Trügerische Feste von Jan Eik

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei berlin.krimi.verlag.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1701 - 1800.

  • Berlin: berlin.krimi.verlag, 2006. ISBN: 978-3898095051. 255 Seiten.

'Trügerische Feste' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Nun endlich hat es der »Schiefe Fritz« geschafft – er wird als Friedrich I. zum König in Preußen gekrönt. Und das soll mit einem großen Fest gefeiert werden, um der Welt zu zeigen, wie prächtig Berlin ist. Doch die Pracht ist nur Fassade, unter der Oberfläche gärt es mächtig, an Raub- und sonstigen Morden herrscht kein Mangel. Wer aber steckt dahinter? Soll der brutale Überfall auf den Juden Veithel Loeb vielleicht nur ein spektakuläreres Verbrechen vertuschen? Wieder eine knifflige Aufgabe für den Barbier und Chirurgen Christian Fahrenholtz.

Das meint Krimi-Couch.de: »Langsam und recht schwerfällig in Preußen« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Berlin, 1701: Friedrich I., genannt der »Schiefe Fritz«, wurde als einziger Nachfahre des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm zum König von Preußen gekrönt. Sein neues Königreich will er von Berlin aus regieren und die Vorbereitungen auf seinen triumphalen Einzug laufen auf Hochtouren, während seine Frau Sophie Charlotte sich derweil in Lietzenburg vergnügt. Auch sonst hat sich am Hof einiges verändert, denn der ungeliebte und knausige Danckelmann wurde durch den Reichsgrafen Kolbe von Wartenberg ersetzt, der gleichzeitig zum Premierminister ernannt wurde und nunmehr für die Finanzen des Königs und dessen Gefolge verantwortlich zeichnet. Die höfischen Intrigen und Ränkespiele hingegen sind weitgehend die alten geblieben.

Während die ganze Stadt dem Einzug seiner Majestät entgegen fiebert, hat der neunzehnjährige Jakob Fahrenholtz ganz andere Probleme. Er versucht schon seit geraumer Zeit bei der hübschen Hugenottin Florine zu landen, doch mehr als der gemeinsame allabendliche Plausch in französischer Sprache ist bisher noch nicht geschehen. Bei der Rückkehr von einem seiner späten Ausflüge stolpert er in dem Garten des jüdischen Geldverleihers Veitel Loeb über eine Leiche. Völlig verunsichert schleicht er weiter nach Hause und will die Geschichte erst einmal für sich behalten. Am nächsten Morgen ist die Leiche verschwunden.

Wenige Tage später rufen einige Fischer Jakobs Onkel, den Chirurg Christian Fahrenholtz um Hilfe, da sie aus der Spree eine männliche Leiche geborgen haben, doch offensichtlich ist der Tote nicht ertrunken. Christian und Jakob versuchen unauffällig Informationen zu sammeln, um den geheimnisvollen Mord zu lösen. Dabei kommen sie nicht nur einer Räuberbande auf die Spur, sondern treffen auch auf alte Bekannte …

Die schwarze Dorothea – zwölf Jahre später …

Achtung! Trügerische Feste ist zwar ein eigenständiger Roman, nimmt jedoch inhaltlich sehr starke Bezüge zu dem rund zwölf Jahre zuvor spielenden Buch Die schwarze Dorothea. Dieses sollte man unbedingt vorab gelesen haben, da einem dann die Beziehungsgeflechte der einzelnen Personen sowie einige Handlungsstränge wesentlich besser verständlich sind.

In Trügerische Feste entführt uns Autor Jan Eik einmal mehr in eine höchst spannende Zeit rund um den ersten Preußenkönig Friedrich I. Geschickt werden dabei die historischen Begebenheiten und Personen (Friedrich I., Sophie Charlotte, Kolbe von Wartenberg u. a.) mit dem fiktiven Krimiplot und den dazugehörigen erfundenen Figuren vermengt. Die Perspektive wechselt also ständig zwischen Krimiplot und Geschichtsschreibung, wobei die beiden Erzählstränge sich zunächst nur hier und da berühren. Zum Finale werden dann die Zusammenhänge zwischen dem Mord an dem unbekannten Mann und den höfischen Intrigen aufgelöst.

Der historische Teil des Romans nimmt reichlich viel Platz in Anspruch und so dauert es ziemlich lange bis denn der Krimi als solcher mal so ganz allmählich in die Gänge kommt. Allerdings nur auf kleiner Flamme, denn Christian soll sich auf Wunsch seiner Frau Henriette aus der Angelegenheit heraushalten, landete er doch damals bei seinen Ermittlungen (Die schwarze Dorothea) schon einmal schuldlos im Gefängnis.

»Er stinkt so furchtbar, als hätte er sich noch nie in seinem Leben gewaschen! Dabei wusch sich in dieser Stadt kaum jemand. Allenfalls rieb man sich trocken ab und puderte kräftig nach. Heißes Wasser dagegen, so nahm man an, öffne die Poren und begünstige so das Eindringen von ungesunden Luftschwaden, was wiederum die Organe schwäche.«

Die letzten Jahre sind an Christian Fahrenholtz nicht spurlos vorüber gegangen. Seine mageren Einkünfte bestreitet er nach wie vor als Barbier, Wundarzt und Chirurg, ist mittlerweile mit Henriette verheiratet und hat zwei Töchter. Zudem hat er seinen Neffen Jakob bei sich aufgenommen, nachdem dessen Vater Niklas aufgrund der damaligen Vorfälle von der Bildfläche verschwand. Gemeinsam ermitteln Onkel und Neffe recht zurückhaltend und versuchen die Puzzlestücke zusammen zu setzen. Leider gerät jedoch dieser für einen Krimi nicht unwichtige Aspekt ein wenig zu sehr in den Hintergrund. Statt Tempo, Action (gut, die wäre hier auch fehl am Platz) und detektivischer Arbeit setzt Jan Eik seinen Schwerpunkt lieber auf historische Atmosphäre und gibt interessante Einblicke auf das Leben am Hofe. Hierbei liegt das Hauptaugenmerk auf den aktuellen »innenpolitischen« Verhältnissen, besser gesagt den alltäglichen Kabalen und Ränkespielen. Zu guter Letzt gibt es ein Wiedersehen mit Wendelin Lonicer und Matthes von Retzlow.

Etwas mehr Tempo und Detektivarbeit hätte dem Roman gut getan

Trügerische Feste glänzt mit denselben Stärken wie sein Vorgänger, ist aber insgesamt für einen Krimi zu ruhig geraten. Langsam und recht schwerfällig entwickelt sich der Krimiplot, um dann immer wieder in den Hintergrund zu treten und bei der Auflösung macht es sich der Autor leider erneut recht einfach.

Wer sich für historische Kriminalromane und/oder für das Thema Preußen interessiert, kann (muss) hier blind zugreifen. Bleibt abermals festzuhalten, dass man trotz der genannten Schwachstellen gleichwohl mit Spannung auf die nächste Fortsetzung warten darf.

Jörg Kijanski, Februar 2007

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tassieteufel zu »Jan Eik: Trügerische Feste« 10.07.2009
Berlin 1701, der schiefe Fritz hat es endlich geschafft und wird zum ersten König Preußens gekrönt, aus diesem Anlaß soll ein großes Fest gefeiert werden und die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Christian Fahrenholtz, seines Zeichens Barbier und Chirurg hat ganz andere Probleme, die Steuern fressen ihn auf und er hat sich um seinen Neffen Jakob zu kümmern, der als Lehrling bei ihm lebt u. seine amurösen Avancen gleich auf mehrere weibliche Wesen verteilt. Außerdem scheint das Auffinden von Leichen in der Familie zu liegen, denn diesmal ist es Jakob der auf dem nächtlichen Heimweg unter recht mysteriösen Umständen einen Leiche findet.
Obwohl der Krimifall eigenständig ist, sollte man doch vorher zum besseren Verständnis den anderen Teil gelesen haben, da auch dieses Buch nur ca. 250 Seiten hat, wird auf die verzwickten Verwicklungen aus der schwarzen Dortothea nur recht knapp eingegangen.
Wieder wird viel historisches Hintergrundwissen vermittelt und das auf eine ziemlich unterhaltsame Weise, zum Teil ist das Intrigenspiel wer gegen wen und mit wem schon ziemlich bizarr und verworren, die Einblicke in das höfische Leben sind aber auf jeden Fall interessant.
War im Vorgänger noch eindeutig Christian die Hauptfigur, so steht diesmal sein liebestoller Neffe Jakob im Vordergrund, der recht erfolglos zwischen 3 Frauen hängt und der eindeutig der Sympathieträger des Buches ist. Ein Widersehen gibt es auch mit diversen anderen Figuren aus dem Vorgänger, wie dem Hausvogt Lonicer, dem recht undurchsichtigen Retzlow und dem Diener Michel alias Julius.
Als ganz besonders witzig empfand ich die Passagen in der Gaunersprache, die das i Tüpfelchen auf dem Ganzen waren. Letztendlich werden mit der Auflösung des Falles auch noch die losen Ende vom ersten Teil verknüpft.

Fazit: viel historisches Flair und Berliner Lokalkolorit und facettenreiche Figuren bescheren
ein kurzweiliges Lesevergnügen.
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