Kakerlaken von Jo Nesbø

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Kakerlakkene, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Thailand / Bangkok, 1990 - 2009.
Folge 2 der Harry-Hole-Serie.

  • Oslo: Aschehoug, 1998 unter dem Titel Kakerlakkene. 337 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2007. Übersetzt von Günther Frauenlob. ISBN: 978-3-548-26646-6. 410 Seiten.
  • Berliin: Ullstein, 2009. Übersetzt von Günther Frauenlob. ISBN: 978-3-548-28049-3. 432 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2010. Gesprochen von Achim Buch. gekürzt. ISBN: 3899036638. 5 CDs.

'Kakerlaken' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Harry Holes zweiter Fall: In Bangkok wurde der norwegische Botschafter ermordet. Hole soll die thailändische Polizei unterstützen und taucht tief ein in die Unterwelt einer Stadt, in der Moral und Gesetz keine Rolle spielen. Dabei findet er mehr über den Ermordeten heraus, als seinen Vorgesetzten lieb ist …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ungeziefer im Land des Lächelns« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Der Norweger Jo Nesbø ist einer der vielen Skandinavier, die in der Bugwelle der Erfolge eines Henning Mankell und Hakan Nesser auf den deutschen Buchmarkt geschwemmt wurden. Sein Debüt Der Fledermausmann wurde 1998 von Ullstein erstmalig verlegt – wohl mit wenig erfolg, denn von einer Veröffentlichung des Nachfolgers Kakerlaken sah man vorerst ab. 2003 fand der Verlag offenbar die leicht angestaubten Autorenrechte und wagte mit Rotkehlchen einen zweiten Anlauf. Diesmal blieb der Erfolg nicht aus. Auf der Krimi-Couch wurde der Roman zu unserer Empfehlung des Monats. Auch die Nachfolger bewiesen Qualität. Die durchgehend hohe Bewertung seiner Romane unterlegt, dass der Autor bei Kritik und Leserschaft gleichermaßen beliebt ist und einem Vergleich mit den beiden genannten Autoren locker standhalten kann.

Im Frühjahr 2007 zieht Ullstein endlich nach und schließt die Lücke. Mit Kakerlaken erscheint nun also der zweite Roman aus der Harry-Hole-Reihe endlich in deutscher Übersetzung. Und wie immer, darf man als Leser auf diesen zweiten Roman besonders gespannt sein, zeigt sich hier doch immer wieder, aus welchem Holz ein Autor geschnitzt ist, wie er mit dem Druck seitens seines Verlegers umgehen kann und welche Qualität seine kriminelle Phantasie hat.

Noch ein Spezialauftrag für Harry Hole

Nach dem gewaltsamen Tod des norwegischen Botschafters in Thailand, wird Harry Hole als Sonderermittler der norwegischen Polizei abkommandiert und darf die Untersuchungen der Polizei in Bangkok begleiten. Mit so was hat Hole Erfahrung, war er doch in Der Fledermausmann schon mit Nachforschungen in Australien betraut. In Thailand nun wartet ein brisanter Fall, denn in der Limousine des Botschafters wird ein Koffer mit unzweideutigen Fotos gefunden: War der Botschafter ein Pädophiler? Hole wühlt tiefer, entdeckt eine Spielleidenschaft, Wettschulden und gelangt zu der Erkenntnis, dass die Ehe des Botschafters nur auf dem Papier bestand, seine sexuellen Vorlieben aber eher dem eigenen Geschlecht galten. Nicht sehr rühmlich für einen Mann, der zu Studienzeiten eine Wohnung mit dem amtierenden Premierminister teilte …Für welche Spekulationen das wohl in der heimischen Presse sorgen könnte?

Bei der Rekonstruktion der letzten Stunden des Botschafters gerät Harry Hole auf die Spur des Bankers Jens Brakke und des Bauunternehmers Ove Klipra. Während Klipra zunächst nicht auffindbar ist, verstrickt sich Brakke in ein paar Widersprüche. Zudem führt er mit der Witwe des Botschafters eine heiße Affäre. Genug, um Brakke in Untersuchungshaft zu nehmen. Zwar sprechen Indizien gegen den Banker und auch die norwegische Diplomatie scheint mit dem Ermittlungsergebnis zufrieden. Lediglich Hole glaubt, den Falschen inhaftiert zu haben. Als Brakke ein Alibi für den Tatzeitpunkt vorlegen kann, setzt Harry die Nachforschungen gegen den Willen des Auswärtigen Amtes weiter fort. Schon bald gibt es weitere Tote und ein Sumpf von Korruption und fadenscheinigen Geschäften rund um die Stadtautobahn BERTS tut sich auf. Doch wer ist der Drahtzieher?

Guter Krimi. Punkt.

Es gibt viele Aspekte, die für die Qualität dieses Romans sprechen. Der erste Aspekt ist dabei das Konzept, auf dem Nesbö seine Story entwickelt. Rundum überzeugend und mit der richtigen Dosierung aus Spannung und Überraschung versehen. Besonders brillieren kann Nesbö jedoch mit seiner guten Beobachtungsgabe. Gerade in der ersten Hälfte, wo Nesbö noch die Zeit dafür hat, schildert er in Schlaglichtern gerne kulturelle Unterschiede zwischen Asien und Europa.

Was nicht immer nachvollzogen werden kann, ist die Selbstbeherrschung des Alkoholkranken Kommissars. Eingangs wird seine tägliche Sauforgie in einer Osloer Spelunke geschildert, doch sobald er in Bangkok angelangt ist, bleibt er trocken und führt mit aller Akribie und voller Enthusiasmus die Ermittlungen zu Ende. Andere Holprigkeiten kann man wohl eher der Übersetzung anlasten: Da wird die Tochter des Botschafters als ein hübscher Teen mit einer Armprothese vorgestellt. Bei einem nächtlichen Bad im Swimmingpool von Harrys Unterkunft, liegt diese Prothese neben dem Pool, als sie plötzlich »mit den Händen in seinem Nacken« Harry ins Wasser zieht. Da schluckt man, liest noch einmal und stellt fest, dass es davon auch nicht richtiger wird.

Wofür Nesbø aber besonders zu loben ist, dass nicht an einer Stelle auch nur ein Hauch von Langeweile auftaucht. Von Anfang an versteht es der Autor dieses Romans, die Leser in seinen Bann zu ziehen. Kakerlaken ist einer der Romane, die man nur ungern zur Seite legt, weil man stetes befürchten muss, dass schon auf der nächsten Seite wesentliches passieren kann. Die Harry-Hole-Reihe ist nun nach gegenwärtigem Stand komplett auf Deutsch erschienen und jeder einzelne Roman kann überzeugen – einen eindeutigeren Garantiestempel kann es für eine Serie nicht geben.

Thomas Kürten, April 2007

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kianan zu »Jo Nesbø: Kakerlaken« 22.01.2012
Nach "Fledermausmann" der zweite Krimi um Harry Hole. Ein paar Schwächen, aber insgesamt werde ich immer neugieriger auf diese Serie. Die ersten zwei Bücher (Fledermausmann und Kakerlaken) von ihm wurden teilweise so schlecht bewertet, die Aktuellen so gut - so dass ich mir ein eigenes Bild machen wollte. Und ich muss sagen, dass mir die ersten zwei Bücher sehr gut gefallen haben - auch "Kakerlaken". Ich will mehr und bin schon auf das nächste Buch um Harry Hole gespannt! Bisher spannende Stories, realitätsnahe Ortsbeschreibungen und ein sympathischer Protagonist!
Kasia zu »Jo Nesbø: Kakerlaken« 15.07.2011
Nach "Der Fledermausmann" habe ich gehofft einen ähnlich guten Kriminalroman von Jo Nesbo zu lesen zu bekommen.
Leider konnten meine Erwartungen an dieses Buch nicht erfüllt werden.
Die Sprache ist super. Der Stil, die Sprüche, die in Wort gefassten Gedanken! Einfach genial!
Aber die Atmosphäre in "Kakerlaken" gefiel mir nicht. Eigentlich kaufe ich skandinavische Krimis, weil mir die Atmosphäre so gut gefällt. Die Dunkelheit und die Kälte. Die Schnörkellosigkeit und die Klarheit. Aber dieses Buch fand ich leider nicht so packend und bin zum Ende hin irgendwie auch mit den Personen durcheinander gekommen und musste wieder zurückblättern.
Die Geschichte an sich war okay. Das Finale superspannend und packend.
Ich weiß nicht genau, weshalb das Buch nicht so mein Ding war. Aber gepackt hat es mich nicht.
68°
s.h. zu »Jo Nesbø: Kakerlaken« 14.07.2011
Not amused! Ich rate ab vom Kauf des Buches hat mir leider nicht gefallen und bin enttaeuscht tz. Nach Headhunter dachte ich es kann nur besser werden aber das ganze Mileu der Geschichte gefaellt mir nicht. schade haette mir mehr erwartet. Glaube lasse die Hole Reihe lieber weg nicht mein Ding !Schade
hewoleo zu »Jo Nesbø: Kakerlaken« 01.07.2011
Ich war enttäuscht. Die Figuren tauchen auf und bleiben blass, die Entwicklung so lala.
Der Schreibstil ist teils spannend, teils so wirr, dass ich Passagen mehrmals lesen musste um zu verstehen. Vielleicht auch ein Problem der Übersetzung.
Ich werde noch den Schneemann lesen, werde sehen ob er besser ist.
Von mir 80°.
Marcel Ritzi zu »Jo Nesbø: Kakerlaken« 08.03.2011
Im Gegensatz zu meinen Vorschreibern,
fand ich diesen Roman schlichtweg schlecht. Ich frage mich, weshalb Jo Nesbo immer mit soviel Gewalt und sexuellen Übergriffen aufwarten muss, um ein Buch spannend zu machen. Ausserdem sind die Personen undifferenziert beschrieben. Sie erscheinen eher wie Comicfiguren. Ihnen fehlt jegliches Leben. Ich kann den ganzen Rummel und die Begeisterung um Jo Nesbo nicht verstehen. Für mich ist er ein Autor, der vom exezellenten Henning Mankell und der skandinavischen Krimiwelle profitiert. Ein Trittbrettfahrer. Schade um die Zeit.
koepper zu »Jo Nesbø: Kakerlaken« 13.09.2010
Mein erster Nesbo, sicherlich nicht mein letzter. „Kakerlaken“ hat alles was ein guter Krimi braucht. Die Geschichte ist interessant, spannend und voller überraschender Wendungen und zwar von Anfang bis zum Schluss. Nesbo schreibt schnörkellos, klar, völlig unkompliziert – ein Buch, das sich flüssig in einem Rutsch liest. Als Beigabe zur Handlung des Krimis schildert Nesbo die unterschiedlichen kulturellen Gepflogenheiten Europas und Asien und verschafft dem Leser einen kurzweiligen Einblick in diese - für viele von uns - fremde Welt. Das ist sehr lesenswert, vor allem weil es Nesbo gelingt dies gut auszuballancieren. Es gibt ein paar Schwächen in der Logik des Buches. Hole, der alkoholkranke Ermittler läßt zwei Briefe, die er im Zusammenhang zu seinen Ermittlungen erhält, tagelang ungeöffnet liegen(!). Auf weitere, kleine Unzulänglichkeiten hat Thomas Kürten in seiner Rezession bereits hingewiesen.
Letztendlich schmältert dies das Lesevergnügen jedoch nicht wirklich. Ich kann Kakerlaken empfehlen und werde mir weitereTitel dieser Reihe kaufen.
Susy zu »Jo Nesbø: Kakerlaken« 07.09.2010
Guter Krimi, jeoch mit dem Schneemann und das fünfte Zeichen nicht zu vergleichen.
Sehr spannend und temporeich geschrieben jedoch teilweise zu fantasievoll ausgeschmückt. Harry Hole größter Kampf, der gegen den Alkohol ist noch nicht gewonnen. Wir warten...
Ist übrigens in fast allen Krimis, die ich im Urlaub gelesen habe, ein Kommissar-Problem.
stefanz zu »Jo Nesbø: Kakerlaken« 07.06.2010
Nachdem ich zuletzt den "Fledermausmann" gelesen hatte und ihn eher durchschnittlich fand, bin ich von "Kakerlaken" begeistert. Eine wirklich deutliche Steigerung gegenüber seinem Debütroman.
Jo Nesbo besticht durch seinen guten flüssigen Schreibstil, passend zu einem klaren Konzept. Spannung ist angesagt, wobei der gewisse Witz nicht zu kurz kommt. Man legt das Buch nicht so gerne zur Seite, bevor es zu Ende gelesen ist. Die Protagonisten sind authentisch, sehr gut beschrieben und passen zueinander. Zudem spielt der Krimi in einer der schillernsten und ärmsten Metropolen der Welt, Bangkok. Nesbo überzeugt weiterhin mit guter Ermittlungsarbeit und Beobachtungsgabe. "Rotkehlchen" liegt schon vor mir auf dem Tisch.
Dr.Dieter Rohnfelder zu »Jo Nesbø: Kakerlaken« 17.01.2010
Da ich mit der Lektüre der "Harry-Hole-Reihe" erst Ende 2009 begonnen habe, kann ich den Vorschreibern nicht mehr allzu viel hinzufügen. Ich bin begeistert, gegenüber dem schon recht guten "Fledermausmann" noch eine deutliche Steigerung: spannend flüssig geschrieben, mit sehr guter Story und einem überzeugenden Tatmotiv. Obwohl viel Polizeiarbeit geschildert wird, agiert Harry Hole doch eher wie ein Privatdetektiv (sein Chef verglicht ihn auch mit Raymond Chandlers Philipp Marlowe!). Die für Nesbö typischen "falschen Fährten" sind hier teilweise vom Täter selbst gelegt. Der wohl ebenfalls typische "Showdown" Harrys mit dem Mörder am Schluss ist wohl leider auch in den späteren Krimis zu erwarten. Ich vergebe 92°. Für die nächste Auflage noch ein Tipp: Die Evakuierung der US-Botschaft in Saigon war 1975 und nicht (wie auf S.195 angegeben) 1973; und Chandlers Detektiv schreibt sich Marlowe (S.32).
Florian Bernstorff zu »Jo Nesbø: Kakerlaken« 09.11.2009
Sehr lesenswertes Buch, von Anfang bis ganz ganz kurz vorm Ende, wo einen der unvermeidliche wie überflüssige Einzelkämpfer-Showdown erwartet. Dafür gibt's nen Punktabzug, ebenso wie für den Fehler mit dem Aluminiumkescher: Ausatmen kann man in der Situation auch durch die Nase!

85% finde ich angemessen.

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