Das Axtschiff von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2004
unter dem Titel Økseskibet,
deutsche Ausgabe erstmals 2006
bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Dänemark / Esbjerg, 1990 - 2009.
Folge 1 der Nina-Portland-Serie.
- Valby: Borgen, 2004 unter dem Titel Økseskibet. 509 Seiten.
-
München: Piper, 2006.
Übersetzt von Christel Hildebrandt.
ISBN:
978-3-492-04804-0. 509 Seiten. -
München; Zürich: Piper, 2008.
Übersetzt von Christel Hildebrandt.
ISBN:
978-3-492-25188-4. 509 Seiten.
'Das Axtschiff' ist erschienen als
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In Kürze:
Es herrschte gespenstische Stille auf dem Schiff, von der Mannschaft keine Spur. Führerlos trieb der Frachter vor der jütischen Küste. In der Nähe barg die dänische Polizei ein Schlauchboot mit einem blutbefleckten Passagier, den Russen Vitali Romanjuk. Hatte er die fünf erschlagenen Seeleute, die man wenig später fand, auf dem Gewissen? Die junge Esbjerger Kriminalassistentin Nina Portland wurde mit dem mysteriösen Fall betraut. Doch am Ende musste sie Romanjuk laufen lassen, aus Mangel an Beweisen. – Auch zehn Jahre später lässt der Fall Nina Portland keine Ruhe. Sie glaubt nicht an Romanjuks Unschuld – und dann mischt der Zufall die Karten neu: Auf einer Konferenz in Estland kreuzen sich ihre Wege wieder. Und Nina erfährt, dass Romanjuk offenbar auf Befehl der russischen Mafia und des britischen Geheimdienstes arbeitete – schlagartig begreift sie, dass sie in höchster Lebensgefahr schwebt …
Das meint krimi-couch.de: »Feinfühligkeit und wohldosierte Spannung«
Krimi-Rezension von Peter Kümmel überspringen
Rein optisch lässt das Deutschlanddebüt des dänischen Autors Jens Henrik Jensen schon einiges erwarten. Sehr gediegen kommt das Buch aus der Piper-Nordiska-Reihe daher: Gebunden und mit Logo-bedrucktem Lesebändchen. Das Axtschiff – ein Titel, der auf einen Kracher schließen lässt. Auf dem Schutzumschlag weckt auf der Vorderseite eine schöne Frau Interesse, auf der Rückseite die Schlagzeile »Ein Schiff voller Leichen vor der dänischen Küste«.
Doch wie sich bald herausstellt, ist diese Schlagzeile so nicht korrekt. Denn der Frachter, um den es hier geht, trieb 1993, elf Jahre vor der aktuellen Handlung des Romans, absolut ohne Menschen – egal ob tot oder lebendig -, dafür aber mit jeder Menge Blut vor Dänemarks Küste. Der einizige Überlebende der Besatzung war der ebenfalls blutbefleckte Russe Vitali Romaniuk, der in der Nähe in einem Schlauchboot aufgelesen wurde. Die Geschichte, die er zu erzählen hatte, war haarsträubend: Fünf Seeleute, der Rest der Besatzung, wurden mit einer Axt erschlagen. Drei davon von den beiden übrigen und die Mörder in Notwehr von Romaniuk selber, was er erst nach einiger Zeit gestand. Die Leichen blieben unauffindbar, und Romaniuk war nichts Ungesetzliches nachzuweisen.
Doch für Nina Portland war dieser Fall etwas besonderes; einer der ersten Fälle, den sie als Polizistin zu bearbeiten hatte und dessen unbefriedigender Abschluss ihr auch nach Jahren noch keine Ruhe lässt. Als sie auf einer Konferenz in Estland Romaniuk wiedersieht, ermittelt sie auf eigene Faust – und gerät bereits in Estland zum ersten Mal in tödliche Gefahr.
Getarnt als Touristin führt sie die Spur weiter nach England, wo sie in die Machenschaften der Geheimdienste verwickelt wird. Da auch die russische Mafia in den Fall verwickelt zu sein scheint, wird die Lage für Nina zunehmend bedrohlicher. Ihren Vorgesetzten kann sie nach ihrem eigenmächtigen Handeln jedoch nun auch nicht mehr informieren, da sie sonst ihren Job los wäre.
Abwechslungsreiche Kulisse mit passender Atmosphäre
Der dänische Schriftsteller nahm einen authentischen Kriminalfall als Grundlage für den ersten Thriller seiner Nina Portland-Reihe. Das menschenleere Schiff, der russische Matrose, der freigesprochen wurde, all dies hat sich tatsächlich 1993 ereignet, wie Jensen in seinem Nachwort ausführt. Die Polizistin Nina Portland und deren Erlebnisse dagegen entspangen der Phantasie des Autors.
Mit Nina Portland hat der Autor einen Charakter kreiert, der das Potential zur Serienheldin besitzt: jung, hübsch, dynamisch, starrköpfig und mit Mut zur Eigeninitiative. Zudem hat er seine Protagonistin zwar ohne festen Partner, dafür aber mit einem sympathischen Sohn ausgestattet sowie mit einem schwierigen Vater. Dazu Astrid und Jørgen, die Nina aufgezogen haben, auf der idyllischen Norseeinsel Fanø leben und quasi Eltern für Nina sind. Jørgen war früher selber Polizist, und so haben die beiden Verständnis für Ninas Aktionen und bleiben ihre einzigen Vertrauten.
Das Axtschiff zeigt einen typischen Erstling einer Krimiserie, in dem der Protagonistin viel Raum und Zeit zugestanden wird, um sie der Leserschaft vertraut und sympathisch zu machen. Dies gelingt Jensen mit viel Feinfühligkeit und wohldosierter Spannung ganz hervorragend.
Eine Stadt an der dänischen Küste, eine kleine Nordseeinsel, Estland und Großbritannien bilden die abwechslungsreiche Kulisse für eine Story, in der der Autor immer die passende Atmosphäre zu erzeugen weiß.
Der Plot an sich wirkt zunächst verworren, zeigt sich dann jedoch gut durchdacht konstruiert, wenngleich die Betonung hier auf dem Wort »konstruiert« liegt. Doch gegen eine gut konstruierte Geschichte ist in einem spannenden Roman absolut nichts einzuwenden. Zumal die Auflösung der immer verworrener werdenden Geschichte den Leser im Endeffekt doch einigermaßen verblüffen kann.
Peter Kümmel, Januar 2007
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| Andrea zu »Jens Henrik Jensen: Das Axtschiff« | 20.02.2008 |

