Rotzig & Rotzig von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2010
bei Rotbuch.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Ruhrgebiet, 1990 - 2009.
Folge 9 der Kristof-Kryszinski-Serie.
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Berlin: Rotbuch, 2010.
ISBN:
978-3867891035. 256 Seiten. -
Zürich: Unionsverlag, 2011.
ISBN:
978-3293205420. 247 Seiten.
'Rotzig & Rotzig' ist erschienen als
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In Kürze:
Der Mülheimer Wohnpark Nord ist genau das, was man gewöhnlich als sozialen Brennpunkt bezeichnet: Armut, Kriminalität und Drogen. Ausgerechnet hier soll Kristof Kryszinski als Hausmeister getarnt eine Einbruchserie aufklären. Zur Begrüßung knallt ihm erst einmal sein Vorgänger vor die Füße gestürzt aus dem 10. Stock eines Hochhauses. Bloß die effektvolle Kündigung eines miesen Jobs? Hinter den Diebstählen scheinen die Rotzlümmel Yves und Jean zu stecken. Überführt und in ein Kinderheim gesteckt, gelangen die Zwillinge aber verdächtig schnell nach Luxemburg in die Pflegefamilie eines reichen Diamantenhändlers. Die Idylle trügt, und Kryszinskis Fall beginnt so richtig, als er den Jungs folgt und einem Kinderschänderring auf die Schliche kommt, der sich bis in höchste Kreise erstreckt …Der neunte Fall, wieder typisch Kryszinski abgedreht, lässig, Kult!
Die Zeit muss man sich erstmal bewusst machen: Seit zwölf Jahren scheucht der Mülheimer Autor Jörg Juretzka seinen Privatschnüffler Kristof »Krüschel« Kryszinski schon durch Drogenhöllen, Kneipen und ruhrige Hinterhöfe. Herumgekommen sind dabei nicht nur mit Rotzig & Rotzig mittlerweile neun packende Kriminalromane, sondern auch drei Deutsche Krimipreise. Es wäre nicht verwunderlich, käme nun der vierte dazu. Denn Juretzka bleibt sich treu und trumpft trotzdem mit einer kontinuierlichen Weiterentwicklung auf.
Der Mülheimer Wohnpark Nord ist genau das, was man gewöhnlich als sozialen Brennpunkt bezeichnet: Armut, Kriminalität und Drogen. Eine »Hood« mit ihren ganz eigenen »Hoodies« halt. Ausgerechnet hier soll Kristof Kryszinski als Hausmeister getarnt eine Einbruchserie aufklären. Zur Begrüßung knallt ihm erst einmal sein Vorgänger vor die Füße, gestürzt aus dem 10. Stock eines Hochhauses. Doch die beiden Zwillinge Üffes und Sien (eigentlich Yves und Sean, was für eine Kombination), die anscheinend hinter den Diebstählen stecken, werden schnell gefasst und wandern unverzüglich in eine Luxemburger Pflegefamilie. Die Idylle trügt, und Kryszinskis Fall beginnt so richtig, als er den Jungs folgt und einem Kinderschänderring auf die Schliche kommt, der sich bis in höchste Kreise erstreckt.
Rotzig & Rotzig zeigt deutlich Juretzkas Reifung der Schreibe auf. Zwar fehlen auch in seinem neunten Krüschel-Roman die Slapstick-Momente nicht, die Situationskomik ist stellenweise herrlich haaresträubend. Doch die Thematik lässt einem dann doch hier und da das Lachen im Halse stecken bleiben. Kindesmissbrauch, die Schilderung sozialer Abgründe – da wollen die erwarteten Schenkelklopfer nicht auftauchen. Rotzig & Rotzig wirkt als der erwachsenste Roman Juretzkas.
Was auch auf seinen Helden Kristof zutrifft: Aufs Holsten aus dem Kühlschrank verzichtet jener zwar immer noch nicht, aber die Abstürze mit Schnaps und Koks bleiben aus. Dafür präsentiert er sich als archetypischer Private Eye aus dem Pott: Nie um einen flotten Spruch verlegen, übermütig wie eh und je, selbsthumorvoll bis sich die Balken biegen. Vor allem aber: Kryszinski ist ein richtiger Romantiker geworden. Unrecht kann er überhaupt nicht ertragen, gerade wenn es um Kinder geht, und gerade, wenn ausgerechnet er ihnen eine unglaublich unappetitliche Suppe eingebrockt hat. Genregemäß gehört natürlich auch dazu, dass der als Privatdetektiv getarnte Romantiker seine ganz persönliche Romantik eben doch nicht findet. Wenngleich das Schlusskapitel durchaus etwas davon mitbringt – freilich à la Juretzka.
Ansonsten bietet Rotzig & Rotzig all das, was einen Juretzka auszeichnet: Flapsige Dialoge, schillernde Typen, Action satt mit der obligatorischen Verfolgungsjagd und jeder Menge Humor – allerdings mit deutlich weniger Klamauk als in den ersten Romanen. Macht nichts, im Gegenteil. Jörg Juretzka hat etwas geschafft, was nur ganz wenigen Autoren gelingt. Man würde ihn als Autor schon nach nur einem Absatz identifizieren. Er hat sich einen einmaligen Stil erschrieben. In jeder Hinsicht.
Lars Schafft, April 2010
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