Finale in Key West von James W. Hall

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1991 unter dem Titel Bones of coral, deutsche Ausgabe erstmals 1992 bei Hoffmann & Campe.
Ort & Zeit der Handlung: USA / Florida / Miami, 1990 - 2009.

  • New York: Knopf, 1991 unter dem Titel Bones of coral. 307 Seiten.
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 1992. Übersetzt von Benjamin Schwarz. ISBN: 3-455-02558-7. 375 Seiten.

'Finale in Key West' ist erschienen als Taschenbuch

Das meint Krimi-Couch.de: »Gekonnte Unterhaltung von einem unterschätzten Autor« 89°Treffer

Krimi-Rezension von Ines Dietzsch

Das Leben des Rettungssanitäters Shaw Chandler gerät aus den Fugen, als er bei einem Einsatz in Miami zu einem vermeintlichen Selbstmordopfer gerufen wird. Schockiert erkennt Shaw in dem Toten seinen Vater Hanson Chandler, der vor über zwanzig Jahren die Familie nach dem Geständnis zweier Morde verließ, als Shaw noch ein Junge war. Eine Nacht später finden Shaw und seine Kollegen die Lebensgefährtin seines Vaters erhängt im brennenden Haus. Shaw bezweifelt den Doppelselbstmord und macht sich auf zu den Keys, um in der alten Heimat den letzten Spuren seines Vaters zu folgen. Auch Trula Montoya, Shaws Jugendliebe ist nach Key West zurückgekehrt. Der Soap-Star musste die viel versprechende New Yorker Schauspielkarriere wegen ihrer Erkrankung an Multipler Sklerose an den Nagel hängen und spürt dem Rätsel nach, warum in ihrer Heimat diese Krankheit so häufig auftritt. Gemeinsam ergründen Shaw und Trula unheilvolle Zusammenhänge und stoßen auf todbringende Geheimnisse aus der Vergangenheit.

Die Fronten sind von Anfang an geklärt. Der Leser erkennt sofort, wer die Guten und wer die Bösen sind. Die zentrale Frage des Romans ist die Aufklärung übelster Machenschaften und die Verstrickungen der Familien Chandler und Montoya in die finstere Geschichte um Macht und Geld. Wird es dem sich vorsichtig annähernden Paar gelingen mit der Vergangenheit abzuschließen und neu zu beginnen?

»Soll ich an den beiden Selbstmord begehen?«

Finale in Key West ist eine Geschichte, bei der man sich von der ersten Zeile an wohl fühlt. James W. Hall erzählt eine von leichter Hand geschriebene, perfekt durchdachte Story ohne unnötige Längen mit einem kontinuierlichen Spannungsaufbau bis zum atemberaubenden Showdown in einer Müllverbrennungsanlage. Der Roman zeichnet sich durch seine lebendige Handlung und lebendige Sprache der Protagonisten aus. Der Autor charakterisiert seine Darsteller großartig und der Leser trifft auf höchst originelle Individualisten wie den geistig zurückgebliebenen Dougie, der versucht seinem herrischen Vater und einstigem Leiter des Marine-Stützpunktes auf Key West, Liebe und Dankbarkeit abzuringen, in dem er für ihn Leute aus dem Weg schafft und es wie Selbstmord aussehen lässt. Der irre Killer hat einen Reim-Tick und bringt seinem Vogel Sätze wie »Pitsch-patsch, Popoklatsch«, »Toller Witz, Limonenschnitz« oder »Irre-kirre, Pimmel-Himmel« bei. Er findet sein weibliches Pendant in Elmira, mit der er sich auf einer seiner mörderischen Reisen verheiratet. Elmira kann bei Dougie ihre sexuellen Obsessionen ausleben, denn Dougie empfindet keinen Schmerz.

Die guten alten Zeilen

Finale in Key West ist bis in die kleinste Nebenfigur, und derer sind es nicht wenige, grandios komponiert. Ein sprechender Papagei, ein Delfin, ein Hai, Pelikane und ein paar Meeräschen treten in kleineren oder größeren Rollen dieser spannungsreichen Inszenierung auf. Die leidenschaftliche Liebesgeschichte fügt sich unaufdringlich in die Handlung ein und rundet das Bild ab.

Es ist jammerschade, dass dieser ausgezeichnete Autor auf der deutschen Verlagskarte ausradiert wurde und seine Übersetzungen nur noch antiquarisch erhältlich sind.

Ines Dietzsch, Januar 2009

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Bio-Fan zu »James W. Hall: Finale in Key West« 01.02.2009
Florida, Key West, das verbinden die meisten mit Sonne, Strand, Palmen, die blau-grüne See - the Sunnshine-State. James Hall zeigt uns die andere Seite des vermeintlichen Urlaubsparadieses mit Mülldeponien und Umweltgiften, mit Navy-Laboren und Feldversuchen sprich mit Krankheit und Tod. Eine düstere Welt, auf die man nicht so gerne schaut, doch ist sie mehr ein Teil der Realität als die "heile" Welt, die uns ein Reiseprospekt vorgaukelt.
"Finale in Key West" erzählt über einen Lebensabschnitt vom TV-Star Trula und dem Sanitäter Shaw. Beider Alltag wird durch gravierende Ereignisse (Krankheit und Tod) in völlig andere Bahnen gelenkt. Skrupellose Geldmacher bereichern sich auf Kosten der Allgemeinheit - ein Thema, immer aktuell, heutzutage brisant.
Man merkt, daß Hall ein Autor der "Alten Schule" ist. So stehen nicht action und explizite Gewaltdarstellungen im Vordergrund, obwohl die "Bösen" keineswegs zimperlich zur Sache gehen. "Sohnemann" Dougie ist ein Psychopath reinsten Wassers. Halls Augenmerk liegt vielmehr auf eine intensive authentische Atmosphäre, auf ausgefeilte, meist skurile Charaktere und nicht zuletzt auf einer kritischen Distanz zum American Way of Life. Einige Textpassagen lassen die Vermutung aufkommen, daß Halls nonkonforme Haltung vom Geist der Hippie -Bewegung aus den 1960er Jahren geprägt ist.
Ja, die "guten alten Zeiten" , da gebe ich der Rezensentin recht, deshalb ist "Finale in Key West" eher was für Nostalgiker oder für alle, die neben Krimispannung, auch an gesellschaftskritischen Untertönen interessiert sind.

85 Grad von mir
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