Todesinstinkt von Jed Rubenfeld

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel The death instinct, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: USA / New York, 1910 - 1929.

  • New York: Riverhead Books, 2011 unter dem Titel The death instinct. 464 Seiten.
  • München: Heyne, 2011. Übersetzt von Friedrich Mader. ISBN: 978-3-453-26703-9. 624 Seiten.

'Todesinstinkt' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Ein Bombenattentat im New York des Jahres 1920 verwickelt einen Polizisten, einen Arzt und eine Physikerin in eine Verschwörung, die bis ins Weiße Haus reicht und einen Krieg zu entfesseln droht … – Ein spektakuläres Ereignis wird zum Auslöser dieses Thrillers, der geschickt historische Realität und Krimi-Fiktion mischt, den dabei geschürten Spannungssog jedoch durch überflüssige Abschweifungen mildert: Historien-Krimi der gediegenen aber hin und wieder schleppenden Art.

Das meint Krimi-Couch.de: »Prä-Nine-Eleven im Terror-Jahr 1920« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Michael Drewniok

Am 16. September 1920 treffen sich zwei alte Freunde auf der Wall Street in New York. Jimmy Littlemore, Beamter der New Yorker Polizei, freut sich, Dr. Stratham Younger, einen ehemaligen Psychoanalytiker, mit dessen Unterstützung er vor vielen Jahren einen aufsehenerregenden Fall lösen konnte, wiederzusehen. Younger ist in Begleitung der jungen Physikerin Colette Rousseau, die in den USA die Erkenntnisse ihrer Lehrerin, der großen Madame Curie, verbreiten will.

Um 12.01 Uhr endet das Wiedersehen jäh und spektakulär, als vor dem Bankhaus J. P. Morgan eine gewaltige Bombe detoniert. 38 Menschen sterben, hunderte werden schwer verletzt. Littlemore, Younger und Rousseau überleben. Der Polizist will sofort die Ermittlungen aufnehmen, wird jedoch vom noch jungen aber mächtigen FBI und dessen hochmütigen Leiter William J. »Big Bill« Flynn ausgebremst, der die Tat unbedingt italienischen Anarchisten in die Schuhe schieben will.

Littlemore verlässt sich auf akribische Indizienauswertung und kommt zu einem gänzlich anderen Ergebnis. Er hält es nicht für einen Zufall, dass just am Tage der Explosion im alten Schatzamt auf der Wall Street damit begonnen wurde, US-Gold im Wert von 1 Milliarde Dollar in die angrenzende Münzanstalt zu transportieren. Weitere Spuren führen ins angrenzende Mexiko. Dort versucht die Regierung seit Jahren vergeblich, den festen Griff diverser Wall-Street-Magnaten auf die Ölfelder des Landes zu lockern. Sollte dem durch Terror Nachdruck verliehen werden? Schon rüsten die USA für einen Vergeltungsschlag gegen Mexiko. Littlemore, den es inzwischen nach Washington verschlagen hat, muss quasi im Alleingang versuchen, diesen Krieg zu verhindern, was die Verschwörer, die zudem in hohen Regierungsämtern sitzen, natürlich nicht tatenlos geschehen lassen …

Historischer Terror und seelische Abgründe

Der Historienkrimi ist Herausforderung und Hilfe zugleich für den Schriftsteller. Die zeitgenössische Realität der gewählten Bühne muss zwar recherchiert werden, doch die dabei ermittelten Fakten verschaffen dem geplanten Werk bereits ein Gerüst, auf dem die fiktive Handlung ruht bzw. in dessen Lücken sie eingebettet werden kann.

Denn Lücken müssen sein oder werden der Fiktion vom Verfasser künstlich geschaffen. Der Anschlag vom 16. September 1920 bietet beide Möglichkeiten. Einerseits wurden die Hintergründe dieser Tat nie geklärt, was Jed Rubenfeld gestattet, seine Version der Ereignisse zu entwickeln. Andererseits lässt er zahlreiche reale Zeitgenossen auftreten, folgt korrekt der historischen Chronologie und lässt seine Geschichte an tatsächlich existierenden Orten spielen. In einem Nachwort erläutert Rubenfeld sein Vorgehen und gibt zudem an, wo er die Realität ein wenig bog, um sie der Handlung zu unterwerfen – ein völlig legitimes Vorgehen, das daran erinnert, dass der Historienkrimi die Vergangenheit unterhaltsam instrumentalisiert, ohne ihr sklavisch ergeben sein zu müssen.

Freilich zieht Rubenfeld seiner Geschichte buchstäblich eine zweite Ebene ein. Jimmy Littlemore und Dr. Younger treten zwar im selben Roman auf und treffen sich dabei oft, aber sie erleben unterschiedliche und voneinander unabhängige Abenteuer. Während Littlemore den Hintermännern des Anschlags hinterher ist, gerätt Younger wieder einmal in eine Odyssee durch die Abgründe der menschlichen Seele, die ihn immerhin mehrfach über den Atlantik sowie per Eisenbahn, Motorrad und sogar Flugzeug kreuz und quer durch Mitteleuropa führt.

Die Quadratur des Kreises

Schon in seinem Romanerstling »The Interpretation of Murder« (2006; dt. Morddeutung) versuchte Rubenfeld, einen Kriminalfall mit seinem Wissen über die Anfänge der modernen Psychoanalyse zu kombinieren. Im Studium hatte er über Sigmund Freud gearbeitet, der deshalb im genannten Debüt persönlich in das Geschehen eingriff. Morddeutung spielte 1909, was dem Verfasser ermöglichte, Freud in die USA zu bringen, denn dieser besuchte die Vereinigten Staaten im genannten Jahr tatsächlich.

Todesinstinkt spielt elf Jahre später. Freud lebt und bleibt historisch korrekt in Wien. Die Wall-Street-Bombe explodiert in New York. Eine Verbindung zwischen den Ereignissen in Österreich und in den USA gibt es nicht, was Rubenfeld dadurch zu kaschieren versucht, dass er die beiden Stränge im Finale trotzdem verzwirbelt. Dies funktioniert nicht wirklich; der Leser hört die Handlungsmaschine unter der dünnen Ereignisdecke unrund rattern.

Der gesamte Freud-Strang ließe sich nicht nur problemlos, sondern auch zu ihrem Nutzen aus der Geschichte eliminieren. Vage stellt Rubenfeld leitmotivisch den »Todesinstinkt« über seinen Doppel-Roman. Er will keinen einfachen Krimi erzählen, sondern bemüht sich um eine Diagnose der globalen Gefühlslage um 1920. Der I. Weltkrieg hatte nicht nur das Gesicht der Welt verändert, sondern in Sachen Grausamkeit und Tod gänzlich neue Maßstäbe gesetzt. Durch Sigmund Freuds Mund postuliert Rubenfeld den Anbruch einer neuen Ära, in der nicht mehr für ein Ziel, sondern anonym und um des Tötens willen gemordet wird. Der Autor schlägt einen Bogen, der 1920 beginnt und am 11. September 2001 nicht endet, sondern einen Höhepunkt findet; eine These, über diskussionswürdig ist, doch nicht an dieser Stelle, nicht in diesem Roman, der im Finale zumal die Theorie vom »Todesinstinkt« negiert, schnöde, zeitlose Motive wie Machthunger, Geldgier oder Rache offenbart und selbst den genialen aber verrückten Psychopathen aufleben lässt.

Historienkrimi plus Literatur?

Rubenfeld entwirft ein kompliziertes Rätsel, das er souverän nach und nach entwirrt. Die Lösung mag nicht sehr originell sein, aber die meisten Geheimnisse enttäuschen, sobald sie keine mehr sind: Hinter verborgenem Tun stecken meist sehr profane Gründe. Der USA-Handlungsstrang macht deshalb Spaß. Der Verfasser hat ihn im Griff, er hat ein gutes Gespür für Timing und keine Furcht vor spektakulären Effekten. Selbst vor Elementen des Horrors schreckt Rubenfeld nicht zurück, ohne es dabei so zu übertreiben wie mit seinen Krieg-ist-die-Hölle-Klischees.

Künstlich und überdramatisiert wirkt auch die Lovestory zwischen Stratham Younger und Colette Rousseau. Rubenfeld sucht sein Heil im publikumskonformen Entwurf einer früh gleichberechtigten aber von den Gesetzen und Regeln ihrer Zeit geknechteten Frau, die darüber hinaus ihrem kriegsneurotischen Bruder die Eltern ersetzen muss, sich an einem Schurken rächen will, an der Seite von Marie Curie Pionierarbeit als Physikerin leistet und außerdem atemberaubend hübsch ist. Die Leiden der Colette R. haben mit dem eigentlichen Thema höchstens beiläufig zu tun und lenken unnötig davon ab, muss das Urteil daher lauten. Seltsam, dass niemand aus der kopfstarken Schar, der Rubenfeld für Unterstützung und Feedback dankt, ihn darauf hingewiesen hat.

Das augenfreundliche Buch

Die Bedeutung einer Geschichte lässt sich nach Auffassung des deutschen Verlags offenbar an der Breite des Buchrückens ermessen. Was sich im Original über etwas mehr als 450 Seiten erstreckt, wird hierzulande auf 624 Seiten aufgeblasen. Mächtige Buchstaben und großzügige Zeilenabstände sorgen für ein wahrlich (ge-) wichtiges Werk. Da sich dies immerhin nicht in einem höheren Kaufpreis niederschlägt, bleibt höchstens die Klage über das Mehr an Bäumen, die zu Papierbrei zerquetscht werden mussten …

Wenn von »Big Bill« Flynn und seinen Agenten die Rede ist, spricht Rubenfeld (oder ist es sein Übersetzer?) übrigens stets vom »Federal Bureau of Investigation«, also dem heute bekannten FBI. Es wurde allerdings 1908 als »Bureau of Investigation« gegründet und trug diesen Namen bis 1935.

Michael Drewniok, Mai 2011

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Ahotep zu »Jed Rubenfeld: Todesinstinkt« 23.02.2012
Am 16. September 1920 explodiert vor der Bank J.P. Morgan ein Pferdewagen voller Dynamit, wobei mehrere Menschen getötet und Hunderte verletzt werden.

Zufällig befinden sich Detektiv Jimmy Littlemore und sein alter Freund Dr. Stratham Younger sowie die Französin Colette Rousseau in der Nähe, die den Polizisten ursprünglich um einen Rat wegen einer seltsamen Nachricht, eines einzelnen Zahns, der ihr, Colette, in ihrem Hotel hinterlassen wurde, um Rat fragen möchte, in der Nähe und bemühen sich direkt um Hilfe.
Während Littlemore versucht, die Bergung der Toten und Verletzten zu organisieren, die Wall Street abzusperren und erste Ermittlungen anzustellen, kümmern sich Dr. Younger und die junge Frau um die medizinische Versorgung. In all dieser Aufregung entgeht den Dreien völlig, dass die hübsche Französin von mehreren mysteriösen Frauen verfolgt wurde.

Doch schon kurze Zeit später kehrt Colette nicht von einem Apothekengang zurück, bei dem sie neues Verbandsmaterial besorgen wollte. Besorgt suchen Littlemore und Younger nach ihr und müssen in ihrem Hotel feststellen, dass ihr kleiner Bruder von einem Fremden, der sich als Younger auswies, entführt wurde – doch da die Entführer auch das Radium stehlen, das Colette, die früher unter Marie Curie an der Sorbonne Chemie studiert und sich mit Radium befasst hatte, für einen Vortrag in New York mitgebracht hat, gelingt es Younger und Littlemore sie aufzuspüren und zu befreien – doch einer der Entführer kann entkommen.

An dieser Stelle des Romans kristallisieren sich nun zwei deutliche Haupthandlungsstränge heraus: Einmal jener um die Französin Colette und Dr. Younger, der den Hauptteil des Romans ausmachen wird, und jener um Littlemore und seine Ermittlungen über das Attentat an der Wall Street.

Diese Trennung geschieht elegant, indem Ersterer durch ein Gespräch des Polizisten mit Younger eingeleitet wird, in welchem er mehr über Colette erfahren möchte, um herauszufinden, warum man sie verschleppt haben könnte.
So erfahren wir von ihrer Vergangenheit, ihrer Arbeit mit einem radiologischen Wagen während des Krieges, wobei sie Younger kennenlernte, der sich in sie verliebte und von ihrem Bruder Luc, der seit dem Tod der Eltern nicht mehr spricht und um dessen Willen sie Dr. Freud aufsuchen will – zu dem sie in Begleitung Youngers dann schließlich nach Wien reist und sich, wie gesagt, zwei – auch geographisch - getrennte Handlungsstränge ergeben.

Doch Colette zieht es noch aus anderen Gründen nach Österreich, von denen ihr Freund und Verehrer Younger noch nichts ahnt…
Diese Ereignisse bilden den Mittelpunkt des Romans und allein jener Erzählstrang enthält mehrere Spannungsbögen: Die Entwicklung der Beziehung zwischen Younger und Colette, die alles andere als durchschaubar ist, Lucs Neurose, was sie auslöste und inwiefern seine Schwester daran mitschuldig ist und welche Pläne Colette eigentlich verfolgt - und, sofern der Leser sich noch daran erinnert, ob diese mit der seltsamen Botschaft, Colettes Entführung und den mysteriösen, sogar unheimlichen Frauen, die sie anfangs verfolgten, zusammenhängen.
Ich schreibe, sofern sich der Leser daran erinnert, denn tatsächlich steht der Fortgang der Handlung über eine weite Strecke des Romans in keinerlei Verbindung zum Romananfang und diese dort begonnene Handlung wird stark vernachlässigt – obgleich sich der Autor bemüht, auch jenen Erzählstrang fortzuführen.
Leider gelingt ihm dies nicht ganz so elegant, wie die Entwicklung der anderen beiden Handlungsstränge, im Gegenteil: Rubenfeld übertreibt es damit, die Hintergründe und Zusammenhänge möglichst im Dunkeln zu lassen, geht darin sogar so weit, in jenen Erzählstrang einen Hauch von Phantastik einzubringen , um den Leser noch mehr zu verwirren und den Spielraum für dessen Vermutungen noch zu erweitern.
Das hat zwar schon einen gewissen Reiz, aber leider wirken diese Szenen dadurch sehr aufgesetzt, sie passen nicht so recht in den Handlungsfluss, sie wirken zusammenhanglos „reingepresst“ und erzähltechnisch unschön. Meiner Meinung nach hätte dieser Roman an dieser Stelle von einer etwas klareren Linie mehr profitiert als durch das Einfügen noch weiterer (Grusel)Elemente. Manchmal ist weniger mehr.

Colettes und Youngers Geschichte wird immer wieder durch Szenenwechsel nach New York bzw. Washington unterbrochen, da Detektiv Littlemore auf Grund seiner Ermittlungen an der Wall Street, bei denen er schließlich auf einen Golddiebstahl stieß, inzwischen zum Special Agent befördert wurde und sich nun mit den Versuchen mehrerer hochgestellter Personen konfrontiert sieht, das Attentat zu machtpolitischen Zwecken auszunutzen. Falsche Spuren werden gelegt, um Konkurrenten anzuschwärzen und um Gelder einfrieren zu lassen, schließlich sogar, um damit einen Angriff der USA Mexikos rechtfertigen zu können.
Littlemore aber lässt sich nicht beirren, setzt Karriere und Familie aufs Spiel und bemüht sich im Alleingang darum, die Wahrheit herauszufinden – und stößt dann schließlich auf Dinge, die in Zusammenhang mit Colette und den Ereignissen zu Beginn des Romans stehen.

Damit gelingt es Rubenfeld die Handlungsstränge wieder zu verbinden und aufzulösen, leider mehr schlecht als recht, denn die Verbindung wirkt schon recht weit hergeholt und nicht immer ganz durchdacht – zumal der Autor noch einmal fast den gleichen „Fehler“ (wie ich oben ausführte) begeht und noch einen weiteren Handlungsstrang, um Experimente an Frauen, einfügt, der dem Leser zwar mehr Spielraum zum Rätseln bietet, davon abgesehen aber wenig Sinn macht.
Die Auflösung funktioniert trotzdem, zumindest, wenn man sich einfach auf die erzählte Geschichte einlässt, sich mitreißen lässt und über die eine oder andere Stolperstelle hinwegliest.

Man könnte auch an Rubenfelds Figuren „stolpern“, an Dr. Younger, der einerseits in nichts mehr einen Sinn sieht, dem selbst das eigne Leben gleichgültig ist, sich in dieser Situation und mit dieser Einstellung aber heftig in die junge Französin verliebt. An Colette, die ihre Zukunft und ihre Pläne für Madame Curie opfert, die sie bewundert und der sie sehr zugetan ist, aber gleichzeitig nicht bereit ist, für den Mann, den sie liebt von einem gefassten Plan abzulassen. Die sich ihrer Schönheit bewusst ist und sie durchaus auch einsetzt, um ihre Ziele zu erreichen, nur nicht dann, wenn es das natürlichste der Welt wäre…und an der vermeintlich komplizierten Figur ihres schweigsamen Bruders Luc, dessen Verhalten sich dann doch ganz leicht durchschauen und erklären lässt.
Doch der Roman gewinnt dadurch, dass das Verhalten der Charaktere nicht gänzlich logisch und bis ins Kleinste (durch Dr. Freud) erklärt wird, an Lebensnähe, die Figuren wirken gerade durch ihre widersprüchlichen oder im Falle Lucs dann auch wieder leicht nachvollziehbaren Verhaltensweisen natürlich und echt.

Auch der historische Hintergrund birgt einen gewissen Reiz, allerdings wird jeder, der einen relativ realitätsnahen Roman über das Attentat an der Wall Street erwartet, enttäuscht werden, das Buch befasst sich, wie bereits erwähnt, über einen großen Teil ausschließlich mit den rein fiktiven Figuren Dr. Younger und Colette Rousseau, in jenem anderen Teil treten zwar „reale“ Figuren auf, die Handlung ist und bleibt aber fast völlig fiktiv, sie spielt sozusagen nur vor historischer Kulisse. Wer „ein Auge dafür hat“, dem wird Spaß machen, wenn ab und zu ein paar Namen oder Fakten einfließen!

Auch lässt Rubenfeld, wie schon in seinem Vorgängerroman Morddeutung (den man nicht gelesen haben muss, um dieses Buch zu verstehen, es baut nicht unmittelbar darauf auf!) sein Wissen rund um die Psychoanalyse, im Speziellen um Dr. Freud, einfließen – ich fand es interessant, von Kriegsneurosen zu erfahren und wie die ersten Schritte zur Behandlung aussahen oder von den Spekulationen Freuds über den Todestrieb (Thanatos), woher dieser in uns stammen könnte, gäbe es ihn denn wirklich, ob er mit Ursache für Krieg und Terror sein könnte – und wenn, ob man ihn nicht heilen könnte…

Damit ist Rubenfelds Roman auch sehr aktuell, trotzdem er vor hundert Jahren spielt, er regt zum Nachdenken an, er ist anspruchsvoll und vielschichtig, enthält mehrere große und kleine Spannungsbögen, die fesseln – stellenweise vielleicht zu viele, sodass das Ziel, also die Zusammenführung der Handlungsstränge etwas aus den Augen geriet und es letztlich etwas holprig wirkte, aber dennoch hat mich das Buch bis zum Schluss gefesselt!
Daher gibt es von mir 87°.
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