Die Wahrheit des Blutes von Jean-Christophe Grangé

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel Kaiken, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Ehrenwirth.

  • Paris: Éditions Albin Michel, 2012 unter dem Titel Kaiken. 432 Seiten.
  • Köln: Ehrenwirth, 2013. Übersetzt von Ulrike Werner-Richter. ISBN: 978-3-431-03870-5. 432 Seiten.
  • Köln: Bastei Lübbe, 2014. Übersetzt von Ulrike Werner-Richter. ISBN: 978-3-404-17092-0. 432 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Lübbe Audio, 2013. Gesprochen von Martin Keßler. ISBN: 3-7857-4790-X. 432 CDs.

'Die Wahrheit des Blutes' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuchE-Book

In Kürze:

Olivier Passan, Polizeikommissar und Einzelgänger, steht kurz davor, einen raffinierten Serienkiller zu stellen, der es auf schwangere Frauen abgesehen hat. Zugleich versucht er zu begreifen, warum die Ehe mit seiner japanischen Frau Naoko offenbar gescheitert ist. Als in ihrem gemeinsamen Haus bedrohliche Dinge geschehen, vermutet Passan zunächst einen Racheakt des Killers. Doch dann stellt sich heraus, dass die Anschläge mit der geheimnisvollen Vergangenheit Naokos zu tun haben.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mit brutaler Gewalt in den Untergang« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Hauptkommissar Olivier Passan bekommt einen Tipp, der ihn und seinen Partner Philippe »Fifi« Delluc nachts in das Wohnviertel Le-Clos-Saint-Lazare führt, einem der größten sozialen Brennpunkte von Paris. Doch Passan und Fifi kommen zu spät und finden nur noch die grausam entstellte Leiche einer jungen Afrikanerin, die im neunten Monat schwanger war. Sie ist bereits das vierte Opfer des »Geburtenhelfers«, der es auf im fortgeschrittenen Stadium schwangere Frauen abgesehen hat. Passan ist sich sicher, dass sich hinter dem gesuchten Serienmörder Patrick Guillard verbirgt, ein höchst erfolgreicher Betreiber mehrerer Autohäuser. Doch Passan ist von einem blinden Ehrgeiz getrieben, denn wie viele Indizien für seinen Verdacht sprechen mögen, bislang gibt es keinen einzigen handfesten Beweis gegen Guillard und so gerät der jüngste nächtliche Einsatz zu einem wahren Fiasko. In der Folge wird Passan strafversetzt, aber mit Hilfe Fifis verfolgt er weiter mit unbändiger Entschlossenheit und unter außer Achtlassung aller polizeilichen Gepflogenheiten seinen Verdächtigen.

Passans Leben hat aber nicht nur durch den harten Kampf gegen Guillard mächtig Schlagseite erlangt, denn sein Privatleben gleicht ebenfalls einer Hölle. Er und seine japanische Frau Naoko haben sich schon seit einigen Jahren nichts mehr zu sagen, sind nur der beiden Kinder wegen zusammen geblieben und wollen sich nun scheiden lassen. Nachdem Passan aus der gemeinsamen Villa ausgezogen ist, passieren dort allerdings unheimliche Dinge die Naoko und die Kinder bedrohen. Die Jagd nach Guillard und der Schutz seiner Familie verlangen Passan alles ab, doch das ganze Ausmaß der Ereignisse kann selbst Passan nicht erahnen &

Erfolgsautor Jean-Christophe Grangé ist nicht als Meister der leisen Töne bekannt. Keine Geschichte kann undurchschaubar und gewalttätig genug sein. So verhält es sich auch in Die Wahrheit des Blutes, dessen Plot dem Leser mehrfach den Atem verschlägt. Dabei lesen wir (mindestens) zwei Geschichten in einer. Die Jagd auf einen Serienmörder der schwangere Frauen abschlachtet sowie die gruseligen Vorkommnisse, die Passans Familie bedrohen. Dabei ist anzumerken, dass insbesondere die Schilderungen der Morde des »Geburtenhelfers« extrem brutal sind. Ein Politiker würde hier vermutlich anmerken, dass »die rote Linie« überschritten wurde. Dies nur als Warnung! Umso enttäuschender ist allerdings gerade das Finale des Duells zwischen Passan und Guillard, wenngleich dieses recht ungewöhnlich ausfällt. Der zweite Handlungsstrang, die »privaten Anschläge«, erhöht noch einmal kräftig das Erzähltempo und sorgt für einige Überraschungen.

»Ich wurde im Zeichen des Ekels und der Verleugnung geboren. Aufgewachsen bin ich in einem Strom von Beleidigungen und Unrat. Es war die Not, die zu meiner Größe geführt hat  genau wie Christus. Das Martyrium hat mich erschaffen und mich über mich hinauswachsen lassen. Ich bin die Einheit. Ich bin das Feuer und der friede, der Tod und das Heil.«

Immer wieder nimmt Grangé das Tempo aus seiner Erzählung, um die Protagonisten, allen voran die dauernd streitenden Passan und Naoko, vorzustellen. Passan hat eine schwere Kindheit hinter sich und verliebt sich als junger Erwachsener in Japan, allerdings das traditionelle Japan mit seinen strengen Verhaltensregeln und Ehrencodizes. Naoko musste hingegen unter ihrem strengen Vater eine ebensolche Erziehung durchlaufen und sehnt sich nun nach westlicher Freiheit. Nach und nach zeigt sich (nicht nur) dem Leser, dass in diesem Roman alle Figuren ihre Päckchen zu tragen haben und das Meiste nicht so ist wie es zu sein scheint. Die Wahrheit des Blutes ist eine action- und temporeiche Fahrt direkt in die seelischen Abgründe ihrer Figuren, aus denen es kein Entkommen gibt. Alle Personen stehen körperlich und geistig am Abgrund, sind kaum noch anpassungsfähig und neigen zu Überreaktionen und Gewalt. Sympathie für einzelne Figuren kann so keine aufkommen und ist auch nicht beabsichtigt. Ein düsteres Szenario, dass unaufhörlich von einer zur nächsten Katastrophe führt. Dazu gibt es ebenso detaillierte wie interessante Einblicke in die japanische Geschichte sowie in das Leben des gegenwärtigen Japans, deren Unterschiede kaum größer sein könnten. Und auch die Einblicke in das Großstadtleben von Paris mit seinen tristen sozialen Problemvierteln, wo die Menschen eher auf Polizisten losgehen anstatt ihnen bei ihrer Arbeit zu helfen, wirken verstörend.

Die traditionellen japanischen Regeln der Ehre enthalten übrigens eine Legitimation zur Zerstörung wie zur Selbsttötung. Für mehr scheint es auch in der Gegenwart nicht zu reichen.

Jörg Kijanski, Oktober 2013

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JaneM. zu »Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes« 23.03.2015
"Die Wahrheit des Blutes" beginnt voluminös und ohne lange Einleitung: Kommissar Passan jagt einen Serienmörder, der es mit abstoßender Praktik auf schwangere Frauen und ihre Ungeborenen abgesehen hat. Sein Jagdrevier ist ein trostloser Pariser Vorort und Passan hat mit dem Autohändler Guillard bereits einen Hochverdächtigen im Visier. Grange steigt mit einer Jagdszene auf Guillard ein, in der Kommissar Passan fast die Nerven verliert und den beinah den Verdächtigen tötet. Dieser kann jedoch entkommen und die Suche und das - wie immer bei Grange- sehr bizarre Motiv des Täters bilden den ersten Teil des Thrillers.
Während dieser atemlosen Jagd wächst nebenbei der zweite Teil der Geschichte heran. Passan hat Eheprobleme. Er und seine japanische Frau Naoko haben sich nicht mehr viel zu sagen. Nur die beiden Söhne scheinen beide noch zu verbinden. Naoko gibt sich asiatisch freundlich, aber verschlossen. Passans Fimmel für traditionelle japanische Kultur geht ihr auf den Geist, hat sie sich doch gerade von diesen Traditionen gelöst und ist nach Frankreich gezogen. Dann geschieht Unheimliches im Haus des Kommissars und seiner Familie. Ein unapettitlicher Fund im Kühlschrank, unerklärliche Blutspuren im Bad und Schlimmeres. Passan glaubt, dass der Autohändler und Serienmörder, auf den er Jagd macht, aus Gründen der Rache dahinter steckt.
Aber weit gefehlt.
Hier entwickelt sich die zweite, eigene Geschichte. Langsam wird dem Leser klar, dass Naoko ein großes Geheimnis hat, das sie nun einzuholen scheint. Der Grund liegt in ihrer Heimat Japan und den von ihr so verhassten Traditionen.
"Die Wahrheit des Blutes" ist nicht Granges bester Thriller, aber ein gelungener. Im Prinzip zwei Thriller in einem. Die Geschichte um den "Geburtshelfer" Guillard hätte anderen Autoren sicher schon als Handlung an sich ausgereicht (und hätte sich ohne Qualitätsabstriche auch ausweiten lassen). Aber nein, Grange benutzt die Geschichte eher als warm up.
Ist der Leser dann in die zweite Handlung um Naoko vertieft, bleibt der erste Handlung mehr wie ein vorher gelesenes Buch in ferner Erinnerung. Die japanische Kultur und die zurückhaltende, aber auch grausam und selbstzerstörerisch anmutende Mentalität der Menschen dominiert den zweiten Teil. Wie immer bei Grange- brutal, alptraumhaft und oft an der Ekelgrenze oder darüber.
Als gemeinsames Thema beider Handlungsstränge sind vielleicht körperliche- nun ja- Besonderheiten zu nennen.
Janosch79 zu »Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes« 27.02.2015
Nachdem die letzten Thriller des französischen Altmeisters Jean-Christophe Grangé mich mehr als enttäuscht haben, hat mich
"Die Wahrheit des Blutes" sehr positiv überrascht.

Die wichtigste Person des Buches, Kommissar Olivier Passan, ist auf der Suche nach einem brutalen Mörder, der schwangere Frauen tötet.
Sein Verdacht fällt dabei auf Guillard, den Besitzer einer Autowerkstatt. Passan ist wie besessen ihn zur Strecke zu bringen.
Der Kommissar erweist sich dabei als Mensch, der für die Überführung des Täters über Leichen geht.
Eine weitere wichtige Rolle spielt seine Ehefrau, eine Japanerin.
Beide verbindet die Begeisterung für Japan, wobei Passan sich eher für das Traditionelle des Landes interessiert, während seine Frau genau aus diesem Grund nach Frankreich gekommen ist, um alte Muster abzuschütteln.
Als das Leben von Passan´s Familie in Gefahr gerät, spitzt sich die Lage zu.

Besonders auffallend ist, dass im aktuellen Werk von Grangé ein großer Einblick in die westliche und fernöstliche Kultur gegeben wird.
Dadurch werden auch die Verhaltensweisen der Protagonisten näher beleuchtet.
Interessant ist, dass alle Figuren mit Dämonen zu kämpfen haben, denn dies erklärt auch die Eheschwierigkeiten von Olivier Passan.
Dem französischen Starautor ist es von Beginn an gelungen, den Leser zu fesseln.
Das Ende enttäuscht vielleicht ein wenig, weil man gerne wissen würde, wie es in der Ehe von Passan weitergeht.
Insgesamt ist es aber wieder ein echt gelungener Thriller von Jean-Christophe Grangé.
Andreas.S zu »Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes« 12.01.2015
Ich habe schon fast alle "Grangés" gelesen und er vermag mit seinen Geschichten und originellen Themen meistens gekonnt zu fesseln. Die ersten 4 Romane sind für mich faszinierende Werke. Die neueren Bücher leiden jedoch darunter, dass er gegen Ende des Buches, wenn es um die Auflösung geht, jeweils deutlich schwächer wird und manchmal auch sein Blut-Thema überstrapaziert. Gerade Kaiken wirkt auf mich sehr konstruiert, und die abstrusen Wendungen im 2. Teil lassen einem nur noch den Kopf schütteln. Aber darunter tut es Grangé halt nicht mehr...
BELSL zu »Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes« 05.01.2015
Ich gebe meinen Vorschreibern darin recht, dass es nicht Grangés bestes Buch ist, aber Sympathien konnte ich entwickeln, dies für fast alle Figuren bis auf den Geburtshelfer.

Eigentlich werden Polizeibeamte immer positiv geschildert, als Ritter ohne Tadel die für die Gerechtigkeit kämpfen, mir gefällt,dass es hier anders ist, Grangé räumt mit diesem Mythos auf wie er dies ja gerne tut.

Ja, im Grunde sind es zwei Romane, aber die Schilderung der Besessenheit des Protagonisten den Geburtshelfer zu fangen zeigt sehr viel von seinem Wesen, der Hauptstrang der Erzählung ist für meine Begriffe die Schilderung einer Ehe und das ist neu bei Grangé, in seinen früheren Erzählungen war das Feld viel größer, alles viel verschachtelter, viel mysteriöser.
BELSL zu »Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes« 05.01.2015
Ich gebe meinen Vorschreibern darin recht, dass es nicht Grangés bestes Buch ist, aber Sympathien konnte ich entwickeln, dies für fast alle Figuren bis auf den Geburtshelfer.

Eigentlich werden Polizeibeamte immer positiv geschildert, als Ritter ohne Tadel die für die Gerechtigkeit kämpfen, mir gefällt,dass es hier anders ist, Grangé räumt mit diesem Mythos auf wie er dies ja gerne tut.

Ja, im Grunde sind es zwei Romane, aber die Schilderung der Besessenheit des Protagonisten den Geburtshelfer zu fangen zeigt sehr viel von seinem Wesen, der Hauptstrang der Erzählung ist für meine Begriffe die Schilderung einer Ehe und das ist neu bei Grangé, in seinen früheren Erzählungen war das Feld viel größer, alles viel verschachtelter, viel mysteriöser.
Rosenstein zu »Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes« 05.06.2014
Ich fand den Roman sehr viel besser als den Vorgänger "Der Ursprung des Bösen". Zwar hatte ich anfangs meine schwierigkeiten mit dem Aufbau der Geschichte (ich stieß mich an der Tatsache, dass Guillard schon gleich als Täter benannt war), doch packte mich die zweite Hälfte des Buches sehr!
Alleine die Beschreibung des tristen, verregneten Tokios, die Informationen über die Kultur und Geschichte Japans und Passans Rolle als leicht verlorener Europäer in der von ihm so geliebten, aber dennoch fremden Kultur waren genau dass, was ich an Grange so schätze!Generell genoss ich den exotischen Schauplatz des Finales. Sowas hatte ich im Vorgänger Buch und schon bei "Choral des Todes" sehr vermisst.Kein Roman auf Augenhöhe mit den "purpurnen Flüssen" oder "Flug der Störche" und auch kein zweites "Herz der Hölle"(mein bisheriger Favorit) aber dennoch spannend, interessant und cool!
geri zu »Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes« 29.09.2013
Eine überzeugende, detaillierte und gute atmosphärische Beschreibung der Kulissen, mehrere spannende Handlungsfäden, die leider durch die Dichte traumatisierter Charaktere verlieren.
Sämtliche Hauptpersonen kämpfen mit Kindheitserlebnissen, teils durch angeborene, teils durch familiär und kulturell bedingte Defizite: in Summe ein bisschen gar zu dick aufgetragen.
Das Finale ist ein Widerspruch in sich und überzeugt nicht.
Was das Buch trotzdem lesenswert macht, sind die stimmigen psychologischen Skizzen der Protagonisten. Freud hätte seine Freude.
Fatul zu »Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes« 26.08.2013
Ich habe alle Granges gelesen, dies ist aber der banalste. Nach dem gelungenen Vorgänger scheint es mir, als habe Grange das ganze relativ lustlos heruntergeschrieben um wieder was Neues zu haben. Der steinerne Kreis war bisher das schwächste Werk, aber nur wegen des furchtbaren Schlusses, ansonsten wars eigentlich ein spannender guter Krimi. An den Flug der Störche oder die purpurnen Flüsse kommt dieses Werk jedoch lange nicht heran
armin zu »Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes« 04.08.2013
das buch war ok.zwar nicht so gut wie die vorgänger...aber geht trotzdem.
man ist natürlich verwöhnt von den guten anderen romanen von ihm.
taschenbuch hätte auch gereicht.
war aber zu ungeduldig.+was für ein mist hier jetzt gezwungen zu werden die zeichen vollzukriegen.:blödsinn !!
der autor ist gut.leider ist halt nicht jeder roman ein großer wurf.
Peter Kniest zu »Jean-Christophe Grangé: Die Wahrheit des Blutes« 03.08.2013
Nicht so schlecht wie " Der steinerne Kreis", aber kein ganz groszer Wurf. Grange kann es besser. Nach etwa der Hälfte der Geschichte gibt es mit dem Tod des Boesewichtes einen Schnitt. Danach bekommt der Autor irgendwie nicht den Übergang hin. Es fängt eine völlig neue Geschichte an. Mittleweile haben Minier mit " Schwarzer Schmetterling" sowie Franck Thilliez mit " Oeffne die Augen" , die seinen Stil kopiert haben, jeweils den besseren als den aktuellen Grange vorgelegt.
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