Samariter von Jilliane Hoffman

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2015 unter dem Titel All the little pieces, deutsche Ausgabe erstmals 2015 bei Wunderlich.

  • UK: HarperCollins, 2015 unter dem Titel All the little pieces. 480 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2015. Übersetzt von Sophie Zeitz. ISBN: 978-3805208949. 480 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2015. Gesprochen von Andrea Sawatzki. ISBN: 3839813212. 6 CDs.

'Samariter' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Faith Sounders hat als liebevolle Ehefrau und Mutter ein Bilderbuchleben in Süd Florida. Doch eines Abends gerät sie mit ihrer vierjährigen Tochter im Wagen in einen schweren Sturm. Mitten im Wald, allein und ohnehin verängstigt, beobachtet sie eine junge Frau auf der Flucht. Sie fleht Faith um Hilfe an. Dann taucht ein Mann auf und führt sie weg. Starr vor Angst begeht Faith einen folgenschweren Fehler. Denn sie tut …nichts. Später erfährt sie: Die Frau ist tot. Der Vorfall und ihr eigenes feiges Verhalten geraten an die Öffentlichkeit, und Faith verliert ihr Gesicht, ihr Ansehen, ihren Respekt vor sich selbst. Doch Faith hat an jenem Abend noch etwas beobachtet: einen zweiten Täter. Ist das ihres Chance, ihre Ehre wiederzuerlangen? Und welchen Preis wird sie zahlen müssen?

Das meint Krimi-Couch.de: »Frau Hoffman, ich glaube, Sie haben den Thriller vergessen...« 60°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Zur Thematik der unterlassenen Hilfeleistung führt das Strafgesetzbuch aus: Wer bei Unglücksfällen oder gemeiner Gefahr oder Not nicht Hilfe leistet, obwohl dies erforderlich und ihm den Umständen nach zuzumuten, insbesondere ohne erhebliche eigene Gefahr und ohne Verletzung anderer wichtiger Pflichten möglich ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.

Nach diesem Paragraphen wäre die Heldin Faith Saunders des neuen Buches von Jilliane Hoffman eigentlich fein raus, denn als sie sich in einer stürmischen regnerischen Nacht mit einer jungen Frau konfrontiert sieht, die an die Scheibe ihres Fensters pocht und um Hilfe bittet, ist mehr als fraglich, ob sie helfen könnte ohne sich selbst in Gefahr zu bringen. Denn in einer gottverlassenen Gegend öffnet vermutlich niemand so einfach die sichere Autotür, insbesondere dann nicht, wenn seine vierjährige Erstgeborene auf dem Rücksitz schlummert und bestimmt dann absolut nicht, wenn sich zu der Hilfesuchenden noch zwei finstere Gestalten gesellen. Faith Saunders fährt also mit schlechtem Gewissen weiter und begreift erst wesentlich später, dass sie Zeugin einer Entführung wurde, dem ein Mord folgte und diese Tat nicht auf einer spontanen Entscheidung oder einem Einzelfall beruhte, sondern Element einer ganzen Serie ist.

Grundsätzlich könnte dieser Plot den Stoff für einen spannenden Thriller bilden, wenn auch sicherlich nicht viel Neues geboten würde. Der Einstieg ist damit auch vielversprechend mit einer haarsträubenden Schilderung der verzweifelten Flucht des Opfers, dem nervenaufreibenden »Katz-und-Maus-Spiel« mit den späteren Tätern und der packenden Schilderung der einzigen Zeugin, die zwischen Selbstschutz und dem Willen zu helfen hin und her gerissen wird. Aber das war es dann auch schon fast, was hier zur Thematik des »Thrillers« beigesteuert wird. Hoffman verliert sich im weiteren Verlauf des Buches in der Fallstudie ihrer Heldin Faith, die unaufhaltsam in die Alkoholsucht abdriftet. Sicher – in ihrem Leben mag einiges schief laufen: Ihre Ehe ist nach einem Seitensprung ihres Mannes ziemlich lädiert und auch die Tochter Maggie bietet einigen Anlass zur Sorge und zur weiteren Selbstzerfleischung, weist sie doch starke Hinweise auf Fetale Alkoholeffekte auf, die möglicherweise auf Faith’s Alkoholgenuss während der Schwangerschaft zurückzuführen sind. Die Protagonistin reibt sich zwischen diesen Fronten und den zusätzlichen Anforderungen des Alltags auf und wird immer weiter in die Demontage ihres bisherigen Lebens gedrängt. Im Großen und Ganzen ist diese Analyse der Heldin nicht einmal unspannend geschildert – aber: Wenn aber ein Roman unter der Bezeichnung »Thriller« beworben wird, mögen solche Informationen sicherlich zur Bildung eines Spannungsbogens beitragen, dennoch ist es ein Etikettenschwindel wenn hauptsächlich eine Suchterkrankung oder ein sozialer Abstieg thematisiert wird.

Die eigentliche Mordserie bietet daher auch nur einen Nebenschauplatz, denn nachdem der vermeintliche Täter relativ zügig ermittelt wurde, beschränkt sich auch hier die Handlung auf die Verfahren nach dem amerikanischen Rechtssystem. Hier ist es eine gängige Methode die Glaubwürdigkeit von Zeugen möglichst massiv und nachhaltig zu erschüttern und so bildet dieser Konflikt neben der Schilderung der Alkoholsucht die zweite tragende Säule des Romans. Die eigentlichen Ermittlungen werden auch schon fast lieblos abgehandelt: Der Ort der Verbrechen wird zufällig gefunden, Verwicklungen bleiben aus und so wird auch hier eine weitere Chance auf mögliche Spannung verschenkt.

Nicht gerade spannungsfördernd sind auch die Fragen, die die medizinischen Argumentationen in diesem Buch aufweisen. Schafft es eine Frau, die von einem Pkw erfasst wurde und sich dabei unter anderem einen Oberschenkelhalsbruch zuzog, sich wieder aufzurappeln und ihre Flucht fortzusetzen und anschließend lediglich ein bisschen zerzaust zu wirken? Merkt eine Frau tatsächlich erst nach dem Ausbleiben der Regel, dass sie möglicherweise schwanger ist und schleppt bis dahin über vier Monate schwangerschaftsbedingte Begleiterscheinungen – die vermutlich auch aufgetreten sind – mit sich herum, ohne auch nur einmal nach der Ursache zu forschen? Auch hier musste der Eindruck entstehen, dass Hoffman die Begleitumstände passend hobelte, damit sich die Geschichte zusammenfügte.

Erst am Schluss offenbart sich, wo Jilliane Hoffman vermutlich die ganze Zeit hinsteuerte: Neue Ermittlungen zu weiteren Todesfällen sollen in die kundigen Hände von Staatsanwältin C.J. Townsend gelegt werden, die vielen Lesern aus den tatsächlich spannenden früheren Thrillern Morpheus und Cupido bekannt ist. Im letzten Kapitel lässt sich dann ein spannender neuer Thriller erahnen, dessen Bühne bereitet wird. Aber hier sei auch die Frage gestattet, wieso für diesen Stoff tatsächlich eine Einleitung von 477 Seiten notwendig war.

Sabine Bongenberg, September 2015

Ihre Meinung zu »Jilliane Hoffman: Samariter«

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Ilona Byrla zu »Jilliane Hoffman: Samariter« 31.05.2016
Ich lese dieses Buch gerade und ich finde, es hat nichts mit den guten Vorgängern gemein. Es langweilt mich und ich beginne die Seiten"quer" zu lesen. Von einem Thriller hätte ich mehr erwartet und bin eher enttäuscht.
Schade... Jilliane Hoffman war ein Garant für Hochspannung. Das vermisse ich in diesem Werk sehr.
Thomas Rumpf zu »Jilliane Hoffman: Samariter« 18.01.2016
Nach diesem Buch überwiegt nur Wut und Unverständnis wie die Autorin sich 470 Seiten schleppt, um das Fundament für einen folgeroman zu legen. Ich kann mich Frau Bongenberg nur anschließen.
Die Autorin verliert sich in psychologischer Selbstschutz, juristischen Winkelzügen amerikanischer Justiz und verpasst dabei das Potential des Ermittlers zu heben. Vielleicht wäre aus Samariter und seinem folgeroman ein Thriller entstanden, so ist das Buch aber nach 150 Seiten erzählt.
Alexandra R. zu »Jilliane Hoffman: Samariter« 02.01.2016
Ich finde Samariter besser als meine Vorkritikerinnen. Es hat Tiefen, mehr Spannung als oben erwähnt und im Nachhinein tun sich Fragen auf, auf die ich genüsslich nach Antworten suche. Eigenlich ist es doch ein Beziehungskrimi: Faith verstrickt sich in immer mehr Lügen - aus Angst vor ihrem Mann. Der Graben zwischen ihr und ihm wird immer größer. Doch am Ende die unerwartete Wende. Ist nicht er der Samariter?
Vielleicht war ich vor allem wegen der Stimme von Sawatzkie von der Geschichte so gepackt, hineingezogen in den immer heftiger werdenen Strudel um das eigentlichen Opfers Faith. Spannend bis zum letzten Satz. Absolut empfehlenswert als Hörbuch.
Vera zu »Jilliane Hoffman: Samariter« 15.10.2015
Also ich hab genau einen Tag gebraucht um das Buch zu lesen und ich fand es wieder klasse. Ist wohl die Sichtweise eines jeden, wie er das Buch findet. Wieso mal nicht den Alkohol, eine Krankheit, mit einbringen. Wenn sie jedes Buch gleich aufbauen würde, dann wäre es langweilig...ich finde es ist wieder einmal ein sehr gelungenes Werk. Und ich freue mich schon auf den nächsten Thriller von ihr...
Yvonne zu »Jilliane Hoffman: Samariter« 29.09.2015
Hm. ich kann mich den Kommentaren nicht ganz anschließen. Definitiv bin ich von den bisherigen Büchern von Jilliane Hoffman besseres gewohnt, aber als Schundroman kann ich "Samariter" auch nicht bezeichnen.

Ich liebe einfach den Schreibstil von Hoffman.

Definitiv gibt es Stellen, in denen die Geschichte so dahinplätschert, ein größerer Spannungsbogen ist eigentlich üblich für ihre Bücher. Aber dennoch konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen und warte schon gespannt auf das nächste Buch von Jilliane Hoffmann.
Sabine zu »Jilliane Hoffman: Samariter« 27.09.2015
Die Meinung der Vorredner kann ich nur voll und ganz unterstützen. Da wartet man 2 Jahre, freut sich, ich habe mir das Buch extra für den Urlaub am Strand aufgehoben und dann so ein langweiliger Schund. Ich würde es noch nicht mal auf dem Flohmarkt anbieten.Vielleicht wird das nächts Buch wieder so wie wir alle es von Jilliane Hoffman gewohnt sind
heike1 zu »Jilliane Hoffman: Samariter« 23.09.2015
Ich kann mich der Meinung meines Vorgängers nur anschließen. Langweilig und grottenschlecht, schade für eine eigentlich gute Schriftstellerin. Nachdem ich Cupido, Morpheus und Vater unser fast ohne Unterbrechung gelesen hatte, freute ich mich auf das neueste Buch von ihr. Ich habe es nicht geschafft mehr als 280 Seiten zu lesen, habe dann entnervt das Buch ins Regal gestellt, wird wohl auf dem nächsten Flohmarkttisch landen.
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