Schwarze Küsse von Joaquín Guerrero Casasola

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 unter dem Titel El pecado de Mama Bayou, deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Kein & Aber.
Ort & Zeit der Handlung: Mexiko / Mexiko-City, 1990 - 2009.

  • Madrid: Lengua de Trapo, 2008 unter dem Titel El pecado de Mama Bayou. 220 Seiten.
  • Zürich: Kein & Aber, 2009. Übersetzt von Verena Kilchling. ISBN: 978-3036955490. 207 Seiten.

'Schwarze Küsse' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ex-Polizist Gil Baleares lässt sich breitschlagen, seine ehemalige Truppe noch einmal bei einem Sondereinsatz zu unterstützen: Er soll den mordverdächtigen Sohn eines einflussreichen Richters finden, der im Transvestitenmilieu vermutet wird. Aber hat der Gesuchte überhaupt etwas mit der Mordserie zu tun? Ist die Spezialeinheit am Ende gar selbst in den Fall verstrickt? Und warum sind alle Leichen mit schwarzen Lippenstiftküssen markiert? Eine  sprachmächtige Spurensuche im Untergrund von Mexico City beginnt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Sex, Tequila, Drugs and Mariachis« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Mexiko-City: Frau weg, Job weg, Vater weg, aber ein prall gefülltes Bankkonto. Man kann nun wirklich nicht behaupten, dass es dem Ex-Polizisten Gil Baleares sonderlich gut ginge, Kohle hin oder her. Die hat er nämlich zurückgelegt, um seinen alten Herrn aus der Hand hemmungsloser Entführer freizukaufen. Freilich: Zu einer Übergabe ist es nie gekommen. Und so fristet Baleares ein eher tristes Dasein in seiner Bude im Moloch Mexiko-City. Bis erst seine ehemalige Geliebte Teresa Sábato mit einem kleinen, schreienden Etwas vor der Tür steht, welches sein Sohn sein soll, und Kumpel Wintilo von der »Abteilung für Spezialaufgaben« ihn überredet, wieder als Bulle durch den Untergrund der Riesenstadt zu streifen.

Dort treibt nämlich ein Serienmörder im Transvestiten-Milieu sein Unwesen, dessen Opfer mit Kussspuren aus schwarzem Lippenstift markiert sind. Baleares´ Gebiet. Doch mit der Arbeit bei der Kripo hat er abgeschlossen. Seinen Arsch hinzuhalten, um den mordverdächtigen Sohn eines Richters vor dem Zugriff des Gesetzes zu schützen? Dazu kann ihn nur eines bewegen: die Suche nach seinem Vater. Und bei der bietet man ihm Unterstützung an.

In Drogenhöllen, billigen Absteigen und ehrbaren Cantinas, zwischen Sex, Drugs, Tequila, Transvestiten und Mariachis stellt sich bald die Frage: Geht es wirklich nur darum, den Mörder zu fassen? Oder ist Baleares zum Spielball der Mächtigen und Korrupten geworden, die auch ihn nicht vor übelster Gewalt selbst gegenüber Geistlichen zurückweichen lassen?

Joaquín Guerrero Casasola ist mit seinem zweiten Roman ein beeindruckender Roman in bester Hardboiled-Tradition gelungen. Schwarze Küsse hat eine regelrechte Fahne, soviel wie Baleares und Wintilo kippen. Er ist regelrecht schmutzig, so wie darin Nasenbeine zertrümmert und Huren verprügelt werden. Von der Handlung her völlig abstoßend, keine Befriedigung schenkend und ohne Streif am Horizont.

Dreckig durch und durch, böte dieser Gil Baleares mit seinem Sarkasmus auf der einen Seite und seinen hoffnungslosen, aber genauen Sichtweisen, seines (des) Lebens auf der anderen nicht doch auf etwas, was in aller Ferne Moral, Aufrichtigkeit und Lebenswertes erahnen lässt. Deswegen: lesenswert, überaus sogar.

Und er liefert en passant einen wunderbaren Satz mit, der einen schwammigen Begriff wie die Novela negra mit etwas Greifbarem besetzt:

Ich war kein Held, kein Rächer der Stadt, nur ein Typ, der so ausgetreten und abgenutzt war wie zerknülltes Papier, wie Hundescheiße, die von einem Schuh zum anderen wandert, von Wintilos Schuh zu dem von Carcaño, von den unergründlichen Gefühlen Teresa Sábatos zu meinen, von diesem Fall zum nächsten. Und jeder Fall glich einem dieser Witze, die nur von Schnelldenkern verstanden werden. Man lächelt, aber innerlich erleidet man Schiffbruch.

Wie bei Schwarze Küsse. Ein Büchlein mit nur etwa zweihundert Seiten. Dessen Sätze trotz sprachlicher Leichtigkeit, fetziger Dialoge und bunter Figuren wie mexikanischer Bar-Atmosphäre aber schwer wie ein Backstein ist. Nein, mit Gil Balerares will man nicht tauschen. Man will ihm auf die Schulter klopfen und Mut machen. Es wird ihm bloß egal sein. Deswegen: Klopfen wir dem Autor auf die Schulter. In der Hoffnung, dass sein erster Krimi nicht sein letzter bleibt.

Lars Schafft, September 2009

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vargas zu »Joaquín Guerrero Casasola: Schwarze Küsse« 17.09.2009
Also, ich weiß nicht - ich habe ja nichts gegen abgedrehte Krimis, ganz im Gegenteil.
Aber das schießt mMn doch übers Ziel hinaus, sowohl von der Sprache, als auch vom Inhalt her. Dazu wirken die Personen auf mich irgendwie "unrund", zu wenig ausgearbeitet.

Hin-und wieder gibts natürlich witzige Dialoge , aber alles in allem ist das nichts was man gelesen haben müsste (noch dazu zu diesem Preis - 17 Euro für ein Taschenbuch von 200 Seiten)!
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