Ölpiraten von Janwillem van de Wetering

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1996 unter dem Titel Een ventje van veertig, deutsche Ausgabe erstmals 1998 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: Niederlande / Amsterdam, 1990 - 2009.

  • Utrecht: Het Spectrum, 1996 unter dem Titel Een ventje van veertig. 225 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1998. Übersetzt von Hans J. Schütz. ISBN: 3-499-43291-9. 270 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2002. Übersetzt von Hans J. Schütz. ISBN: 3-499-23249-9. 270 Seiten.

'Ölpiraten' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Das Detektivbüro G & G Inc. in Amsterdam befindet sich seit der Gründung vor einem Jahr buchstäblich in der Flaute. Doch Klient Nummer 4, der Unternehmer Carl Ambagt, bietet eine Million Dollar als Erfolgshonorar. Auf der Route vom Iran nach Kuba wurde der Supertanker -Sibylle- gekapert. Die zwölf Millionen Gallonen Rohöl sind ebenso verschwunden wie die Besatzung. An diesem spektakulären Auftrag sind natürlich auch der Commissaris und seine Ex-Kollegen de Gier und Grijpstra interessiert.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine Seefahrt, die ist tödlich« 72°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

In der holländischen Krimi-Szene kommt man an einem Namen einfach nicht vorbei. Janwillem van de Wetering gilt als der Großmeister der niederländischen Crime Fiction und ist von der Kritik wie auch von internationalen Autoren-Kollegen gleichermaßen anerkannt. Seine Geschichten um die Amsterdam-Cops, den Commissaris sowie seine Kollegen Grijpstra und de Gier oder auch die obskuren Ketchup und Karate überzeugen dabei manchmal weniger durch raffinierte Kriminalfälle als vielmehr durch Originalität, subtilen Humor, Absurdität oder gar surrealistisch anmutende Erzählweise. Ganz eindeutig, mit van de Wetering liest man sehr individuelle Krimikost.

Einer seiner jüngsten Romane ist Ölpiraten aus dem Jahr 1997. Seine Charaktere haben bis zu diesem Band bereits eine lange Entwicklung hinter sich und der Commissaris, de Gier und Grijpstra befinden sich nicht mehr im Polizeidienst. In den vergangenen Jahren haben die korrupten Polizisten genug Geld beiseite geschafft, um ein sorgloses Leben jenseits der Arbeit zu führen. De Gier und Grijpstra haben die illegalen Millionen eines Rauschgiftrings unterschlagen, der Commissaris hat sie nach Luxemburg gebracht und durch geschickte Aktienspekulation verdoppelt. Als Alibi führen de Gier und Grijpstra seitdem die Privatdetektei G&G, während der Commissaris offiziell im Ruhestand ist. Leider zwingt die Angst vor dem Finanzamt die beiden frischen Detektive, nach einem Jahr doch mal wieder einen Fall anzunehmen.

Illegales Rohöl aus dem Iran – und der Tanker wurde geentert

Der Reeder Ambagt und sein Sohn verdienen ihre Millionen, indem sie illegales Rohöl aus dem Iran nach Kuba verschiffen. Einer ihrer Tanker ist auf hoher See geentert worden, die Besatzung ist verschwunden, der Kapitän wurde sturzbetrunken in seiner Kajüte gefunden und die gesamte Ladung Rohöl war weg. Die Ambagts engagieren G&G, um in der Karibik das verschwundene Rohöl wieder aufzutreiben.

Sehr verhalten startet der Roman. G&G müssen erst mal überzeugt werden, dass sie überhaupt ihr komfortables Wohn- und Geschäftshaus in Amsterdam verlassen sollen. Auch der Commissaris ist nicht gerade von Eifer gepackt, als er von dem Fall und der ungewöhnlich hohen Prämie hört. Alle drei müssen erst mal durch das höchstkorrupte schwule Polizistenpärchen Ketchup und Karate anhand gezielter Warnschüsse zur Annahme des Falles ermuntert werden. Bis dahin ist das erste Drittel des Buches (ca. 90 Seiten) schon mal vorbei.

Die Commissaris im Urlaub – gestört von einem Mord

Dann folgt ein Aufenthalt in Key West, der Züge eines Urlaubs erhält, nachdem das Fead-Ship (eine riesige, Millionen teure Super-Yacht) der Ambagts bei der Überfahrt einen Motorschaden erleidet. Während des Urlaubs kommt vor den Augen des Commissaris und G&G’s ein Versicherungsdetektiv aus London ums Leben, der wohl auch nach dem Tanker und seiner verschwundenen Ladung fahndete. Den dreien schwant, dass sie Teil eines organisierten Versicherungsbetruges werden sollen.

Van de Wetering treibt ein buntes Spiel mit seinen Helden. Jeder trickst jeden aus, wobei niemand vor Schlägereien, Gewalt oder gar Mord zurückschreckt. Sogar Ketchup und Karate werden noch einmal eigens nach Key West eingeflogen, um eine Prügelperformance abzulegen, die ihres gleichen sucht.

van de Wetering – einzig- oder eigenartig?

Ist van de Wetering einzig- oder eigenartig? Beides trifft wohl zu. Wer den Lebenslauf des Autors liest, wird feststellen, dass sich in den einzelnen Charakteren durchaus autobiographische Züge wieder finden. Allein das bewegte Leben des Autors kann ausreichend Motivation bieten, sich seine Romane zu verinnerlichen. Aufgewachsen in Südafrika, abenteuerliche Jahre in Staaten Lateinamerikas, Zen-Buddhismus in Japan studiert. Man darf davon ausgehen, dass der Mann so manche Geschichte zu erzählen hat.

Kritik an diesem Buch muss aber auch sein. Neben den scharf gezeichneten Charakteren bleibt der eigentliche Plot nämlich auf einem sehr verhaltenen Niveau. Der finanzielle Aufstieg der Familie Ambagt wirkt dabei genauso an den Haaren herbei gezogen wie der gemütliche Spaziergang eines Gefangenen aus dem Gefängnis von Key West, der sich nur mal eben Zigaretten holen will. Okay, nehmen wir diese Sachen mal als gegeben hin. Wie dann aber die Geschäfte der Ambagts angeblich ablaufen sollen, ist geradezu haarsträubend. Hier hat sich zum einen van de Wetering nicht um eine solide Recherche gekümmert (wenn er schon die Finanzierung des Öldeals über Banken laufen lässt, wird er keine Bank finden, die nicht zumindest in der Versicherungspolice als Begünstigter geführt werden will), zum anderen holpert gerade an dieser Stelle die auch ansonsten nicht ganz glatte Übersetzung. Wer den skurrilen Schreibstil und die surrealistischen Reflektionen van de Weterings liebt, der wird sich an solchen Randnotizen sicherlich nicht aufhalten, der wird auch diesen Band mit Hochgenuss verschlingen. Wer sich aber erstmals an den von der Kritik gelobten Autor wagt, der sollte wissen, dass er sich auf einen andersartigen Krimi einlässt, der nicht dem Geschmack der breiten Masse entspricht.

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C. Sturm zu »Janwillem van de Wetering: Ölpiraten« 17.02.2006
Während ich mir alle anderen Bücher von WvdW mindestens einmal im Jahr zu Gemüte führe, wie Verwandte oder alte Freunde, die man besucht, habe ich `bei leider bei Ölpiraten kein Wiedersehensfreudefeeling entwickeln können, zu unrealistisch und nicht mit dem geliebten Flair den alle anderen Werke so umgibt. Allerdings fühlte ich mich auch schon bei `de Gier im Zwielicht`nicht mehr ganz zu Hause. Ànmaßend ?!, t`schuldigung.
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