Die Angebetete von Jeffery Deaver

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel XO, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Blanvalet.
Folge 3 der Kathryn-Dance-Serie.

  • New York: Simon & Schuster, 2012 unter dem Titel XO. 544 Seiten.
  • München: Blanvalet, 2013. Übersetzt von Thomas Haufschild. 544 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Random House Audio, 2013. Gesprochen von Dietmar Wunder. ISBN: 3837119475. 6 CDs.

'Die Angebetete' ist erschienen als Hörbuch

In Kürze:

Wenn Liebe zur Besessenheit wird, fühlt sie sich wie Hass an Für die berühmte Sängerin Kayleigh Towne ist »Your Shadow« nur ihr neuester Hit. Für ihren glühendsten Fan enthält der Song jedoch eine geheime Botschaft – die sich ganz allein an ihn richtet. Um seinem Idol, seiner Angebeteten endlich nahe zu sein, muss er sich den Weg in ihr Herz erkämpfen und zerstören, was zwischen ihnen steht. Bereits mit dem ersten Mord steht für die psychologische Ermittlerin Kathryn Dance fest, dass es noch weitere Tote geben wird. Denn Stalker sind immer Wiederholungstäter.

Das meint Krimi-Couch.de: »Thriller mit Soundtrack« 73°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Krimi-Autor Jeffery Deaver hat endlich ein lang gehegtes Projekt verwirklicht, einen Roman über den schmalen Grat zwischen Liebe und Besessenheit zu schreiben. Wie er auf einer Buchpräsentation zu seinem neuen Thriller »XO« erzählt, hatte ihn Anfang der 1980er Jahre die Doppeldeutigkeit des Police-Songs »Every Breath You Take« sehr beeindruckt. Für die meisten Hörer war er ein simpler Lovesong, aber selbst Komponist und Texter Sting wies schon damals auf eine andere Interpretationsmöglichkeit seines Textes hin, indem er den obsessiven Charakter seiner Worte herausstellte.

Die Angebetete, Deavers dritter Roman aus der Kathryn-Dance-Reihe, handelt von einer Obsession, die in tödliches Stalking ausartet.

Von Sting inspiriert und seiner zweiten Leidenschaft neben der Schriftstellerei der Musik, frönend, hat Deaver nicht nur einen Song (Your Shadow) zu diesem Thema geschrieben, sondern ein ganzes Album konzipiert, das dem Roman als Rahmen, Inhalt und Stichwortgeber dient.

XO, das Album mit seinen eingängigen Country-Pop-Songs, vorgetragen von der bezaubernden Sängerin Treva Blomquist, kann man sich auf der Homepage des Autors oder bei anderen bekannten Musik-Portalen anhören.

Es kommt ja öfter vor, dass ein Autor seinen persönlichen Musikgeschmack auf einen seiner Protagonisten überträgt oder Musikzitate einfließen lässt, die zur Untermalung oder Akzentuierung bestimmter Szenen dienen. Doch der Umfang, mit dem Deaver hier die Musik in seinen Plot implementiert, ist schon ungewöhnlich. Auf den ersten Blick mag das ja ganz originell erscheinen, doch das stetige Einbauen (und Wiederholen) von Songfragmenten stört nicht nur den Lesefluss, sondern auch den Spannungsaufbau. Die Überbetonung des Musik-Themas wirkt sich nicht gerade förderlich auf die neue Folge der eh von Anfang an schwächelnden Serie um die spröde Verhör-Spezialistin Kathryn Dance aus.

Kathryn Dance gönnt sich einen Kurzurlaub. Nach Beendigung ihres letzten nervenraubenden Falles sucht die Kinesik-Expertin des CBI (California Bureau of Investigations) Abwechslung von ihrem stressigen Job. Ihr Ausgleich besteht darin, durchs Land zu touren und nach bisher unbekannten, aber talentierten Musikern zu suchen, deren Stücke sie dann auf ihrer speziell dafür eingerichteten Homepage einer breiten Öffentlichkeit vorstellt. Im Rahmen dieses Hobbys hatte Dance die damals noch jugendliche, inzwischen berühmt gewordene Country-Sängerin Kayleigh Towne kennengelernt. Mit ihr ist sie jetzt in deren Heimatstadt Fresno im idyllischen San Joaquin Valley verabredet. Schon bei ihrem ersten Wiedersehen in einem Restaurant erkennt Dance, dass ihre Freundin in ernsthaften Schwierigkeiten steckt. Seit geraumer Zeit wird die attraktive Musikerin in Briefen und E-Mails von einem gewissen Edwin Sharp aus Seattle mit Liebesbekundungen und gemeinsamen Zukunftsplänen drangsaliert. Selbst Interventionen von Kayleighs Anwälten können den jungen Mann nicht abschrecken. Nun ist er vor Ort und folgt seiner Angebeteten auf Schritt und Tritt. Das ist für die Betroffene sehr unangenehm, zeitweise auch bedrohlich, aber es können keine rechtlichen Schritte gegen den »Stalker« eingeleitet werden, denn er verhält sich stets höflich und korrekt. Als eines Abends ein Mitglied aus Kayleighs Crew ermordet aufgefunden wird, gerät Sharp unter dringenden Tatverdacht.

Auch der dritte Thriller aus Jeffery Deavers Kathryn-Dance-Reihe kann trotz guter Ansätze und des spannenden Themas Stalking, nicht recht überzeugen. Das liegt vor allem daran, dass sich Deaver allzu sehr in Nebensächlichkeiten verstrickt. Als Bestseller-Autor hat er eine Position erreicht, in der es kaum jemand wagen wird, ihm in seine Plot-Konzepte reinzureden. So schwadroniert er dann ungebremst über Country-Musik im Allgemeinen, über Gitarren- und Tontechnik im Speziellen, über die Tücken der Musik-Branche und dominiert (blockiert) mit seinen Songs die Krimi-Handlung. Auch wenn das teilweise nicht uninteressant ist, riecht es doch etwas nach Selbstbeweihräucherung.

Zu den Nebensächlichkeiten zählt auch Deavers krampfhafter Versuch, seiner Heldin ein Privatleben aufzuschwatzen, das sie nun wirklich nicht braucht. Die nach dem Unfalltod ihres Mannes alleinerziehende Mutter zweier Kinder trumpft als psychologische Ermittlerin ausreichend auf. In ihrer Paradedisziplin, der Kinesik, tritt in den Interaktionen so viel von Kathryn Dances Innenleben zutage, dass klischeehafte Männergeschichten völlig überflüssig sind. In Deavers anderen Reihe mit Lincoln Rhyme und Amelia Sachs geht’s doch auch überzeugend ohne Privatleben.

In einem Interview mit dem amerikanischen Reader´s Digest erwähnte Jeffery Deaver einmal, dass es die Pflicht eines Autors sei, sich in seine Figuren hineinzuversetzen und er das bei Kathryn Dance nicht als besonders schwierig empfunden habe. Dazu möchte der Rezensent nach der Lektüre aller drei Kathryn-Dance-Romane anmerken, dass der Autor wenig Vertrauen zu der Attraktivität seiner Heldin zu haben scheint. Diese Frau braucht weder eine männliche Schulter zum Anlehnen, noch Gastauftritte vom Duo Rhyme/Sachs zur Unterstützung. Diese Frau braucht einen kniffligen Fall und adäquate Gegner. Und das hat sie in Die Angebetete – eigentlich.

»Stalking« ist als Thema für Krimis und Thriller recht beliebt geworden. Das liegt vor allem daran, dass von einem Stalker eine unkalkulierbare Bedrohung ausgeht. Macht er was oder nicht? Wenn ja, was tut er? Unter der Beobachtung einer möglicherweise feindlich gesinnten Person zu stehen, rührt an eine der Urängsten des Menschen. Das muss auch der angebetete Country-Star erfahren. Allein die Präsenz ihres Fan lässt panisch werden. Hier hat der Thriller auch seine stärksten Momente.

Natürlich fehlen auch Deavers berühmte Wendungen nicht. Ein ums andere Mal sieht sich der Leser gezwungen, seine Schlussfolgerungen zu korrigieren. Ob Deavers Twists schlüssig sind oder plump aufgesetzt wirken, wäre eine Diskussion wert.

Als Leser der Kathryn-Dance-Reihe wünscht man sich mehr Anerkennung für die Hauptprotagonistin durch den Autor. Ihr Spezialgebiet, die Kinesik, ist ihr Alleinstellungsmerkmal, ein Pfund, mit dem Deaver wuchern könnte. In Die Angebetete hat er es weitgehend unterlassen und sich in schmückendem Beiwerk verirrt. Deshalb erhebt sich der Thriller in der Bewertung des Rezensenten auch nur ein kleines bisschen über dem Durchschnitt.

Jürgen Priester, Mai 2013

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rolandreis zu »Jeffery Deaver: Die Angebetete« 31.01.2014
Jeffery Deaver hat schon wesentlich bessere Thriller geschrieben. In "Die Angebetete" geht es, wie der Titel unschwer vermuten lässt, um das Thema "Stalking", aber der dritte Kathryn Dance Fall ist für mich zugleich auch ein Reinfall - und wie ich meine mit einer immer weiter nach unten zeigenden Tendenz. Deaver wird immer mehr zum Vielschreiber ähnlich James Patterson und dies führt auch eindeutig zu weniger Qualität. Schon länger vermisse ich diese, wie ich sie noch in seinen Werken aus den 90er-Jahren verspürte. Dieses Buch konnte mich einfach nicht fesseln und mitnehmen, lediglich gegen Ende kam Spannung auf.
Oldman zu »Jeffery Deaver: Die Angebetete« 23.05.2013

Der Autor ist ein Vielschreiber,und m.E. merkt man das nun an der nachlassenden
Qualität. Seine Protagonistin ist eigentlich
eine recht interessante Person, aus der man mehr herausholen könnte.Die vielen Wendungen entbehren teilweise einer wirklichen Logik,und der Auftritt von L.R. ist überflüssig.Leider neigen einige Autoren mittlerweile dazu Crossover-Charaktere in Ihren Stories auftreten zu lassen. Muß nicht sein! Überlege ernsthaft
Deavers nächstes Werk zu ignorieren.
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