Unter der Erde von Jim Kelly

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

deutsche Ausgabe erstmals 2005 .
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 3 der Phillip-Dryden-Serie.

  • London: Michael Joseph, 2005 The Moon Tunnel. Übersetzt von 384.
  • München: Blanvalet, 2006. Übersetzt von Carsten Mayer. 384 Seiten.

'Unter der Erde' ist erschienen als

In Kürze:

Die Leiche ist mehr als ein halbes Jahrhundert alt und steckt in einem engen Tunnel. Die Stirn verunstaltet ein Einschussloch. Doch der Mann, offensichtlich ein italienischer Kriegsgefangener, war nicht etwa auf der Flucht aus dem Gefangenenlager in der Nähe der südenglischen Stadt Ely. Er kroch hinein! Natürlich reizt dieser eigenartige Fund eines internationalen Archäologenteams die Neugier Philip Drydens. Doch die unangenehmen Fragen des Reporters bringen nicht nur einen groß angelegten Kunstraub ans Licht. Sie alarmieren auch einen Mörder, der sein Geheimnis seit mehr als fünfzig Jahren sicher unter der Erde verborgen glaubte …

Das meint Krimi-Couch.de: »Kelly legt geschickt die Spuren weit aus« 78°

Krimi-Rezension von Sylvia Rucker

Philip Dryden, Journalist bei der Tageszeitung des kleinen verschlafenen Städtchens Ely in Südengland recherchiert für eine Story auf dem Gelände eines alten Lagers, in dem zunächst italienische, später dann deutsche Kriegsgefangene untergebracht waren. Dort wurden bei Aushebungen für ein Neubauprojekt von einem internationalen Archäologenteam unter der Leitung des Italieners Azeglio Valgimigli sensationelle Funde aus der angelsächsischen Zeit gemacht.

Und nicht nur das: Eine halb mumifizierte Leiche mit einem Kerzenleuchter und einer Perlenkette in der Hand und einem Einschussloch in der Stirn steckt in einem engen unterirdischen Tunnel. Anhand einer Erkennungsmarke, die der Tote trägt, kann Dryden ihn als einen italienischen Kriegsgefangenen identifizieren, der 1944 spurlos aus dem Lager verschwand.

Ein wirkliches Rätsel jedoch gibt die Tatsache auf, dass der Gefangene offensichtlich mit seiner Beute in das Lager hineinkroch. Dryden ermittelt weiter und stößt auf eine damalige Einbruchserie in herrschaftliche Häuser in der Umgebung, die niemals aufgeklärt wurde.

Bei seinen Nachforschungen wird er erstmals von seiner Frau Laura unterstützt, die nach fünf Jahren im Koma infolge eines Autounfalles nun langsam erwacht. In regelmäßigen Abständen taucht sie aus ihrer Bewusstlosigkeit auf und kann dann mittels eines Computers, der durch Ziehen und Blasen an einem Luftschlauch bedient wird, kommunizieren. Dabei findet sie durch ihre Recherche im Internet wertvolle Hinweise, denen Dryden nachgeht.

Eines Nachts entschließt er sich zu einem heimlichen Besuch des Tunnels – und wird Zeuge am Mord des Ausgrabungsleiters Valgimigli! Was hat der mit den längst vergangenen Ereignissen zu tun, wieso musste er jetzt sterben? Und wo gibt es Zusammenhänge mit den ortsansässigen Italienern? Fragen über Fragen, die sich Dryden der Reihe nach beantworten muss, wenn er das Geheimnis lösen will …

Unter der Erde ist das dritte Buch aus einer Reihe mit Philip Dryden. Auch wenn man wie ich die ersten beiden Bände nicht kennt, hat man keine Mühe, das Leben und die Geschehnisse um Dryden nachzuvollziehen und dem Verlauf dieser neuen in sich abgeschlossenen Geschichte zu folgen.

Offensichtlich verwendet Kelly auch in diesem Buch viel Mühe und Sorgfalt auf eine anschauliche und ausführliche Beschreibung des Städtchens und seiner Umgebung. Sprachlich sehr gewandt, schafft er damit jede Menge Atmosphäre, so dass man beim Lesen mit all dem skizzierten Dunst und Nebel schnell das Gefühl von Geheimnis und Düsterkeit bekommen kann. Ein wirklich gelungenes Stilmittel, das jedoch gelegentlich auf Kosten der Spannung geht, wenn Dryden nämlich gerade eine Buchseite zuvor wichtige Zusammenhänge zur Lösung des Falles entdeckt und man sich dann kurzerhand im oben erwähnten Nebel wieder findet.

Der Charakter Dryden bleibt in seiner Beschreibung und Handlungsweise relativ neutral. Er scheint ein durchschnittlicher Mensch zu sein, der weder über die Maßen positiv noch negativ auffällt. Einzig sein Verhältnis zu Humph, dem etwas anderen Taxifahrer (und Taxibewohner!), mit dem er seine Dienstfahrten unternimmt und die»bordeigene Minibar« leert, ist ungewöhnlich.

Seine Frau Laura nimmt erstmals eine präsentere Rolle ein. Kelly zeichnet sehr deutlich den Zwiespalt, in dem Dryden steckt, da sie nun langsam ins Leben zurückkehrt. Das, was er sich jahrelang gewünscht hat, scheint plötzlich wahr zu werden, wäre da nur nicht ein gewisses Maß an Distanz, dass sich durch ihre Abwesenheit eingestellt hat. Und das dazu geführt hat, dass er mittlerweile seine Besuche bei ihr im Krankenhaus manches Mal eher als eine lästige Pflicht als eine Freude sieht.

In Rückblenden wird ein zweiter Handlungsstrang aus den Kriegsjahren um 1944 erzählt, dessen damalige Ereignisse bis in das heutige Geschehen hinein reichen. Dabei spielen nicht nur Vorkommnisse in Griechenland durch deutsche und italienische Soldaten eine Rolle, auch in und um Ely selbst passiert so einiges.

Geschickt legt Kelly die Spuren weit aus und lässt Dryden an einer Vielzahl von Nebenschauplätzen arbeiten, die letztendlich dann aber alle miteinander in Verbindung stehen. Unaufhaltsam kommt es beim Lesen irgendwann zu dem gewissen Aha-Effekt, wenn sich das Dunkel über der Geschichte langsam lichtet, die Zusammenhänge klar werden und man ganz eindeutig die Lösung erkennt (oder vielleicht doch nicht?)

Insgesamt ist Unter der Erde ein spannend geschriebener, in sich schlüssiger Krimi, den man nicht gerne allzu lange aus der Hand legen möchte!

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