Der Leopard von

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Panserhjerte, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Ullstein.
Ort & Zeit der Handlung: Hongkong, Oslo, Ruanda, 1990 - 2009.
Folge 8 der Harry-Hole-Serie.

  • Århus: Modtryk, 2009 unter dem Titel Panserhjerte. 634 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2010. Übersetzt von Günther Frauenlob u. Maile Dörries . ISBN: 978-3-550-08774-5. 704 Seiten.
  • Berlin: Ullstein, 2011. Übersetzt von Günther Frauenlob u. Maile Dörries . 698 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hörbuch Hamburg, 2010. Gesprochen von Burghard Klaußner. ISBN: 978-3899036855. 6 CDs.

'Der Leopard' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Hongkong: Im Dunst der Garküchen und Drogenhöhlen dämmert einsam ein Mann vor sich hin. Kommissar Harry Hole ist am Ende, er hat alle Brücken hinter sich abgebrochen, die chinesische Mafia ist ihm auf den Fersen. Gleichzeitig erschüttert Oslo eine Serie grotesk-grausamer Morde.

Die junge Kommissarin Kaja schafft es schließlich, Harry zurückzuholen. Schon bald wird er immer tiefer in den Fall hineingezogen. Der Täter erweist sich als äußerst unberechenbar und intelligent. Er arbeitet mit einem perfiden Mordwerkzeug, das lautlos und quälend langsam tötet. Die Spuren führen Harry von einer einsamen Hütte im norwegischen Hochgebirge bis nach Ruanda. Als er dem Killer gegenübersteht, muss er eine übermenschliche Entscheidung treffen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Genuss für Fans und Neueinsteiger« 90°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Kommissar Harry Hole hat seinen letzten Fall nicht verkraftet. Zu nahe ist ihm und seiner Familie der »Schneemann« gekommen – ein Serienkiller, den Hole am Ende doch zur Strecke gebracht hat. Seine Frau ist mit ihrem Sohn außer Landes gegangen, Harry hat sich beurlauben lassen. Seit sechs Monaten ist er in Hongkong, hat alle Brücken hinter sich abgebrochen, die chinesische Mafia ist ihm auf den Fersen, um Wettschulden einzutreiben. Gleichzeitig erschüttert Oslo eine Serie grotesk-grausamer Morde. Die junge Kommissarin Kaja Soulness wird nach China geschickt, um ihn ausfindig zu machen. Sie schafft es, Harry zurückzuholen – mit dem Hinweis auf seinen todkranken Vater, dem nur noch wenig Zeit bleibt.

Schon bald wird er immer tiefer in den Fall hineingezogen – und muss als Prellbock in einem Streit zwischen der Mordkommission und dem Kriminalamt herhalten. Hole ist oft zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort, aber er folgt seiner legendären Spürnase. Der Serienmörder erweist sich als unberechenbar und intelligent. Er arbeitet unter anderem mit einem perfiden Mordwerkzeug, das lautlos und quälend langsam tötet. Die Spuren führen Harry und seine Mitstreiter an einen See östlich von Oslo und zu einer einsamen Hütte im norwegischen Hochgebirge. Dort muss es einen Vorfall gegeben haben, der die Mordserie ausgelöst hat. Aus dem Gästebuch der Gebirgshütte ist die entscheidende Seite herausgerissen – die Todesliste für den Mörder. Die Schlinge um den Hals des Killers beginnt sich langsam zuzuziehen. Er spielt jedoch weiter seine Spielchen mit der Polizei. Nach zwei Dritteln des Buches scheint der Fall gelöst – aber nun geht es erst richtig los, und die Handlung gewinnt an Dynamik und Dramatik.

Jo Nesbo bietet seinen Lesern nicht nur einen Einblick in die norwegische Seele, sondern vor allem in die Tiefen der menschlichen Psyche. Es geht um Macht, Geld und Einfluss. Und um Demütigungen in der Jugend. Denn die eigentlichen Ursachen für die Morde liegen viel tiefer und weit in der Vergangenheit. Neben der Jagd nach dem brutalen Killer gibt es einige Nebengeschichten in der Handlung, die die Lektüre noch reizvoller machen.

Da sind die Kompetenzstreitereien zwischen dem Morddezernat und dem Kriminalamt. Das Amt – eine Art norwegisches Bundeskriminalamt – will den Fall an sich ziehen. Mikael Bellmann ist nach einem Auslandsaufenthalt im Kriminalamt aufgestiegen, und will – von Ehrgeiz zerfressen – die Lorbeeren im Fall des neuen Serienkillers für seine Truppe einheimsen. Deshalb ist ihm Harry Hole mehr als ein Dorn im Auge. Hole nimmt man jederzeit ab, dass es ihm um die Lösung des Falles geht, nicht um Ruhm und Ehre. Bellmann dagegen ist ebenso Macht-besessen wie eiskalt. Er setzt sogar einen Maulwurf in Holes kleines Team. Der Ermittler braucht lange, um dahinter zu kommen, schließlich hat er wichtigeres zu tun. Diese Reibereien ziehen sich als Nebenhandlung durch das gesamte Buch – mit einem überraschenden Ausgang.

Der Leser schlägt sich innerlich schnell auf die Seite des eigenwilligen Ermittlers, der sein vermeintliches Loser-Image mit coolen Sprüchen und einem messerscharfen Verstand kompensiert. Und der seine ganz menschliche Seite im Umgang mit seinem sterbenden Vater zeigt – eine weitere Nebenhandlung. Hole wird hier als nachdenklicher Mensch gezeigt, der angesichts des nahenden Todes seines Vaters über das eigene Leben und den Umgang mit seinem Erzeuger nachdenkt. Der Vater will ständig mit Harry über dessen Mutter reden – und gerade das geht Hole offenbar auf einen empfindlichen Nerv.

Es mag überraschende Wendungen, neue Fakten oder Verdächtige geben – Harry macht während der Ermittlungen immer wieder Abstecher in das Krankenhaus, und nutzt die Stille am Bett seines schlafenden Vaters zum Nachdenken. Eine ungewohnte und überraschende Ader des coolen Gangster-Jägers, die ihn noch sympathischer macht.

Und dann ist da noch Katrine Bratt, mittlerweile freiwillige Patientin in einer psychatrischen Klinik. Gleichzeitig die beste Internet-Rechercheurin, die Harry Hole kennt – und der er vertrauen kann. Der Ermittler besucht die Kollegin, die im Schneemann-Fall eine besondere Rolle spielte, und überredet sie zur Mithilfe. Mehrfach hilft sie ihm entscheidend weiter. Auch diese Kooperation ist so eine Spezialität von Hole, die man bei anderen Ermittlern nicht erwarten würde.

Wer sich beim Lesen (oder hören) zu lange Zeit lässt, kann schon mal Probleme mit den Personen und der verwirrenden Handlung bekommen. Provinz-Polizisten, neue Verdächtige, es geht recht rasant zu, und dann gibt es wieder ruhigere Phasen. Dieser stets überraschende Wechsel macht unter anderem den Reiz des Buches aus.

Verwirrend für den Leser bleibt während der gesamten Story die Suche nach dem Motiv des Mörders. Auch routinierte Krimi-Leser dürfte ihre Probleme – und damit wohl auch ihren spaß – beim Nachdenken über dieses Thema haben. Als Harry endlich alle losen Enden richtig verknüpft hat, kommt es in Ruanda zu überraschenden Showdown. Harry muss innerhalb von Sekunden eine folgenschwere Entscheidung treffen. Das dramatische Finale ist nichts für schwache Nerven, sorgt aber für Gänsehaut an einem lange Lese-Abend.

Ein packendes Buch, mit einem Autor in Höchstform. Charaktere, Schauplätze und Dialoge sorgen dafür, dass beim Lesen keine Langeweile aufkommt. Dabei geht es nicht nur um einen brutalen Serien-Mörder, sondern auch um die Spätfolgen einer psychischen Demütigung, um Macht und Ehrgeiz, um menschliche Abgründe. Ein Genuss für Fans des skandinavischen Krimis, aber auch ein Schmankerl für Neueinsteiger.

Andreas Kurth, April 2010

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kianan zu »Jo Nesbø: Der Leopard« 30.06.2014
Fall 8 für Harry Hole ist kurz gesagt einfach ein Top-Treffer. Ob alles so realitätsnah ist oder eher unwahrscheinlich, wohl in Teilen beides. Aber das hat mich in diesem Buch überhaupt nicht gestört! Denn der Krimi ist super spannend geschrieben, ein echter Pageturner, den ich nur zur Seite legen konnte, wenn es nicht anders ging.

Hut ab! Alle Krimis der Serie fand ich bisher super und dieses gehört definitiv mit zu den Besten und wird in meine Lieblingsbücher aufgenommen.

Für Krimifans ein absolutes MUSS!
Sagota zu »Jo Nesbø: Der Leopard« 07.07.2013
Puh - ein Thriller der Superklasse, meiner Meinung nach jedenfalls. Dennoch kann ich mich dem Eindruck nicht erwehren (ich habe nun in kurzer Zeit 3 der bereits erschienen Harry Hole-Fälle gelesen), dass der Autor versucht, im neuen Fall den letzten immer noch zu toppen. Dies funktioniert jedoch nicht immer - mir persönlich hat "Die Fährte" von allen am besten bisher gefallen; auch der "Schneemann" war genial. "Leopard" ist auch überzeugend und sehr spannend geschrieben, auch fehlte die gesellschaftliche Relevanz nicht (an jedem Handy könnte Blut kleben - ob ich daher diese Dinger nicht besonders mag??) - an Spannung also kaum zu überbieten, jedoch ist die Handlung insgesamt sehr verworren und verlangt dem Leser einiges an Durchhaltevermögen ab. Mir fehlten etwas die Dialog mit "Aune" - den ich sehr tiefsinnig finde und sehr symphatisch ;-) Hoffe, dass dieser in "Der Larve" mehr zu finden ist - auf diesen noch ungelesenen Fall vor "Koma" bin ich jetzt schon gespannt, brauche jedoch eine Krimipause, da es eben doch recht "harte Kost" ist. Aber Hut ab vor der Schreibe, dem Stil von Jo Nesbo - und auch einen Dank an die Übersetzer, besonders Hr. Frauenlob ;-)) "gute Arbeit" !
LOL zu »Jo Nesbø: Der Leopard« 13.05.2013
ECHT GEIL a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a a aa a a a a a a a a a aa a a a a a a a a a a a a aa a a a a a a a a a a a aa a a a a a a a a a a a a aa aaa aa a a a a a aaa a a a a a aaa aa a a a a a a a aa aa a a aa aa aa a a a a a a aa a aa aaa aa a a aa a a a a aaa a aa a a a a a a a a a a a a a a a a a aa a a a a a a a aa a a a a a a
Oliver zu »Jo Nesbø: Der Leopard« 12.04.2013
Also das war definitiv mein erster und auch letzter Nesbo. Absolut verwirrend und teileweise einfach unlogisch. Harry Hole ist nur irgend ein looser der probleme mit Alkohol hat und dabei keine wirklich aussergewöhnliche fähigkeiten hat. Der ist einfach zu weich und unglaubwürdig. Hat keine persönlichkeit und tut einem einfach nur leid. Ich lese lieber weiter Jeffrey Deaver und seine Lincoln Rhyme und Amelia Sachs Reihe und auch Jack Reacher, die haben wenigstens Persönlchkeit und diese Bücher zu lesen macht tausend mal mehr Spaß. Ich halte Nesbo für absolut überbewertet.
asphyxia zu »Jo Nesbø: Der Leopard« 27.03.2013
Ich fand dieses buch einfach genial :)
Es war das erste buch dass ich von Nesbo gelesen habe und ich muss sagen ich war von der ersten Seite an gefesselt wie noch nie zu vor von einem Buch.Wer Krimi mag -> absolutes muss!!
Auch Schneemann von nesbo ist der Wahnsinn. Ich hab die Bücher schon so vielen geliehen und alle waren - genauso wie ich - vollkommen begeistert von den Bücher.Fazit: Wer Krimis mag sollte auf jeden fall einmal in dieses buch oder in schneemann reinschnuppern :)
TheMamba zu »Jo Nesbø: Der Leopard« 18.07.2012
Da ich für 'Leopard' noch keine Kritik abgegeben habe, tue ich das heute, nachdem ich gestern mit dem Nachfolger 'Die Larve' fertig geworden bin.

'Leopard' war das erste Buch von Nesbo, das ich gelesen habe und ich war von der ersten Seite an gefesselt. Definitiv ist dieses Buch eines der besten, die ich je gelesen habe und ich finde es doch einen Ticken besser als seinen Nachfolger.

Deshalb mache ich es ganz kurz: Genau so sollte ein Krimi sein.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Brigitte Frenzel zu »Jo Nesbø: Der Leopard« 11.06.2012
Ich hatte bishe noch keinen Nesbo gelesen und bin völlig geflashed. Irgendwie läßt mich die Story nicht los. Ich werde seit gestern, wo ich mit dem Buch fertig war, immer wieder von der Geschichte eingeholt - spooky! Richtig tolles Buch mit vielen Stories in sich - manchmal etwas anstrengend, doch auch Gänsehaut pur. Klasse!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Carmen Salazar zu »Jo Nesbø: Der Leopard« 23.05.2012
Ich finde das Buch super. Ich mag Autoren das schreiben die Wahrheit, wir leben in einen jungle, und die Menschen sind "BAD", Manner sind das schlimmste, wir brauchen nur die Zeitung oder Nachrichten lesen.
Corruption, Kindermisshandlung, Frauen toten Pederasten, u s.w.Dies ist ein Buch vom einen Man geschrieben und er kennt seine mitmenschen ganz genau.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Reena zu »Jo Nesbø: Der Leopard« 05.05.2012
Das Buch "Leopard" ist das erste Buch, das ich von Jo Nesbö lese. Mit Mühe und Konsequenz, da ich schon zwei Drittel hinter mir habe. Und ich kann nur sagen: ein Fan werde ich ganz sicher nicht!
Was packt dieser Nesbö doch alles in diesen Krimi : Mord, Brutalität, Mobbing, sterbender Vater, Liebe und etwas Sex, inklusive einen Ermittler, der kaputter nicht sein kann und natürlich alles, alles locker löst... Für mich scheint Jo Nesbö der Mario Simmel für Krimileser zu sein.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Trina zu »Jo Nesbø: Der Leopard« 22.03.2012
Also ich bin totaler Fan und habe alle Bücher bisher gelesen. Die Vorgänger-Bücher zu kennen, macht es für Nicht-Kenner leichter, aber man kann auch ohne Vorkenntnisse lesen. Klar, Brutalität steht nicht im Hintergrund. Aber wenn die nicht rein soll, dann sollte man zum einen keine Krimis lesen und auch keine Abend-Nachrichten im TV schauen, da ist Brutalität an der Tagesordnung. Jo schafft es, durchgehend Spannung aufzubauen und schafft einen bildlich vor Augen nach Oslo, wenn man schon einmal da war und es kennt. Für mich negativ, daß Harry Hole immer wieder Alkohol und Drogen verfällt, aber auch das ist Realität in vielen Fällen. Er kämpft sich immer wieder aus seiner mißlichen Lage heraus!
Alls Harry-Hole-Bücher sind klasse, nur Headhunter von Jo ist langatmig!

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