De Gier im Zwielicht von Janwillem van de Wetering

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1993 unter dem Titel Drijflijk, deutsche Ausgabe erstmals 1993 bei Rowohlt.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1990 - 2009.

  • Utrecht: Het Spectrum, 1993 unter dem Titel Drijflijk. 172 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1993. Übersetzt von Jürgen Martin. 181 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2003. Übersetzt von Jürgen Martin. 181 Seiten.

'De Gier im Zwielicht' ist erschienen als

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine einzige Sammlung von Schwachsinn« 15°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Van de Weterings Helden aus früheren Kriminalromanen sind samt und sonders aus dem Polizeidienst ausgeschieden.Der Commissaris verbringt seinen wohlverdienten Ruhestand mit seiner Frau Katrin und einer Schildkröte. Adjutant Grijpstra hat genug nebenher verdient und ist zu seiner Freundin, der Ex-Prostituierten Nellie gezogen. Ihr kleines Hotel fungiert nunmehr als florierendes Detektivbüro.

Brigadier de Gier hat seinen Sack unsauberes Geld genommen und ist nach Amerika gezogen, wo er auf einer kleinen Insel in der Nähe von Jameson, Maine, Selbstfindung betreibt, in dem er sich besäuft und mit Drogen zudröhnt.

Bei Grijpstra läutet das Telefon. De Gier ruft von der anderen Seite des Atlantiks an. Im Drogenrausch hat er seine Freundin getötet und nun braucht er dringend Hilfe von seinem alten Kumpan. Und dieser macht sich natürlich sofort auf den Weg, besteigt die nächste El Al-Maschine und fliegt nach Boston, von wo es leider keinen Anschluss nach Maine gibt. Ein Unbekannter namens Ishmael bietet ihm eine Flugmöglichkeit in seinem alten Doppeldecker, der genau am Reiseziel eine Panne hat, weshalb die Maschine abschmiert und eine Bruchlandung verursacht, bei der gottlob nichts passiert.

Während des Fluges klärt Ishmael Grijpstra über die örtlichen Verhältnisse in Jameson auf. Der Ort gilt als Umschlagplatz für Drogen und kein Geringerer als der hiesige Sheriff ist Drahtzieher der gewinnbringenden Operationen. Happy Harry, wie der korrupte Bulle heißt, kontrolliert alles und jeden in seinem Revier.

Grijpstra gerät auf lebensgefährlichen Umwegen zu seinem Freund de Gier, und er beginnt zu ermitteln. Offensichtlich hat de Gier in seinem Rausch niemanden umgebracht, denn die Leiche taucht an anderer Stelle putzmunter auf. Doch eine Leiche, blond und mit zarten Beinen, hat es offensichtlich doch gegeben. Nur wer war sie, warum wurde sie ermordet und von wem? Und was hat de Gier damit zu tun?

Die Antworten auf diese Fragen erfährt man in Janwillem van de Weterings Roman De Gier im Zwielicht. Sehr plausibel sind diese Antworten allemal nicht, wie überhaupt das ganze Buch eine einzige Sammlung von Schwachsinn ist. Weterings Figuren sind samt und sonders korrupte Spinner und mit Vorurteilen beladen. Natürlich ist der Sheriff Happy Harry groß, dick und korrupt, die schönste Frau der Gegend ist lesbisch, der Jude Ishmael ein verrückter Sammler und Rauschgift nimmt ohnehin jeder. Diverse Nebengestalten sind grundsätzlich hässlich und dämlich und in diesem Format passen sie auch perfekt in die überspannte Handlung.

Wenn der Rezensent der Süddeutschen Zeitung dem Buch das Prädikat »Extravaganter Nervenkitzel« verpasst, verwechselt er offenbar Extravaganz mit krimineller Spinnerei. Auch wenn der Stil van de Weterings recht locker zu lesen ist und er offensichtlich einiges von Jazz und Rauschzuständen versteht, kann seine sprachliche Kompetenz die dümmliche Handlung und die hirnrissigen Verhaltensmuster der Personen nicht gerade biegen.

Das Buch liest sich wie ein drittklassiges Groschenheft und selbst Genre-Liebhaber werden Mühe haben, dieses Elaborat bis zur Seite 182 fertig zu lesen. Wobei auch dem Layouter des Rowohlt Taschenbuch Verlages eine Teilschuld zugewiesen werden muss, denn die Schriftgröße ist am Minimum des Lesbaren angelangt. Hier hilft wohl nur eines, nämlich die Finger von diesem Machwerk zu lassen.

Ihre Meinung zu »Janwillem van de Wetering: De Gier im Zwielicht«

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Kalle Klopps zu »Janwillem van de Wetering: De Gier im Zwielicht« 27.07.2012
Ich lese aus der Kritik des Verfassers, dass er einfach ein Problem mit Drogen und den Menschen die sie konsumieren hat.

Ich habe mich vor Jahrzehnten schon bestens durch die Bücher von Jan Willem van de Wetering unterhalten gefühlt und lese die Krimis jetzt mit größtem Vergnügen nach und nach nochmal.

Im Übrigen schließe ich mich dem Kommentar von Trillian an.
Trillian zu »Janwillem van de Wetering: De Gier im Zwielicht« 09.12.2008
Es ist leider so, dass Herr Weninger sich nicht auf van de Wetering einlassen mochte. Schade, dass sein Verriss Leserinnen und Leser abschrecken möchte. Andererseits, selbst schuld, wenn man auf die Plattheiten des Rezensenten reinfällt.Ich wo Herr Weninger seine Auffassung hernimmt, es ginge überwiegend um Korruption und Drogen bei der Geschichte. Diese spielten eher eine Nebenrolle. Wer die Spiegelung des Inneren der Protagonisten in der Beschreibung einer äußeren Handlung mag, wer Parabeln etwas abgewinnen kann, und wer nicht in einer innerlichen und äußerlichen Spießigkeit verhaftet ist, der wird De Gier im Zwielicht sicherlich mögen, und erfrischt das Buch nach der Lektüre gut auffindbar in sein Regal stellen.
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Gunja zu »Janwillem van de Wetering: De Gier im Zwielicht« 19.07.2008
Anlässlich seines Todes habe ich nun im Netz nachgelesen, dies und das und bin auch in das Forum hierher gekommen. Da ich die Wetering Bücher vor langer Zeit gelesen habe, war mir nicht mehr alles gegenwärtig und hier eine Versammlung von Rezensionen zu finden verlockend. Damals hatte ich kein Internet und las die Krimis ohne Rezension. Nun also hier mal eine angeklickt. Ja, an die Handlung konnte ich mich durch die Rezension wieder erinnern. Flugzeug und skurrile Personen eingeschlossen. Aber das Fazit? Nein. Schade, dass hier Leser womöglich verhindert werden. Dem Rezensenten liegt das Genre nicht - das ist sein Recht. Aber daraus zu schließen, das sei Schwachsinn? Es gibt Literatur, die die Fantasie anspricht. Selber hätte ich gewünscht, dass Wetering noch weitere solche und andere Bücher schreibt. Er hat eigene Welten geschaffen.
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Max zu »Janwillem van de Wetering: De Gier im Zwielicht« 23.06.2007
LieberHerr Weninger,

Van de Weetering auf Jazz und Rauschzustände zu reduzieren zeugt letzten Endes davon, dass Sie in keinster Weise Zugang zu seinem Werk gefunden haben (ob das nun an Ihrer Auffassungsgabe liegt oder daran, dass Sie das Buch nur schnell überflogen haben sei dahingestellt). Allerdings bin ich der Meinung, dass man Bücher die man nicht versteht keines Falls derart negativ bewerten sollte und vor allem nicht anderen davon abraten sollte sie zu lesen.

Ich kann die Bücher van de Weeterings ohne Einschränkungen empfehlen. Vor allem die Durchsetzung der Bücher mit philosophischen Denkanstößen, durch die der Autor seine reiche Lebenserfahrung (die auch durch seinen Lebenslauf untersctrichen wird) an den Leser weiterzugeben versucht machen diese Bücher so lesenswert.
Gruß
Max
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baerwurz zu »Janwillem van de Wetering: De Gier im Zwielicht« 03.12.2004
@Anselm: Ich hatte eigentlich nach dem ersten Buch von Van deWetering schon die Nase voll davon. Man drängte mich ein zweites Buch zu lesen, denn es könnten ja nicht alle Bücher des großen Meisters so an meinem Geschmack daneben sein. Und zu guter Letzt übersandte mir ein geschätzter Krimi-Couch-Leser, das seiner Meinung nach beste Wetering-Buch. Ich habe drei Bücher gelesen und werde mir sicherlich nie wieder eines dieser illustren 69-Geschichtchen antun. Wahrscheinlich bin ich einfach zu blöd dafür.

Wenn sie allerdings behaupten, dass alle Polizisten korrupt sind und Drogenerfahrung haben, dann muss ich wohl eine Lanze für die Beamten brechen, denn ich glaube nicht nur in Österreich kann man der Exekutive durchaus trauen (nicht immer, aber immer öfter). Und so würde ich mich nie erdreisten, die Beamtenschaft in den Niederlanden in dieser Art zu pauschalieren, denn es macht für mich deutlich mehr Unterschied reale Personen zu beurteilen oder ein Buch, dessen Schreiber gegenüber wirklichen Krimiautoren nur ein laues, literarisches Lüftchen produziert hat.

Schönen Gruß, und lest lieber Deaver, Brown & Co, dort finden sich Spannung und Intelligenz
lg Wolfgang
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anselm zu »Janwillem van de Wetering: De Gier im Zwielicht« 03.12.2004
Es ist schon etwas her, dass ich diesen Krimi gelesen habe. Aber ich weiß noch genau, dass er mir sehr gut gefiel, wie im Übrigen fast alle Geschichten von Van De Wetering. Das diese sich einerseits durch ganz spezielle Feinheiten und Tiefgründigkeit und andererseits durch recht grobe Storys auszeichnen, ist ganz fraglos, denn nicht umsonst hat Van De Wetering so viele Fans.
Aber wohl nicht in Österreich, speziell Wien, was das Buch eigentlich zusätzlich auszeichnet. Lieber Wolfgang Weninger. Warum rezensieren sie ein Wetering nach dem anderen, um ihn niederzumachen. Ganz offensichtlich sind sie Van De Wetering nicht gewachsen. Sie verstehen seine Bücher scheinbar absolut nicht.
Ich vermute, es ist total hoffnungslos ihnen zu erläutern, dass tatsächlich nahezu alle Polizisten mehr oder weniger Korrupt sind (natürlich nicht in Österreich), dass der allergrößte Teil Drogenerfahrung hat (natürlich nicht in Österreich), dass man bei Van De Wetering nicht alles auf die Goldwaage legen darf (wie eben im normalen Leben auch nicht), ...
Meine Empfehlung an sie: Lesen -und viel wichtiger- kritisieren sie keine Van De Weterings mehr, bleiben sie bei den guten, alten, sauberen, einfachen Geschichten mit möglichst wenig Tiefgrund und Anspruch (Tipp: Miss Marple oder Winnetou).
Schönen Gruß, und lest mehr Van De Wetering. Das kann nur gut sein!
Anselm
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gerd dürr zu »Janwillem van de Wetering: De Gier im Zwielicht« 27.10.2004
Ich habe dies Buch absichtlich während einer Fahrt durch Maine gelesen ... einfach mal ausprobieren, dann klappts auch mit Buch und Plot ... selbst das beschrieben Licht fand ich auch so ....Schwarzbären ebenfalls ...und nicht vergessen:Lobster essen !
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