Dunkles Verhängnis von James Sallis

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 unter dem Titel Salt river, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1990 - 2009.

  • New York: Walker, 2007 unter dem Titel Salt river. 146 Seiten.
  • München: Heyne, 2011. Übersetzt von Jürgen Bürger. ISBN: 978-3-453-43412-7. 240 Seiten.

'Dunkles Verhängnis' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Zwei Jahre sind vergangen, seit Turners große Liebe Val vor dessen Augen erschossen wurde. Seine Trauer findet ein jähes Ende, als ein alter Freund auftaucht – er steht unter Mordverdacht, und Turner muss noch ein letztes Mal ermitteln.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Tage sind licht und voller Schmerz« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Das Ende der Trilogie um den Kleinstadt-Cop, ehemaligen Gefängnisinsassen und Ex-Therapeuten Jim Turner. Wieder ein Roman, in dem Verbrechen vorkommen, es Tote zu beklagen gibt und Turner ermittelt. Doch steht die polizeiliche Arbeit nicht Im Mittelpunkt, es gibt keine übertriebenen Gewaltausbrüche und auch die Frage »Whodunit?« spielt kaum eine Rolle. Verbrechen passieren, wie ihre Aufklärung passiert, wie das Leben passiert und das Sterben. Nicht zwangsläufig, nicht zufällig; es gibt immer Ursachen, Wirkungen und Entscheidungen die beides beeinflussen. Meistens. Wichtig ist wie die Betroffenen damit umgehen.

James Sallis breitet einmal mehr ein ganz großes Tableau im Kleinen aus: die intime und innige Beschäftigung mit Leben und Tod, Freundschaft und Verlust; was Vergangenheit ausmacht, die Entwicklungen und vor allem Veränderungen, die daraus Gegenwart entstehen lassen und vorsichtig ihre Fühler Richtung Zukunft ausfahren. Sein Jim Turner ist der richtige Wegbegleiterr dafür: abgeklärt und doch zutiefst involviert, lässt er seinen Blick schweifen über Menschen, Taten und Topographien. Er braucht dafür keine großen Worte, keine formalen Exzesse, nicht das himmelschreiende Pathos, das den Ausnahmezustand ausruft, der Leben heißt.

Stattdessen wählt er einen sanften, poetischen Fluss von Worten, freundlich und doch jederzeit beseelt vom Wissen um die tiefe Dunkelheit, die uns umgibt. Schicksale in wenigen Worten umrissen, in Andeutungen endend.

Doch unter der ruhigen Oberfläche brodelt es beständig; Erschütterungen durch den Tod geliebter Menschen und die Erinnerung daran, Begebenheiten und Taten, die selbst die Biographien und Beziehungen in sich ruhender Menschen jederzeit durcheinander wirbeln können. Nichts Spektakuläres; nur das Leben, mit all seinem Schmerz und seinen Momenten der Freude, mit den Mustern, die man so gerne entschlüsseln möchte, und die sich so oft wiederholen und doch immer Herausforderung bleiben.

James Sallis schreibt Literatur, der exponierte Aufgeregtheit und Aufregung fremd ist; fernab von Explosionen, Sensationen, brutalen Morden und wilden Fluchten entsteht ein ganz eigener literarischer Kosmos, dem Innehalten genauso wichtig ist wie Fortbewegung; in dem das Sein alle Kraft aufwendet, sich dem Nichts entgegen zu stellen. So beiläufig wie spannend examinieren seine Protagonisten, welchen Platz sie in der Welt einnehmen und die Welt in ihnen. Empathie. Erkenntnis. Ende.

»Ich weine, weil die Welt so schön ist.«
Das sollten wir alle tun.

Jochen König, Juli 2011

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