Der Luzifer-Plan von Jens Lossau / Jens Schumacher

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 bei Societäts-Verlag.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Rheinland-Pfalz, 1990 - 2009.
Folge 2 der Grosch-&-Passfeller-Serie.

  • Frankfurt am Main: Societäts-Verlag, 2003. ISBN: 379730837X. 285 Seiten.

'Der Luzifer-Plan' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Merkwürdige Dinge geschehen in einer Nervenklinik im Herzen von Rheinland-Pfalz: Ein Insasse der forensischen Abteilung behauptet von sich, der Satan persönlich zu sein. Was kaum weiter beunruhigend wäre, würde der Mann sich nicht zuweilen scheinbar in Luft auflösen und aus seiner hermetisch verschlossenen Zelle verschwinden! Es kommt zu unerklärlichen Vorfällen in und um die Klinik, und als eine Überwachungskamera den Patienten schließlich bei einer unvorstellbaren nächtlichen Verwandlung aufzeichnet, verständigt man die geheime SK 66 des BKA. Das Kommissarduo Grosch und Passfeller soll herausfinden, ob der Wahnsinnige tatsächlich wahnsinnig ist – oder am Ende vielleicht die Wahrheit sagt!

Das meint Krimi-Couch.de: »Akte X in deutscher Version« 66°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Ein offensichtlich geistesgestörter Mann zerstört mittels geschleuderten Blitzen und Explosionen in der Mainzer Stephanskirche die berühmten blauen Chagall-Fenster. Dies ist der Auftakt zu einem Fall für die geheime SK 66 des BKA, die sich mit unerklärlichen Vorfällen befasst. So bekommt das selber schon etwas eigenartig anmutende Kommissaren-Duo Tillmann Grosch und Frank Passfeller den Fall Lészek Bukow übertragen, nachdem der Sonderkommission ein sehr ungewöhnliches Videoband zugespielt wurde.

Leszek Bukow wurde nach seinem Auftritt in der Stephanskirche in die Rheinhessen-Fachklinik in Alzey, von Grosch simpel als »Klapse« bezeichnet, eingewiesen. Auf dem Videoband sieht man Bukow stundenlang bewegungslos in einer ungewöhnlichen Position verharren. »Die Beine Lészek Bukows waren, soweit man das von hinten erkennen konnte, in einer Art Schneidersitz verknotet. Seine Arme streckte er seitlich des Oberkörpers nach unten, und wenn man genau hinsah, war zu erkennen, dass er seinen ganzen Körper mit den Händen mehrere Zentimeter über den Boden stemmte und im Gleichgewicht hielt.« Um 3:33 Uhr und 33 Sekunden dann eine plötzliche zwei Sekunden dauernde Bewegung, in der sich Bukows Kopf um 180 Grad dreht, sein Gesicht sich zu einer unheimlichen Fratze verzerrt und aus der Stirn zwei Auswüchse hervor stossen.

Bukow hält sich selber für den Teufel und prophezeit den nahenden Weltuntergang. Grund genug für Grosch und Passfeller, sich nach Alzey zu begeben, und sich den Satan dort persönlich anzusehen. Dort geschehen weitere unerklärliche Dinge. Bukow hat offensichtlich seine Zelle trotz Videoüberwachung mehrfach verlassen und behauptet, sich an mehreren Stellen zugleich aufhalten zu können.

Kann es für all diese Geschehnisse eine logische Erklärung geben, oder müssen sich Grosch und Passfeller am Ende der Erkenntnis beugen, es hier mit dem Satan höchstpersönlich zu tun zu haben?

Die Bezeichnung »Unheimlicher Thriller« prangt auf dem Titelblatt des Buches und die Frage, ob denn der Roman hier wirklich unter Kriminalromane aufgeführt werden sollte, lässt sich erst nach vollendeter Lektüre des Werkes besser beantworten.

Das ungewöhnliche Ermittlerduo gehört zumindest dem Bundeskriminalamt an. Insbesondere mit Tillmann Grosch hat das Autorenteam einen sehr skurrilen und sympathischen Charakter geschaffen, der unabhängig vom Wetter immer mit seinem langen Mantel gekleidet ist. Im Sommer trägt er dazu natürlich kurze Hosen. Und wäre nicht zufällig gerade dieser Fall dazwischen gekommen, dann würde er sich jetzt für die RTL-Sendung »Unglaubliche Leistungen« bewerben, in der er mit zwei Freunden innerhalb eines Jahres einen kompletten Park aufessen will. Außer dem Fernsehsender kriegen aber in diesem Buch auch noch andere ihre Fett weg wie z.B. die Deutsche Bahn.

Neben dem Mysteriösen steht der Humor im Vordergrund. Die Autoren zünden ein Feuerwerk von Gags, doch krepieren einige davon schon beim Start. Immerhin: der Ansatz ist gut. Der Versuch, etwas weniger witzig zu sein könnte den künftigen Romanen des Teams von Nutzen sein. Auffallend ist die Vorliebe der beiden für ungewöhnliche Namen, die sie wohl kaum aus Telefonbüchern herausgesucht haben. So tauchen unter anderem Ralph-Gert Schlegelmilch, Lucia Obi, Gisbert Grantscha und Giesolf Mofen auf.

Zwischen dem Hauptstrang beginnen die Autoren immer wieder neue zunächst unabhängige Handlungsstränge, die sich erst nach und nach in das Geschehen einfügen. Die beiden Jense bieten außer skurrilen und liebevoll überzeichneten Charakteren auch noch viel Lokalkolorit aus ihrer Heimatstadt Alzey und der Umgebung und es macht Spaß, diesen Roman, der so gänzlich anders ist als Standardware, zu lesen. Dennoch gibt es für das noch sehr junge Team vieles zu verbessern. Ihr Schreibstil ist zwar in großen Bereichen angenehm und flüssig zu lesen, doch an manchen Stellen auch recht holprig und oftmals etwas sprunghaft. Vom Sprachwitz her ist das Buch schon klasse, doch schriftstellerisch werden sich Schumacher und Lossau noch etwas weiter entwickeln müssen. Von den Ideen her sind sie schon top, wenn sie auch gelegentlich etwas dick auftragen. Mit ihrem Konzept haben sie auf jeden Fall in Deutschland eine Marktnische gefunden, in der sie weiter arbeiten sollten.

Auch über das Ende des Buches will ich ein paar Worte verlieren, obwohl dies schwierig ist, ohne allzu viel zu verraten. Der Ansatz zur Auflösung erfolgt doch sehr plötzlich und ohne lange Vorbereitung. Einge Erklärungen folgen, doch bleiben zum Schluß noch zu viele Fragen offen.

Akte X-Fans werden auf ihre Kosten kommen. Auch dort steht das Mysteriöse im Vordergrund. Für den reinen Krimi-Liebhaber fehlt die vollkommene Aufklärung einer doch sehr konstruierten Geschichte.

Deshalb: 66 Grad für die SK 66.

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