Die Affäre N´Gustro von Jean-Patrick Manchette

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1971 unter dem Titel L´Affaire N´Gustro, deutsche Ausgabe erstmals 1990 bei Bastei Lübbe.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich, 1970 - 1989.

  • Paris: Gallimard, 1971 unter dem Titel L´Affaire N´Gustro. 2004 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 1990 Rette deine Haut, Killer. Übersetzt von Rudolf Brenner. Schwarze Serie Bd. 19145. Mit einem Nachwort von Rudolf Brenner.. ISBN: 3-404-19145-5. 2004 Seiten.
  • Heilbronn: Distel, 2004. Übersetzt von Stefan Linster. ISBN: 3923208642. 215 Seiten.

'Die Affäre N´Gustro' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Der junge Henri Butron ist ein richtiger Fiesling; er will alles: Geld, Sex und Ruhm, und das sofort, und hält sich für einen ganz harten Typen. Ein politischer Wirrkopf. Früher beteiligte er sich an den Gewalttaten der rechten OAS. Als er Anne und ihre Mutter Jacquie kennenlernt, wechselt er die Seiten. Er wird Leibwächter von N’Gustro, dem Führer einer afrikanischen Befreiungsbewegung, und mischt sich in Politik und Komplotte ein, nur zum Spaß, wegen des Geldes, dem Ruhm. N’Gustro muß es ausbaden; er wird mitten in Paris von zwei Männern, die sich als Polizisten ausweisen, mitgenommen und entführt. Die Geschichte Manchettes beruht auf einem realen Fall: Der Affäre Ben Berka . Der marokkanische Politiker war Führer einer Befreiungsbewegung und lebte in Frankreich im Exil. 1965 wurde er in Paris unter mysteriösen Umständen entführt und dann ermordet. Der Skandal wurde von den Behörden vertuscht und ist bis heute nicht restlos aufgeklärt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein Opportunist spielt eine Klasse zu hoch« 58°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Mit der Affäre N’Gustro schuf Jean-Patrick Manchette etwas Neues. Er politisierte – ja, radikalisierte – die französische Krimitradition auf schroffe und barsche Weise, brachte Gewalt und Sex als Stilmittel und Leitmotive ein. Ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen verpasste er so dem Kriminalroman eine neue Stilrichtung, die seitdem Neo Polar genannt wird.

Wie gesagt, »Die Affäre N’Gustro« ist lediglich sein erster Roman und betrachtet man ihn allein von der Seite der Handlung aus, mag er nur wenig begeistern: Da wird ein junger Mann direkt im ersten Kapitel ermordet und ein Tonband, das dieser unmittelbar vor seiner Ermordung besprochen hatte, entwendet. Der Rest des Roman besteht daraus, dass sich zwei Männer eine Nacht lang dieses Tonband anhören. Auf diesem Band erzählt der Ermordete seine Lebensgeschichte, die mit der – letztlich für ihn tödlichen – Affäre N’Gustro endet.

Betrachtet man den Roman einmal rein stilistisch, so hat er schon wesentlich mehr zu bieten. Er fängt an mit einem Nachruf auf den Ermordeten, der eigentlich von allen Seiten als dummer Widerling beschrieben wird. Dann schon im ersten Kapitel klare, kalte, knappe Sätze und die distanzierte, bald schon wissenschaftlich unbeteiligte Beschreibung der Ermordung. Dies ist der brutalstmögliche Angriff auf den Leser. Nach gerade mal drei Seiten verrät Manchette, wie es enden wird. Muss es da noch interessieren, wie es dazu kam?

Nur Stilmittel reichen nicht

Zumal er den Protagonisten als echten Kotzbrocken darstellt. Einer von der Sorte, die sich immer wichtig machen müssen, aber irgendwie nichts so richtig gebacken kriegen. Henri Butron (so heißt der eingangs Ermordete) will Geld, Sex und Anerkennung – aber pronto! Ein echter Opportunist. Durch Zufall gerät er dabei an Leute, die eine ganze Liga höher spielen. Und das wird nicht nur ihm zum Verhängnis.

Apropos Stilmittel: Der Name Butron selbst ist ein solches Stilmittel und Markenzeichen Manchettes. Butron lässt Assoziationen zu mehreren französischen Wörtern zu, etwa zu buté (halsstarrig), butoir (Prellbock), butor (Rüpel) oder butter (abmurksen). Die Edition im Distel Literatur Verlag liefert einen Anhang, in dem solche Wortspiele erklärt werden. Manchette liebte das Spiel mit plakativen Namen, fast jede seiner Figuren bekommt hier ihr Fett weg.

1971 war dieser Roman noch eine Art Provokation, seine Sprache skandalös. Nach gut 40 Jahren kann Die Affäre N’Gustro allein aufgrund stilistischer Spielereien, die inzwischen von vielen anderen Autoren genauso beherrscht werden, nicht mehr überzeugen. Begeisterungsstürme kann auch die Handlung nicht wecken. Für Manchette-Fans sicherlich unvermeidlich, diesen Erstling in die Sammlung zu stellen. Wer jedoch nach der Faszination Manchette sucht, wird nach diesem Roman nur große Fragezeichen vor Augen haben.

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Peter zu »Jean-Patrick Manchette: Die Affäre N´Gustro« 09.06.2009
Ah, German readers are luckier than English ones. We English-speaking Manchette readers must content ourselves with the books translated in English as "The Prone Gunman" and "Three to Kill."
=
Detectives Beyond Borders
"Because Murder Is More Fun Away From Home"
http://detectivesbeyondborders.blogspot.com/
Bartensen zu »Jean-Patrick Manchette: Die Affäre N´Gustro« 21.08.2008
Henri Butron ist ein unsympathischer, arroganter und überheblicher Fiesling und Macho mit rassistischen Tendenzen. Sein leichtfertiges lavieren zwischen Pseudo-Revolutionären, Geheimdiensten und afrikanischen Guerilleros aus einem selbstherrlichen Spaß heraus, macht ihn zur Zielscheibe eben jener, die er glaubt manipulieren zu können.
Die Affäre N´Gustro ist seine Geschichte und obwohl Fazit und Epilog am Anfang des Buches stehen, versteht es Jean-Patrick Manchette auf äußerst spannende Weise diese Geschichte aus zwei Blickwinkeln bis hin zum Finale zu erzählen.
Jean-Patrick Manchettes Sprache ist hart und derb, an einigen Stellen fast schon wiederwärtig, was allerdings perfekt zu der Gestalt des Henri Butron und seines Wiedersachers passt. Auch die Charakterisierungen der anderen Personen des Buches geschehen fast ausschließlich aus dem Blickwinkel Henri Butrons heraus, wirken dadurch natürlich etwas einseitig, aber auch das ist Absicht und unterstreicht nur den Charakter Henri Butrons.
Eine gelungene Mischung aus Polit-Thriller, Noir und Autobiographie, die Jean-Patrick Manchette aus einer wahren Geschichte heraus konstruiert : Die Affäre um den marokkanischen Oppositionspolitiker Ben Barka (hier N´Gustro) im Jahre 1965.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
lev25 zu »Jean-Patrick Manchette: Die Affäre N´Gustro« 10.10.2007
Habe soeben meinen zweiten "Manchette" gelesen und sage dazu nur: genial! Wo andere Autoren Wellen schlagen,,erzeugt Manchette einen ganzen Tzunami. Mit minimalem Worteinsatz baut er Szenen und Situationen auf, bei denen ich mich frage, wie er das bloß anstellt. Der Leser ist immer dicht am Thema. Der Autor versprüht eine Dynamik ohne zu langweilen. Seine Sprache ist denen der Charaktäre angepaßt. Ein Macho redet halt wie ein Macho und der Anarcho wie ein Anarcho. Deswegen kann ich der Kritik so einiger Leser nicht immer folgen, die behaupten, daß die Sprache von Manchette zu derb sei. Ich finde es recht überzeugend. Welcher Sprache sollte sich denn ein asozialer brauner Schläger im Roman auch bedienen?

In der "Affäre N´Gusto" spiegelt Manchette meisterlich einen kleinen Teil der französischen Wirklichkeit der 60er Jahre wider. Ich weiß nicht, ob Killerkomandos solchermaße ihre Opfer töten. Keine Ahnung, ich habe einen anderen Beruf erlernt. Aber zu keinem Zeitpunkt wagt der Autor über gut und böse zu bestimmen. Er überläßt es dem Leser auch mal (AUSNAHMSWEISE) mit einen braunen Fascho zu symphatisieren. Er wertet nicht, nein! er beschreibt und überläßt uns die Wahl unserer Emotionenen. Da ich persönlich Moralin nicht mag, komme ich sehr gut mit seinem Stil klar. Reinschauen lohnt sich in jedem Fall.
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TSE zu »Jean-Patrick Manchette: Die Affäre N´Gustro« 05.08.2004
Na das Buch ist etwas gewöhnungsbedrüftig. Ist das denn ein Krimi oder Thiller?
Die sogenannte "harte" Spache geht einen mit der Zeit auf den Kecks und richtig in Fahrt kommt der Roman auch erst im letzten Drittel.
Klassiker ?
Na wenn die Kritiker meinen, aber die haben meist eine andere Meinung als der geneigte Leser.

Vorteil von den Buch:
Es liest sich weg, da sich der Autor seiner Fähigkeiten als Drehbuchautor bedient hat.

Ansonsten. Na ja, wer mal was von einem "coolen" Mann (?????) lesen will. der er nur in seiner Fantay ist. Bitte.
Ansonsten, muß nicht sein.
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daniel oprea zu »Jean-Patrick Manchette: Die Affäre N´Gustro« 21.04.2004
hat mir sehr gut gefallen. überhaupt die wortwahl und ausdrucksweise des Autors is geradezu umwerfend gewalttätig und evntll etwas makaber lustig. naja... geschmackssache :) ...

wer auf harte sprüche und sarkasmus steht, kann sich das buch ruhig unter den nagel reissen hehe...
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