Der Ursprung des Bösen von Jean-Christophe Grangé

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 unter dem Titel Le passager, deutsche Ausgabe erstmals 2012 bei Ehrenwirth.

  • Paris: A. Michel, 2011 unter dem Titel Le passager. 749 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Ehrenwirth, 2012. Übersetzt von Ulrike Werner-Richter. ISBN: 978-3-431-03852-1. 768 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Lübbe Audio, 2012. Gesprochen von Dietmar Wunder. ISBN: 3-7857-4601-6. 6 CDs.

'Der Ursprung des Bösen' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Mathias Freire leidet unter einer rätselhaften Krankheit: Sobald er in Stress gerät, verliert er das Gedächtnis. Und wenn er das Bewusstsein wiedererlangt, ist er ein anderer: Ein neues Ich hat sich formiert, mit einer neuen Vergangenheit, einem neuen Lebensschicksal. Währenddessen sucht die Polizei nach dem Täter einer Serie von Ritualmorden, die allesamt in der Nähe Freires verübt wurden, ohne dass man diesem etwas nachweisen kann. Und wenn nun doch er der Mörder ist? Freire gerät zunehmend in Panik. Auf sein Gedächtnis ist kein Verlass. Also muss er einen anderen Weg finden, um seine Vergangenheit zu rekonstruieren. Doch die Suche nach seiner wahren Identität wird schon bald zu einem entsetzlichen Albtraum, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Ein Albtraum, der in einem dunklen Geheimnis um Freires Herkunft begründet liegt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Viel Spannung und ein schwaches Ende« 75°

Krimi-Rezension von Brigitte Grahl

»Er war wie eine dieser russischen Puppen: Wenn man die erste öffnete, fand man eine kleinere.« Psychiater Mathias Freire bekommt einen neuen Patienten. Der leidet an einer seltenen Störung: bei extremen Stress verliert er sein Gedächtnis und erfindet eine neue Identität. Bald stellt Freiere fest, dass auch er selbst an der dissoziativen Störung leidet. Und immer geschah in seiner Nähe ein Mord. Als Mordverdächtiger flieht Frere durch Frankreich, auf der Suche nach seiner ersten, echten Identität und mit der Angst, dass er vielleicht tatsächlich der Mörder ist. Kommissarin Anais Chatelet ist ihm dicht auf den Fersen und hin-und hergerissen, ob sie Frere fangen oder schützen soll.

Wieder ein typischer Grangé

Jean-Christophe Grangé hat sich mit Die purpurnen Flüsse, Das schwarze Blut und Das Herz der Hölle zum erfolgreichsten französischen Thrillerautoren hochgeschrieben. Seine beiden letzten Bücher, Choral des Todes und Im Wald der stummen Schreie, die im Jahrestakt auf den Markt kamen, waren weit weniger erfolgreich. Jetzt ist Der Ursprung des Bösen erschienen, ein 860 Seiten dicker Roman. Es ist einer seiner besseren Werke geworden, vielleicht, weil er sich dafür mehr Zeit genommen hat. Der Ursprung des Bösen ist ein typischer Grange: Gut recherchiert, spannend, mit ausgefallenem Plot, vielen Logiklöchern und einer enttäuschenden Auflösung.

Alles dient der Spannung

Grangé hält sich nicht an genreübliche Begrenzungen und der Leser muss mit allem rechnen: Horror, Übersinnliches, Mystik, Action – Hauptsache, es dient der Spannung. Langeweile kommt trotz des Umfangs des Wälzers nicht auf, aber die Logik bleibt oft auf der Strecke. Wer sich daran stört, sollte sich die zeitraubende Lektüre sparen. Alle anderen werden mit immer neuen Schauplätzen, Wendungen und Enthüllungen auf eine atemlose und spannende Schnitzeljagd geschickt.

Die Ästhetik des Bösen

Grangés Mörder sind keine dumpfen Gewalttäter, sondern hochintelligent. ihre Morde sind trotz aller Grausamkeit sorgfältig inszeniert, denn sie beinhalten Hinweise zu ihrer Lösung in sich. In Der Ursprung des Bösen ist es die griechische Mythologie, mit der der Täter symbolhaft auf sich und sein Motiv hinweist. Zusammen mit den Protagonisten darf sich der Leser an das spannende Rätsellösen machen. Aber das ist nichts für empfindliche Gemüter. In seinen Büchern zelebriert Grangé die Ästhetik des Bösen. Detailfreudig beschreibt er die aufgefundenen Mordopfer und die Art ihrer Ermordung – mit wenig Mitgefühl für das Opfer und spürbarer Bewunderung für die Raffinesse des Täters. Grangé äußerte in einem Interview: »Mich interessieren die Rituale, Mord ist eine abstrakte Kunst«.

Wahnsinnig böse

Das Böse und der Wahnsinn gehen in Grangés Krimis Hand in Hand. In Der Ursprung des Bösen ist die Hauptfigur, Mathias Freire zu Beginn Psychiater und auch in seinen späteren Identitäten begegnet ihm das »Verrückte« immer wieder, sogar als Kunstform. Die Bilder der »Art Brut«, gemalt von Geisteskranken, spielen eine entscheidende Rolle in Der Ursprung des Bösen. Die Randgruppen der Gesellschaft bilden die Schauplätze seines neuen Romans. Die Obdachlosenszene, die Psychiatrie und die Welt der Kriminellen und Prostituierten schildert Grangé überzeugend und lebendig. Man spürt beim Lesen förmlich den Dreck und die Gewalt.

Filmreif geschrieben

Mehrere seiner Bücher sind schon verfilmt worden und auch sein neues Buch zeigt viel Sinn für Dramatik und filmreife Settings. Der Ursprung des Bösen beginnt wie ein Horrorfilm: Nacht, Nebel, eine Irrenanstalt und endet wie ein Actionfilm: eine mörderische Verfolgungsjagd in einem apokalyptischem Sturm. Dazwischen ein Held, der von allen verfolgt wird, ohne zu wissen, warum und der sich nicht sicher sein kann, ob er nicht selbst der Mörder ist, nach dem er sucht. Dazu eine starke zweite Hauptfigur, die toughe Kommissarin, die sich zu dem Flüchtigen hingezogen fühlt. Beide verbindet mehr, als sie ahnen. Die Wege der beiden, aus deren Sicht abwechselnd erzählt wird, kreuzen sich immer wieder, bis sie endlich im Finale zusammenlaufen. Dankenswerter Weise verzichtet Grangé auf die obligatorische Liebesgeschichte. Das Buch hat auch so mehr als genug Handlungsstränge.

Viele Themen, viele Handlungsstränge, viele Seiten

Grangé wechselt nicht nur häufig die Schauplätze, in Der Ursprung des Bösen hat man es auch mit einem ständig neuen Protagonisten zu tun, denn der Held lebt auf der Suche nach sich selbst immer wieder eine Identität. Nebenbei bringt Grangé seine Recherchen zu zahlreichen Themen an wie Folter in Argentinien, Menschenversuche in der Pharmaindustrie, Tierquälerei beim Stierkampf etc. Kein Wunder, dass aus dem neuen Werk ein dicker Wälzer geworden ist. Etwas weniger von allem hätte ihm besser getan. Die Logik bleibt zugunsten der Spannung öfter auf der Strecke, aber man muss Grangé zugutehalten, dass er sich nicht in seinen Fäden verwirrt und es schafft, alle zusammenzuführen.

Schwaches Ende als Markenzeichen?

Leider ist die Auflösung, wie schon in seinen anderen Büchern, enttäuschend und unglaubwürdig. Dafür kann auch die dramatische Kulisse nicht entschädigen. Während der Autor sich bei der Einführung und im Hauptteil viel Zeit lässt, »stürmt« er durch das Finale. Es war schon schwer zu glauben, dass Frere in seinen wiedergefundenen Identitäten sofort wieder dessen Fähigkeiten und Kenntnisse beherrschte, immer wieder aus aussichtslosen Situationen entkam und ständig durch glückliche Zufälle weiterkam. Die Glaubwürdigkeit wird am Ende dann völlig überstrapaziert, wenn Frere und sein Gegner beinah übermenschliche Kräfte entwickeln. Die Auflösung wurde bei allen Büchern Grangés bemängelt, Konsequenzen hat er daraus nicht gezogen. Daher muss man das unglaubwürdige und überhastete Ende ebenso zu seinen Markenzeichen zählen wie seine Stärken. Grangé scheint es sich leisten zu können. Seine Bücher schaffen es regelmäßig in die Bestsellerlisten.

Brigitte Grahl, Dezember 2012

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Aki zu »Jean-Christophe Grangé: Der Ursprung des Bösen« 02.02.2015
Der Plot hat mich gehalten weiterzulesen, in der Hoffnung, dass sich das Geschehen entwickelt. Das, was dabei herauskam, war enttäuschend. Ich habe das Buch mit Anstrengung zu Ende gelesen (wollte ja die Lösung wissen) und bin in meiner anfänglichen Haltung bestärkt worden: Zusammengestückelte Geschichte; Grangé wirkte auf mich kokettierend mit Recherche-Wissen, moral-apostelnd in Schwarz-weiß-Manier und mangelhaft in der Figuren-Entwicklung der Protagonisten. Schade um die Zeit.Dabei war ich vor Jahren von seinem "Der Flug der Störche" so angetan.
JaneM. zu »Jean-Christophe Grangé: Der Ursprung des Bösen« 19.03.2014
Er kann es doch noch! Nach dem aus meiner Sicht schlechten "Der Wald der stummen Schreie" ist "Der Ursprung des Bösen" endlich wieder ein Grange mit allem, wa sich mag: dichte, spannungsvolle und verflochtene Handlung, überzeugende ungewöhnliche Charaktere, bizarre Morde und eine stimmige Abstimmung aufeinander.
Der Frage, was den Menschen, seine Individualtität und Sein ausmacht, hat Grange ja bisher von verschiedenen Seiten genähert. Ob es um Sekten, archaische Kulturen oder den Versuche, den idealen Menschen zu schaffen, geht, es war bisher vieles dabei. Dieses Mal begibt sich Grange's Handlung nicht in exotische Länder, sondern bleibt im heimischen Frankreich. Aber dennoch spiegeln die Schauplätze eigene Welten dar: die der Psychiatrie, der Kunst oder die Subkultur der Obdachlosen. Und die Frage, inwiefern ein Mensch durch seine Geschichte und seine Erinnerungen zum Individuum wird, ist genauso elementar wie kulturelle Hintergründe. Die Hauptperson, Mathias Freire (oder seine weiteren alter egos) kann seien Erinnerungen und damit der Frage seiner Identität nicht trauen. Bei dem Versuch, die Herkunft eines Patienten mit Gedächtnisverlust, der unter Mordverdacht steht, zu klären, stellt sich ihm plötzlich die Frage, ob er selber der Psychiater ist, für den er sich hält/ oder ausgibt. Warum gibt es in seiner Wohnung keine privaten Dinge und wieso sind die Umzugskartons, die er schon längst auspacken wollte, leer? Bald kann ein Mordverdächtiger identifiziert werden und Freire stellt mit Schrecken fest, dass er selbst unter dem Namen des Verdächtigen gelebt hat. Der weitere Verlauf ist mit dem Bildnis der russischen Puppe nur zu gut beschrieben. Wunderbar. Natürlich gibt es wie immer etwas zu meckern: sicher fragt man sich- wie schon beim "Flug der Störche"- wie ein einziger Mensch ständig so viel Glück haben kann und jedem Anschlag entgeht. Auch den ihn verfolgenden, geheimnisvollen Anzugträgern hätten für meinen Geschmack weniger der Action-lastigen Auftritte gut getan. Ein schwaches Ende als Markenzeichen? Sicher bleibt der Leser nachdenklich und zögernd zurück. Grange's Stärke ist die spannungsreiche, inhaltsdichte und komplexe Handlung. Wenn man grundsätzlich erwartet, dass sich die Handlung langsam aufbaut und sich am Ende feuerwerksgleich entlädt, kann man enttäuscht sein. Wenn man akzeptiert, dass ein Roman stark beginnt, die Spannung über 800 Seiten zu halten vermag und dann auf dem Level endet, ist es gut.
Auf jeden Fall: gerne weniger Thriller, aber dann von diesem Format!
Tom zu »Jean-Christophe Grangé: Der Ursprung des Bösen« 21.03.2013
Ich fand auch seine letzen 2 Werke mehr als schwach. Trotzdem zählt er für mich zu meinen Lieblingsautoren, einem Herz der Hölle kann so schnell niemand das Wasser reichen. Die sorgfältigen Recherchen zeichnen Grange aus und lassen den Leser tief in die Welt des Hauptprotagonisten eintauchen. Bin gerade auf Seite 50 und hoffe, der Ursprung des Bösen kann wieder zu alten Stärken aufschließen.
Fatul zu »Jean-Christophe Grangé: Der Ursprung des Bösen« 10.12.2012
Hurra,
Endlich wieder ein Grange, der an die purpurnen Flüsse und den Flug der Störche anschliessen kann. Guter Plot, undurchsichtig, mysteriös, spannend. Ich habe dieses Buch verschlungen und fand es deutlich besser als die 2 Vorgänger.

Die Prtoganonistensind sehr gut beschrieben und haben in bester Granger-Manier ihre Macken und Probleme.

Auch das Finale ist spannend und bietet vor der Kulisse von La Rochelle einen würdigen Abschluß
theili-muc zu »Jean-Christophe Grangé: Der Ursprung des Bösen« 30.10.2012
Wow . einfach atemlos spannend, von der ersten bis zur letzten Seite. Der Protagonist, ein Psychiater, leidet an einer Identitätsstörung und befindet sich auf der Suche nach seinem wahren Ego. Detailreiche, spannende Schilderung seiner verschiedener Leben und seiner düsteren Gewalttaten, denen er nicht entfliehen kann. Erst etwa in der Mitte des Romanes hatte ich das Gefühl in etwa erahnen zu können, wie das Ganze endet. Die überraschende Lösung erst ganz zum Schluß in klassischer „Grangé-Manier“. Ein atemberaubender, fesselnder Thriller, der mich nicht mehr losgelassen hat und mir die eine oder andere Stunde Schlaf geraubt hat.
aika2000 zu »Jean-Christophe Grangé: Der Ursprung des Bösen« 08.10.2012
Super spannendes Buch. Ich finde die Idee der Story einfach klasse! Durch die vielen Wendungen weiß man gar nicht, was als nächstes kommt. Mitfiebern und rätseln, wer der Mörder ist, kommt dann von ganz alleine. Auch das Finale ist gelungen und unerwartet! Dies ist eines der besten Bücher, die ich gelesen habe!!!
Alexi1000 zu »Jean-Christophe Grangé: Der Ursprung des Bösen« 05.10.2012
Da ist er wieder: der Thriller - Meister aus Frankreich!

...und im Gepäck hat er nicht weniger als den packendsten Roman, den ich bis jetzt von Ihm gelesen habe, und die Vorgänger waren teilweise schon große Klasse.

Ich schließe mich aber den Vorrezensenten an, hier schafft er zugleich spannende wie auf mehreren Gebieten sogar lehrreiche Geschichte zu entspinnen, die in einem absolut nervenzerreissenden Höhepunkt gipfelt.

Interessante, weil vielschichtige Protagonisten, allen voran unser Hauptprotagonist auf der Suche nach sich selbst, lassen kaum einen Durchhänger oder Langeweile aufkommen...so und nicht anders sollten Thriller sein, und das für Grangé so typische "französische" Flair tut das übrige an Ingredenzien hinzu...

Klasse: 90°.
Adrian Walter zu »Jean-Christophe Grangé: Der Ursprung des Bösen« 09.09.2012
Fortsetzungensind nie ausgeschlossen. Ich schließe mich meinem Vorredner an. Sehr lehrreich, extrem spannend. Grangé bietet hier mehr als nur eine gute Geschichte. Diese Geschichte rüttelt auf, macht wütend und kurioser Weise schafft er es immer wieder mit seinen Charakteren den Leser zu begeistern und zu Erschrecken. Ich muss aber auch sagen - da geht mehr! An zB. Herz der Hölle oder Flug der Störche kommt sein neues Werk nicht herran. Aber seht dies bitte als Kritik auf äußerst hohen Niveau.
Thomas zu »Jean-Christophe Grangé: Der Ursprung des Bösen« 06.09.2012
Sensationell, dieser Thriller!! Ich habe fast alle Bücher Granges gelesen, das hier ist das beste. Und die anderen waren auch klasse. Spannend bis zur Gänsehaut, lehrreich in vielen Facetten, in sich stimmig. Besser geht es nicht. Schade nur, dass es keine Fortsetzung geben wird mit diesen Protagonisten.
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