst gewandt im Umgang mit der Halbwelt, macht er sich auf die Suche nach Sentz. Um gleich alles zu verbocken. Doch Freund Zufall hilft. Kryszinski spürt den Automatenkönig auf, um sich sogleich mit ihm zu besaufen und am nächsten verkaterten Morgen vor dessen Leiche zu stehen. Wie erklärt man diese Geschichte den beiden Bullen, die ihn ohnehin in die Pfanne hauen wollen. Um aus dieser verfahrenen Situation herauszukommen, bedarf es nun echter Klasse.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Detektiv im Blutrausch« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Danke, Aufbau-Verlag! Nach Prickel hat nun auch Sense bei dem Berliner Verlagshaus eine Neuauflage erfahren und so erhalten alle, denen bislang diese herrlich unorthodoxen Romane um eine Ruhrpott-Existenz auf direktem Wege in den Abgrund entgangen sein sollte, eine neue Chance, diese herrlich absurden Ganovengeschichten kennen zu lernen. Schnell wird man merken, dass eine Type wie Kristof Kryszinski ein absolutes Unikat in der deutschen Krimilandschaft abgibt – eines das man lieben will.

Gerade glaubte der Ruhrpott-Ermittler Kryszinski einen dicken Fisch an der Leine, da war seine Beute auch schon dahin. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn der gesuchte Sascha Sentz liegt am verkaterten frühen Morgen mit gebrochenem Genick in Kryszinskis Küche. Für diesen Fahndungserfolg kann er natürlich nicht die 20.000 DM Belohnung einkassieren. Zu dumm, dass sich der Detektiv dank eines Filmrisses an nichts mehr erinnern kann, was am Vorabend geschah. Für die Polizei wird er somit zum Hauptverdächtigen, auch wenn er mit dem gebrochenen Handgelenk unmöglich die Kraft für die Tat haben konnte. Man lässt ihn laufen, was ihm die Gelegenheit gibt, selbst die Ermittlungen nach dem wahren Mörder aufzunehmen.

Die Suche nach dem Pascha

Zunächst mal muss Kryszinski rekapitulieren: Da war der Auftrag von Vero, der attraktivsten Rechtsanwältin der nördlichen Hemisphäre. Er sollte den Gatten der Spielhallenkönigin, der auf seiner wöchentlichen Tour durch die Spielhallen mit 250.000,- DM Einnahmen spurlos verschwunden war, wieder auftreiben. Sascha »Pascha« Sentz ist aber allgemein auch als Zocker bekannt gewesen, weswegen Kristofs erster Weg zu seinem Dealer Scuzzi führte. Und der telefonierte gerade auch noch mit dem Pascha. Das Duo Infernale macht sich auf zu einer Verfolgungsjagd durch die Zockerhöllen des Ruhrgebiets und Kryszinski schafft sich in dieser Nacht Feinde. Aber er findet letztlich auch den Pascha …nur wer hat ihn dann in Kryszinskis Küche umgebracht?

Was Autor Juretzka seinen Lesern serviert ist eine unverblümte Kombination von Wortwitz und Sprachgewalt. Mit dem lakonischen Antihelden Kryszinski schickt er einen der außergewöhnlichsten Ermittler ins Rennen im Kampf für die Gerechtigkeit. Wo sonst kann ein Drogensüchtiger, dessen bester Freund zugleich sein Dealer ist, so viele Sympathien auf seine Seite bringen. Mit seiner unbekümmerten und teilweise sorglos naiven Weltsicht erhellen die Einsichten und Ansichten des Mühlheimer Detektivs, der als Ich-Erzähler auftritt, die Laune eines jeden Lesers. Seine Alkohol- und Kokain-Exzesse kann man einem Chaoten wie Kryszinski dank des Erzählstils nicht übel nehmen

Hinzu kommt eine runde Story, die alles an Spannung und Action aufweisen kann, was ein guter Krimi benötigt. Es gibt Schlägereien, Verfolgungsjagden in gestohlenen Autos, nächtliche Einbrüche und Observationen und schließlich einige überraschende Wendungen und Schlussfolgerungen. Zudem zeigt der Autor sein Können indem er seine sprachliche Begabung eigentlich in jedem Satz durchblicken lässt. »Sense«, das ist pure Unterhaltung von der ersten Seite an.

Thomas Kürten, August 2006

Das meinen andere:

»Juretzka ist der amerikanischte unter den deutschen Krimiautoren. Sein lakonisch präziser, fast immer witziger Stil, erinnert an Kinky Friedman oder Hunter S. Thompson.« (Die Welt)

»Der wahre Held dieses Ruhrpott Tangos ist die Atmosphäre. Juretzka kennt eben sein Milieu.« (Hamburger Abendland)

Ihre Meinung zu »Jörg Juretzka: Sense«

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RiaKlug zu »Jörg Juretzka: Sense« 07.08.2011
Der Junge aus der Krachmacherstraße
Jörg Juretzka lässt es krachen.
Es ist schon erstaunlich, mit wie viel Lust Juretzka Anarchie im Straßenverkehr verbreitet. Erstens ist sein Prota Kristof Kryszinski dauernd von diversen Rauschmitteln benebelt und fährt zweitens genauso dauernd herum. Fahren hat er anscheinend bei den Autoscootern auf dem Jahrmarkt gelernt, denn dabei ereignet sich eine nicht enden wollende Kette von Missgeschicken.
Zum krachenden Finale schrottet er auch noch den Ferrari seines Widersachers.
Das ist der Stoff, aus dem Jungenträume gemacht sind.
All das ist flott und witzig erzählt und mit etlichen Ausfällen gegen gegen dies und das garniert. Ganz nebenbei entwickelt er noch einen unterentwickelten Kriminalfall, der jedoch nur als Tapete und Verklammerung der Vorfälle dient. Der löst sich auch eher zufällig, nachdem er vorher kaum Tiefe erreicht. Das macht aber nichts, denn darum geht es eigentlich nicht.
Im Grund ist es eine Semiparodie auf den trinkenden und dauerklammen privateye des klassischen Kriminalromans.
Fazit: Gute Unterhaltung, wenn man ein Faible für Sarkasmus und Anarchie hat.
Janeina zu »Jörg Juretzka: Sense« 18.02.2011
Mir ist "Sense" zufällig in die Hände gefallen, als ich eigentlich nach einem anderen Ruhrpott Krimi gesucht habe. Ich kann nur sagen - zum Glück!!!
Ich wurde von den ersten Seiten an gepackt und konnte es kaum aus der Hand legen. Die unerwarteten Wendungen und irrwitzigen Situationen machen nicht nur diesen Fall so spannend.
Mir war sofort klar, von diesem kaputten Typen muss ich unbedingt mehr haben!
Ich hoffe, dass Krystof noch viele verrückte Fälle übernehmen wird.
el_tacco zu »Jörg Juretzka: Sense« 26.08.2010
Kristof soll Sascha, den Spielhallenkönig, ausfindig machen. Saschas versoffenne Frau bietet ihm 20 für den Fund ihres Gatten. Noch in der darauf folgenden Nacht findet er Sascha. Mit ihm zusammen macht er diese Nacht noch ordentlich einen drauf und Sascha pennt in Kristofs Küche auf einer alten Lustmatratze. Am nächsten Tag ist Sascha tot. Schluss, aus. Sense. Genick durch. Und wer ist Hauptverdächtiger...Kristof natürlich.

Im folgenden versucht Kristof mehr oder weniger Beweise dafür zu finden, dass jemand anderes Sascha umgebracht hatte. Doch bis zum bitteren Ende tappt er im Dunkeln.

Auf dem weg dorthin hat er es nicht leicht und mit so manchen übelen Charakteren zu tun.
Am Ende sind Kristofs beide Arme fürs erste Matsch, die Nase gebrochen, der Bustkorb wie ein angeditschtes Ei und der Kehlkopf fast komplett hinüber, doch der Fall ist gelöst.

90°
Yogi zu »Jörg Juretzka: Sense« 25.04.2010
Als ehemaliger Mülheimer kommen mir viele Schauplätze bekannt vor. Allerdings habe ich nie jmd kennengelernt, der die Strassen ausserhalb seiner Stadtgrenzen wirklich kennt. Nicht so Kristof. Er kennt alles. Naja ist halt ein Roman. Die Story ist ok. Die Sprache und die Wortspiele sind teilweise hammerhart, manchmal daneben. Wer das RG nicht kennt, wird manches nur mit einem Kopfschütteln betrachten. Ein Glossar für nicht Pottler könnte helfen. Ist zwar nicht so schlimm/gut wie bei Jürgen Leinemann in seiner Ruhe an der Ruhr, aber manche Wörter sind im Rest der Republik halt unbekannt. Aber das macht den Charme des Buches aus. Lesenswert für alle die schräge Krimis mögen.
Frank zu »Jörg Juretzka: Sense« 17.07.2009
Kristof Kryszinski ist eigentlich ein Zeitgenosse, dem man am liebsten nur von hinten sehen würde. Der Privatdetektiv ist heruntergekommen, Drogen aller Art nicht abgeneigt und chronisch pleite.
Allerdings für gewöhnlich mit einem fulminanten Wortwitz gesegnet.
Doch nun sieht er Licht am Horizont. Für eine hübsche Summe Geld soll er den verschwundenen Spielhallenbetreiber "Sascha »Pascha« Sentz " auftreiben.
Doch Kryszinski wäre nicht Kryszinski wenn von nun an nicht alles so schief gehen würde wie es nur möglich ist.
Auch der zweite Roman um den Ruhrpottdetektiv ist ein Volltreffer. Juretzka hat es geschafft mich fast jede Seite einmal (oder mehrfach) zum Lachen zu bringen, schafft es aber, die Geschichte selbst nicht lächerlich werden lassen.
Obwohl die Handlung nict wirklich wichtig ist - der "Star" ist ganz klar K.Kryszinski .
Und ja...das ist auch gut so.
90%.
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Swen Piper zu »Jörg Juretzka: Sense« 20.02.2009
Dieses Mal drückt der gute JJörg Juretzka etwas zu sehr auf die Tube und greift zu tief in die Klischee- und Mottenkiste. Das wäre alles nicht so schlimm, wenn die Story wenigstens spannend erzählt wäre. Da hilft auch Juretzka’s großes erzählerisches Talent nicht mehr weiter. Das Buch ist eine Klasse schlechter als Prickel, nur der Humor reicht an sein Debüt heran
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Rolf.P zu »Jörg Juretzka: Sense« 27.06.2008
Was Jörg Juretzka seinen Lesern serviert ist eine unverblümte Kombination von Wortwitz und Sprachgewalt, hinzu kommt eine runde Story, die alles an Spannung und Action aufweisen kann, was ein guter Krimi benötigt.
Es gibt Schlägereien, Verfolgungsjagden in gestohlenen Autos, nächtliche Einbrüche und Observationen und schließlich einige überraschende Wendungen und Schlussfolgerungen. Zudem zeigt der Autor sein Können indem er seine sprachliche Begabung eigentlich in jedem Satz durchblicken lässt.
„Sense", das ist pure Unterhaltung von der ersten Seite an.

Wenn einem die verspielte und sprachlich superbe Darstellung eines unkonventionellen Detektivdaseins in einer heutigen Grosstadt mehr interessiert als eine abgelutschte Kommissar sucht Mörder Story, und wenn man gerne lacht, während dem Lesen dann ist man mit diesem Buch gut bedient.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Pascal zu »Jörg Juretzka: Sense« 12.07.2005
Danke Herr Juretzka. Sie haben mich zum vierten mal mehr als begeistert und mir sehr amüsante Stunden geschenkt.

Nicht ganz so flüssig wie Prickel oder Willy ist weg, aber dennoch herrlich erfrischend und immer für einen Lacher gut.

Für diejenigen, die noch keinen Krysinski-Roman gelesen haben, und sich wundern, weshalb ich nichts zur Handlung sage: Es braucht keine.
2 von 7 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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