Tote Mädchen lügen nicht von Jay Asher

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Thirteen Reasons Why, bei Razorbill.
Ort & Zeit der Handlung: USA, In einer kleinen Stadt, 1990 - 2009.

  • New York: Razorbill, 2007 unter dem Titel Thirteen Reasons Why. 288 Seiten.

'Tote Mädchen lügen nicht' ist erschienen als Hardcover

In Kürze:

Als Clay Jensen aus der Schule nach Hause kommt, findet er ein Päckchen mit 7 Kassetten vor. Er legt die erste in einen alten Kassettenrekorder, drückt auf »Play« – und hört die Stimme von Hannah Baker. Hannah, seine ehemalige Mitschülerin. Hannah, für die er heimlich schwärmte. Hannah, die sich vor zwei Wochen umgebracht hat. Mit ihrer Stimme im Ohr wandert Clay durch die Nacht, und was er hört, lässt ihm den Atem stocken. Dreizehn Gründe sind es, die zu ihrem Selbstmord geführt haben, dreizehn Personen, die daran ihren Anteil haben. Clay ist einer davon.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kluges, spannendes und anrührendes Debüt« 87°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

7 Kassetten mit 13 bespielten Seiten. 13 Menschen. »13 Gründe warum«, so der Originaltitel von Jay Ashers Debüt. Als Clay Jensen ein Paket mit diesen Kassetten erhält, ahnt er nicht, dass sie sein Leben massiv beeinflussen werden. Zunächst braucht er aber ein Abspielgerät, selbst in amerikanischen Kleinstädten lebt man im digitalen Zeitalter, Kassettenrekorder sind Mangelware. Aber ein Walkman ist bald stibitzt, das perfekte Gerät, um die Kassetten zu hören. Denn beigefügt ist eine Karte, in der bestimmte Punkte markiert sind, denen Clay im Laufe einer langen Nacht eine kurze Visite abstattet.   

Doch was verbirgt sich hinter diesen Aufnahmen? Was lässt Clay zweifeln, heulen, sich übergeben, vor Wut schäumen und verzweifelt lieben?

Es ist die Stimme eines toten Mädchens. Hannah Baker. Gestorben durch eine Überdosis Tabletten. Niemand weiß genaueres. Bis auf die 13 Empfänger jener Kassetten, denen Hannah jeweils eine Seite gewidmet hat und erzählt, warum sie sie für mitverantwortlich an ihrem Selbstmord hält.

Für Clay ein Schock, war er doch still verliebt in Hannah und hat keine Ahnung, was ihn mit ihrem Tod verbindet. Denn bis auf eine einzige Nacht waren sie sich zwar nahe, aber nie beisammen. Aber gerade jene Nacht soll sich als schicksalhafte erweisen.

 Tote Mädchen lügen nicht» ist eines jener eher gefürchteten als geliebten «All Age»-Bücher, denen oft der Dünkel des «kleinsten gemeinsamen Nenners» anhaftet. Glücklicherweise hat das dem Erfolg des Buches nichts anhaben können. Jay Asher hat tatsächlich das seltene Kunststück geschafft, ein gleichzeitig kluges, spannendes und anrührendes Buch zu verfassen, das weder Jugendliche noch Erwachsene unterfordert.

Zunächst scheint alles klar zu sein: ein Mädchen begeht Selbstmord und erhebt via Tondokument postume Anklage gegen die Schuldigen an ihrem Tod. Das könnte eine einfache Geschichte sein, von Mobbing, Traumata und einschneidenden Erlebnissen, die zum Tod eines gepeinigten Jugendlichen führen.

Doch so einfach ist die Sachlage nicht. Denn selbst Hannah spricht nicht von «Schuldigen» sondern von «Mitverantwortlichen». Asher vermeidet platte Schwarzweißmalerei. Es gibt keine klaren Fronten, keine behauptete Zwangsläufigkeit und keinen erhobenen Zeigefinger. Eindeutige Schuldzuweisungen bleiben aus, weil das Leben selbst nicht eindeutig ist. Kleinigkeiten summieren sich; Signale, die falsch verstanden, ignoriert oder umgepflügt werden, und dann zu größeren Katastrophen führen. Wie jener tödliche Unfall, der im Off passiert, in dessen Resultat Clay allerdings direkt hinein gezogen wird. Hannah hingegen weiß um die vorherige, im Grunde geringfügige Ursache. Ein kleiner, betrunken verursachter Sachschaden, der große Wellen zieht. Hannah nimmt sich selbst nicht aus der Verantwortung, ist eine genau Beobachterin, die erkennt, was verkehrt läuft, aber selbst wenig dagegen ausrichtet, manchmal auch nicht ausrichten kann. 

Was Clay zur Verzweiflung treibt; denn er fragt sich beständig während des Hörens, warum sie nicht zu ihm gekommen ist. An ihm sind sämtliche Gerüchte abgeperlt, er meinte es offensichtlich immer ehrlich mit Hannah. Mit der kleinen Einschränkung, dass er sich zurückzieht, wenn er eigentlich auf Hannah hätte zugehen müssen.

Ein raffinierter Kniff, denn eigentlich verhält Clay sich damit so, wie Hannah es sich von anderen Menschen wünscht. Dass man ihre Persönlichkeit respektiert, sie als sensible junge Frau wahrnimmt, die sich nach Nähe und Vertrauen sehnt und vor allem nach Offenheit und Freiräumen. Keine großartigen Wünsche, die aber seit Hannahs ersten Tagen in einer neuen Stadt  unterminiert werden. Gerüchte, die sie als willfähriges Flittchen hinstellen, eine Wahl «zum geilsten Arsch der ersten Jahrgangsstufe", die sie auf’s Körperliche reduziert.

 Das ist alles nicht mal besonders bösartig, zeugt sogar auch von einem fehl geleiteten Respekt für das Objekt einer fernen und missverstandenen Begierde und Anschauung. Denn darum geht es: um die Visualisierung der Welt, in der erste Eindrücke, der bloße Schein, die Rolle definiert, die man in einer Gemeinschaft spielt. Hannah steigert sich in diese Vorstellung hinein, wird zum Fetisch, aber auch zur untätigen Beobachterin eines sexuellen Missbrauchs. Sie ist angewidert von einer Umwelt, in der Menschen sich nur um oberflächliche Belange kümmern, in der sich nicht um die Konsequenzen des eigenen Handelns gekümmert wird. Doch klar wird auch, dass Hannah bei ihrer verzweifelten Sicht auf das Versagen der Menschlichkeit, sich jenen entzieht, die ihr möglicherweise hätten helfen können. Sie schafft Distanz, bemitleidet sich lieber als aufzubegehren und nach wahren Freunden Ausschau zu halten. Denn die gibt es, verstehen sich aber genauso gut zu verstecken wie Hannah selbst. Stattdessen sucht sie die Nähe der Gedankenlosen, der Unfähigen und der Selbstsüchtigen. Dort findet sie die Bestätigung für die Düsternis, die sie umgibt. Sie wendet sich zwar offensiv an Erwachsene, ausgebildete Pädagogen, die kaum mehr als Worthülsen zu bieten haben.

 So werden Hannahs wache Beobachtungsgabe und die niederschmetternden Schlüsse die sie daraus zieht, zu einer schleichenden und wachsenden Depression, einem leisen Selbstzerstörungstrip, an dessen Ende ihr Tod steht. Der für weitere Gerüchte sorgt.

Clay sieht sich den Kassetten erst hilflos gegenüber, dann wütend und am Ende lernend, dass es Auswege geben könnte. Er macht den ersten Schritt, aus den Fehlern der Vergangenheit zu lernen. Es ist kein großer, wichtig ist, dass er getan wird.  

 Jay Asher spendiert uns kein Happy End, kein tränenüberströmtes oder gewalttätiges Finale (was beides möglich gewesen wäre), sondern ein wenig Hoffnung in der möglichsten aller Welten.

 Zum Abschluss mal wieder (ein fast schon obligatorischer) Appell an die verlegerische Sorgfalt: Clay Jensen erhält keine 13 Kassetten, wie der Klappentext suggeriert. Eine Audiokassette hat zwei Seiten und Hannah Baker hat je eine Seite für ihre Mitmenschen reserviert. Das korrekte Berechnen der genauen Anzahl sollte schon in der Grundschule möglich sein. Ach ja, eine Seite bleibt frei …

Jochen König, Januar 2010

Ihre Meinung zu »Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht«

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WoSoWeZi zu »Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht« 18.06.2017
Ich kann leider nur auf die Serie beziehen, wenn sich der roman als aufschlussreicher darstellt werde ich meine hierzu abgegebene Meinung augenblicklich revidieren. Hannah selbst wirkt oftmals als diejenige die andere unmenschlich behandelt und das schon sehr früh im Erzählstrang. Die Themen, die angesprochen werden, wirken teils willkürlich und Lösungen scheinen oftmals sehr greifbar. Für mich ist diese Thematik durchaus wertvoll und besitzt eine präsenz, die nicht vernachlässigt werden darf. In dieser Form, in der sie dargestellt wurde ist sie lediglich lachhaft und nicht ernst zu nehmen. Clay empfinde ich nur als Spielfigur um die Erzählung voranzutreiben. Seine Verhaltensweisen sind lediglich dem Plot dienlich. Ich empfinde es äusserst erschreckend, dass manche menschen tatsächliche ereignisse in deieser sierie dargestellt sehen. Dies unterstreicht lediglich unsere Verkommenheit nach Geltungsdrang und Identifikationsmangel in der heutigen Gesellschaft. Wer glaubt dass diese serie nah an die relaitär angrenzt, der glaubt auch, dass Frauentausch nicht geskriptet ist.
Isabell zu »Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht« 21.05.2017
Ich finde es traurig mir diese Kommentare durchzulesen, denn ich war selbst in dieser Lage und kann mich sehr gut in Hannah hineinversetzen. Die Leute sollten endlich aufwachen und merken das ihre Taten folgen haben. Ich liebe dieses Buch und jeder hat seine eigene Meinung, aber wenn jemand schreibt das es heftig ist sich aus diesen Gründen umzubringen hat man den Sinn dieses Buch's nicht ganz verstanden. Jemand der nicht weiß was diese Person durchmachen musste der wird diese Gründe niemals verstehen.
Hannah zu »Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht« 23.03.2016
Der Inhalt ist eine Ansammlung von Straftaten, ausgeführte oder geduldete. Keiner der Beteiligten, keiner der Kassettenempfänger und damit Mitwisser bricht das Schweigen und tut das einzig Richtige: Zur Polizei gehen! So wird auch Clay Mittäter und bekommt am Ende noch ein 'Danke' von Hannah. Die straftätliche Dimension der handelnden, bzw. nicht handelnden Personen wird in keiner Weise thematisiert oder herausgearbeitet. Und so geht es dem Leser wie Hannah. Ohnmächtig muß er mitlesen, daß keiner, absolut keiner, sich erhebt. Ein sensibles Thema, daß mit dem Fazit endet: Nichts unternehmen und, wenn man das nicht aushält, sich das Leben nehmen. Ein Jugendbuch?
Hannah zu »Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht« 23.03.2016
Der Inhalt ist eine Ansammlung von Straftaten, ausgeführte oder geduldete. Keiner der Beteiligten, keiner der Kassettenempfänger und damit Mitwisser bricht das Schweigen und tut das einzig Richtige: Zur Polizei gehen! So wird auch Clay Mittäter und bekommt am Ende noch ein 'Danke' von Hannah. Die straftätliche Dimension der handelnden, bzw. nicht handelnden Personen wird in keiner Weise thematisiert oder herausgearbeitet. Und so geht es dem Leser wie Hannah. Ohnmächtig muß er mitlesen, daß keiner, absolut keiner, sich erhebt. Ein sensibles Thema, daß mit dem Fazit endet: Nichts unternehmen und, wenn man das nicht aushält, sich das Leben nehmen. Ein Jugendbuch?
Anne zu »Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht« 20.08.2015
Wer am Rand steht, wird das Buch mögen. Zumindest verliert man als normaler Mensch jegliche Lust zu agieren - denn alles was du tust hat ja Folgen und vielleicht ist gerade jemand so labiles wie Hannah neben dir. Mit welchen Ängsten und Gefühlen sich pubertierende auseinandersetzen wird auf die Spitze getrieben. Ein brutales Buch, ein feministisches Buch, ein rape culture Buch, ein hate speech Buch. Ein dummes Buch.
Konrad zu »Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht« 29.07.2015
Dieses buch lies mich erwachsener werden. Wie schlimm sich Menschen verhalten können! und das Wissens, wie stark Verzweiflung sein kann, einen zu so atwas zu bringen! Und das Gewicht der Verantwortung: ich soll aufpassen, dass diese schreckliche psychische umfeldbedingte Krise mit Selbstmord als Ausgang niemandem in meinem sozialen Umfeld zustößt. Ich habe sehr erschreckende Ähnlichkeiten zwischen Hanna Baker und meiner platonischen Freundin festgestellt.
Das "schlimme"(hochwertig literarische) war, dass ich mich so verdammt gut in Clay und Hannah hineinversetzen kann. fast, als ob ich sie wäre. So musste ich mit Clay und Hanna mitleiden, und konnte es nicht weglegen, weil es sich sons so angefühlt hätte, als ob ich einen Teil von mir selbst wegläge. Ich habe gestern den ganzen Tag am Lesen und bin nicht einmal Computer spielen gegengen.
Deswegen tippe ich, halb eingeschlafen, diese Buchkritik.
Jay zu »Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht« 20.06.2015
Ein unglaublich gutes Buch, welches sehr gut Gefühle und Gedanken wiederspigelt. Es regt sehr zum Nachdenken an und man sollte es nicht in der Öffentlichkeit lesen, da es den Tränenfluss stark anregt ;) Sollte man gelesen haben, besonders weil es das Thema Selbstmord aus einer anderen Perspektive aufzeigt. Leseempfehlung!
Michelle zu »Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht« 01.05.2015
Nun das auf diesen 7 Kassetten eine Seite frei bleibt weil es ja nur 13 Gründe sind, ist falsch.
Den auf der ersten Seite der ersten Kassette gibt Hannah sozusagen ein kleines Intro in dem sie zb die "Regeln" erklärt.
Ich selbst habe das Buch auf Deutsch und auch auf Englisch gelesen (Schule).
Ich mag das Buch und das miträtseln.
Finde die Idee sehr interessant, aber es ist kein Buch das ich öfters lesen muss oder werde.
nanaschblablabla zu »Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht« 16.04.2015
Ich finde es heftig dass man sich aus diesen gründen umbringt und dass Buch zieht die gute Laune runter nicht empfehlenswert (aus meiner sicht ). Aber wer auf Bücher steht wo man vor lauter schlechten Laune keine Lust mehr auf irgendwas hat dann kann man sich dieses Buch durchaus kaufen. Der Rest ist unnötig muss die dreihundert zeichen voll bekommen :) g bitte hilft mir ich will kapiteln 3aaa lkönnt ihr mir es machen
Tino zu »Jay Asher: Tote Mädchen lügen nicht« 05.01.2015
Ich finde es heftig dass man sich aus diesen gründen umbringt und dass Buch zieht die gute Laune runter nicht empfehlenswert (aus meiner sicht ). Aber wer auf Bücher steht wo man vor lauter schlechten Laune keine Lust mehr auf irgendwas hat dann kann man sich dieses Buch durchaus kaufen. Der Rest ist unnötig muss die dreihundert zeichen voll bekommen :) g

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