Prickel von Jörg Juretzka

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 bei Rotbuch.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Ruhrgebiet, 1990 - 2009.
Folge 1 der Kristof-Kryszinski-Serie.

  • Hamburg: Rotbuch, 1998. ISBN: 3-88022-455-2. 301 Seiten.
  • Berlin: Aufbau, 2004. ISBN: 3-7466-2081-3.
  • Hamburg: Rotbuch, 2007. Neuauflage. ISBN: 978-3867890045. 301 Seiten.
  • Berlin: Rotbuch, 2011. ISBN: 978-3867891462. 304 Seiten.

'Prickel' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Prickel ist ein bißchen langsam und kriegt selten einen ganzen Satz auf die Reihe. Sein Freund Det ist schlauer und nimmt ihn nach einer Kneipentour mit zu Nina. Dann ist Nina tot, und Prickel steht mit einem blutigen Messer in der brennenden Wohnung. Det hat sich verabschiedet. Der »Schlächter von Bottrop« wird in die Irrenanstalt eingeliefert. Die schönste aller Anwältinnen Mülheims und vielleicht sogar des ganzen Reviers beauftragt den schäbigsten aller Privatdetektive, den dauerverkaterten Ex-Knacki und Ex-Junkie Kristof Kryszinski. Er soll nach Entlastungsmaterial für Prickel suchen. Entsprechend hemdsärmlig sind seine Methoden. Zwischen Frühschoppen mit Autoschraubern, Lunch-Joints mit Computer-Fantasy-Freaks und Schlummertrunks mit Motorrad-Polizistinnen reitet er mit getunten Schüsseln durch das Stadtgestrüpp zwischen Mülheim und Ratingen. Eine unausrottbare Allergie gegen Knäste aller Art läßt in ihm einen aberwitzigen Befreiungsplan für Prickel reifen …

Das meint Krimi-Couch.de: »´Das find ich aber gar nicht prickelnd.´« 76°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Jeder fängt mal klein an? Nicht so Jörg Juretzka, denn für seinen Debütroman Prickel wurde er 1999 mit dem Deutschen Krimipreis geehrt. Und Prickel bildete dabei nur den Auftakt der erfolgreichen Serie um den Ruhrpott-Marlowe Kristof Kryszinski. Ein Privatdetektiv, der nicht nur gegen Unrecht und Verbrechen, sondern auch gegen political correctness zu Felde zieht.

Doch zunächst einmal beginnt alles sehr verhalten. Kryszinski scheint der typische, ewig klamme Detektiv zu sein, der jeden Cent (nein – damals waren es noch Pfennig) in seiner Tasche gebrauchen kann. Dabei ist er angewiesen auf verschiedene Anwälte, die ihn mit Ermittlungen betrauen. Als er von einem windigen Schrottplatzhändler und nebenbei guten Freund den Auftrag erhält, gestohlene Motoren für eine Prämie von 5.000,- DM zu suchen, macht sich einer wie Kryszinski voller Elan ans Werk.

Gleichzeitig lernt der Leser in kursiv gesetzten Absätzen Bernd Roselius kennen. Roselius ist ein etwas langsam denkender Zeitgenosse, dem die Sätze nicht so recht über die Lippen kommen wollen und der so gerne eine Freundin hätte. Aufgrund seines Lieblingssatzes »Das find ich aber gar nicht prickelnd.« wird er von seiner Umwelt nur noch »Prickel« genannt. Prickel lernt Det kennen, der ihn eines Abends vor einer Schlägerei bewahrt und ihm fortan nicht mehr von der Seite weicht. Bis Det eines Abends eine Frau in ihrer Wohnung umbringt und danach das Haus in Brand steckt – und Prickel darin einschließt. Von der Polizei wird Prickel als Mörder verhaftet und umgehend in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Denn da Prickel nicht gerade schnell denken kann, halten ihn die Polizisten für eindeutig geistig verwirrt. Anwältin Veronika van Laar bittet Kryszinski um einen Gefallen, nämlich Prickels Unschuld zu beweisen, was dem Detektiv bei dem lukrativen anderen Fall nicht gerade passend kommt.

Kryszinski clean

Juretzka braucht relativ lange, bis er mit seinem Debütroman die Leser für sich gewinnen kann. Fast hundert Seiten lang drängt sich der Eindruck auf, dass der Autor selber noch nicht so richtig warmgeschrieben war. Es stockt noch im Getriebe, die Geschichte nimmt nur recht zögerlich Fahrt auf. Der Wortwitz, für den der Mühlheimer Autor bekannt ist, entwickelt sich anfangs beinahe ausschließlich auf Kosten von Prickel, der als Behinderter ein ziemlich einfaches Ziel für falschen Humor ist. Doch dieses Bild wechselt sehr schnell, sobald die Kursivtexte aufhören, in denen die Geschichte von Prickel erzählt wird. Erst dann dreht Juretzka so richtig auf und präsentiert einen Kryszinski in Höchstform – vielleicht auch in Höchstform, weil er bis auf den ein oder anderen Tropfen Alkohol und den unvermeidlichen Kater am nächsten Morgen sämtliche Exzesse seines Helden mit harten Drogen im Gegensatz zu den späteren Romanen auslässt.

Prickel  ist Auftakt einer Serie, die nicht in chronologischer Reihenfolge gelesen werden muss. Die Kryszinski-Romane sind getrieben von einer lakonischen und sehr humorbereiten Sprache, während die Weiterentwicklung der Hauptfigur nicht den Kern der Handlung bildet. Die Situationen, die Kryszinski durchlebt, sind alltagstauglich und erhalten von dem doch recht fatalistisch eingestellten Detektiv den notwendigen humorvollen Anstrich. Bissige Bemerkungen zu absurden Lebenslagen sowie ausgefallene Aktionen bei der Suche nach der Wahrheit liefern die Grundlage für die in dieser Form in Deutschland relativ konkurrenzlosen Krimis Juretzkas.

Thomas Kürten, August 2007

Ihre Meinung zu »Jörg Juretzka: Prickel«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Gordon Shumway zu »Jörg Juretzka: Prickel« 03.01.2016
Ein Buch, daß ich sehr oft aus der Hand legte... weil ich sonst durch den ansteigenden Lachanfall das Buch völlig versaut hätte. Das wollte ich aber nicht, denn dazu war ich viel zu geil auf jede weitere Seite. Die Geschichte und der Schreibstil sind wie ein Feuerwerk in der Wüste. Unübersehbar, brilliant und kurzweilig. Ich brauche unbedingt noch mehr Stoff dieser Qualität. :-)
Edith Sprunck zu »Jörg Juretzka: Prickel« 14.11.2014
Der Krimi ist zwar schon 16 Jahre alt, aber keineswegs veraltet, sieht man von der DM ab, mit der noch gezahlt wird. Danke der KC, die mich zum Kauf von Prickel und der ganzen folgenden Serie mit Kristof K. animiert hat! Die Erzählweise ist erfrischend anders als bei den üblichen Krimis, mit Energie geladen, temporeich, spannend, spritzig und mit einem durchgehenden, aber keineswegs erschlagenden Thema behaftet, das immer aktuell ist: Menschen mit Behinderung und der Umgang mit ihnen. Sprühender Humor und Kreativität durchziehen die Handlung von Anfang bis Ende. Absolut lesenswert - auch heute noch!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
el Tacco zu »Jörg Juretzka: Prickel« 17.08.2010
Geiler Schinken. Von mir gibts 100°

Prickel ist ein wenig komisch. Er bekommt nicht wirklich viele Worte heraus. Ein echter Freak halt. Sein Leben fängt an etwas spannender zu werden, als er auf Det trifft. Etwas zu spannend...Det zerstückelt eine Nutte, drückt Prickel das Brotmesser in die Hand, zündet die Dachgeschosswohnung der Hure an und verpisst sich.

Prickel sitzt nun als praktisch überführter Täter im Irrenhaus und wird mit einem breiten Spektrum an Uppers und Downers "therapiert". Kristof soll sich nun diesem Fall widmen, unentgeldlich versteht sich, kann er doch der geilsten Anwältin des Pots, Veronika, keinen Gefallen abschlagen. Dieser notgeile Bock von Kryszinski aber auch.

Eigendlich hat er was besseres, weil bezahltes zu ermitteln. Es geht um geklaute Automotoren und einen Hund.
Bald aber schon wird der Fall Prickel zu einer Herzensangelegenheit und Kristof tut alles, aber auch wirklich alles, um Prickel aus dieser Hölle zu befreien.

Das BESTE Werk von Jurtzka. Die blanke Sahne, kann ich nur sagen.
Juretzka hat es geschafft. Er hat den deutschen Krimi erfunden.
mabu zu »Jörg Juretzka: Prickel« 06.12.2009
Ich muss mich immer noch vom Lachen erholen, dabei bin ich seit über einer halben Stunde fertig mit dem Buch. Meine Lachmuskeln haben es aber noch nicht wirklich verstanden.

Wenn ein Autor es versteht, mit abstrusesten Übertreibungen aufzuwarten und Charaktere ins Rennen schickt, für die es einfach keine wirkliche Bezeichnung gibt, dann wohl der Herr Juretzka aussem Pott. Richtig, er schreibt wie gesprochen wird, aber das muss man auch erstmal so gekonnt aufs Papier bringen können.

Dabei gibt es - quasi gratis - wirklich eine spannende Handlung zu verfolgen. Nicht eine Zeile hat mich gelangweilt, keine endlosen Beschreibungen, sondern definitiv kurz und passend wurde beschrieben, was beschrieben werden mußte.

Fazit: Kurzweilige Handlung, viel, sehr viel Humor, ungemein schräge Typen und viel Originelles, abgerundete Story, köstliche Lebensweisheiten...das alles in einem Buch. Wat 'n Schnapper. Wie Kristof sagen würde.

Klar...100° mit Sternchen.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frank zu »Jörg Juretzka: Prickel« 27.05.2009
Nö...ich fand weder den Anfang - noch sonst irgendeinen Teil des Buches langweilig/schleppend etc.
Im Gegenteil.
Juretzka schickt Kristof Kryszinski in`s Rennen. Und das macht er von der ersten Seite an sehr geschickt.
In einer schnodderigen Sprache erzählt er die Geschichte des Ex-Junkies/Knackies und jetzigen Privatdetektivs, der versucht, einen wohl zu Unrecht verhafteten (vermeintlichen) Frauenmörder zu entlasten.
Man taucht ein in das Ruhrgebiet (Handlungsort), trifft skurille Gestalten (ich musste mehrfach an die "Ludolfs" denken), und entwickelt Sympathien für die schrägen Protagonisten.
Lange unentdeckt auf meinem Sub gelegen, werde ich mir mal direkt die Folgebände anschaffen.
Klare Empfehlung.
90%.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
vfl1848er zu »Jörg Juretzka: Prickel« 09.02.2009
Werte Mitleser
wer dieses Buch anfängt brauch erstmal einen langen Atem ,aber mit zunehmender Seitenzahl läuft es wie geschmiert und entwickelt sich zu einem TOPKRIMI!
Selbst die letzte Seite birgt noch eine extra Pointe!
Wortgewalt und Sprachwitz kommen zwar nicht ganz an meinen Lieblingsautor Chhrist
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Rolf.P zu »Jörg Juretzka: Prickel« 20.07.2008
Jörg Juretzkas Detektiv Kristof Kryszinski ermittelt zwischen Schrottplatz und Psychatrie, zwischen Kneipe und Vorgartenidylle, zwischen Mülheim und Recklinghausen.
Was Jörg Juretzka seinen Lesern serviert ist eine unverblümte Kombination von Wortwitz und Sprachgewalt, hinzu kommt eine runde Story, die alles an Spannung und Action aufweisen kann, was ein guter Krimi benötigt.
An der Geschichte stimmt einfach alles. Figuren, Plot, Logik, Spannung, Fantasie, Sprache, Lokalkolorit, sogar die Katze ist ein Star.
Ich habe mich abgerollt auf der Seite, in der die Katze ihr 88-strophiges Klagelied über ihren leeren Futternapf singt.
Juretzka ist der wohl amerikanischste unter den deutschen Krimischriftstellern.

Glaubt alles Positive, was euch je über dieses Buch erzählt wurde, und lest es!
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Angelo zu »Jörg Juretzka: Prickel« 16.10.2006
Tatsächlich scheint sich Juretzka on the road zu machen um in den erlauchten Kreis der "Kultautoren" aufgenommen zu werden. Sein Roman ist prickelnd (in Anlehnung an seinen unfreiwilligen Protagonisten): zum Lachen (über originelle Abläufe und sensationelle Metaphern), Grinsen, Schmunzeln (über Allzumenschliches), Nachdenken, Ärgern (über einige allzu boulevardmässig gekünstelte Formulierungen und herrlich unkorrekte Macho-Entgleisungen)... Was will man mehr, wenn man sich angeregt mit verstecktem Tiefgang, Witz und Spannung unterhalten will??
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Swen Piper zu »Jörg Juretzka: Prickel« 10.06.2006
Der Debütroman Juretzka’s, mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet erinnert einwenig an die Krimis von Jarkub Arjouni: Ein cooler Dedektiv, der sich im Untergrund bestens auskennt, schlägt sich mit den Mächtigen der Welt……….. und gewinnt. Juretzka streut zusätzlich einen sehr trockenen Witz ein, der das Buch zumindest stellenweise zu einem Lesevergnügen macht.
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
SteveO zu »Jörg Juretzka: Prickel« 02.02.2006
Sehr empfehlenswert für Freunde des kuriosen und geradlinigen Krimis. Jörg Juretzkas Erstlingswerk (geschrieben nach „Sense“, veröffentlich jedoch davor) strotzt nur so von kuriosen Charakteren und schwärzestem Humor. Ich empfand das Buch als sehr kurzweilig und habe es in 2-3 Abenden durchgelesen – am liebsten hätte ich es schon am ersten Abend gar nicht mehr aus der Hand gelegt! Malt man sich einige der beschriebenen Szenarien vor dem geistigen Auge aus, wird ein prustendes Lachen kaum zu unterdrücken sein!

In einem Interview meinte Juretzka bezüglich einer Verfilmung seiner Kryszinski-Reihe, er könne sich Ralf Richter gut in der Rolle des chronisch klammen Privatdetektivs vorstellen – allein die Vorstellung versetzt mich in gebanntes Warten auf die filmische Umsetzung!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.

Dies sind nur die ersten 10 Kommentare von insgesamt 14.
» alle Kommentare anzeigen

Ihr Kommentar zu Prickel

Hinweis: Fragen nach einem fertigen Referat, einer Inhaltsangabe oder Zusammenfassung werden gelöscht.

Seiten-Funktionen: