Biest von Jenk Saborowski

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Piper.
Folge 2 der Solveigh-Lang-Serie.

  • Müchen: Piper, 2012. ISBN: 978-3-492-30093-3. 432 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Osterwoldaudio, 2012. Gesprochen von Uve Teschner. ISBN: 3869521317. 5 CDs.

'Biest' ist erschienen als TaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Der gefährlichste Computervirus der Welt gelangt in die Hände eines russischen Topterroristen, genannt »Das Biest«. Ein Anschlag, der bis gestern noch undenkbar schien, steht unmittelbar bevor – mitten im Herzen Europas. Agent Solveigh Lang von der europäischen Geheimpolizei ECSB verfolgt seine Spur – bis ihre Einheit selbst zur Zielscheibe wird … Der gefährlichste Computervirus der Welt gelangt in die Hände von Terroristen. Ein Anschlag, der bis gestern noch undenkbar schien, steht unmittelbar bevor. Mitten im Herzen Europas. Welche Rolle spielt der ehemalige Stasi-Funktionär, den der Journalist Marcel Lesoille in Tel Aviv fotografiert? Gemeinsam mit Agent Solveigh Lang von der europäischen Geheimpolizei ECSB verfolgt er eine Spur bis nach St. Petersburg und Berlin. Können sie gemeinsam die Katastrophe verhindern?

Das meint Krimi-Couch.de: »Ihr Name ist Lang. Solveigh Lang.« 80°

Krimi-Rezension von Silke Wronkowski

Moskau. Der neue -alte- Präsident lädt zum Stelldichein derjenigen, die das Land regieren. Derjenigen, die das Geld und die Industrie haben. Derjenigen, denen er unverhohlen sagen kann, dass man Russland weltpolitisch doch wieder die Stellung zurückgeben muss, die dem Land eines Zaren gebührt.
Schnitt.

Amsterdam. Special Agent Solveigh Lang der pan-europäischen Sondereinheit ECSB hatte eigentlich den Abend frei, bis ihr Kollege sich meldet und ihr offenbart, dass die Falle, die sie für einen der größten weltweit agierenden Autragskiller gestellt haben, nun zuschnappen wird. »Er« hat angebissen.
Schnitt.

Moskau. Dimitrij, armer Student der Informatik an 'der’ Technischen Universität des Landes und wahrlich ein Wunderknabe, freundet sich mit seinem Kommilitonen Viktor an, Sohn eines Neureichen. Auch wenn ihn die ungleiche Paarung stutzen lässt, so sind die Annehmlichkeiten nicht zu verachten: Wer mit dem Sohn des Wodkalieferanten der hippsten Clubs Moskaus ausgeht, muss weder Schlange stehen, noch sich mit dem Fußvolk in der Discothek abgeben. Damit kann man dann punkten, bei Frauen.
Schnitt.

Tel Aviv. Marcel Lesoille, Solveighs Geliebter, hat ein Praktikum bei der Zeitung L’Echo Diplomatique angetreten und erhält seine erste Story, für die er nach Israel reist. Dort angekommen lernt er die hübsche Yael kennen, deren geheimnisvoller Anziehungskraft er nicht widerstehen kann.
Schnitt.

Dubrovnik. Ein konspiratives Treffen auf einer Yacht im Hafen. Ein Deutscher, Ex-Stasi-Agent Thomas Eisler, trifft einen russischen Industriellen und übergibt ihm einen USB-Stick. Natürlich ist das »Material« echt und natürlich funktioniert es. Alles weitere hat Eisler im Griff. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wird er sich direkt daran machen die weiteren Personalfragen für diesen Auftrag zu klären.
Schnitt.

Prag. Slang, wie Solveigh von ihren Kollegen genannt wird, bereitet sich penibelst mit ihrem Team auf den Zugriff vor. Alles ist perfekt durchdacht und getimed, der Lockvogel eingeweiht. Am Ende der wilden Verfolgungsjagd ist das »Ziel« ausgeschaltet, der Topagentin der ECSB blieb keine Wahl, als ihn zu erschießen.

Wie in einem guten Drehbuch greift Jenk Saborowski auch in seinem zweiten Thriller zu kurzen Kapiteln mit schnelle Schnitten. Anfangs sieht alles noch unzusammenhängend parallel aus, aber mit der Zeit verdichtet sich das Geflecht, werden Zusammenhänge deutlich, greifen die kleinen Rädchen ineinander und lassen einen ausgeklügelten Plot erkennen. Ein Computervirus, entwickelt von Amerikanern und Israelis, mit dem Zweck Industrieanlagen von innen heraus unbrauchbar zu machen, wird gestohlen und soll – in den Händen der russischen Drahtzieher – deutsche Atomkraftwerke zur Abschaltung zwingen. Falls es dabei zu einem atomaren Supergau kommt, kein Problem. Letztendlich wird Energie aus Rußland geliefert unverzichtbar sein. Jeder hat einen Platz in diesem Plan, der Informatikstudent Dimitrij, der die Fähigkeiten besitzt den Virus zu testen und zu modifizieren, der ehemalige Stasi-Agent mit den entsprechenden Kontakten im Land des Feindes, sogar Solveighs Freund Marcel, den die schöne Yael lediglich benutzt um Kontakt zur ECSB herzustellen. Denn der Mossad, dessen Agentin sie ihrerseits ist, weiß, dass die Eliteeinheit mit Sitz in Amsterdam die einzige ist, die die drohende Katastrophe aufhalten kann.

Ein intelligenter und actionreicher Agententhriller, der – und das sollte hier noch mal betont werden – eine weibliche Heldin hat, die mit all ihren Fähigkeiten schon fast wie ein Superheld wirkt und ihren männlichen Leinwand-Kollegen in nichts nachsteht. Saborowski verpasst seiner Protagonistin eine Schwäche: Gefühle. Das macht Slang greifbar, die trotz hundertprozentiger Konzentration auf ihre Arbeit nicht verbergen kann, dass Marcels Vertrauensbruch ihr zusetzt. Die Skrupellosigkeit der Bösewichte hingegen lässt einen manches Mal den Atem stocken.

Das mag man nach diesem Schnittmuster alles schon gesehen oder gelesen haben, aber bestimmt noch nicht so unvorhersehbar, glaubwürdig recherchiert und thematisch höchst aktuell wie in diesem Fall.

Silke Wronkowski, März 2013

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Jens zu »Jenk Saborowski: Biest« 16.10.2015
"Super größter anzunehmender Unfall light"

wow - ich beuge mich in Ehrfurcht vor dieser superstgrößtmöglichstbeklopptesten Wortschöpfung.

Könnte einem Vortrag eines Multilevelmarketing-Systems entstammen. Die sparen auch nicht mit Absurditäten.

Das doppelt-redundante System könnte ich noch durchgehen lassen - wenn damit tatsächlich gemeint ist, dass das System 4x vorhanden ist.

Ach ja - auch dieser Autor meint, er wäre der Realität voraus.
Der Roman-Realität.
Natürlich bildet er nur die Wirklichkeit ab, versucht, uns glauben zu machen, dass auch sein Werk mehr wäre als ein Roman.

Gibt es denn überhaupt noch aktuelle Schreiberlinge, die zugeben, dass sie einen guten Roman schreiben, ohne vorzugeben, sie hätten die Wirklichkeit mit Löffeln gefressen ;-) ?

Ansonsten: spannend.
subechto zu »Jenk Saborowski: Biest« 13.03.2013
Super-GAU in Süddeutschland - Der zweite Fall für Agent Solveigh Lang

Der neue Thriller von Jenk Saborowski stand schon lange auf meiner Wunschliste, da mir "Operation Blackmail" sehr gut gefallen hatte. Mit BIEST wurden meine Erwartungen nun mehr als erfüllt, denn der Autor hat einen intelligenten und spannenden Politthriller in der Tradition eines John le Carré oder Daniel Silva vorgelegt. Worum geht es?

Moskau, im Juni 2011: Anlässlich eines Galadinners für enge Freunde macht sich der alte und neue Präsident Gedanken um die Zukunft seines Landes und bringt das "Biest", einen reichen Oligarchen, damit auf eine Idee...

Anschließend werden die Ermittler der ECSB, einer Europäischen Sondereinheit, vorgestellt und beschrieben: Solveigh, Eddy, Dominique und Chef Thater sowie Solveighs Freund Marcel; er ist bei der Presse. Falls jemand den Vorgänger nicht gelesen hat, findet sich im Anhang ein Personenregister. Neben dem Biest gibt es noch einen weiteren Bösen, Thomas Eisler, einen ehemaliger Stasi-Offizier und Ewiggestrigen sowie ein paar Wasserträger. Was verbindet diese beiden Männer und wo liegt ihr Motiv?

Bekanntlich resultierte aus dem Ende der Sowjetunion kein wirkliches Ende des Kalten Krieges, sondern nur dessen Fortsetzung mit anderen Mitteln. Die heute eingesetzten Waffen sind eher Werkzeuge aus dem Bereich der IT, z.B. Computerviren und -würmer. Und genau hiervon handelt BIEST: eine Modifikation des Schadprogramms Stuxnet (wer will, kann das ja mal googeln), gelangt in ein Atomkraftwerk und führt dort zu Störfällen. Können Solveigh Lang, genannt Slang, und ihr Team die nukleare Katastrophe noch verhindern?

Ein äußerst erschreckendes, doch realistisches Szenario, das sich der Autor ausgedacht hat, gut recherchiert und packend in Szene gesetzt. Ich mag es, wenn ich nicht nur kurzweilig unterhalten werde, sondern auch noch etwas lernen kann. Moskau, Amsterdam, Tel Aviv und Prag... viele Ortswechsel, schnelle Schnitte, das waren auch schon die Stärken des ersten Bandes. Zudem ist Jenk Saborowski ein guter Beobachter. Wer mal in Israel war, der weiß, was ich meine.

Neben knallharter Action, u.a. einer Verfolgungsjagd per Schlauch- und U-Boot in der 4° kalten Barentssee, menschelt es diesmal sogar, denn die sympathische Heldin Slang ist schwanger, Dominique lernt wieder laufen und israelische Mossad-Agenten treten als Gutmenschen auf. Last but not least erlebt selbst das Biest zum Schluss eine böse Überraschung.

Das Buch gliedert sich in drei Teile, denen jeweils ein äußerst passendes Zitat aus Machiavellis Fürst vorangestellt ist. Hier findet der aufmerksame Leser auch das Motiv. Das Cover sieht ziemlich rostig aus und fühlt sich auch ein bisschen so an. Aber schließlich kommt es nicht auf die Verpackung an, sondern auf den Inhalt. Und der ist verdammt gut!

Jenk Saborowski ist seinem Thema, der Bedrohung Europas, treu geblieben. Trotzdem hat er sich weiterentwickelt und konnte sich meiner Meinung nach sogar steigern. Mir hat BIEST noch besser gefallen als "Operation Blackmail". Schade, dass ich nur 5* vergeben kann, auch wenn dieses Werk viel mehr verdient hat. Ein Highlight des Jahres 2012. Jenk sei Dank!
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