Bis zum Hals von Jörg Juretzka

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Ruhrgebiet, 1990 - 2009.
Folge 7 der Kristof-Kryszinski-Serie.

  • Berlin: Ullstein, 2007. ISBN: 978-3-548-26670-1. 320 Seiten.

'Bis zum Hals' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kristof Kryszinski, Privatdetektiv in Mülheim an der Ruhr, ist zum Glück gerade mal nicht betrunken, als ihm nachts ein Mann vors Auto gestoßen wird. Der Unbekannte ist sofort tot und Kryszinski droht der Knast. Seine Suche nach den Mördern des Mannes führt ihn in die übelsten Ecken des Ruhrpotts und in so manche Zwangslage, aus der er sich nur durch Konsum lebensgefährlicher Mengen schwarzgebrannten Wodkas befreien kann. Dann steht plötzlich die Witwe des Toten vor Kryszinskis Tür. Und sie ist so schön, dass jeder Mann für sie töten würde – oder sterben …

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Fluch des Ruhrpotts ermittelt wieder in der Heimat« 82°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Still ist es um Jörg Juretzka geworden. Die Ausflüge von Juretzka in die Alpen, auf ein Kreuzfahrtschiff und zuletzt in den Wilden Westen sind längst verdaut und gerade nach Wanted war die Frage groß, ob und wie es mit dem ewig klammen Detektiv aus dem sympathischen Mülheim an der Ruhr weiter gehen kann. Es hat ein wenig gedauert, bis Juretzka im September 2007 mit Bis zum Hals seine Antwort vorlegt. Kristof Kryszinski darf endlich wieder in seinem angestammten Revier ermitteln.

Während sich Kryszinski in seinem gammeligen Toyota ärgert, dass ihm Autohändler Vonscheidt sein Honorar nicht zahlen will (was eigentlich auch gut nachvollziehbar ist, denn seine verschwundene Frau kam aus eigenem Antrieb zu ihm zurück und ohne Zutun Kryszinskis), wird dem Mülheimer Privatdetektiv ein Mann vor den Wagen geschmissen. Der Russe Dimitrij ist sofort tot und wäre Kryszinski nicht zufällig gerade mal clean und nüchtern, hätte ihn die Polizei – in Person der altbekannten Kommissare Menden und Hufschmidt – am liebsten für immer eingebuchtet. Zwar glauben die beiden Kryszinski die Geschichte vom Mord nicht und gehen lieber von einem Unfall aus, lassen aber den gut bekannten und harmlosen Junkie und Säufer wieder laufen. Kryszinski, vom eigenen Ehrgefühl gepackt, begibt sich auf die Suche nach den beiden schrägen Gestalten, die sich in einem Audi vom Tatort gemacht haben.

Juretzkas legere Schreibe wie immer grandios

Im Russenmilieu zu ermitteln heißt Wodka in Unmengen zu vertilgen. Kein anderer Ermittler könnte hier bestehen und auch Kristof Kryszinski muss an seine Grenzen gehen, um erste Anhaltspunkte über Dimitrij und seine Kontakte in Deutschland zu entdecken. Sein Ehrgeiz wird durch das Auftauchen der schönen Anoushka, einst Dimitrijs Frau, noch mehr angestachelt. In Kryszinskis Pupillen hüpfen die Herzchen, aber die Holde will partout nicht bei ihm übernachten. Verfolgt von Killern der russischen Mafia, drei halbstarken BMX-Rockern und einer Horde Motorradrockern, die inzwischen die Schwulenbars im Ruhrgebiet betreiben, setzt der Privatermittler die Fragmente eines verzwicken Falles zusammen, wobei es um weit mehr als einen vorgetäuschten Autounfall geht.

»Die Sonne hob ihr schwelendes Auge über einen Horizont aus Strommasten und Mobilfunkantennen, boshaft entschlossen, einen weiteren, endlosen Tag lang Leim aus den Knochen der Lebenden zu sieden.« 

Juretzkas Ruhrpott erhält seinen ganz besonderen Charme durch die legere Ausdrucksweise des Mülheimer Autors. Ein anderer deutscher Schriftsteller, der in auch nur annähernd ähnlicher Manier mit Stilblüten und flapsigen Kommentaren um sich schmeißt, muss erst noch geboren werden. Da ist Juretzka absolut konkurrenzlos. Und in Bis zum Hals läuft Juretzka wieder zu großer Form auf. Auf jeder Seite ein Schenkelklopfer. Action und Humor, gepaart mit einer Lovestory, schrägen Typen und Bezügen zum gesellschaftlichen Zeitgeschehen. Doch ist Bis zum Hals mehr als Slapstick, vielleicht sogar der konventionellste der Kryszinski-Reihe. In Juretzkas Romanen wird jedenfalls spannend-komische Unterhaltung zum Hochgenuss.

Thomas Kürten, Oktober 2007

Ihre Meinung zu »Jörg Juretzka: Bis zum Hals«

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Frank zu »Jörg Juretzka: Bis zum Hals« 02.08.2010
Kryszinski hat mal wieder nicht seinen besten Tag erwischt. Da ist er schon mal völlig nüchtern, prompt "läuft" ihm ein Mann vor die Karre. Klar. Tot.
Krüschel versucht die Identität des Verstorbenen zu klären und legt sich nebenher mit der Russenmafia, den Hells Angels - und natürlich der örtlichen Polizei an.
Wie immer bekommt die Story ihren besonderen Reiz durch den Wortwitz Juretzkas und durch eine Vielzahl skuriller Charaktere (großartig: Tina - die Webpelzschabracke). Und ebenfalls wie immer kommt zu keinem Zeitpunkt Langeweile auf.
Auf Krüschel ist halt Verlaß.
85%.
el Tacco zu »Jörg Juretzka: Bis zum Hals« 31.05.2010
Auch ein sehr gutes Werk. Von mir gab es 95°

Wie bei jedem Juretzka muss man schon des öfteren kurzzeitig das Lesen unterbrechen und fertiglachen. Aber das ist ja schon standart bei ihm.

Faszinierende Story. Packend. Spannend. Witzig. Überraschend. Besonders faszinierend fand ich den Umstand, dass Kryszinski die ganze Zeit über kurz vor dem Abnippeln war, aufgrund seiner nicht abgeheilten Magen-Operations-Narbe.

--> LESEN !!!
Kottan zu »Jörg Juretzka: Bis zum Hals« 22.02.2010
Danke Köpper, du sprichst mir aus der Seele.
Die Gesamtkomposition dieses Krimis ist unerreicht: Sprachwitz, Metaphern, die einen aus den Socken hauen, die schrägen Vögel und das definitive Nichtvorhandensein von Längen.
Die Verfolgungsjagd mit einem Smart ist sensationell geschrieben. Ich hatte Bauchweh vom Lachen.
Endlich hat der Autor auch einen Preis bekommen: 3. Platz beim Deutschen Krimipreis 2010 (allerdings mit dem Nachfolgekrimi, der fast so gut ist)
koepper zu »Jörg Juretzka: Bis zum Hals« 20.02.2010
KryszinsKryszinskiki legt sich mit Gott und der Welt an und muss viel einstecken in diesem sehr guten Krimi von Jörg Juretzka. Vor allem die sprachlichen Fähigkeiten des Autors haben mich begeistert. Die Dialoge sind einfallsreich und voller Witz. Ein Sammelsurium schräger Typen wird uns präsentiert, das ist beste Unterhaltung. Am schrägsten von allen ist Kryszinski selbst, eine phantastische Gestalt. Gut gefallen hat mir auch das Tempo, das der Autor anschlägt,keine Längen, keine Langeweile. Das war mein erstes Buch von Juretzka, sicherlich nicht mein letztes. Absolute Empfehlung.
Mel zu »Jörg Juretzka: Bis zum Hals« 24.04.2009
Nachdem die anderen Romane auch schon richtige Kracher waren, würde man schwer einen oben drauf setzen können. Aber Krüschel ist auch in diesem Roman in topform und gibt alles. Literarische Brillanz gepaart mit wahnwitzer Spannung lassen diesen Roman zum absoluten Highlight werden!
Mehr geht nicht, oder doch?!
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
buchente zu »Jörg Juretzka: Bis zum Hals« 14.10.2007
Was für ein Sonntag,
morgens mit Juratzkas "Bis zum Hals" begonnen und am frühen nachmittag beendet... so schön können Sonntage sein.
Mein 4.ter oder 5.ter Juretzka und für mich der Beste aller Zeiten.
"Prickel" war STARK, "Willi" war KLASSE und "Bis zum Hals" ist die KRÖNUNG.
Und wie jeder aus seiner Kindheit wissen sollte, man sollte immer etwas Krönung im Hause haben.
Scherz beiseite, selten habe ich mich so gut und kurzweilig unterhalten gefühlt,
Ich kann dieses Buch wirklich nur empfehlen, allen, die wie ich im Ruhrgebiet leben uns es lieben, und allen die das Ruhrgebiet lieben lernen möchten.
Danke Jörg Juretzka, vielen Dank!
Thomas zu »Jörg Juretzka: Bis zum Hals« 30.09.2007
Ich mag Krimis so gar nicht. Aber "Bis zum Hals" musste ich in einer Tour durchlesen und Juretzka-Fan bin ich obendrein noch geworden. Die Sprache hat mich im Sturm erobert: frech, lakonisch, rasant, prall voll von ungewöhnlichen, aber treffenden Vergleichen und lässig-humorigen Sprüchen. Intelligent aber nicht überheblich. Endlich ein Krimi, den ich als Buchhändler mit gutem gewissen empfehlen kann. Und dazu noch von einem deutschen Autoren!
Holger_Köln zu »Jörg Juretzka: Bis zum Hals« 17.09.2007
"Bis zum Hals" von Jörg Juretzka habe ich mir als großer Krimi-Fan zufällig in einer Bahnhofsbuchhandlung gekauft (vorher nie etwas von diesem Autor gehört) ... und ich muss sagen ich bin begeistert, von dem Erzähltempo und nicht zuletzt von der Person des Kristof Kryszinski in Verbindung mit selten so treffendem Ruhrgebietslokalkolorit ... ich bin gerade auf Ausschau nach weiteren Kryszinski-Fällen
SteveO zu »Jörg Juretzka: Bis zum Hals« 24.08.2007
"Na, das hast Du ja sauber hingekriegt, Kryszinski!"

Kryszinski ist wieder da - endlich! Genau vermag ich nicht zu sagen, welche Freude überwog: Die Nachricht, dass Jörg Juretzka seinen Detektiv ein weiteres Abenteuer bestreiten lassen würde, oder dass ich eben jenes bereits am 14. August in den Händen hielt (als Veröffentlichungsdatum war September vorgesehen).

Für seine Verhältnisse ist Kristof Kryszinski ausgeschlafen und stocknüchtern, als das tieffliegende Chassis seines geliebten Toyota Carina in den frühen Morgenstunden mit einem Unbekannten kollidiert. Beide hinüber: Sowohl die Carina (so kurz vor dem 'H-Nummernschild'!), als auch letzterer. Doch weder mit der Totschlägerrolle, noch mit dem Führerscheinentzug will Kryszinski sich ohne weiteres abfinden. Er stellt Nachforschungen an und findet in der jüngeren Vergangenheit des Opfers zunächst nicht die erhofften Antworten, sondern nur noch mehr Fragen. Zu allem Überfluss sitzt auf einmal auch die überaus attraktive Frau, die durch die Carina verwitwet wurde, vor Krüschels Tür. Kurz: Es gibt viel zu tun.

Nach Ausflügen in die Alpen ('Fallera'), auf ein Kreuzfahrtschiff ('Equinox'), und in semi-komatösen Phantasien gar in den Wilden Westen ('Wanted') setzt der Autor in 'Bis zum Hals' den Goldfisch endlich wieder in sein Glas, und Krüschel weiß den Heimvorteil in Mülheim/Ruhr optimal zu nutzen: Krimi, Comedy und Anarchie - und zwar gemäß dem Lebensmotto des Hauptdarstellers von allem "lieber zu viel als zu wenig!" - verschmelzen zu dem erhofft kurzweiligen und höchst unterhaltsamen Plot. Juretzkas neuestes Werk hält meiner Meinung nach problemlos das Niveau der vorherigen Fälle. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass der Charakter des Lebenskünstlers unter den Ruhrpott-Detektiven gereift ist und in dieser Episode um einiges mehr an Tiefgang aufweist.
mase zu »Jörg Juretzka: Bis zum Hals« 21.08.2007
Kristof ist zurück!
All jenen, die (unverständlicherweise) mit Wanted nichts anfangen konnten, sei gesagt: Juretzka geht wieder back to the roots.
Wieder herrliche Dialoge, Wortwitz und Bilder, bei welchen ich laut rauslachen musste. Geschwindkeit in Handlung und Erzählung (wenn man sich zu sehr vergnügt, kann leicht ein hint überlesen werden).
Leider ohne Scuzzi und die Stormfuckers schenkt uns Juretzka mit "Bis zum Hals" einen wunderbaren Kryszinski-Roman bei dem HufschmidtKripoMühlheim eine (fast-)Hauptrolle innehat.
Und das alles mit einem so gut wie abstinenten Kristof!

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