Nada von Jean-Patrick Manchette

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1972 unter dem Titel Nada, deutsche Ausgabe erstmals 1986 bei Matthes und Seitz.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Paris, 1970 - 1989.

  • Paris: Gallimard, 1972 unter dem Titel Nada. 248 Seiten.
  • München: Matthes und Seitz, 1986. Übersetzt von Cornelia Langendorf. ISBN: 3882213655. 248 Seiten.
  • Heilbronn: Distel, 2002. Übersetzt von Stefan Linster. ISBN: 3923208553. 215 Seiten.
  • München: Süddeutsche Zeitung, 2006. Übersetzt von Stefan Linster. Süddeutsche Zeitung Kriminalbibliothek; Band 23. ISBN: 978-3866152472. 142 Seiten.

'Nada' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Die anarchistische Gruppe «Nada», eine Frau und vier Männer, entführt den amerikanischen Botschafter in Frankreich aus einem Pariser Luxusbordell. Aber die Aktion verläuft nicht wie geplant, es gibt Tote. Und die Entführer müssen zusehends erkennen, dass sie die Fäden nicht selbst in der Hand halten, sondern selbst zu Opfern einer staatlichen Manipulation geworden sind, deren Ausführung Kommissar Goémond mit sadistischem Vergnügen übernimmt. Die Gewalt eskaliert.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Himmelfahrtskommando« 84°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Nada ist die Geschichte einer Entführung. Eine winzige Zelle anarchistischer Extremisten kidnappt den amerikanischen Botschafter in Paris und verbreitet ein politisches Kommunique. Die Ermittlungsarbeit der Polizei ist politisch hinterlegt, denn der verantwortliche Kommissar erhält Anweisungen direkt aus dem Innenministerium. Der Staat wird sich nicht erpressen lassen und schon gar nicht von irgendwelchen dahergelaufenen Terroristen. Doch welchen Preis ist man bereit, hierfür zu zahlen? Und wer in Person übernimmt dafür letztlich die Verantwortung?

Von Anfang an ist klar, dass die Entführung in einer Schießerei enden wird, denn das erste Kapitel ist der Brief eines Polizisten an seine Mutter, in dem von dem Einsatz berichtet wird. Erst danach beginnt Manchette mit der Erzählung über die letzten Vorbereitungen der Entführung, beschreibt die letzten Tage der drei Protagonisten aus der sechs Mann starken Terrorgruppe »Nada« vor dem Anschlag. Und sodann die Umsetzung der Tat.

Der Schlag mit der offenen Hand

Manchette war in den 1970ern stilprägend für den sogenannten Neo Polar in Frankreich. Scharfe Dialoge, geschnittene Formulierungen, aber besonders eine bissige und linksgeprägte Kritik an gesellschaftlichen und politischen Missständen sind die unverkennbaren Merkmale der Krimis des Franzosen. Wuchtig und präzis knallen dem Leser die Kugeln um die Ohren. Brutal und geradezu auf verzweifelt beklemmende Art authentisch spitzt sich auch bei Nada die Handlung auf ein überraschendes und offenes Ende zu. Hinzu kommt ein spezieller Humor, der sich nicht nur in diesem Roman in der Wahl der Namen offenbart. Eine gezielte Anspielung auf Manchettes eigenen Namen, der soviel wie »Schlag mit der offenen Hand« bedeutet und worauf der Autor unverhohlen stolz war.

Dabei ist seine Erzählung stets auf das Wesentliche reduziert. Die genauen Motive für die Entführung werden zu keinem Zeitpunkt umrissen. Die Täter sind Anarchisten, was dem Leser als Beweggrund reichen muss. Ihr Kommunique wird als solches zwar erwähnt, doch sein Inhalt weder im Wortlaut noch zusammenfassend beschrieben. Wohl aber sind sich zumindest zwei der Täter bewusst, wie ausweglos ihr Unternehmen ist. Egal, es wird gehandelt und basta! Viel interessanter ist es jedoch, die Reaktion des Staates und das Zusammenspiel der Staatsgewalten zu beschreiben. Die Konsequenz, mit der hier über Handlungsoptionen entschieden wird, wirkt verstörend demaskierend.

Nada war 1972 nach Die Affäre N’Gustro und Tödliche Luftschlösser bereits der dritte Kriminalroman, den Manchette allein verfasste (zuvor auch Lasst die Kadaver bräunen mit J.P. Bastid, 1971). Es war dies der erste seiner insgesamt zehn Kriminalromane, der verfilmt wurde, nämlich bereits 1974 von Claude Chabrol. Bis heute wurden noch fünf weitere dieser Romane verfilmt. 1995 starb der Kettenraucher Manchette im Alter von nur 52 Jahren an Lungenkrebs.

Thomas Kürten, März 2009

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NomisBlackPearl zu »Jean-Patrick Manchette: Nada« 08.01.2010
Ist auch mein erster Krimi von Manchette.
Muss aber sagen, diese Schreibweise , mit den schnell aufeinanderfolgenden Ereignissen ohne grosse Schnörkel und Gelabere ist schon eigentlich genial.
Das Buch ist jetzt nicht gerade das spannendste aber doch gut lesbar.
Ob ich mir ein weiteren Krimi von Manchette zu Gemüte führen werde lasse ich mal offen...
engelmicha zu »Jean-Patrick Manchette: Nada« 18.07.2009
Finde den Roman zwar nicht so unlesbar wie Silvia. An einigen Stellen fand ich sogar sprachlich richtig originelle Schmankerl. Aber die Dialoge lassen teilweise recht stark zu wünschen übrig.
Im Übrigen entspricht die Darstellung des "Linksterrorismus" wohl eher dem bürgerlichen Weltbild des Autors, und hat mit der Realität herzlich wenig zu tun. - Mehr oder minder durchgeknallte Typen, die ihre verkorkste politische Vergangenheit als Vorwand benutzen, um noch mal einen ordentlichen Coup zur Befriedigung ihrer materieller Interessen zu landen. Einfach nur peinlich. Das das ganze auch noch von Claude Chabrol verfilmt wurde macht das alles nur noch schlimmer.
lev25 zu »Jean-Patrick Manchette: Nada« 22.09.2007
Einfach nur genial! Das war mein erster Manchette-Roman und ein Argument alles weitere von dem Mann zu lesen. Schnell, logisch, spritzig und niemals langweilig. Ein Buch das fast jedem Mann gefallen- und gut tun wird. Eine Sprache die einfach aus dem Leben gezogen wurde. Kein allzu interlektuell inszinierter Müll. Nein, ein Buch welches wirklich süchtig nach viel mehr macht. Wirklich nicht geeignet für Menschen, die vorm ehelichen GV die Kleider ordentlich gefaltet über den Stuhl legen, sondern vielmehr für diejenigen, die sie sich vom Leib reißen!

Silvia, Dein "Stummer Diener" sollte demnächst für Deine Meinung herhalten. War nur ein kleiner, liebgemeinter Tipp!
2 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Frank zu »Jean-Patrick Manchette: Nada« 20.11.2006
Grandioses Buch; als wenn Dijan, Bukowski und Burroughs nach dem Genuss von viel Rotwein, Godards "Weekend" und Camus "Mensch in der Revolte" einen drauf gemacht hätten. Sehr klug, sehr rasant, sehr klar, sehr wahr - und auch sehr gut geschrieben. Liebe Silvia, lies doch lieber gleich die Ingrid N. Nix für ungut... :-)
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Thadeus zu »Jean-Patrick Manchette: Nada« 13.09.2006
Ich mag den Roman sehr. Extrem spannend und mit historischem Hintergrung und einem extrem spannenden Finale. Manchette ist wohl mein neuer Lieblingsautor!
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mr sécret zu »Jean-Patrick Manchette: Nada« 05.01.2005
Silvia du depperle.
J-P M is der beste Krimiautor alles Zeiten seine Sprache ist leicht zu lesen und absolut genial.
Ich bin voll fasziniert von Manchette. Zu schade dass er nicht mehr lebt und uns mit weiteren Schmuckstücken beglücken kann. Ich hab jetzt 6 Bücher von ihm gelesen und bin schon fast traurig, dass nicht mehr alzu viele übrig bleiben die ich noch nicht durch hab.
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Olivier zu »Jean-Patrick Manchette: Nada« 25.05.2004
Die Silvias Meinung ist "à mourir de rire" (wie wir sagen in Frankreich). "Nada" ist nicht das besser, aber ein gutes Buch von Manchette. "Comprenne qui peut".
PS : Entschuldigung für meine schlechte Praxis der schöne deutsche Sprache !

0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Silvia zu »Jean-Patrick Manchette: Nada« 12.11.2002
Dieser Roman ist einfach unlesbar! So einen Schrott, der ein Krimi sein soll, ist einfach unmöglich- unlogischer Aufbau der Handlung und zu seichte Dialoge - wer will so etwas eigentlich lesen?! ZUdem ist die Übersetzung nicht gerade eine Glanzleistung, was dazu führt, dass der Eindruck vom Werk nicht gerade besser wird. Falls mich jemand vom Gegenteil überzeugen kann, dann ok, ansonsten musste ich das einfach mal loswerden.
1 von 7 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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