Komm zurück, mein dunkler Bruder von Jeff Lindsay

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 deutsche Ausgabe erstmals 2009 bei Knaur.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Florida / Miami, 1990 - 2009.

  • New York: Doubleday, 2007. ISBN: 978-0385518338. 320 Seiten.
  • München: Knaur, 2009. Übersetzt von Frauke Czwikla. ISBN: 978-3-426-50035-4. 424 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: Radioropa Hörbuch, TechniSat Digital, 2009. Gesprochen von Alexander Bandilla. 9 CDs.

'Komm zurück, mein dunkler Bruder' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Noch immer plagen Dexter Morgan, Spezialist für Blutanalysen bei der Polizei von Miami, Gelüste, es den schlimmsten Serienkillern mit gleicher Münze heimzuzahlen. Da trifft es sich gut, dass Miami gerade von einer neuen Mordserie erschüttert wird. Gefunden werden die verkohlten Leichen zweier junger Frauen, deren Köpfe verschwunden und durch getöpferte Stierschädel ersetzt worden sind. Als Dexter am Tatort eintrifft, erschrickt der »Dunkle Passagier«, sein rachdurstiges Alter Ego, allerdings zu Tode – und macht sich spurlos davon. Dexter ist vollkommen ratlos. Was soll er ohne seinen geheimen Einflüsterer nur machen?

Das meint Krimi-Couch.de: »Zynisch wie eh und je, doch ins Mystische abgeglitten« 60°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Komm zurück, mein dunkler Bruder ist der dritte Teil des mittlerweile auch im Fernsehen ausgeschlachteten Hypes um den mörderisch begabten Polizeilaboranten Dexter, den Frauke Cwzikla für den Knaur Taschenbuch Verlag aus Dexter in the Dark übersetzt hat.

Und Dexter mutiert zunehmend zum simplen Menschen, denn sein finsteres Alter Ego hat offensichtlich keine Lust mehr, mit ihm Kontakt aufzunehmen und ihn von Mord zu Mord zu führen. Dexter steht unmittelbar vor seiner Zweckehe mit seiner Freundin Rita, die auch zwei Kinder in diese Verbindung bringen wird. Damit hat Dexter gleich mindestens drei Probleme am Hals. Zum Einen will die Hochzeit ausgerichtet werden und da kennt Rita kein Pardon, was die ausschweifenden Kosten angeht. Zum Zweiten sind ihre beiden Nachkommen genau so sadistisch veranlagt, wie es Dexter dereinst war und vergöttern ihn geradezu, damit er ihnen beibringt, wie man seine dunkle Veranlagung zweckbringend einsetzt, ohne dabei erwischt zu werden. Und zum Dritten ist Dexter ohne seinen dunklen Bruder aufgeschmissen und fast keines klaren Gedankens fähig.

Derweilen kommt jedoch die Bedrohung von außen. Menschen werden verbrannt und an Stelle ihrer Schädel weisen die verkohlten Leichen Stierschädel auf, gerade so, wie es in den Gebräuchen der Antike üblich gewesen sein könnte. Dexter findet die Hinweise, aber er entdeckt auch, dass eine stärkere Macht mit ihm spielt und dabei nicht nur ihn, sondern auch seine künftige Familie im tödlichen Fadenkreuz hat.

Jeff Lindsay gleitet ins Mystische ab. Die unglaubwürdige Geschichte rund um den alten Kult des König Salomo ist zwar nett konstruiert, aber ihm Endeffekt ist ein Dexter ohne seine paramörderischen Fähigkeiten nur ein schwacher Ersatz für die Figur, die seit Des Todes dunkler Bruder den Leser begeistert hat. Den sexuell uninteressierten Kriminologen und Kriminellen in Personalunion jetzt an Frau und Kinder zu binden, mag ja ein nettes Gimmick sein, um die sarkastischen Äußerungen Dexters gegenüber seinen Mitmenschen breiter zu streuen, aber auf den vorliegenden 425 Seiten wirkt das leider nur wie Füllmaterial, um die Ideenlosigkeit der Handlung zu verschleiern.

Sprachlich hat Jeff Lindsay nicht gelitten. Seine zynische Sichtweise bringt nach wie vor einen Lacher nach dem anderen, so man schwarzen Humor und geschliffene Pointierung mag. Es beweist aber auch, dass verbale Fähigkeiten alleine noch lange kein gutes Buch machen, denn die permanenten Szenenwiederholungen lautstarker Musik im Kopf und der ständige Verfolgungswahn nerven nicht nur Dexter sondern auch den Leser.

Von gezieltem Spannungsaufbau ist wenig zu merken. Komm zurück, mein dunkler Bruder plätschert in Nebensächlichkeiten dahin, die von Handlung und Spannung ablenken und der als grandiose Schlussszene gedachte Showdown erinnert eher an eine Folge aus Indiana Jones.

Im Endeffekt kann man nur hoffen, dass nach der Rückkehr des dunklen Bruders endlich mit der gezielten Schulung des Nachwuchses begonnen werden kann und der Autor sich für einen Nachfolger etwas mehr einfallen lässt als nur sprachliche Kabaretteinlagen. Während der gesamten Lektüre entstand der Eindruck, dass Jeff Lindsay seit dem Erscheinen von Dexter im Fernsehen gnadenlos verheizt wird und beim Schreiben mindestens so ausgebrannt war, wie sein Protagonist.

Teil drei kann man der Vollständigkeit halber lesen, damit man keine Lücke zu einem eventuellen vierten Teil hat, aber im Großen und Ganzen kommt diese Lektüre nicht über Mittelmaß hinaus.

Wolfgang Weninger, April 2009

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Gerridt zu »Jeff Lindsay: Komm zurück, mein dunkler Bruder« 25.01.2015
Im Gegensatz zu den ersten beiden Büchern, leider nicht zu empfehlen.
Jeff Lindsay bringt hier eine hahnebüchene Mysterie-Note mit ins Spiel, die die bisherige Geschichte bzw. das Konzept leider "entwertet".
Habe ich doch gerade diesen Hauptprothagonisten, in seiner Rolle als 'gerechter' Soziopath geliebt, weil er orginell war, trotz oder weil seiner inneren Monologe bar jeder Empathie, dafür aber mit schwarzem Humor gespickt! Und jetzt soll sein dunkler Passagier übernatürlichen Ursprungs sein...
Wirklich Schade.
Timo zu »Jeff Lindsay: Komm zurück, mein dunkler Bruder« 20.01.2014
Wenn man vom völlig unerwarteten absurden Plot mal absieht war dieser Teil der bis jetzt beste. Ich mußte oftmals laut auflachen, die wenigen Auftritte von Sergeant Doakes mußt ich zweimal hören, weil diese einfach ein Genuss sind.

Die Überforderung von Dexter durch seine bevorstehende Hochzeit ist wirklich brilliant umgesetzt. Dass sich Jeff Lindsay traut auch Kinder als zukünftige sympatische Mörder darzustellen gebührt meinem Respekt. Noch dunkler, und wenn man Dexter Gefühle zusprechen könnte, dann auch zynisch.

Alles in allem ist finde ich dies ist der beste Dexter und sollte etwas unvoreingenommen gelesen werden. Versuchen sie einfach den Hauptplot auszublenden und geniesen Sie die kurzweilige Unterhaltung. Von mir gibts irgendetwas über 90°
Nici zu »Jeff Lindsay: Komm zurück, mein dunkler Bruder« 01.10.2009
Im Vergleich zu den beiden vorhergehenden Büchern wirklich lahm. Es gibt nur wenige Momente in denen das Buch Spannung aufbauen kann. Ansonsten dümpelt Dexter nur so dahin. Schade, dabei hatte ich mich so auf den 3. Band gefreut. Bleibt zu hoffen, dass Band 4 wieder besser wird. Gerade im Hinblick auf Dexter´s Stiefsohn hab ich da Hoffnung :o)
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
detno zu »Jeff Lindsay: Komm zurück, mein dunkler Bruder« 13.07.2009
Mein "Vorschreiber" Schrodo hat am 21.06.2009 genau das schon gesagt, was ich hier eigentlich hätte schreiben wollen.

Nach DES TODES DUNKLER BRUDER (97° von mir) und DUNKLER DÄMON (93°) hatte ich mich mächtiggewaltig auf KOMM ZURÜCK. gefreut.

Die Enttäuschung über den dritten Dexter ist groß. Stellenweise blitzt zwar auch der gewohnte der Humor durch, insbesondere dann, wenn Astor und Cody in der Nähe sind. Der Rest jedoch ist Schweigen. Es fehlt nicht nur der innere Schatten, sondern da ist viel mehr verloren gegangen.

Ich habe mich beim Durchquälen der 424 Seiten oft gefragt, ob wirklich Jeff Lindsay diesen "Psychothriller" (???) geschrieben hat oder wer sonst.

49° für Deborahs Fahrstil und für die beiden Kinder, sonst wären es erheblich weniger Punkte geworden.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Schrodo zu »Jeff Lindsay: Komm zurück, mein dunkler Bruder« 21.06.2009
Nachdem ich die ersten beiden Bücher über Lindsays Dexter Morgan gelesen hatte, habe ich mich schon auf die Fortsetzung gefreut. Jetzt hab ich das Buch gelesen und bin doch maßlos enttäuscht. Kein Tempo, keinerlei Spannung, die Geschichte plätschert nur so dahin. Seitenlange Überlegungen warum der „dunkle Passagier“ verschwunden ist ohne auf den Punkt zu kommen. Und dann, plötzlich und unerwartet, ist er am Ende wieder da! Dieser Band driftet für mich viel zu sehr ins Mystische ab. Aber irgendwie ist alles nicht so erklärt um der Geschichte einen tieferen Sinn zu geben. Einzig der Humor ist noch wie immer. Man kann sich köstlich mit der trockenen Art von Dexter amüsieren und auf fast jeder Seite ist ein Lacher. Aber ich erwarte von einem Krimi einfach mehr Action.
Mein lieber Jeff Lindsay, das war wohl nix….ich les dein nächstes Buch aber doch.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frank zu »Jeff Lindsay: Komm zurück, mein dunkler Bruder« 10.05.2009
Dexter, der symphatische Serienkiller von nebenan und sein "dunkler Passagier" sind zurück.
Oder genauer ausgedrückt verschwindet letzterer, als Dexter in seinem Job bei der Polizei mit einer perfiden Mordserie konfrontiert wird.
Zusätzlich zu den privaten Turbulenzen steht Dexter hier vor einem Rätsel - und beginnt sich zu fragen, welcher Natur dieser "dunkle Bruder" eigentlich ist.
Wie von anderen bereits erwähnt wurde, sollte man zwingend die beiden Vorgängerromane gelesen haben, um diese Sätze überhaupt verstehen zu können.
Im Vergleich zu den Vorgängern fällt der dritte Roman stark ab.
Zum einen durch die Definition des "dunklen Bruders" - das hätte ich eher in einem Horrorroman oä so vermutet, nicht aber in einem Psycho-Thriller. Zum anderen an der letzlichen Erklärung selbst, die arg konstruiert wirkt und eher schadet, als das sie der Reihe nutzt.
Richtig ärgerlich finde ich aber die Geschichte um Dexters potentielle Adoptivkinder - die stellt sich immer mehr als aufgesetzter Unfug da, der zudem absolut unglaubhaft wirkt.
Letzlich ist das hier eigentlich kein Thriller, sondern wohl eher eine Art "Intermezzo" das den Grundstein der weiteren Entwicklung für die Geschichte um Dexter darstellt.
Nett zu lesen ist es - aber aufgrund meiner Kritikpunkte kann ich letzlich nicht mehr als 65% vergeben.
Schade.
map zu »Jeff Lindsay: Komm zurück, mein dunkler Bruder« 22.02.2009
Zum Inhalt von Teil drei der Serie um Dexter brauche ich nichts zu sagen, denn dazu hat User mase bereits alles Nötige geschrieben. Der dritte Teil hat sich vom Stil deutlich verändert, aber eine rabenschwarze Komödie ist er sicher nicht. Die Mischung aus Humor und eiskalter Präzision eines Killers, die den ersten beiden Bänden ihren Reiz verliehen hat, ist dieses Mal so nicht zu finden. Sicher: Dexter ist lakonisch, aber dadurch, weil er Dexter zum ersten Mal menschliche Gefühle - und hier v.a. die Angst - empfinden und ihn auf der Suche nach sich und seinem Dunklen Passagier gar nicht zum Morden kommen lässt, verändert Lindsay die Figur sehr. Auch der Roman selbst fällt aus der Reihe, trägt er doch mystische Züge. Das hätte gut sein können, aber es schlägt fehl. Denn der Leser quält sich mit Dexter 350 Seiten lang durch den Roman, ehe die Story wirklich drive bekommt und auf einen Showdown zugespitzt wird. Dieser Showdown allerdings ist so kurz und wirkt so lieblos und lässt so viele Fragen offen, dass man sich bei aller Sympathie fragt, warum ein im Vergleich zu Band 1 und 2 so halbgares Produkt auf den Markt geworfen wurde, bei dem auch die deutsche Übersetzung des Titels wenig gelungen ist. Man kann nur hoffen, dass dieser Teil nur ein kleiner Tiefpunkt in der Reihe ist und Dexter wieder zu alter Stärke zurückfindet.
mase zu »Jeff Lindsay: Komm zurück, mein dunkler Bruder« 20.02.2009
Der 3. Teil, um Dexter, der seine soziopathischen Mordgelüste auslebt, in dem er sich in die übelsten Serienkiller hineinversetzt, um diese aufzuspüren und diese selbst zu Tode zuschnippeln.

Für den „dunklen Bruder“ ist es in meinen Augen zwingend nötig die vorangegangenen beiden Romane gelesen zu haben, da sich Lindsay oft darauf beruft und so gut wie überhaupt nichts Revue passieren lässt, was damals geschehen ist. Auch den „Werdegang“ Dexters erklärt er kaum, oder nur spät und ansatzweise.

Dieses Mal hat es Dexter wirklich schwer. Seine Stiefkinder wollen mit ihm nachts auf Tour gehen und „mitspielen“, seine Heirat steht bevor und er muss sich mit menschlichen Wünschen wie Cateringservices rumschlagen und sein „dunkler Passagier“ (sein böses Ich) ist verschwunden. In diesem ganzen Trubel übersieht er, dass ein Mörder jagt auf ihn macht.

Seit ich den 2. Teil gelesen habe, sind nun auch schon 2,5 Jahre vergangen, aber ich meine doch, dass Lindays Stil sich stark verändert hat. Diese düstere, psychologisch dichte Stimmung, während Dexter sich seinen Opfern nähert, sie stellt und mit ihnen „spielt“, existiert so gut wie nicht mehr. Hier hat sich Lindsay mehr auf seinen schwarzen Humor konzentriert, der bei den Vorgängern auch schon an geklungen ist. Der „dunkle Bruder“ ist eigentlich mehr eine rabenschwarze Komödie, als Psychothriller. Dexters Menschlichkeit, oder eben seine Nicht-Menschlichkeit steht im Vordergrund und Lindsay spielt mit der Maskerade, die Dexter aufrechterhält, um nicht aufzufallen. Der „dunkle Passagier“ rückt auch in den Focus. Was steckt in Dexter und souffliert ihm seine Mordgedanken. Wo kommt der Passagier her und hat jeder von uns einen solchen?

Der „dunkle Bruder“ liest sich wie ein Drehbuch der Serie „Dexter“ und auf fast jeder Seite ist mindestens ein Lacher zu finden. Eigentlich war es ganz nett zu lesen, kann aber nicht an die Vorgänger anknüpfen.

Trotzdem werde ich den nächsten Teil lesen müssen, denn ich bin sehr neugierig, ob und wie Dexter seine Stiefkinder zu Mördern ausbildet.
6 von 12 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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