Portugiesische Eröffnung von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2007
unter dem Titel An Accidental American,
deutsche Ausgabe erstmals 2008
bei Fischer Taschenbuch Verlag.
Ort & Zeit der Handlung: Portugal, 1990 - 2009.
- London: Orion, 2007 unter dem Titel An Accidental American. 267 Seiten.
-
Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2008.
Übersetzt von Susanne Goga-Klinkenberg.
ISBN:
978-3-596-17715-8. 267 Seiten.
'Portugiesische Eröffnung' ist erschienen als
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In Kürze:
Nicole Blake streift durch Lissabon, vom Bairro Alto bis zum Gassengewirr der Alfama. Sie fragt in Cafés, Läden, Fälscherwerkstätten. Sie muss ihn finden, Rahim Ali, ihren früheren Geliebten. Der Auftrag kommt direkt vom US-Verteidigungsministerium. Eigentlich wollte Nicole nichts mehr mit ihrer Vergangenheit zu tun haben, und jetzt erinnert sie doch alles an früher, mit einer Ausnahme: Ihr arabischer Exfreund steht unter Terrorverdacht.
Jenny Silers atmosphärischer Thriller erzählt die Geschichte eines großangelegten Verrats, der der Vorbereitung des Irakkriegs dient. Die Suche nach der Wahrheit führt ihre Heldin zum ersten Golfkrieg und den Konflikten im Libanon der achtziger Jahre, wobei sie auch den Geheimnissen ihrer Familie auf die Spur kommt.
Die Portugiesische Eröffnung ist eine selten gespielte Eröffnung des Schachspiels. [...] Allerdings übt Weiß hier keinen Druck auf das schwarze Zentrum aus, was Schwarz viele Möglichkeiten offen lässt. In der Turnierpraxis erzielte Weiß mit dieser Eröffnung nur 49 Prozent der Punkte, was wegen seines Anzugsvorteils kein guter Wert ist. (aus wikipedia.de)
Kompliment! Den Originaltitel An Accidental American (soviel wie »unfreiwillig Amerikaner«) nicht wortwörtlich ins Deutsche zu übertragen, war bestimmt eine gute Idee. Doch Portugiesische Eröffnung als Titel zu wählen ist ein überaus gelungener Schachzug – im wahrsten Sinne des Wortes. Der Titel stellt unmittelbaren Bezug zum Spielort der ersten Romanhälfte her. Er beschreibt treffend das Taktieren des Geheimagenten Valsamis, der versucht, mit seinen Gegnern Katz und Maus zu spielen. Aber ebenso steht der Titel für das Unverständnis der Leser, warum Valsamis ausgerechnet die Dienste von Nicole Blake benötigt, um den Terroristen Rahim Ali in Lissabon zu finden, wo Valsamis doch nur zu gut zu wissen scheint, wo sich der Gesuchte aufhält.
Die US-Nahostpolitik – ein heißes Eisen
Jenny Siler wagt sich an ein brisantes Thema: die Rolle der USA im Nahostkonflikt. Mit ihrem Roman schlägt sie die Brücke zwischen zwei Ereignissen, die für die außenpolitischen Entscheidungen der USA markant sind. Auf der einen Seite der Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Beirut im Jahre 1983, auf der anderen Seite die Rede eines Colin Powell vor dem UN-Sicherheitsrat, die mit fragwürdigen Fakten die Existenz eines nuklearen Waffenprogramms im Irak untermauern sollte und so Grundstein für die Invasion amerikanischer Truppen und den Sturz Saddam Husseins bildete.
Nicole Blake verlor ihre Mutter in den Wirren um den Anschlag auf die amerikanische Botschaft in Beirut. Hintergründe hat sie nie dazu erfahren. Doch genau damit lockt sie der CIA-Agent Valsamis, um für ihn die Spur ihres Ex-Freundes Rahim Ali in Lissabon aufzunehmen. Doch kaum in Portugals Hauptstadt angekommen merkt sie, wie Rahim und ihr selbst eine tödliche Falle gestellt werden soll. Nicole und Rahim waren damals als Fälscher aktiv und deshalb weiß sie noch, wie man in den Gassen Lissabons untertauchen kann. Mit Rahims letzter Auftragsarbeit, einer merkwürdigen Rechnung, entkommt sie einem frühmorgendlichen Kugelhagel und begreift nach und nach, dass das gefälschte Dokument in ihren Händen Zündstoff für einen Krieg bietet.
Verrat
Siler wagt sich in die Region und auch in das Metier, welche von einem Eric Ambler immer wieder meisterhaft zu Papier gebracht wurde: ein Agentenroman im Nahen Osten. Ein Glück, dass sie dabei nicht versucht, den Meister zu kopieren. Nach Ticket nach Tanger trägt auch Portugiesische Eröffnung eine sehr eigene Handschrift. Siler bedient sich des Typus »Held wider Willen«, um ihre Geschichten zu erzählen. Der Kampf ihrer Protagonisten ist stringent aufgebaut, wenngleich gerade die Eröffnung beinahe bis zum Finale immer wieder Fragen aufwirft. Warum soll ausgerechnet Nicole Blake einen Mann suchen, der seit Wochen beschattet wird?
Letztendlich liefert Jenny Siler Wasser auf die Mühlen der Verschwörungstheoretiker: Die Nahostpolitik der USA ist Ergebnis von Verrat und Betrug. Doch wie so etwas laut Siler zustande kommt, das wird in Portugiesische Eröffnung intelligent und unterhaltsam präsentiert.
Thomas Kürten, August 2008
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| Stefan83 zu »Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung« | 02.11.2010 |
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| Hannah36 zu »Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung« | 07.09.2008 |
