Wenn er fällt, dann stirbt er von James Patterson

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2002 unter dem Titel The Beach House, deutsche Ausgabe erstmals 2004 bei Ehrenwirth.
Ort & Zeit der Handlung: USA, 1990 - 2009.

  • Boston: Little, Brown and Co., 2002 unter dem Titel The Beach House. 358 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Ehrenwirth, 2004. Übersetzt von Edda Petri. ISBN: 3-431-03067-X. 300 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2005. Übersetzt von Edda Petri. ISBN: 3-404-15368-5. 303 Seiten.
  • Bergisch Gladbach: Bastei Lübbe, 2008. Übersetzt von Edda Petri. ISBN: 978-3-404-26772-9. 303 Seiten.

'Wenn er fällt, dann stirbt er' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Jack Mullen studiert Jura an der Columbia University. Eines Tages ereilt ihn die schreckliche Nachricht vom Tode seines jüngeren Bruders Peter. Dieser ist angeblich bei East Hampton im Meer ertrunken. Schon diese Behauptung reicht aus, um in Jack Zweifel aufkommen zu lassen. Die Brüder sind am Wasser aufgewachsen, kennen jede Strömung und die Gezeiten genau. Das kann kein Unfall gewesen sein – jemand muss Peters Tod gewaltsam herbeigeführt haben. Jack versucht, die Polizei zu befragen, doch niemand will ihm Auskunft erteilen. Als sich Jack schließlich auf die Spuren seines Bruders begibt, um herauszufinden, was er in seinen letzten Tagen und Stunden getan hat, steht er plötzlich vor einer Mauer aus Anwälten, Polizisten und bezahlten Gorillas, die allesamt die Reichen und Mächtigen New Yorks von der Außenwelt abschirmen. Was hatte Peter mit diesen Leuten zu tun? Jack wittert ein Komplott. Doch wer steckt dahinter? Die Spur führt Jack in die Welt des Glamours, und bald versteht er, dass Peter, um sich Geld zu verdienen, nicht nur Autos geparkt hat, wenn die High Society sich die Ehre gab. Er bestritt seinen Lebensunterhalt größtenteils damit, die teilweise recht ausgefallenen sexuellen Vorlieben dieser Männer und Frauen zu befriedigen. Peter besaß dadurch ein gefährliches Wissen über High-Society-Interna und konnte der Verlockung, das zu seinem Vorteil zu nutzen, offensichtlich nicht widerstehen. Peter hatte unterschätzt, wie weit die Tentakel der Macht reichen können. Jack bleibt jetzt nur eines: Er muss die Reichen in ihrem eigenen Spiel schlagen, wenn er für seinen Bruder Gerechtigkeit will …

Das meint Krimi-Couch.de: »Pattersons Antwort auf Grisham«

Krimi-Rezension von Michael Matzer

Ein junger Mann wird auf dem Grundstück eines New Yorker Industriemagnaten auf Long Island zusammengeschlagen und ins Wasser des Atlantiks geworfen. Weil die Täter kommen ungeschoren davonkommen, nimmt der Bruder des Opfers das Gesetz in die eigene Hand, allerdings nicht mit einer Winchester oder Uzi, sondern mit den Mitteln Justitias.

Peter »Rabbit« Mullen wird eines Morgens tot am Strand eines exklusiven Grundstücks auf Long Island gefunden. Die korrupte Polizei sagt, er sei ertrunken oder habe Selbstmord begangen. Doch Peters Familie ist überzeugt, dass er dazu nie fähig gewesen wäre: Es muss Mord gewesen sein. Und as belegt auch der Befund der Gerichtsmedizinerin.

Der Mord soll von einem mächtigen Mann vertuscht werden

Für Peters Bruder Jack, ein Anwaltspraktikant und Student der Rechte, ist klar: Der Mord soll von einem mächtigen Mann vertuscht werden. Barry Neubauer ist ein Spielwarenfabrikant, der als Multimillardär rauschende Feste in seinem feudalen »Strandhaus« auf Long Island zu geben pflegte. Peter Mullen half dabei stets aus, indem er die edlen Karossen der Reichen und Schönen einparkte und ein nettes Trinkgeld kassierte. Sein Bruder Jack ist seit einem Jahr mit Neubauers Tochter Dana liiert.

Dies alles ändert sich mit Peters Tod. Jacks Bemühen, den Mord als solchen aufzudecken, führt ihn schnurstracks in die Katastrophe: Job weg, Freundin weg, Vater an Herzinfarkt verstorben, Freunde von Unbekannten bedroht, die Gerichtsmedizinerin eingeschüchtert und umgedreht – die Wahrheit bleibt unterm Teppich.

Jede Veränderung ist auch eine Chance

Doch bei solch radikalem Wandel kommt es darauf an, was man daraus macht, denn jede Veränderung ist auch eine Chance. Jack gewinnt in Pauline eine neue Freundin, die ihm zu einem neuen Job verhilft und dabei unterstützt, sein Studium als drittbester seines Jahrgangs abzuschließen.

Die Gelegenheit, mit den Neubauers und ihren brutalen Clique abzurechnen ergibt sich endlich (ab Seite 240) als Jack per Zufall mitten in New York City den totgeglaubten Freund von Peter sieht: Sammy Giamalva war Peters Komplize, wenn dieser die Schönen und Reichen (auch Neubauer selbst) sexuell verwöhnte. Und Sammy machte dabei viele, viele Fotos …

O.J. Simpons Prozess Anlass dieses Buches?

Der direkte Anlass, dieses Buch zu schreiben, könnten die Prozesse um O.J. Simpson und ähnliche Berühmtheiten sein. Dass Simpson teilweise freigesprochen wurde (zumindest von der Mordanklage), empörte viele Amerikaner, die nun ihr Vertrauen in das Rechts- und Justizsystem ihrer Nation verloren. Es sah so aus, als hätten die Mächtigen das Recht gekauft und die Mittellosen würden vom Recht nicht mehr geschützt. Kurzum: Das Ende der Demokratie stand kurz bevor. Im Buch selbst wird direkt auf diese bedauerlichen Vorgänge verwiesen. Dass die Bush-Administration auch den Datenschutz abgeschafft hat (mit dem Patriot Act), dürfte zu einer weiteren Verunsicherung beigetragen haben.

Jack Mullen, der Ich-Erzähler über weite Strecken hinweg, nimmt das Gesetz, das er von der Pike auf gelernt hat, selbst in die Hand: Die letzten 100 Seiten bestehen aus einer nicht rechtmäßig einberufenen Gerichtsverhandlung, die im Fernsehen der Nation übertragen wird. Ich werde nicht verraten, wie der Prozess ausgeht, aber die Tatsache, dass eine solche Verhandlung nur außerhalb der legitimierten Gerichte stattfinden kann, spricht doch Bände.

Die Co-Autoren

Warum haben Patterson und de Jonge – wie schon einmal zuvor – auch an diesem Buch kollaboriert? Ich stelle mir vor, dass de Jonge, ein Journalist beim »New York Times Magazine« und anderen Publikationen, entweder schon ein fertiges Manuskript hatte, es aber zu lang war, oder die entsprechende Faktenrecherche für Pattersons Idee erledigte. Patterson ist ja nicht gerade bekannt dafür, die Schickeria von New York City aufs Korn zu nehmen. Wenn er schon konkret werden muss, dass lieber anhand von Dr. Alex Cross in Washington, D.C. Würde man jedoch »The Great Gatsby« auf Patterson-Format stutzen, so bliebe sicherlich nicht viel von diesem Meisterwerk übrig.

Speed-Reading

Ohne Pattersons Markenzeichen wäre aus diesem Roman nur ein weiterer Dutzendroman über Long Island geworden. Doch die superkurzen Kapitel verleihen der Story nicht nur Speed, sondern sorgen auch für einen spannenden Cliffhanger-Schluss nach dem anderen. Als Folge will der Leser natürlich wissen, wie es weitergeht und blättert schnell um. Die Prosa ist direkt und schnörkellos, ohne den Leser geistig oder sprachlich zu fordern. In nur einem Tag sind die 300 Seiten verschlungen. Spätestens.

Diese Technik macht das Buch nicht per se gleich interessanter: Die Machenschaften der Long-Island High Society kann man sich auch ohne Thrillerbeleuchtung ohne weitere Anstrengung gut vorstellen. Man denke nur an die beiden Kennedys in den Sechzigern und ihre Eskapaden. Tatsächlich sind vielmehr die Aktionen der Figuren auf der Seite Neubauer vs. Mullen als die Entwicklung der Figuren an sich, die das Buch unterhaltsam machen. Die Gerichtsverhandlung fördert ein schockierendes Detail der Wahrheit nach dem anderen ans Tageslicht.

Kein fundiertes Gesellschaftsporträt mit kritischem Ansatz

Der Roman will einfach nur kompetente Spannungsliteratur sein, nicht etwa fundiertes Gesellschaftsporträt mit kritischem Ansatz. Insofern befriedigt der Roman ein nicht spezifisch amerikanisches Bedürfnis und muss daher durch die Konzentration auf Long Island und New York City die amerikanischen Leser direkter ansprechen.

Eine Menge US-Mythen kommen ins Spiel: Freiheit des Unternehmertums, der Palast am Meer als Machtdemonstration, das Abenteuer verbotener Sexspiele als Symbol zu großer Freiheit, dicke deutsche Autos als Symbole von Reichtum und wirtschaftlicher Vereinnahmung durch die deutsche Autoindustrie. Zudem werden eine Menge Ressentiments wiedergekäut, die dem deutschen Leser mitunter sauer aufstoßen, so etwa der deutsche Ausdruck »obere Klassen« im englischen Text – das klingt, als würden die Autoren Karl Marx zitieren. Und das ist im Land des freien Unternehmertums natürlich verpönt.

Robin Hood mit anderem Namen

Jack Mullen ist eine Art Robin Hood oder Michael Kohlhaas, kämpft er doch gegen ein unfähig gewordenes System, das ihm keine Gerechtigkeit zu verschaffen vermag. Dies ist eine uramerikanische Haltung, denn die Kolonisatoren und Staatsgründer waren ja Rebellen gegen das als ungerecht empfundene Kolonialregime der britischen Krone. Die beiden Autoren, die Jack Mullen und seine Freunde erfunden haben, können eigentlich nicht anders, als ihn siegen zu lassen. Aber das sollte man möglichst selbst nachlesen.

Patterson ist bereits eine Klasse für sich

Es gibt gute Thriller, und es gibt Patterson. Er ist bereits eine Klasse für sich. Jeder Leser muss selbst entscheiden, ob ihm de Jonge/Pattersons windschnittiger Gesellschaftsthriller behagt, der auf das typische Speed-Reading-Format zurechtgestutzt wurde, sozusagen auf Drehbuchformat. Fürs Lesen sollte man nicht länger als einen Tag benötigen, sonst gilt man als langsam.

Weil es kaum eine psychologische Entwicklung gibt, entwickelt der Leser keine weitergehende emotionale Bindung zu den Hauptfiguren Mack, Jack und Peter Mullen. Folglich zählt allein die Story, nicht so sehr die Frage, ob Gerechtigkeit das Leben für die Mullens und ihre Freunde besser machen wird. Nach dem Ende des Schein-Prozesses ist denn auch schnell die Luft raus.

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Bio-Fan zu »James Patterson: Wenn er fällt, dann stirbt er« 22.05.2008
Wenn man das ganze als Kurzgeschichte ansieht, dann ist es ok.Kurzweilige Unterhaltung für ein paar Stunden. Aber Krimi? Gar Thriller? No thrill und die Spannung hielt sich m.E. in Grenzen. Alles ist von vorn hinein ganz offensichtlich, selbst das Ende ist wenig überraschend. So werden die meisten Szenen nur - in guter Pattersonscher Tradition- blitzlichtartig beleuchtet, wobei Patterson wirklich ein paar gute Einfälle hat.
Die Story spielt in der Welt der Superreichen in ihren Domizilen auf Long Island. wo sie abgeschirmt von der Öffentlichkeit ihren Gelüsten frönen können. Dabei kann es unliebsam gewordenen "Gästen" schon mal an den Kragen gehen.
Gesellschaftskritische Töne oder die Kritik am amerikanischen Rechtssystem werden nur sehr leise vorgetragen, als wenn Patterson und de Jonge bloß keinen wirklich aufschrecken wollten.
So fällt mir als Fazit das Wort: "halbherzig" ein -und zwar in allen Belangen. 75 Grad
Kerstin zu »James Patterson: Wenn er fällt, dann stirbt er« 21.04.2008
Geschickt eingefädelt, schlägt die Gerechtigkeit spät aber doch zu! Die Mullens müssen sich schon einiges einfallen lassen, um dem reichen Schnösel zu zeigen, dass man mit viel Geld allein nicht alles erkaufen kann – nach ein paar Rückschlägen zeigen sie ihm, wo der Hammer hängt und Jacks Bruder findet endlich Frieden!
Chris zu »James Patterson: Wenn er fällt, dann stirbt er« 26.06.2007
"Wenn Er Fällt, Dann Stirbt Er" gehört, nach meinem eigenem Empfinden, zu den besseren Büchern von J.P.

In diesem Buch passt einfach alles zusammen und man kann es einfach nicht aus der hand legen, da sich die Spannung auf einem sehr hohem Niveau befindet. Man fiebert richtig mit Jack mit und wünscht sich, dass er seinen Bruder rächen wird, aber bei einem gewissen Patterson weiß man ja nie, was auf den nächsten Seiten noch passieren kann. ;)

Dieses Buch würde ich jedem wärmstens empfehlen, der nich gerade auf geballte Action steht, sondern eher auf einen packenden und spannungsgeladen Thriller, denn dieser wird hier erstklassig präsentiert.
Dirk Wilde zu »James Patterson: Wenn er fällt, dann stirbt er« 02.10.2005
Ich habe mir das Buch gerade wegen Patterson gekauft und bin eher enttäuscht. Kein Tempo und kein durgehender Faden, sondern eher nur eine Beleuchtung der Charaktere und der Gesellschaft. Denkt man an die Cross Romane und ist deren Stil gewohnt, wird man enttäuscht sein.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Sarah zu »James Patterson: Wenn er fällt, dann stirbt er« 15.09.2005
Ich habe dieses Buch erst vor kurzem gelesen und habe es nur ungern zur Seite gelegt. Man kann sich sehr gut in die Situation von Jack Mullen hinein versetzen. Sehr aufregend und spannend geschrieben. Ich bin froh das ich dieses Buch gelesen und gekauft habe. Eindeutig eins der besten Bücher die Patterson bis jetzt je geschrieben hat. Unbedingt empfehlenswert.! Grüße alle James Patteerson Fans!
Andrea zu »James Patterson: Wenn er fällt, dann stirbt er« 14.02.2005
Man leidet mit Jack Mullen mit! Diese ergreifenden Höhen und Tiefen in diesem Buch sind fesselnd. Alles an diesem Buch ist empfehlenswert, ob es nun die Liebesgeschichte zwische Jack und Pauline ist oder die dramatische Familiengeschenisse. Klasse...bins nicht anders von Patterson gewöhnt.
K.-G.Beck-Ewe zu »James Patterson: Wenn er fällt, dann stirbt er« 27.08.2004
Rasant und ansprechend erzählt mit guten und pfiffigen Ideen in der Storyentwicklung und einigen wirklich neuen Momenten, was in einem so oft verwendeten Genre wie dem Kriminalroman nun wirklich eine Kunst darstellt. Sollte man gelesen haben.
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