Partitur des Todes von Jan Seghers

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 bei Wunderlich.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Frankfurt am Main, 1990 - 2009.
Folge 3 der Robert-Marthaler-Serie.

  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2008. ISBN: 978-3805208390. 448 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2009. ISBN: 978-3-499-24535-0. 475 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Jumbo, 2008. Gesprochen von Miroslav Nemec. ISBN: 3833720042. 4 CDs.

'Partitur des Todes' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Sechzig Jahre lang wollte Georg Hofmann alles vergessen: seine Kindheit, seine Eltern, sein Land. Doch dann wird auf einem kleinen Schloss bei Paris ein geheimnisvoller, alter Umschlag entdeckt. Darauf ein Name und als Absender das Wort: Auschwitz. Wenige Tage später geschieht in Frankfurt ein grauenhaftes Verbrechen. Fünf Leichen werden auf einem Boot am Mainufer gefunden. Eine junge Journalistin verschwindet in den Wäldern des Taunus. Und ein Mann taucht auf, den alle für tot gehalten haben. Während Hauptkommissar Marthaler fieberhaft ermittelt, erfährt er von seiner Freundin Tereza eine Neuigkeit, die sein Leben gründlich verändern wird …

Das meint Krimi-Couch.de: »Fall Nummer drei für Marthaler« 84°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Die Geschichte beginnt in Paris. Der ehemalige Varieté-Besitzer Georges Hofmann offenbart in einem Interview im Fernsehsender arte einen Teil seiner Vergangenheit, den er die ganzen Jahre tief in seiner Erinnerung vergraben hatte. Er wurde als Jude in Frankfurt geboren. Es ist das Jahr 1941, seine Eltern ahnten anscheinend, dass ihre Deportation kurv bevor stand und schickten ihren Sohn zu Nachbarn, Georg kam nach Frankreich und sah seine Eltern nie wieder. Nach Ausstrahlung der Sendung erreicht den Sender eine mysteriöse Nachricht. Eine Dame meldete sich, die einen Brief für den alten Herrn aufbewahrt hat. Valerie, die Journalisten, die das Interview führte, wittert eine tolle Fortsetzungsstory und begleitet Georg zur Briefübergabe. Absender der Papiere ist sein Vater, als Ort des Schreibens ist Auschwitz angegeben, im Briefumschlag ist eine bisher unveröffentlichte Partitur von Jacques Offenbach – eine Sensation.

Monsieur Hofmann ist nicht zu überzeugen, mit Valerie nach Frankfurt zu fahren, um dort mit einigen Interessenten zu verhandeln, doch er willigt schließlich ein, dass sie alleine nach Deutschland aufbricht. Kurz nach ihrer Ankunft werden auf einem Restaurantschiff am Main fünf Personen grausam ermordet, der Restaurantbesitzer kann sich retten, liegt jedoch im Koma und kann nicht vernommen werden. Hauptkommissar Robert Marthaler und sein Team stehen vor einem Rätsel. Nach zähen Ermittlungen erhalten die Polizisten die Information, dass Valerie ebenfalls auf dem Schiff war, doch sie ist verschwunden.

Robert Marthaler hat in diesem Buch seinen dritten Auftritt. Mittlerweile hat man sich mit dieser Figur vertraut gemacht, sie gewinnt immer mehr an Kontur. Doch auch wer die beiden Vorgängerbände nicht gelesen hat, freundet sich schnell mit dem einzelgängerischen Polizisten aus Frankfurt an. Einen Vergleich mit Mankells Wallander, der nur allzu gerne von der Presse herangezogen wird, muss Marthaler respektive Jan Seghers eigentlich nicht antreten. Der Protagonist ist ein eigenständiger Typ, sympathisch, wenn auch in zwischenmenschlichen Dingen zuweilen etwas unbeholfen, was die Beziehung zu seiner tschechischen Freundin Tereza offenbart. Auch alle anderen Figuren aus seinem Team, mit Ausnahme der neuen Chefin, sind realistisch und nachvollziehbar gezeichnet.

Jan Seghers Auseinandersetzung mit der Naziherrschaft in Deutschland erscheint etwas weniger intensiv als es zum Beispiel in Krystyna Kuhns Roman Wintermörder, der ebenfalls zum großen Teil in Frankfurt spielt. Obwohl in Partitur des Todes im Grunde genommen viel Bezug auf die Zeit im Konzentrationslager Auschwitz genommen wird, trifft die Geschichte eigentlich erst am Ende den Nerv, dafür stehen vorher die Ermittlungen der Polizei zu sehr im Vordergrund. Eine Tatsache, die man neutral bewerten sollte, es sei denn, der Autor habe etwas anderes beabsichtigt. Als eine Art Nebenhandlung gibt sie der Geschichte dennoch einen Nachhall, der nach dem Zuklappen des Buches eigentlich mehr wirkt, als während der Lektüre. Ob die Auflösung realistisch ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt.

Nicht nur Leser aus Rhein-Main können sich an den Beschreibungen der Schauplätze erfreuen. Der Autor findet dabei genau den richtigen Mittelweg, um Detailtreue zu garantieren und andererseits nicht zu einem einfach Regio-Krimi zu verkommen. Wie bisher auch sprachlich ausgefeilt, nie übertrieben und sehr gut lesbar bietet Jan Seghers mit seinem dritten Krimi gute Unterhaltung auf hohem Niveau, wenn auch nicht ganz ohne Kritikpunkte. Ein kritischer Rezensent findet fast immer ein kleines Haar in der Suppe, so wie hier, dass die Story an manchen Punkten etwas schneller vorangetrieben werden könnte. Dennoch gibt es eine uneingeschränkte Empfehlung für die Fortsetzung der Serie um den Frankfurter Hauptkommissar Robert Marthaler, von dem man in dieser Qualität auf jeden Fall mehr lesen möchte.

Sabine Reiss, August 2008

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helene zu »Jan Seghers: Partitur des Todes« 05.02.2012
Kurz und knapp:
Die Figur des Kommissars Marthaler finde ich nach wie vor langweilig.
Die Handlung ist sprunghaft und die einzelnen Handlungsstränge laufen ins Leere.
Der Autor verbrät ein Klischee nach dem anderen - besonders ärgerlich, wie er Monsieur Hofmann, alias Georg Hofmann darstellt: er war Besitzer eines Revuetheaters und trägt einen Strohhut - vive la France! Auch die Beschreibung des Monsieur Hofmann zu seiner Lebensgefährtin ist wenig originell und ich werde das Gefühl nicht los, dass der Autor hier irgendwo abgekupfert hat.Und ein solches Thema wie Auschwitz und die dortigen medizinischen Experimente in eine solch zusammengestückelte Handlung einzubinden empört mich geradezu.Nach diesem Krimi von J.Seghers ist mir klar: auch wenn die Figur des Langeweilers Marthaler ausbaufähig ist (er wird ja jetzt Vater),dieser Autor wird es nicht schaffen, seinen Figuren etwas mehr Profil zu geben und in eine Handlung einzubauen, die den Leser durchgehend fesselt, nicht nur punktuell. Er sollte die Finger von diesem Genre lassen - ich jedenfalls lasse die Finger von seinen Krimis.
RiaKlug zu »Jan Seghers: Partitur des Todes« 16.12.2011
Zwar las ich das Buch schon vor längerer Zeit, aber mir sind noch ein paar Dinge im Gedächtnis geblieben, weil sie bleibenden Eindruck hinterließen.
Die Story ist durchaus gut und vielschichtig angelegt, dünnt sich jedoch leider über die 477 Seiten allzusehr aus.
Für meinen Geschmack walzt Seghers einige Nebenhandlungen über Gebühr aus. Das verlangsamt das Tempo und nimmt von der Spannung weg.
Daneben störten mich einige Dialoge: Wo sich die Polizisten über frühere Fälle unterhalten, tun sie es so, dass die Leserin alle Infos geliefert bekommt. Aber würden sie sich in Wirklichkeit gegenseitig mit Details langweilen, die sie doch alle sattsam kennen? An dieser Stelle waren der Autor und sein Mitteilungsbedürftnis leider viel zu sichtbar.
Ansonsten: Gute Unterhaltung, wenn man Geduld aufbringt.
Kblitz zu »Jan Seghers: Partitur des Todes« 27.02.2011
Habe alle vier Bücher des Autors gelesen. auch dieses Buch ist spannend mit detaillierter Kriminalarbeit, wenn man das mag. Mir ist der Hauptkommisar als Figur sehr sympatisch.
Das Thema ist mal aus einer anderen Sicht interessant verarbeitet.
Auch wenn man Mitte des Buches ahnen kann, was hinter den Morden steckt, bleibt die Spannung bis zum Schluss
Toyota zu »Jan Seghers: Partitur des Todes« 27.05.2010
Dieses Buch hat ein sehr heikles Thema aufgegriffen, war aber sehr spannend geschrieben und hat wieder mal sehr deutlich klar gemacht, das einen die Vergangenheit immer wieder einholt, egal wie lange diese schon her ist und das am Schluss alles ganz anders ist, als am Anfang geglaubt. Ich bin jetzt schon auf den nächsten Teil von Seghers gespannt.
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Dr.Dieter Rohnfelder zu »Jan Seghers: Partitur des Todes« 16.05.2010
Ich bin erst sehr spät zur Lektüre gekommen und bin begeistert. So spannend schreibt kein anderer deutscher Autor! Die Story ist im Wesentlichen stimmig, die Lösung eine überzeugende Mischung aus Kriminaltechnik, "Beinarbeit", Intuition und Zufall. Warum der Mörder all 5 Gäste des Restaurantschiffs getötet hat, wird durchaus deutlich. Nicht deutlich genug werden mir die Motive für den "Alleingang" des "Superbullen" Frantisek.
Die neue Kommissariatsleiterin ist wirklich eine Karikatur einer Karrierefrau, das "FDJ-Kennenlernspiel" allerdings zum Brüllen komisch. Die KZ-Problematik wird gut in die Handlung integriert. 88 Grad - weiter so!!
Catalina zu »Jan Seghers: Partitur des Todes« 02.11.2009
Ulli S ich muss Ihnen zustimmen, da habe ich bei weitem besseres gelesen. Den Freund den Tereza am Flughafen trifft fand ich total überflüssig, alles war zu Sprunghaft und die Lösungen zu schnell und zu einfach erklärt. Das Ende scheint doch noch spannend zu werden und dann ist es mit einmal vorbei. Ich glaube da ist die Luft draussen. Bin überrascht das viele hier so positiv berichten.
Conny66 zu »Jan Seghers: Partitur des Todes« 10.08.2009
Das war mein dritter Roman mit Hauptkommissar Marthaler, und ich muss sagen, dass ich ihn und seine Kollegen schon lieb gewonnen habe. Auch wenn immer mal der ein oder andere Kommissar kommt und geht.

Die Erzählung war in drei größere Teile aufgeteilt, wobei der erste in Paris gespielt hat. Beim zweiten Teil war man dann schon in Frankfurt beim Mord und den Ermittlungen; und der dritte Teil hat ebenfalls von den Ermittlungen gehandelt, wobei auch die Thematik „Auschwitz“ und „Juden“ behandelt wurde.

Der Roman hat sich sehr schön und flüssig lesen lassen. Ich hatte immer das Gefühl mitten im Geschehen und bei den Ermittlungen dabei zu sein.
Die Spannung hat sich auf einem gleichmäßig hohen Niveau gehalten. Gegen Ende hat sich allerdings die Dramatik rapide gesteigert, sodass ich unwillkürlich auch schneller gelesen habe.
Der Showdown hat in einem Kugelhagel geendet. Die Geschichte um Kommissar Marthaler hat dann aber noch mit einem ruhigen Ende aufgehört.

Das Thema Auschwitz und die Menschenversuche wird mich allerdings noch eine Weile beschäftigen.

Auf den vierten Teil mit Kommissar Marthaler und seinem Team von Jan Seghers (Die Akte Rosenherz), der am 16. Januar 2010 erscheint, bin ich schon sehr gespannt!

Ich gebe der „Partitur des Todes“ 5 von 5 Sternen.
Schrodo zu »Jan Seghers: Partitur des Todes« 14.02.2009
Mehrfache Morde auf einem Restaurantschiff muß, der Held der Geschichte, Robert Marthaler diesmal aufklären. Der Hintergrund des Buches begibt sich in die Zeit des Nationalsozialismus. Eine unbekannte Operette von Offenbach taucht unvermutet auf, damit beginnt die Story.
Herr Seghers hat einen tollen Krimi geschrieben bei dem es an nichts fehlt. Spannung ist reichlich vorhanden. Es werden mehrere Handlungsstränge am Ende gut miteinander verknüpft. Wenn auch das Ende etwas zu schnell kommt und für meine Begriffe zu kurz ist, so kann man dieses Buch jederzeit weiterempfehlen.
Juergen zu »Jan Seghers: Partitur des Todes« 06.02.2009
Wenn es noch nicht so früh im Jahr wäre, ließe ich mich glatt zum Urteil "Krimi des Jahres" hinreißen: Jan Seghers dritter Roman um den Frankfurter Hauptkommissar Robert Marthaler ist nämlich ein Ereignis!

Hier stimmt einfach alles: Eine ausgeklügelte Story, in der mehrere Stränge im Lauf der Geschichte zusammenlaufen. Ein Kommissar, der nicht "Everybodies Darling" ist und dem Leser vielleicht darum so sympathisch wird. Und ein eindringlich geschildertes Stück Vergangenheitsschuld - das Ganze in einem Stil, der den Leser nicht nur von den ersten Seiten an begeistert, sondern auch so packt, das man möglichst nur dann mit dem lesen beginnen sollte, wenn man weiß, das am nächsten Morgen kein Wecker klingelt -- denn "Partitur des Todes" verspricht schlaflose Nächte!

Die Geschichte beginnt mit einem Arte-Interview in Paris. Der alte Georges Hofmann betrieb dort über Jahrzehnte einen kleinen Tingel-Tangel, ist so etwas wie ein Original. Er soll etwas über sein Leben berichten und erzählt erstmals von seinem Schicksal. Als Kind musste er mit ansehen, wie seine Eltern aus Frankfurt verschleppt wurden und ins KZ kamen, er selbst wurde über die französische Grenze geschmuggelt. Sein Geburtsland hat er seitdem nie mehr besucht.
Nach der Sendung bekommt er einen geheimnisvollen Umschlag zugespielt, der eine wertvolle Partitur von Jaques Offenbach enthält. Gegen seinen Willen reist die Redakteurin der Arte-Sendung nach Frankfurt, um mehr über diese Partitur zu erfahren, sie eventuell auch für Hofmann zu verkaufen.
Am selben Tag werden dort auf einem Restaurantschiff fünf Menschen brutal hingerichtet.
Robert Marthaler und sein Team stehen fassungslos vor diesem kaltblütigen Verbrechen und finden lange Zeit kein Motiv für die Tat.
Gleichzeitig ahnt Georges Hofmann, das er sich nun den Schatten der Vergangenheit am Ort des Geschehens stellen muss...

Und Robert Marthaler? Ihn plagen private Sorgen. Seine Liebe zu Tereza steht vor einer schwierigen Zerreißprobe und erneut macht er sich mit seinen eigenwilligen Ermittlungsmethoden in seinem Team nicht nur Freunde...

"Partitur des Todes" macht den Leser wirklich zum Seitenfresser. Mit jedem Kapitel wächst die Spannung und so kann man das Buch wirklich kaum zur Seite legen.
Alle, die Freude an genau geschilderten, lebendigen Charakteren haben, werden hier auf ihre Kosten kommen!

Und Jan Seghers gebührt ein Platz in der ersten deutschen Krimi-Liga, die man ja mit Fug und Recht derzeit als meisterhaft bezeichnen kann.
Leo81 zu »Jan Seghers: Partitur des Todes« 16.11.2008
Leider habe ich die ersten beiden Bücher von ihm NOCH nicht gelesen... Das Buch "Partitur des Todes" hat mir sehr gut gefallen. Eine Geschichte mit Verwickelungen und Hintergründen, die das Buch spannend und interessant machen. Das Ende war allerdings ziemlich einfallslos.
Irgendwie ist wohl dem Autor nichts bessers Eingefallen...
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